Erhard | Sunrise | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 491 Seiten

Reihe: Sunrise

Erhard Sunrise

From London with love
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-910537-14-9
Verlag: edition sunrise
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

From London with love

E-Book, Deutsch, Band 2, 491 Seiten

Reihe: Sunrise

ISBN: 978-3-910537-14-9
Verlag: edition sunrise
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Endlich ist es soweit, der ersehnte Urlaub beginnt. Allerdings erwartet nur Gary Susan am Flughafen Heathrow. Wo ist Mike? Ihr Urlaub, ihre erste gemeinsame Zeit in London erlebt eine überraschende Planänderung. Trotzdem wird mit jedem Tag deutlicher, dass Susan und Mike sich entscheiden müssen. Wie soll es mit ihrer Beziehung weitergehen? Susan gerät zunehmend unter Druck, zumal Mike für den Winter ein Tourneeangebot angenommen hat und Robert Tyson von ihr erwartet, dass sie Mike begleitet. Drei Wochen später steht Susan wieder am Abflugterminal des Kölner Flughafens und blickt Mikes Maschine hinterher. In ihren Händen hält sie ein Foto: From London with Love!

Susanne Erhard, 1966 in Paris geboren, arbeitet als freischaffende Autorin und Therapeutin in der Nähe von Memmingen, wo sie mit ihrem Mann, Pferden, Eseln und Katzen auf einem Bauernhof lebt. Bisher hat sie verschiedene Krimis veröffentlicht, mehrere Liebesromane, sowie einen historischen Roman, die alle im Allgäu spielen, außer dem siebenbändigen "Sunrise"-Zyklus.
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„Oh wow.“ Sein Blick fluppte überrascht zu mir herüber. „Studienreisen?“

„Nein“, ich räusperte mich leise. „Ich besuche meinen Freund.“

Ich sah seine Brauen fragend rucken. „Wie schön. Ich hatte immer befürchtet, dass Günther dich eines Tages wieder breit klopft. Ist dein Freund beruflich in London oder Brite?“

„Letzteres“, antwortete ich widerstrebend. Ob dieser Ansatz zur Wahrheit einfacher war, als die Fotos wagte ich zu bezweifeln. Aber auch ansatzweise erheiternd. „Und Günther hätte mich garantiert nie wieder breit geklopft.“

Er blinzelte mir amüsiert zu. „Das hat Günther sicher anders gesehen. Aber meine Frau wird wirklich erleichtert sein, dass du nicht mehr auf dem Markt bist. Vor fünfhundert Jahren hätte sie dich eiskalt als Hexe denunziert, um dich aus dem Weg zu räumen.“

„Wie entzückend“, brummte ich und verdrehte die Augen. „Grad noch einmal Glück gehabt.“

„Definitiv. Hast du eigentlich mal Tontauben geschossen?“

„Bitte?“, fragte ich irritiert. Sein Statement über die Hexe war noch nicht so weit gesackt, dass es zu Tontauben passte. „Tontauben? Wie kommst du denn darauf?“

Er deutete zur gegenüberliegenden Wand auf die Diamantsingle.

„Die ganze Zeit schon überlege ich, was du da hängen hast? Ist das eine Tontaube in Silber, ein Pokal, den du gewonnen hast?“

Wieder klemmte da, trotz meiner Entscheidung ihm die Wahrheit zu sagen, ein dicker Kloß in meinem Hals, der noch dazu staubtrocken war und sich nicht schlucken lassen wollte. Ausweichend nippte ich an meinem Wein und schaute halb zur Seite.

Ein wenig hatte ich das Thema für heute auch abgeschlossen.

„Pff …, nein.“ Die Worte wollten nicht so wie ich. „Nein, also eine Tontaube ist das nicht.“

Ineffektiver Satz, der mir mein Vorhaben nicht im Mindesten erleichterte. Michael nahm den hingeworfenen Brocken neugierig auf.

„Was ist es denn dann?“ Er stand auf. „Darf ich es mir mal ansehen?“

Zu spät um deutlichere Erklärungen zu geben, denn er schritt schon zielstrebig auf Sunrise zu. Direkt daneben auf Augenhöhe lehnte auch Mikes handschriftlicher Text. Die Katze kam aus der Küche zurück, sprang wieder auf meinen Schoß.

