Ernestam | Der geheime Brief | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 384 Seiten

Ernestam Der geheime Brief

Roman
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-641-06799-1
Verlag: btb
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

ISBN: 978-3-641-06799-1
Verlag: btb
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein Haus, das sein Geheimnis preisgibt. Eine Frau, die zurück ins Leben findet.

Die Welt scheint stillzustehen, als die vierzigjährige Fotografin Inga ihren Mann bei einem Autounfall verliert. Um wieder zu sich zu kommen, zieht sie sich auf die Insel Marstrand zurück, auf der ihre Familie seit Generationen ein Sommerhäuschen besitzt. Beim Aufräumen findet sie eine rätselhafte Kiste mit Briefen – adressiert an ihre Großmutter Rakel. Verfasserin ist eine Frau in Afrika, die sich dort offenbar während des ersten Weltkriegs als Missionarin aufhielt. Und je mehr Inga über die Briefeschreiberin und deren Beziehung zu ihrer Familie erfährt, desto entscheidender verändert sich auch ihr eigenes Leben ...

Maria Ernestam, geboren 1959, begann ihre Laufbahn als Journalistin. Sie hat lange Jahre als Auslandskorrespondentin für verschiedene schwedische Zeitungen in Deutschland gearbeitet. Mittlerweile sind mehrere hoch gelobte Romane von ihr in vierzehn Ländern erschienen. "Der geheime Brief” und ”Das verborgene Haus” waren in Skandinavien Bestseller und standen auch in Deutschland wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste. Maria Ernestam lebt mit ihrem Mann in Stockholm und hat zwei erwachsene Kinder.
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"(S. 217-218)

Am Abend erhielt ich unerwarteten Besuch. Der Arzt setzte sich vorsichtig auf meine Bettkante, ehe er ohne Umschweife vorbrachte, was er zu sagen hatte. Wir haben uns alle Mühe gegeben, aber auch die medizinische Wissenschaft hat ihre Grenzen, und in diesem Fall haben wir sie erreicht. Natürlich würde man eventuelle Schmerzen lindern, aber bisher hatte ich das seines Wissens ja gut geschafft. Ob ich für die letzte Zeit noch Wünsche hätte?

»Etwas Gutes zu essen und die Auferstehung der Toten«, antwortete ich und erhielt ein trauriges Lächeln als Antwort. »Die Schwestern hören, wie Sie Selbstgespräche führen. Als ob Sie …« »Woher wollen die wissen, mit wem ich rede?« Der Arzt erwiderte, es sei doch sonst niemand im Zimmer. Er gab sich alle Mühe, das, was er wohl für Verwirrung hielt, als normales Verhalten auszugeben. Ich lachte ihn in Gedanken aus, spielte aber die Vernünftige, als ich erklärte, dass eine Sterbende mit ihren inneren Stimmen vieles zu klären habe, dass aber niemand an meinem Verstand zu zweifeln brauche.

»Nein, das habe ich auch nie getan«, sagte er, und zu meiner Überraschung sah ich, dass es ihm ernst war. Danach löschte er das Licht und verließ das Zimmer. Und ich liege hier und bin bei dem angekommen, was alles veränderte und zum Leitfeuer in meinem Leben werden sollte, das ab und zu aufleuchtete und ab und zu erlosch. An jenem Tag hing Unruhe in der Luft. Ich hatte Anton in der Höhle verlassen und erwachte morgens neben Lea, und darüber war ich froh. Sie erzählte, sie habe das Ihre gesagt, worauf Carl Otto außer sich geraten sei. Er habe mit Gegenständen um sich geworfen und etwas von Verrat gebrüllt, als er begriffen hatte, dass sie mit Ruben weggehen wollte. Das Kind in ihrem Bauch hatte er kaum kommentiert.

Es war für ihn so selbstverständlich, dass sie nicht mit Ruben zusammen gewesen war, dass er sich nicht einmal vorstellen konnte, das Kind könne von einem anderen stammen als ihm selbst. Aber er wollte nicht noch mehr Kinder, er wollte sie. Lea wurde ein wenig bleich, als sie flüsterte, dass sie Carl Otto vielleicht wichtiger sei, als sie geahnt habe. Jetzt müsse sie sich beeilen und verschwinden, ehe etwas passierte. Sie hatte mit Ruben gesprochen, und sie wollten in den nächsten Tagen schon das Boot nehmen. Die Vorstellung, dass wir bald getrennt sein würden, versetzte mich in Panik.

Rasch erzählte ich, was am vergangenen Abend geschehen war. Dass Anton trotz der Gefahr gekommen war. Es musste doch Liebe sein, wenn ein Mann das freiwillig auf sich nahm, um in der Nähe seiner Geliebten zu sein. Dass er sich in der Höhle versteckte, in der es nachts zum Glück warm blieb. Auf dem Boden eben dieser Höhle, mit dem Kopf auf seinen Knien, hatte ich nach dem gefragt, was ich vorher gehört hatte. Und er hatte alles erklärt. Sicher hatte er sich um eine Frau geschlagen, aber diese Prügelei endete nicht tödlich, im Gegensatz zur anderen. Der Offizier musste die beiden Episoden verwechselt haben, was vielleicht kein so großes Wunder war. Er hatte damals ziemlich oft Streit gehabt aber damit war jetzt Schluss. Es gab keinen Grund zu lügen."


Haefs, Gabriele
Dr. Gabriele Haefs studierte in Bonn und Hamburg Sprachwissenschaft. Seit 25 Jahren übersetzt sie u.a. aus dem Dänischen, Englischen, Niederländischen und Irischen. Sie wurde dafür u.a. mit dem »Gustav-Heinemann-Friedenspreis« und dem »Deutschen Jugendliteraturpreis« ausgezeichnet, zuletzt 2008 mit dem Sonderpreis des »Deutschen Jugendliteraturpreises« für ihr übersetzerisches Gesamtwerk. Sie hat u.a. Werke von Jostein Gaarder, Camilla Grebe und Anne Holt übersetzt. Zusammen mit verschiedenen Kolleginnen hat sie mehrere Anthologien skandinavischer Schriftsteller herausgegeben.

Ernestam, Maria
Maria Ernestam, geboren 1959, begann ihre Laufbahn als Journalistin. Sie hat lange Jahre als Auslandskorrespondentin für verschiedene schwedische Zeitungen in Deutschland gearbeitet. Mittlerweile sind mehrere hoch gelobte Romane von ihr in vierzehn Ländern erschienen. "Der geheime Brief” und ”Das verborgene Haus” waren in Skandinavien Bestseller und standen auch in Deutschland wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste. Maria Ernestam lebt mit ihrem Mann in Stockholm und hat zwei erwachsene Kinder.



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