E-Book, Deutsch, 159 Seiten
Erbring Selbsthilfe für inklusive Schulen
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-17-039272-4
Verlag: Kohlhammer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Praxisbewährte Lösungen
E-Book, Deutsch, 159 Seiten
ISBN: 978-3-17-039272-4
Verlag: Kohlhammer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dr. Saskia Erbring ist Professorin an der Fachhochschule Erfurt und bietet in ihrer Kölner Praxis Schulentwicklungsseminare, Coaching und Supervision an.
Autoren/Hrsg.
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2 Inklusion als Prozess gestalten
2.1 Verstehbarkeit: Herausforderungen inklusiver Schulentwicklungsprozesse
(a) Inklusionsbegriff
Der wissenschaftliche, fachpraktische und schulpolitische Diskurs zur schulischen Inklusion hat sich in der letzten Dekade immer wieder verändert. Zu benennen ist aktuell die Begrifflichkeit der Inklusion im Verhältnis zum Vorgängerbegriff der Integration. Hinz (2013) merkt dazu an, dass die UN-Behindertenrechtskonvention Inklusion mit einer spezifischen Zielgruppe, der von Menschen mit Beeinträchtigungen, in enge Beziehung gesetzt hat. Laut UNESCO handelt es sich bei Inklusion jedoch um eine Öffnung des Schulsystems im Hinblick auf Gleichberechtigung und Partizipationsmöglichkeiten für alle Menschen. Im sogenannten engen Inklusionsverständnis (Inklusion bezieht sich auf Menschen mit Behinderungen) setzen Schulen häufig lediglich ein integratives Konzept um, bei dem es um Schüler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf geht. Inklusion im prozesshaften und dialogischen Verständnis sollte weitergehen und eine grundlegende Schulreform durchsetzen, die sich für Teilhabemöglichkeiten einsetzt, vor allem für die Schüler*innen, die bisher keine umfängliche Teilhabe erleben durften. Tony Booth führt im Kontext des Rückgriffs auf ein integratives Konzept den Begriff der De-Segregation ein. Zum einen gibt er zu bedenken, dass so Inklusion oft im Verbandsdiskurs der Sonderpädagogik gesehen wird, zum anderen zeigt er auch auf, dass sich in der Wissenschaft ebenfalls verstärkt Tendenzen zur »Sonderpädagogisierung« finden lassen. In beiden Theoriesträngen wird eine Reduzierung auf die Integration von Schüler*innen mit Beeinträchtigungen vorgenommen, andere Differenzlinien außer Acht gelassen und Ausgrenzungstendenzen nicht ausreichend reflektiert.
(b) Forschung zu inklusiver Bildung
Merz-Atalik (2014) verweist auf empirische Studien und stellt heraus, dass schulleistungsschwache Schüler*innen in Sonderklassen für Lernbehinderte bzw. Hilfsschulklassen einen geringeren Anstieg der schulischen Gesamtleistung zeigen als schulleistungsschwache Schüler*innen in Regelklassen, und zieht daraus die Schlussfolgerung, dass Schüler*innen mit einem (sonderpädagogischen) Förderbedarf in leistungsheterogenen Klassen respektive inklusiven Settings lerneffektiveren und leistungssteigernderen Unterricht erfahren als in sonderpädagogischen Förderklassen. Auch für die Kinder ohne Förderbedarf konnten keine leistungsmindernden Effekte festgestellt werden, eher im Gegenteil wiesen diese zusätzlich stärkere soziale Kompetenzen auf, die durch das gelebte Miteinander von Inklusion bedingt sind. Erklären lassen sich die positiven Tendenzen anhand der Motivationsanreize, die durch leistungsstärkere Schüler*innen vermittelt werden, und mit einer größeren Offenheit und Akzeptanz gegenüber Leistungsheterogenität. Für den Forschungsschwerpunkt »Wohlbefinden und soziale Situation bzw. Akzeptanz« kommen mehrere Studien zu dem Ergebnis, dass im gemeinsamen Unterricht hohe Zufriedenheitswerte und eine weitgehend gute soziale Integration im Vergleich zur externen Förderung zustande kommt. Dazu tragen regelmäßige und umfangreiche Interaktion zwischen den Schüler*innen, geringe Ausprägung von Konkurrenz- und Leistungsdenken sowie geringe Stigmatisierungs- und Kategorisierungstendenz bei.
Generell lassen sich drei Anknüpfungspunkte der Forschung zur inklusiven Bildung unterscheiden ( Folie 4: Forschung Inklusive Bildung). Die drei Perspektiven leisten jeweils und gemeinsam entscheidende Beiträge zur Frage der inklusiven Schulentwicklung und des gemeinsamen Unterrichts.
