E-Book, Deutsch, 280 Seiten
Reihe: beHEARTBEAT
Erlenkamp Glückssterne über dem kleinen Café an der Mühle
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-0178-5
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 280 Seiten
Reihe: beHEARTBEAT
ISBN: 978-3-7517-0178-5
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eigentlich könnte Sophie sich auf ihrem Erfolg ausruhen. Die Gäste ihres kleinen Mühlen-Bistros sind voll des Lobes über die einfallsreiche Küche, und die Reservierungsbücher stets gut gefüllt. Aber Sophie hat schon ein neues Ziel vor Augen: einen Gastro-Stern für ihr Restaurant!
Ihren Chefkoch Louis braucht Sophie nicht lange von ihrer Idee zu überzeugen. Schließlich liegt ihm das Kochen im Blut. Auch sein Onkel ist erfolgreicher Spitzenkoch in Frankreich. Mit ganz neuem Schwung entwickelt Louis neue Rezepte und Kreationen. Tatkräftig unterstützt ihn dabei Melanie, die im Bistro eine Ausbildung zur Köchin macht. Voller Begeisterung stürzen sie sich in die Arbeit.
Sophie entgeht nicht, dass die beiden auch außerhalb der Küche ein tolles Paar abgeben. Soll sie dem Liebesglück ein wenig auf die Sprünge helfen? Und wird es ihr tatsächlich gelingen, die unerbittlichen Restaurantkritiker von ihrer kreativen Küche zu überzeugen?
eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.
Mit einem Rezept von Léa Linster!
Andreas J. Schulte ist freier Journalist und Autor. Christine Schulte hat bereits in ihrer Schulzeit ihren ersten Roman verfasst und arbeitet heute als technische Redakteurin. Das Ehepaar lebt in einer alten Scheune zwischen Andernach und Maria Laach. Unter dem Pseudonym Barbara Erlenkamp schreiben sie zusammen moderne, humorvolle Frauen- und Unterhaltungsromane. 2018 ist ihr erster Bestseller-Roman "Das kleine Café an der Mühle" erschienen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Auf einer Waldlichtung
Sophie liebte diese Momente am Vormittag. Sofort nach dem Frühstück war sie mit Lisa nach oben gegangen. Das Kinderzimmer war komplett mit einem flauschigen cremefarbenen Teppichboden ausgelegt. Auf dem Boden gab es für Sophie einen bequemen Sitzsack und für Lisa ein dickes Schaffell. So machten es sich die beiden auch heute gemütlich. Die Sonne schien durchs Fenster.
»Guck mal, Lisa, jetzt hole ich dir dein Spieltrapez.« Sophie hatte sich vorgenommen, ganz viel mit ihrer Tochter zu sprechen, auch wenn diese natürlich noch nicht antworten konnte. Sie stellte das kleine Holzgestell so auf, dass Lisa genau darunter lag. An dem Trapez waren mehrere Spielsachen befestigt. Es war schwer zu sagen, welches davon Lisa am besten gefiel, das wechselte eigentlich ständig. Auf jeden Fall war das Baby völlig fasziniert von allem, was sich drehte oder sonst wie bewegte. Sophie stupste den blau-roten Filzball an, sodass er ein wenig hin und her schwang. Begeistert verfolgte Lisa die Bewegung mit den Augen. Als Nächstes kam der Holzring mit dem Glöckchen an die Reihe. Der hing etwas tiefer als der Ball. Lisa versuchte sofort, danach zu greifen.
Jetzt hatte Sophie Zeit, in Ruhe auf ihrem Handy nach neuen Nachrichten zu schauen. Währenddessen stupste sie immer wieder eins der Spielzeuge an, was Lisa jedes Mal mit großer Freude und wedelnden Armen zur Kenntnis nahm.
»Hier kommt der Ball! Und der Ring! Und jetzt beide!« Manchmal waren es zehn oder sogar fünfzehn Minuten, die so vergingen.
Schließlich verlor Lisa das Interesse an dem Vormittagsspiel, und Sophie stand auf. Zeit für einen Spaziergang.
***
Heute war das Laufshirt blassgrün. Wieder schob Sophie in der heißen Augustsonne vormittags den Kinderwagen bergauf. Mehr spürte sie, dass Jennifer näher kam, als dass sie sie gehört hätte.
»Na, wieder unterwegs mit deinem schlafenden Strahlekind?«, schnaufte Jennifer, als sie neben Sophie angekommen war.