„Klar“, knurrte ich zähneknirschend, Entscheidungen fällen war eine ganz andere Nummer, als sie durchzuziehen, „wenn du magst.“

Es wurde verdammt noch mal endlich Zeit, dass ich mir ein paar passende Sätze zurechtlegte, anstatt von Situation zu Situation zu warten. Michael stand schon vor der Wand, hielt die Hand beschattend gegen das Licht, das blendete, damit er die Inschrift lesen konnte.

Ich zog es vor, resigniert mit meiner Katze zu spielen. Warum musste ich mir auch einen bekannten Musiker angeln? Hätte es nicht ein Klempner sein können, oder ein netter Bürokaufmann?

Das hatte ich nun davon.

„Mike Hamond … for great success …“, hörte ich ihn halblaut buchstabieren, „… Sunrise … Diamant, eine Million copys.“ Stille.

Ich tat weiterhin so, als kuschelte ich intensiv die Katze, besser nicht hinsehen.

„Ey, Susie, woher hast du das Teil? Ist die echt?“

Gezwungenermaßen blickte ich hoch, bemerkte, wie er flüchtig auch den anderen Bilderrahmen musterte, aber nicht reagierte. „Wie …?“

Noch immer versuchte ich sinnentleert Zeit herauszuschinden, denn mir fiel einfach keine konfliktvermeidende Erklärung ein.

„Ach die … ja, also … ja, die ist schon echt.“

Die Wahrheit biegen war noch nie meine Stärke gewesen und ich verfluchte mich, dass ich ihm nicht schon längst reinen Wein eingeschenkt hatte. Spätestens bei den Karten für die Gala hätte ich die perfekte Chance gehabt. Aber nein, Susie spielte lieber Verstecken.

„Aber, sorry, wie kommst ausgerechnet du an Sunrise in Diamant?“

Er war komplett verwirrt und offensichtlich argwöhnisch. „Diese Auszeichnung müsste doch Mike Hamond haben! Die bekommt der Interpret verliehen.“

„Ja, stimmt …“, zögerte ich wieder. „Keine Sorge, ich habe sie nicht geklaut. Ich habe sie geschenkt bekommen.“

„Und von wem?“

Nachlässig, halb verlegen und mit zuckersüßem Augenaufschlag zuckte ich mit den Schultern, setzte ein zweideutiges Grinsen auf.

„Beziehungen“, erklärte ich, inständig hoffend, dass er taktvoll genug war, keine weiteren Fragen zu stellen, aber mittlerweile war er so verwirrt, dass er nicht einmal ansatzweise bemerkte, wie offenkundig indiskret er sich benahm.

„Okay, Susie“, er starrte mich mit großen Augen an, „du sagst, die Single sei echt. Dann gibt es sie in logischer Folge auch nur ein einziges Mal und nur einen Menschen, der sie rechtmäßig haben dürfte. Und nur der könnte sie theoretisch auch verschenken. Und dieser Mensch heißt Mike Hamond. Ich verstehe das alles nicht so ganz.“

Ratlos hob er kurz die Arme und kam langsam auf mich zu. Schwierig, schwierig, dachte ich, denn selbst wenn er mir nur unterschwellig vorwarf, nicht rechtmäßig im Besitz der Single zu sein und auch unter der Prämisse, dass es ihn so gesehen rein gar nichts anging, so wollte ich doch nicht, dass er schlecht von mir dachte.

Was also sollte ich tun? Vielmehr, was sollte ich ihm sagen? Abwartend setzte sich Michael wieder neben mich in den Sessel, trank betont ausdruckslos an seinem Wein und just spielte uns die neue CD den Grund aller Fragen, die ersten Akkorde von Sunrise erklangen.

Ich musste leise lächeln, als wenn Mike meine Situation gespürt hätte. Nun gut, dann sollte es wohl so sein. Keine Ausflüchte mehr, kein Abwarten, kein Verdrehen.

Ich schaute hoch, direkt in Mikes Posterlächeln.

„Weißt du“, fing ich langsam an, kleiner Seitenblick auf Michael, „Mike Hamond hatte sie ursprünglich in seinem Besitz, natürlich auch verliehen bekommen. Aber er war überzeugt, dass sie bei mir besser aufgehoben ist.“

Michael verzog das Gesicht. „Klar, Susie.“

Entschlossen griff ich hinter mich und drehte demonstrativ unser Bild um. Wenn er es so haben wollte, bitte, dann gab es halt die schonungslose Variante und ich musste hoffen, dass unsere Freundschaft das aushielt.

