E-Book, Deutsch, Band 0
Reihe: Die Magic-Academy-Reihe
Carter Magic Academy - Der dunkle Prinz
Deutsche Erstausgabe
ISBN: 978-3-641-22572-8
Verlag: cbt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 0
Reihe: Die Magic-Academy-Reihe
ISBN: 978-3-641-22572-8
Verlag: cbt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Geschichte spielt sich vor den Ereignissen von Band 1 MAGIC ACADEMY - DAS ERSTE JAHR ab und erzählt vom Aufwachsen Prinz Darrens sowie seiner ersten Begegnung mit Ryiah an der Akademie. Endlich wird die dunkle Vergangenheit von Darrens Familie enthüllt, die ihn zum vielversprechendsten Magier der Akademie machte ...
Die Bestseller-Reihe von Rachel E. Carter verwebt eine betörende Liebesgeschichte mit grandioser Action und schlagfertigen Figuren.
Alle Bände der "Magic Academy"-Reihe:
Magic Academy - Das erste Jahr (Band 1)
Magic Academy - Die Prüfung (Band 2)
Magic Academy - Die Kandidatin (Band 3)
Magic Academy - Der letzte Kampf (Band 4)
Magic Academy - Der dunkle Prinz (Prequel, nur als E-Book verfügbar)
Rachel E. Carter ist die USA-Today-Bestsellerautorin der Fantasy-Jugendbuchserie Magic Academy über Magie, Machtkämpfe und eine große Liebe. Kaffee zu horten gehört zu ihren Leidenschaften, ebenso wie böse Jungs und Helden vom Typus Mr Darcy.
Weitere Infos & Material
EINS
Der kleine Junge wuchs mit vielen Regeln auf. Die wichtigste Regel lautete, dass er der zweitgeborene Sohn war. Am Anfang wusste er noch nicht, was das zu bedeuten hatte, aber er fand es schnell heraus.
»Gebt ihm das Pferd, Eure Hoheit.« Die Amme zeigte auf einen Haufen alter Schachfiguren aus Holz. »Ihr könnt mit einer anderen Figur spielen.«
Jemand tippte ihm auf die Schulter. »Nein, Eure Hoheit, auf diesem Platz sitzt Euer Bruder.«
»Darren, du hast hinter Blayne herzulaufen, nicht vor ihm.«
Und schließlich:
»Wie oft habe ich es dir schon gesagt, mein Sohn? Du sollst den Mund halten, es sei denn, du wirst etwas gefragt!«
Sekunden später wurde dem Jungen schwarz vor Augen und ein brennender Schmerz schoss über seine Wange. Er fiel auf die Knie.
»Schweig, und überlass das Reden dem Thronerben!«
Wann immer Blayne und Darren zusammen auftauchten, wurde Darren wie Luft behandelt, denn es war sein älterer Bruder Blayne, der eines Tages die Krone tragen würde.
Die Amme brachte Blayne jeden Abend liebevoll zu Bett und verließ dann das Zimmer, ohne sich noch einmal umzudrehen. Die Diener kamen mit den leckersten Naschereien, aber sie schlugen Darrens Hand weg, wenn er zuerst danach griff. Alle Erwachsenen lächelten seinem Bruder Blayne zu, doch in Darrens Gegenwart verfielen sie in düsteres Schweigen.
Er war ein Niemand, selbst in den Augen seines Bruders. Er merkte es an der Art, wie Blayne die Gefälligkeiten der anderen annahm – als seien sie das Selbstverständlichste auf der Welt. Nicht ein einziges Mal gab er dem kleinen Bruder, der neben ihm saß, etwas ab, sondern behielt stets alles für sich. Das war für Darren das Schlimmste.
Und es verletzte ihn.
Also setzte er sich eines Tages auf die einzige Art zur Wehr, die ihm einfiel: mit den Fäusten.
Zur Strafe wurde er eine Woche lang in eine dunkle Kammer gesperrt. Damals war er erst vier Jahre alt, und später konnte er sich kaum noch an etwas erinnern – außer an diese Augen, gletschereisblau, als das Monster über ihn herfiel.
Sein ganzer Körper hatte gebrannt.
