E-Book, Deutsch, Band 2, 540 Seiten
Reihe: Shadow Warriors
England TAG DER ABRECHNUNG (Shadow Warriors 2)
überarbeitete Ausgabe
ISBN: 978-3-95835-500-2
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Thriller
E-Book, Deutsch, Band 2, 540 Seiten
Reihe: Shadow Warriors
ISBN: 978-3-95835-500-2
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
In seiner 'Shadow Warriors'-Reihe portraitiert Bestseller-Autor Stephen England den Kampf gegen den Terror auf schonungslos realistische Art, ohne dabei die Charaktere, Fragen der Moral und die psychologischen Folgen einer solchen Arbeit aus den Augen zu verlieren. Um seine Bücher mit dem größtmöglichen Maß an Realismus unterfüttern zu können, widmete er beinahe ein ganzes Jahrzehnt der umfangreichen Recherche über die Natur des Islams, den Mittleren Osten, Spionage und Anti-Terror-Einsätze. Ein Aufwand, der sich gelohnt hat, denn Autorenkollegen als auch begeisterte Leser halten seine Romane für 'die perfekten Spionage-Thriller über unsere chaotische Zeit - zynisch, und mit nur einer Handvoll tapferer Männer, die den modernen Barbaren die Stirn bieten wollen.'
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Kapitel 2
Die Vernehmung dauerte bereits seit anderthalb Stunden an, als Harrys taktisches Satellitentelefon, das nur wenige Zentimeter von seiner Hand entfernt auf dem Tisch lag, zu brummen begann.
»Ignorieren Sie das«, befahl Ellsworth herrisch, dem die Verärgerung über die Störung anzuhören war.
Harry ignorierte ihn lächelnd, griff nach dem TACSAT und klappte es auf. »Nichols hier.«
Es war kein privater Anruf, und während er zuhörte, verschwand das Lächeln aus Harrys Gesicht. »In Ordnung, Boss«, sagte er schließlich. »Ich bin in fünf Minuten da.«
Er steckte sich das Telefon in die Hosentasche seiner Jeans, stand auf und riss sich dabei achtlos die Elektroden von seinem Arm, während der Generalinspekteur ihn sprachlos anstarrte.
»Wir sind hier fertig.«
Da schien Ellsworth seine Stimme wiedergefunden zu haben und schnellte wie ein Springteufel von seinem Stuhl auf. »Ich würde sagen, das sind wir Setzen Sie sich wieder hin, Nichols.«
Harry drehte sich zu ihm um und blickte dem Bürokraten gelassen in die Augen. »Gerade wurde Code MAGI erklärt – es gab einen Mordanschlag auf das Leben des DCIA. Ich werde das Sicherheitspersonal anweisen, Sie wieder in Ihr Büro zu eskortieren, .«
»Warten Sie – ist los?«, rief Ellsworth, aber Harry antwortet ihm nicht. Er griff sich sein Hemd von dem Regal neben der Tür, trat an das Sicherheitsbedienfeld und tippte dort den Code ein, den er früher an diesem Morgen Ellsworth hatte eingeben sehen.
Und dann war er auf dem Gang, knöpfte sich sein Hemd zu und eilte zu den Treppen. Krisenmodus …
Der Morgen war kalt. Eine kühle Brise wehte, als er in die Wüste hinauslief und immer wieder einen flüchtigen Blick gen Horizont warf, als könne er gar nicht erwarten, dass die Sonne aufging.
Jack Richards zog sich seinen Stetson in die Stirn und schob die Hände tiefer in die Taschen seines Mantels. Er hatte schon kältere Tage erlebt. Der große Mann erinnerte sich noch gut an die Berge Afghanistans, die erbitterte Kälte dort. Den Schnee. Damals war er Sprengstoffexperte bei der Marine Force Recon gewesen.
