Ernsting | Terra - Science Fiction 06: Raumschiff Neptun 03 - Tempel der Götter | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 6, 186 Seiten

Reihe: Terra (Science Fiction)

Ernsting Terra - Science Fiction 06: Raumschiff Neptun 03 - Tempel der Götter


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-696-5
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 6, 186 Seiten

Reihe: Terra (Science Fiction)

ISBN: 978-3-95719-696-5
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Raumschiff Neptun (3) Die Flüge durch den Weltraum werden für Eugen Tarrot zum Rausch. Das Entdecken und Erforschen neuer Planeten ist sein neues Lebensziel. Erneut reist er mit seinen Freunden in ein unbekanntes Sonnensystem.

Walter Ernsting (* 13. Juni 1920 in Koblenz; ? 15. Januar 2005 in Salzburg/Österreich), besser bekannt unter seinem Pseudonym Clark Darlton, war ein deutscher Schriftsteller, Übersetzer und Herausgeber im Bereiche der Science-Fiction.
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Kapitel 1

Die Astronomen des zwanzigsten Jahrhunderts hatten nicht sehr viel über den Stern Altair in der Konstellation Alpha Aquila gewusst, doch um gerecht zu bleiben, muss betont werden, dass die wenigsten Menschen überhaupt jemals in ihrem Leben von dem Sternbild Alpha Aquila gehört hatten. Altair mochte ihnen geläufiger sein, aber das hatte andere Gründe. Auch kannten sie vielleicht den Großen Bären mit seiner Hinterachsenverlängerung, die zum Polarstern führte, den Orion oder die Wega, aber damit war ihr astronomisches Wissen auch schon erschöpft, soweit es nicht das eigene Sonnensystem betraf.

Den Mond kannte jeder, und über ihn wusste man auch eine Menge, seit vor gut siebzig Jahren der erste Mensch dort landete. Erst lange nach seinem Tod wurde die längst fällige Ehrung dem Mann zuteil, dem das Gelingen dieses entscheidenden Unternehmens in erster Linie zu verdanken war. Jene Stelle, an der Armstrong seinen Fuß auf die Mondoberfläche setzte, ziert heute ein einfacher Monolith aus Marmor mit der schlichten Inschrift: Wernher von Braun.

Auch auf dem Mars landeten Ende des Jahrhunderts Menschen und fanden Spuren eines fremdartigen und primitiven Lebens, dessen Ablauf jedoch so verschieden von dem uns von der Erde her bekannten war, dass die vorher gelandeten Robotsonden es nicht entdeckt hatten.

Diese Tatsache verursachte einige Veränderungen in der sozialen Struktur der Völker und beeinflusste ihre Einstellung zur Weltraumfahrt derart, dass sich die Nationen mehr als bisher zusammenschlossen, ihre kleinlichen Probleme bewältigten oder vergaßen – und gemeinsam versuchten, nicht nur die eigenen Planeten, sondern auch die fernen Sterne zu erreichen.

Zuerst nach dem Mars die Venus, dann der Asteroidengürtel, die Monde der äußeren Planeten und schließlich diese selbst.

Und dann stand der Mensch am Ende dieser unerwartet schnellen Entwicklung auf der eisigen Oberfläche des Pluto und blickte ratlos in den unüberwindlich erscheinenden Abgrund hinein, der sich bis zu den nächsten Sternen spannte.

Im Jahr 2020 wurde der Gravital-Antrieb entwickelt und erfolgreich erprobt. Die Grenze, die fast heilige Grenze der Lichtgeschwindigkeit, wurde durchbrochen, so wie einst die Schallmauer durchbrochen wurde.

Die Sterne rückten plötzlich in greifbare Nähe ...

Nach zwei recht glücklich verlaufenen Expeditionen in den Weltraum hatten Gene Tarrot und Pat O’Brian ein halbes Jahr gefaulenzt, ehe sie den Entschluss fassten, abermals die Erde und das Sonnensystem zu verlassen. Im Gegensatz zu den beiden ersten Flügen gab es dazu keinen sofort ersichtlichen Grund.

Während Gene und seine Verlobte Helen einige Wochen auf ihrer Hütte bei Fernie in Kanada verbrachten, nützte Pat die Zeit, das Schiff startklar zu machen. Der ein wenig zur Korpulenz neigende Ire mit der spiegelnden Glatze war ein ausgezeichneter Techniker mit viel Phantasie. Seinen Anordnungen und Vorschlägen war es zu verdanken, dass in die NEPTUN immer wieder Verbesserungen und zusätzliche Apparaturen eingebaut wurden.