Aber er hatte seine Lektion gelernt. Von nun an prügelte er sich nur noch mit den Kindern der Diener, wenn die Wut ihn übermannte – mit größeren, älteren, kräftigeren Jungen. Sogar mit Mädchen. Ganz egal. Solange er Schläge austeilte und einsteckte und den metallischen Geschmack von warmem Blut auf der Zunge schmeckte, spürte er zumindest noch etwas anderes als nur den ziehenden Schmerz in seiner Brust. Wenn er sich prügelte, verstummte die leise Stimme in seinem Kopf, die ihm sagte, dass er ein Niemand war, ein jämmerlicher Taugenichts.
Manchmal ließ er seine Wut aber auch an den Büchern aus, die seine Lehrer ihm gaben. Er schaute gern dabei zu, wie sie brannten. Er träumte sogar davon, wie die orangefarbenen und gelben Flammen über die Seiten leckten. Feuer ließ sich nicht beherrschen, von nichts und niemandem. Flammen waren frei. Sie vernichteten die Worte anderer und verwandelten sie in Asche.
Und sie leuchteten hell, so hell.
Sie zogen seinen Blick magisch an.
Ein Lehrer, der ihn eines Tages beim Zündeln ertappte, rannte sofort zum König, und das Bücherverbrennen hatte ein Ende.
Danach schleuderte er Steine auf das Schlosstor. Als die Wachen ihn wegzerrten, richtete er seine Wut wieder gegen die anderen Kinder, und wenn keine Kinder in der Nähe waren, manchmal auch gegen sich selbst, indem er sich mit einer Klinge ins Fleisch schnitt.
Der Schmerz linderte die Wut.
Zwei Jahre vergingen, in denen sein Hass stetig weiterwuchs wie ein Eitergeschwür. Er war wie ein Gift, das von innen an ihm fraß.
Der Rest der Welt hatte nur Augen für die strahlende Sonne, die den Raum erleuchtete.
Den Schatten in der Ecke sah niemand.
Zweitgeboren – nichts anderes würde er jemals sein.
****
»W-wir da-danken euch …«
»Lauter, Blayne!«, schnaubte der Lehrer der beiden Prinzen ungeduldig. Seine näselnde Stimme war Darren inzwischen so vertraut wie seine eigene. Sie hörten sie jeden Tag fünf Stunden lang. »Ihr seid der zukünftige König von Jerar und kein Bauer.«
Darren schaute von seinem Platz aus zu, wie sein Bruder vorn auf dem Podium weiter herumstammelte, und unterdrückte ein Gähnen. Er hätte viel lieber heimlich die Soldaten in der Kaserne beobachtet oder mit einem Stock Kämpfen geübt und Ritter gespielt.
Dieser Unterricht langweilte ihn zu Tode, und das, obwohl es eine der seltenen Gelegenheiten war, seinen Bruder scheitern zu sehen.
Blayne kratzte sich am Arm, seine Wangen glühten. »W-w-wir sind hocherfreut über euer Erscheinen zu unserem alljährlichen Sonnenwendfest, mit dem sich euer König für eure treuen Dienste erkenntlich zeigen möchte.«
»Nicht so schüchtern!« Ihr Lehrer richtete unwirsch den Kragen seines weinroten Umhangs. »Steht gerade und schaut Euer Publikum gefälligst an, wenn Ihr zu ihm sprecht! Wer soll Euch denn ernst nehmen, wenn Ihr da vorne rumsteht wie ein buckliger, schlotternder Trottel!«
Der kleine Darren verbarg ein Grinsen. Ihr Hauslehrer war der Einzige, der es wagte, seinen Bruder zu kritisieren. Alle anderen taten immer so, als wäre Blayne ohne jeden Makel.
Der Kronprinz wiederholte zitternd die Worte, die auf dem Zettel standen, an den er sich die ganze Zeit klammerte.
Darren wusste genau, warum sein Bruder so nervös war. Er hatte gehört, was ihr Vater am Morgen zu ihm gesagt hatte: »Und diesmal hältst du deine Rede fehlerfrei!«
Dicke Schweißperlen glänzten auf Blaynes Stirn, als er die Schultern straffte und noch einmal von vorn begann.