»Sie ist gerade eben eingenickt. Das liegt bestimmt auch an dem tollen Kinderwagen. Das war ein super Tipp von dir, ich bin froh, dass wir den gekauft haben.«
Jennifer blieb nicht stehen wie neulich, sondern trippelte neben Sophie weiter auf der Stelle. »Die Farbe ist auch sehr edel. Fandest du es auch so schwer, dich zu entscheiden?«
»Nö, eigentlich nicht«, erwiderte Sophie. »Für mich sahen die alle gleich aus. Wir hatten unter anderem die Wahl zwischen Nebelgrau, Seidengrau, Klassisch Grau und Leuchtend Grau. Am Ende haben wir uns für Fabelhaftes Grau entschieden. Wer hat eigentlich gesagt, dass ein Kinderwagen grau sein muss?«
»Ging uns genauso«, prustete Jennifer. »Bloß, dass vor einem Jahr alles in Hellbeige war. Du weißt schon, Saharabeige, Kittbeige, Schilfbeige, Leinenbeige. Die Babys haben schließlich so ihre Ansprüche.« Sie holte tief Luft und wischte sich die Schweißtropfen von der Stirn.
»Willst du wieder ein Stück mit mir gehen?«, schlug Sophie ihrer Freundin vor. »Du bist ja schon ganz schön außer Atem.«
»Auf keinen Fall! Gestern hat Mama Schnitzel gemacht, und du weißt, was das bedeutet.«
O ja, das wusste Sophie. Die Schnitzel aus der Metzgerei Braubart waren weit über die Grenzen von Wümmerscheid-Sollensbach hinaus berühmt. Sie lachte und sagte: »Dann war das wohl nichts mit dem Abnehmen diese Woche? Denn: Die Spatzen pfeifen's von den Ästen ...«
»... Braubarts Schnitzel sind die besten«, fiel Jennifer ein. Das war der Werbespruch ihrer elterlichen Metzgerei, der sogar auf dem Metzgerei-Transporter stand. Jennifer stöhnte. »Drei Stück habe ich gegessen. Ich konnte einfach nicht aufhören. Und dazu Kartoffelsalat. Deswegen muss ich jetzt auch weiter, ich will versuchen, das irgendwie abzutrainieren.« Sie trabte an und winkte noch einmal kurz. »Man sieht sich!«
»Tschüs ...«, sagte Sophie leise zu der davonlaufenden Gestalt. Diese hörte es schon nicht mehr.
Sophie beschloss, heute zur Abwechslung ein Stück durch den Wald zu gehen. Schön war es hier. In der Luft lag der erdige Geruch von Waldboden und altem Holz. Spontan nahm sie sich vor, diesen Weg öfter zu gehen. Ich muss mal mit Peter herkommen, dachte sie, man fühlt sich gleich ganz anders im Wald. Wie still es hier ist. Plötzlich wurde ihr auch klar, woher diese wohltuende Stille kam: Das allgegenwärtige Rumpeln der Kinderwagenräder hatte aufgehört. Der Waldweg war von einer federnden Schicht aus Tannennadeln, Moos und altem Laub bedeckt, gerade dick genug, dass man darauf weich gehen konnte, aber nicht so dick, dass man darin versank. Tagsüber war es noch heiß, doch hier im Schatten unter den Bäumen lag eine deutliche Kühle in der Luft. Unterwegs hatte sie schon vereinzelte gelbe und rote Blätter gesehen. Es würde ein schöner Herbst werden.
Vergnügt schob Sophie den Wagen, die Melodie des alten Lieds Bunt sind schon die Wälder ging ihr durch den Kopf. Leise summte sie die ersten Takte. Vor ihr gabelte sich der Weg, und sie verlangsamte ihren Schritt, während sie überlegte, welche Richtung sie einschlagen sollte. Plötzlich schallte von der linken Seite ein vielstimmiges »Hü-hü-hüüüüüü-ahhh« durch den Wald. Sophie zuckte zusammen und blieb abrupt stehen.