»Danke, dass du gekommen bist«, bemerkte der Mann neben ihm, und er drehte seinen Kopf, um zu seinem Halbbruder hinunterzublicken. »Ich war nicht sicher, ob du kommen würdest.«
Jack, oder , wie ihn die meisten seiner Freunde nannten, quittierte den Kommentar mit einem wortlosen Nicken. Er war dafür bekannt, nur das Nötigste zu sprechen.
Und beinahe wäre er auch nicht hierhergekommen, aber es gab Bande, die stärker waren als Blut. »Wie ist Manny gestorben?«, fragte er und starrte auf das frische Grab hinunter. Ein kleines, schlichtes weißes Holzkreuz mit dem Namen darauf ragte aus dem oberen Ende des Grabes seines lebenslangen Freundes, einem Mann, der Richard nähergestanden hatte als die meisten Menschen seiner eigenen Familie.
»Seine Patrouille wurde vor drei Wochen in Big Bend vermisst. Er und ein anderer Officer. Ihre Leichen wurden schließlich am Achten dieses Monats gefunden. Erschossen. Die Untersuchungen dauern noch an … aber die meisten haben die Kartelle im Verdacht.«
, dachte Richard, während seine tiefschwarzen Augen in die Wüste hinausstarrten. Er erinnerte sich an die langen Tage, an Football-Spiele und Mannys strahlendes Gesicht, wenn er die Arme in die Luft reckte, um einen Pass zu fangen.
Das waren goldene Tage gewesen. Bevor er mit Mitte zwanzig nach Texas ging. Lange, bevor sie in den Krieg gezogen waren.
»Tut mir leid«, flüsterte er und trat mit seinem Stiefel etwas von dem losen Dreck fort. Die Beerdigung war einen Tag zuvor gewesen, eine Zusammenkunft von Familie und Freunden, aber da war er unabkömmlich gewesen. .
Richard war nur über seinen Großvater mütterlicherseits ein Mescalero. Sein Halbbruder hingegen war der Sohn ihrer Mutter und eines Vollblut-Apachen, den sie nach dem Tode seines Vaters geheiratet hatte. Trotzdem hatten sie die meiste Zeit ihrer Jugendjahre gemeinsam in diesem Reservat verbracht. Die Zeit …
»Wie lange hast du frei?«, drang die Stimme seines Halbbruders zu ihm, dessen Augen Tex‘ Gesicht absuchten.
Es gab so viele unausgesprochene Fragen zwischen ihnen … so vieles, das ungesagt geblieben war.
»Zwei Tage«, antwortete er und hob den Blick von Mannys Grab, um ihn über die Wüste schweifen zu lassen. Er erinnerte sich an einen ganz ähnlichen Morgen, vor langer Zeit – als er im Begriff war, erwachsen zu werden und einen Ausflug in die Wüste unternahm, um die Geister zu treffen, die ihn in seinem Leben den Weg weisen würden. Was er genau hier draußen erfahren hatte, würde er nie herausfinden. Doch er wusste mit Sicherheit, dass es noch Jahre gedauert hatte, bis er zu Gott gefunden hatte.
Das störende Brummen seines Satellitentelefons in seiner Jacke ertönte und er zog das TACSAT heraus und warf einen trägen Blick auf das Display.
»Das ist wichtig«, flüsterte er und legte seinem Halbbruder eine Hand auf die Schulter. Dann entfernte sich der Texaner ein paar Schritte und klappte das Telefon auf. »Richards.«
Bereits nach den ersten Worten wusste er Bescheid. Sein Urlaub war vorüber …
»Was soll das heißen, wir wissen es nicht?«, ereiferte sich Bernard Kranemeyer und starrte Ron Carter über den Konferenztisch hinweg an.
Obwohl bereits Anfang fünfzig strahlte der Direktor des Clandestine Service immer noch die Autorität des Sergeant Major der Delta Force aus, der er einmal gewesen war. Dasselbe galt auch für seine Stimme und sein aufbrausendes Temperament. Es war kein Zufall, dass man ihn unter den Geheimdienstmitarbeitern auch den nannte.