• Die Integrationsforschung setzt sich mit der Integration von exkludierten Minderheiten oder marginalisierten Teilgruppen und deren besserer Integration in das allgemeine Bildungssystem auseinander.
• Die Exklusionsforschung arbeitet exklusionsorientierte Haltungen und exkludierende Praktiken heraus und macht diese sichtbar. Darunter fallen strukturelle, institutionalisierte Diskriminierungen und systematische Benachteiligungen, Praktiken und Handlungsweisen.
• Die Inklusionsforschung nimmt Heterogenität und Vielfalt im Bildungssystem und in der Gesellschaft in den Blick. Ziel ist die Herstellung einer Diversitätsorientierung, zu der sich jede*r zugehörig fühlt.
Im Hinblick auf eine internationale Perspektive für Inklusion arbeitet Engelbrecht (2014) heraus, dass in der Lehrerbildung weitgehend getrennte Ausbildungen für Regelschulen und für Förderschulen etabliert sind. Lehrkräfte werden somit nicht hinreichend für eine Arbeit in einem inklusiven Setting ausgebildet.
Folie 4: Forschung Inklusive Bildung
(c) Literatur z. B. für einen schulinternen Reader
European Agency for Development in Special Needs Education (EAFDISNE) (2012): Inklusionsorientierte Lehrerbildung: Ein Profil für inklusive Lehrerinnen und Lehrer. Odense: EAFDISNE.
Engelbrecht, P. (2014): International Perspectives on Teacher Education for Inclusion. In: Lichtblau et al. (Hrsg.), Forschung zu inklusiver Bildung (11–25). Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
Erbring, S. (2015): Inklusive Schulentwicklung ressourcenorientiert gestalten. Pädagogik (12), 10–13.
Hinz, A. (2013): Inklusion – von der Unkenntnis zur Unkenntlichkeit!? - Kritische Anmerkungen zu einem Jahrzehnt Diskurs über schulische Inklusion in Deutschland. Zeitschrift für Inklusion 1. Online verfügbar unter http://inklusion-online.net/index.php/inklusion/index.
Schumacher, L. (2012): Wege zu einer guten gesunden Schule – Gesundheitsförderung durch Organisationsentwicklung. In: DAK-Gesundheit & Unfallkasse NRW (Hrsg.), Handbuch Lehrergesundheit – Impulse für die Entwicklung guter gesunder Schulen (97–128). Köln: Carl Link.
(d) Inklusion
Übung 9: Impulsreferat Inklusion (G/K)
Inklusion =
Gesellschaftlicher Umgang mit Verschiedenheit von Menschen.
Positiver Blick auf Heterogenität mit dem Ziel der Teilhabe.
Blick auf Barrieren im System, nicht nur auf Individuen.
Folie 5: Impulsreferat Inklusion/Definition
UN-Menschenrechtskonvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen: Artikel 24 Bildung (Auszug)
(1) Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung. Um dieses Recht ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen, gewährleisten die Vertragsstaaten ein integratives Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslange Fortbildung.
(2) Bei derVerwirklichung diesesRechts stellen die Vertragsstaaten sicher, dass Menschen mit Behinderungen nicht aufgrund von Behinderung vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden. […] Menschen mit Behinderungen innerhalb des allgemeinen Bildungssystems die notwendige Unterstützung geleistet wird, um ihre erfolgreiche Bildung zu erleichtern.
Folie 6: Impulsreferat Inklusion/UN-Deklaration Recht auf Bildung
UN-Menschenrechtskonvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen: Artikel 8 Bewusstseinsbildung (Auszug)
(1) Die Vertragsstaaten verpflichten sich, sofortige, wirksame und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um
[…] Klischees, Vorurteile und schädliche Praktiken gegenüber Menschen mit Behinderungen, einschließlich aufgrund des Geschlechts oder des Alters, in allen Lebensbereichen zu bekämpfen;
[…] das Bewusstsein für die Fähigkeiten und den Beitrag von Menschen mit Behinderungen zu fördern.
Folie 7: Impulsreferat Inklusion/UN-Deklaration Bewusstseinsentwicklung
Inklusion als Inklusive Schul-(System-)Entwicklung
»Inklusion […] ist keine Initiative, um einen Teilausschnitt der Erziehung einiger Kinder oder junger Menschen ein wenig zu modifizieren, sondern eine Strategie, um Bildung und Erziehung für alle zu überdenken und neu zu ordnen.«
(Booth & & Ainscow 2010)
Folie 8: Impulsreferat...