Was zum Teufel war das? Da – schon wieder. »Hü-hü-hüüüüüü-ahhh!«
Damit war entschieden, welchen Weg sie nehmen würde. Sie musste unbedingt herausfinden, was dort los war. Langsam schob Sophie den Wagen vorwärts und sah dann, dass auf einer Lichtung ein gutes Dutzend Menschen im Kreis standen. Sie alle trugen Sportkleidung, ansonsten hatten sie auf den ersten Blick nicht viel miteinander gemeinsam. Altersmäßig war es eine bunte Mischung, eine der Frauen schien etwa Mitte zwanzig zu sein, ein Mann Anfang sechzig. Die Gruppe bildete einen Kreis um einen Mann, der mit seinen abgeschnittenen Jeanshosen und einem langärmeligen weißen Leinenhemd der Einzige war, der keine Sportkleidung trug. Offenbar hatte er hier das Sagen.
»Wir kommen jetzt zum Abschluss unserer heutigen Körper-und-Geist-Einheit. Wir sind hier ganz in der Nähe des Sollensbacher Bruchs. In der Nähe von seinem Heimatort, da, wo sich Lebensenergie bündelt.« Der Mann legte eine bedeutungsschwangere Pause ein, bevor er weitersprach: »Die Atemübung habt ihr alle schon gut verinnerlicht. Wir wiederholen sie jetzt noch einmal: Wir heben die Arme und stoßen mit einem lauten ›Hü‹ unseren Atem aus. Aber es ist nicht nur unser Atem, der unseren Körper verlässt, wir legen in ihn das, was uns belastet. Und mit dem letzten ›Ahhh‹ befreien wir uns von diesem Ballast. Also, bitte alle: Hü-hü-hüüüüüü-ahhh.«
Sophie zuckte zusammen und hatte Mühe, nicht laut loszulachen, das alles klang in ihren Ohren ziemlich verrückt. Diese wiehernden Atemgeräusche waren Teil einer Körper-und-Geist-Einheit? Und wessen Heimat war der Sollensbacher Bruch?
»Und nun schließen wir die Augen«, fuhr der Mann in der Mitte des Kreises fort. »Wir konzentrieren uns noch einmal auf unseren Atem. Wir werden jetzt hier im Wald unseren Körper mit neuem Atem füllen, mit reiner Luft, mit guter Luft. Jeder von euch kann das in seinem eigenen Rhythmus tun. Denkt immer beim Einatmen ›Latten‹ und beim Ausatmen ›Luuurch‹. Ja, so ist es gut. Wir machen diese Übung jetzt alle gemeinsam, wie gesagt, jeder in seinem Tempo. Danach gibt's dann noch Glas Lurchwasser für jeden.«
Sophie trat den Rückzug an. Was bitte war das denn gewesen? Der Lattenlurch als eine Art mystische Gestalt? Sophie gelang es, sich fast geräuschlos zu entfernen. Den Kinderwagen zog sie mit einer Hand, die andere Hand hielt sie mit dem Handrücken vor den Mund, um nicht laut loszukichern.
Als sie außer Hörweite war, holte sie schnell ihr Handy aus der Tasche. Sie zögerte. Wen konnte sie zu dieser Tageszeit anrufen? Alle, die sie kannte, waren vormittags bei der Arbeit. In ihrem neuen Alltag mit Baby hatte sie tagsüber viel Zeit. Was ihr aber fehlte, war das Gespräch mit Erwachsenen. Bis vor kurzem hatte sie mindestens einmal in der Woche mit ihrer Studienfreundin Miri aus Hamburg telefoniert, dazu kam sie jetzt überhaupt nicht mehr. Plötzlich hatte sie eine Idee. Wenn Miri nicht selber ans Telefon gehen konnte, ihre Mailbox war bestimmt aktiviert.
»Hi, Miri! Du glaubst nicht, was ich gerade gesehen habe. Ja, ich weiß, du bist mitten in deinem Arbeitstag. Deswegen quatsche ich dir einfach die Mailbox voll. Weißt du noch, wie froh wir alle waren, als im Frühjahr entdeckt wurde, dass in Wümmerscheid-Sollensbach Lattenlurche leben? Das größte Vorkommen des Lattenlurchs nördlich der Alpen, hieß es. Und was haben wir uns für Hoffnungen gemacht. Wir haben uns vorgestellt, dass eine ganz neue Art von Touristen angezogen würde. Nette, normale Leute, die die Natur lieben. Zuerst war es auch so. Da kamen Wanderer, Naturfreunde, Familien. Aber inzwischen wird es richtig seltsam. Ja, der Lattenlurch hat eine ganz neue Art von Touristen angezogen....