Carter schüttelte den Kopf. »Die Highway Patrol war fünf Minuten, nachdem die Bombe explodiert war, am Tatort. Sie fanden zwei Tote, die Leiche eines bislang noch nicht identifizierten Kaukasiers in einer Limousine, und die Leiche von Lays Bodyguard, Peter Ramirez, auf dem Fahrersitz des SUV. Vom DCIA fehlte jedoch jede Spur.«
»Irgendwelche Hinweise, wer der Fahrer des anderen Wagens war?«, fragte Kranemeyer und verzog das Gesicht, als er unter den Tisch griff, um dort ein schmerzendes Bein zu reiben, das es nicht länger gab.
Eine improvisierte Sprengvorrichtung, kurz IED, hatte eines sonnigen Tages des Jahres 2003 in Falludscha, Irak, seiner Militärkarriere ein jähes Ende beschert. Selbst damals war er bereits nach Spec-Ops-Maßstäben ein alter Mann gewesen, der sich verbissen gegen sein erzwungenes Ausscheiden aus dem aktiven Dienst gewehrt hatte.
Die Explosion hatte die Männer neben ihm getötet, seinen Sergeant, den genialen Stan Sniadowski, und alles unterhalb Kranemeyers rechtem Knie in eine blutige, zerfetzte Masse verwandelt. Keine rekonstruktive Chirurgie der Welt hätte sein Bein retten können.
Nun trug er also eine Prothese und litt an Phantomschmerzen. Berufsrisiko. Und er wusste sehr gut, wozu Bomben in der Lage sein konnten.
»Noch nicht«, antwortete Carter. »Das Bureau hat uns versprochen, alle Informationen mit uns zu teilen.«
»Das will ich hoffen«, erwiderte Kranemeyer mit einem gefährlichen Funkeln in den Augen. Oberflächlich betrachtet hatten Kranemeyer und der DCIA nur wenig gemeinsam.
Lay war der Politiker, er der Soldat. Aber über die Jahre hinweg hatte sich zwischen den beiden Männern eine tiefe Freundschaft entwickelt. Und nun war Lay verschwunden. Oder tot.
Ein metallischer Piepton erklang, dann öffnete sich die Tür des Konferenzraumes und Harry Nichols erschien.
»Sie sind spät dran«, lautete Kranemeyers leiser Kommentar. »Wie ist Ihr Status?«
»Ich habe eine Gulfstream von Monterrey nach New Mexico beordert, um Richards abzuholen«, antwortete Harry mit einem Verweis auf die CIA-Sprachschule in Kalifornien. Er zog es vor, den scharfen Unterton in der Stimme des DCS zu ignorieren. »Thomas ist auf dem Weg. Er sollte in fünfzehn Minuten hier sein.«
Kranemeyer nahm die Informationen kommentarlos auf und wandte sich wieder Carter zu. »Wo ist Shapiro?«
»Wir haben einen Hubschrauber zu ihm losgeschickt. Das Weiße Haus hat zwei Apache-Kampfhubschrauber als Eskorte autorisiert.«
Der DCS nickte. Normalweise überflogen die Apaches die Fahrzeugkolonne des Präsidenten, und ihre Freigabe für den Schutz des Deputy Director of Intelligence Michael Shapiro war ein Zeichen dafür, wie ernst die Regierung den Vorfall nahm. Zurecht, wie er fand.
»Wo befand sich Shapiro?«
»Hat sein Haus nicht verlassen.«
»Typisch Banker«, schnaubte der DCS verächtlich. Shapiro war der Einzige der Deputy Directors ohne geheimdienstliche Vergangenheit, was immer wieder deutlich wurde. Das und seine Arbeitsmoral, die Carter einmal so treffend »9-5, wobei die Neun Verhandlungssache ist, die Fünf aber pünktlich eingehalten wird«, genannt hatte. Doch jetzt hatte er das Sagen, und dagegen ließ sich nichts tun.
Kranemeyer holte...