In Augenblicken wie diesen war Darren ausnahmsweise mal froh, nur ein Schatten zu sein. Er brauchte nichts weiter zu tun, als dazusitzen und zu lächeln. Dabei konnte man nicht viel verkehrt machen.
Als ihr Hauslehrer mit Blaynes Rede zufrieden war, scheuchte er die Jungen in die Bibliothek.
Die Prinzen mussten wieder und wieder die Namen sämtlicher Adelsfamilien des Reiches herunterbeten und erklären, in welcher Beziehung sie zur Krone standen.
Darren hatte seine ganz eigenen Namen für Lord von Langli, der bei Tisch immer am liebsten über seine Besitztümer schwafelte, oder für Lady und Lord Havesh, denen es sichtlich Vergnügen bereitete, ihre Untergebenen zu quälen.
Darren fand, dass seine Namen viel besser zu diesen Leuten passten als die Namen, die in den Büchern standen. Mit seinem Stift ritzte er gern Bildchen von ihnen in die Seiten, malte ihnen Schwänze, viele Beine und ein Fell. Blayne beschwerte sich nie darüber. Ihm gefielen die Bilder. Einmal hatte er gesagt, sie zeigten die wahren Gesichter dieser Leute. Das fand Darren auch.
Eine gefühlte Ewigkeit später entließ ihr Hauslehrer sie endlich. Beide Jungen waren müde und hungrig, und weil der Hofschneider sie schon zur Anprobe der neuen Kleider erwartete und bis zum Abendessen noch drei weitere lange Stunden vergehen würden, überredete Darren seinen Bruder, sich noch schnell in die Küche zu schleichen. Die Diener hassten Darren – ihre Kinder tratschten eben viel –, aber mit Blayne an seiner Seite würden sie ihn nicht abweisen.
»Wir müssen uns beeilen.« Blayne spähte nervös zum Dienstbotentrakt hinüber. Er hasste es, zu spät zu kommen. Ihr Vater sagte immer, ein König habe pünktlich zu sein.
Darren verzog das Gesicht. »Du nun wieder!«
»Du kannst ja noch bleiben.« Blayne schluckte. »Du brauchst mich hier doch nicht.«
Aber da täuschte sich Blayne. Darren sah aus den Augenwinkeln, wie Benny, der Koch, ihn finster anstarrte. Er hätte die beiden Jungen niemals dafür ausgeschimpft, dass sie in seine heiligen Hallen eingedrungen waren – nicht, solange einer von ihnen der Thronerbe war –, aber er würde die Backbleche voller Köstlichkeiten sofort wegräumen, sobald Blayne außer Sichtweite war.
»Nur noch ein Mal naschen?«, bettelte Darren.
Es kümmerte ihn gerade herzlich wenig, ob sie erwischt wurden oder nicht. Blayne war derjenige, der sich ständig Sorgen machte, nicht er.
»Wo steckt der Bengel?« Die tiefe Baritonstimme ihres Vaters dröhnte über den Flur, gefolgt von schweren, donnernden Schritten. Darrens Magen zog sich zusammen, doch da schob Blayne ihn auch schon quer durch die Küche, stieß ihn in die Speisekammer und schlug die Tür zu.
»Ihr solltet längst beim Schneider sein, zur Anprobe für morgen!« Die Stimme ihres Vaters drang gedämpft durch die Tür, hinter der Darren kauerte. Der König gab am nächsten Tag eine Audienz.
»Wo ist dein Bruder?«
»Ich … ich w-weiß es nicht.«
»Soso. Und ich nehme an, der kleine Abstecher in die Küche war auch allein deine Idee?«
Darren hörte, wie Blayne nach Luft schnappte – aber nichts sagte. In Gegenwart ihres Vaters verstummte er immer. Er versuchte den König mit Gehorsam zu beschwichtigen. Darren wusste, dass das sowieso nichts brachte, also hatte er erst gar nicht damit angefangen.
Aber natürlich war es klüger, das Monster nicht weiter zu reizen.
Darren fragte sich, warum Blayne ihrem Vater nicht einfach die Wahrheit gesagt hatte. Die Diener hatten ihn auch nicht verpfiffen – aber das war weniger verwunderlich, denn die machten...