„Sunrise“, erklärte ich trocken, „Siegen, sechzehnter November letztes Jahr, Mike Hamond in concert.“

Michaels Blick hüpfte ungläubig zwischen dem Bild und mir hin und her. „Ich verstehe nicht ganz, Susie? Bist du Sunrise?“

Ich nickte knapp, musste aber auch ein wenig grinsen. „Ja, die bin ich und ich dachte ja eigentlich, dass du mich spätestens auf den vielen Fotos erkennst.“

„Ich fasse es nicht!“, rief er kopfschüttelnd. „Das gibt’s doch einfach nicht! Welche Fotos?“

„Gibt’s schon.“ Jetzt musste ich wirklich laut lachen. „Na, die Fotos in der Zeitung und hier im Booklet.“ Giggelnd deutete ich auf das Heftchen in seinem Schoß. Verwirrt starrte er es an.

„Das bist du? Aber warum hast du mir das nie erzählt? Du hast immer so getan, als hättest du keinen Schimmer von Mike Hamond und seiner Musik. Ich habe dich ernsthaft nicht erkannt.“

Aufgebracht schlug er die letzten Seiten des Booklets auf, sein fassungsloser Blick flitzte zwischen den Fotos und mir hin und her, dann zu dem Bild auf dem Tisch.

„Es tut mir wirklich leid, Michael.“ Ich zuckte mit ehrlichem Bedauern die Schultern. „Ich wollte dich sicher niemals hintergehen. In den vergangenen Monaten hatte ich höllische Sorgen, was da auf mich zurollt, wenn herauskommt, wen Mike Hamond liebt. Nach der Gala war das dann endgültig unvermeidbar.“

Ein bisschen wand ich mich noch, wollte noch immer nicht unbedingt darüber reden. Aber Michael wollte jetzt alles hören.

„Dann hatte ich die Karten für die Gala dir zu verdanken?“

Notgedrungen hob ich die Schultern und nickte. „Ja, und ich hätte mich sehr gefreut, wenn du dabei gewesen wärst. Mike und du, ihr würdet euch mögen.“

Mit einem versöhnlichen Seufzer hob er sein Weinglas.

„Dann ist das mal richtig doof gelaufen, ich hätte ihn gern kennengelernt. Ich bin mir sicher, dass du mich nicht böswillig auflaufen lassen wolltest, aber bisschen angefressen bin ich schon. Wäre schön gewesen, wenn du mir mehr vertraut hättest. - Scheiße, und ich habe dich eben niedlich genannt.“

Ich schluckte an dem Vorwurf, ein berechtigter dazu und klackte mein Glas gegen seins.

„Berechtigte Kritik“, gab ich zu. „Allerdings hatte mein Schweigen weniger mit Vertrauen, als mit Liebeskummer zu tun. Willst du die ganze Story hören?“

Grinsend drückte er erneut die Play-Taste. „Unbedingt, Susie. Ich will alles wissen.“

Das Gitarrensolo von Divine Guitars erfüllte den Raum. Ich erinnerte mich an den Abend in Michaels Büro und lächelte leise.

„Mit Divine Guitars hast du mich auch an unserem ersten Abend schwer geprüft“, begann ich schmunzelnd. Er runzelte kurz die Stirn und lachte fragend.

„Warum? Ich dachte damals, dass du es sehr genießt.“

„Nicht sofort“, antwortete ich und trank einen Schluck Wein. Die Katze sprang zu Michael hinüber und rollte sich auf seinem Schoß zusammen. Sanft kraulte er ihr den Kopf.

„Als ich dich kennenlernte, da dachte ich, Mike sei eine Wochenendaffäre gewesen. Er hatte sich nach Siegen und unserem Wochenende nicht mehr gemeldet. Ich durchlitt den schrecklichsten Liebeskummer meines Lebens, konnte nicht mehr essen, nicht mehr schlafen, habe nur an ihn gedacht und konnte ihn so gar nicht vergessen.“

Lachend warf er den Kopf in den Nacken, die...



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