Dass er sich diesmal etwas länger als unbedingt notwendig in der Werft aufhielt, hatte einen ganz besonderen Grund. Es war ihm nämlich gelungen, über die Fabrikationsfirma der NEPTUN jene Abteilung ausfindig zu machen, die Sweety erdacht und konstruiert hatte.

Sweety war der Bordcomputer der NEPTUN und konnte im Bedarfsfall sämtliche navigatorischen und technischen Aufgaben übernehmen, die für einen Flug durch den Weltraum erforderlich waren. Er besaß eine menschliche Stimme und ein umfangreiches eingespeichertes Wissen – und selbstverständlich ein niemals versagendes Erinnerungsvermögen.

Gene und Pat hatten diesen Roboter deshalb auf den Namen Sweety getauft, weil seine sanfte und wohlklingende Stimme die einer Frau war.

„Das hat rein psychologische Gründe“, erklärte der Chefphysiker der Konstruktionsabteilung, nachdem Pat endlich bis zu ihm vorgedrungen war. „Flüge zu anderen Sternen dauern noch verhältnismäßig lange, und oft sind Sie viele Monate mit Ihrem Partner allein unterwegs, allein an Bord Ihres Schiffes. Unsere Psychologen sind der Meinung, dass sich unter diesen Umständen seelische Spannungen aufbauen könnten, die nicht ungefährlich sind. Weiter meinen sie, für Ihre geistige und auch körperliche Verfassung sei es nur gut, wenn Sie Gelegenheit erhielten, sich mit einer Frau zu unterhalten, auch wenn es sich dabei nur um Ihren Bordcomputer handelt.“ Er zuckte die Schultern. „Aber wenn Sie es wünschen, können wir natürlich Ihrem Roboter ohne besondere Schwierigkeiten eine männliche Stimme einspeichern. Er verliert dadurch keine seiner ausgezeichneten Fähigkeiten und ...“

„O nein, danke!“, fiel Pat ihm erschrocken ins Wort. „Wir sind sehr zufrieden mit Sweety und haben uns an ihn gewöhnt. Er hat uns schon oft aus der Klemme geholfen. Nur hätten wir natürlich gern gewusst, wer ihm seine uns nun schon so lange vertraute Stimme verlieh. Vielleicht können Sie das nicht verstehen ...“

„Doch, das verstehe ich sogar sehr gut. Aber Sie werden enttäuscht sein, denn es handelt sich lediglich um eine unserer Mitarbeiterinnen, die über ein wenig schauspielerisches Talent verfügt, Sprachunterricht nahm und daher eine geschulte Stimme besitzt.“

„Vielleicht wäre es möglich, ein Foto dieser Dame zu bekommen ...“

Der Mann von der Konstruktionsabteilung lächelte.

„Das fragen Sie Miss Martha besser selbst. Sie bedient zwei Räume von hier den Video-Teleschreiber. Das Schild an der Tür ...“

Pat stand auf und reichte ihm die Hand.

„Vielen Dank, Doktor – und nochmals: Wir sind mit Ihrem Computer mehr als zufrieden.“

„Das freut mich, Mister O’Brian.“

Wenig später blieb Pat vor der bezeichneten Tür stehen und musste sich eingestehen, dass sein Herz schneller als gewöhnlich klopfte. Mit der Stimme von Sweety verband ihn eine gewisse Vertraulichkeit, denn während der langen Flüge, und besonders in den Bordnächten der NEPTUN, hatte er oft stundenlange Zwiegespräche mit dem Computer geführt. Es war ihm klar, dass Sweety dabei nur den eingefütterten Wortschatz und die Stimme einer ihm noch unbekannten Frau benutzte.

Er klopfte an und trat ein.

Vor einem großen Videoschirm, auf dem gerade ein Schriftstück erschien und in diesem Augenblick auch wieder verschwand, saß eine junge Frau, die sich nur halb umdrehte und den unerwarteten Besucher verwundert musterte.

Pat trat verlegen von einem Fuß auf den anderen.

„Verzeihen Sie, bitte, aber Ihr Chef gab mir die Erlaubnis, Sie aufsuchen zu dürfen. Das ist nämlich so ... aber Sie dürfen mich nicht gleich auslachen ... wissen Sie ...“

„Ich kann es mir schon denken“, unterbrach sie ihn und lächelte. Pat wurde ganz warm ums Herz, und trotzdem wäre er froh gewesen, jetzt hundert Kilometer entfernt zu sein. „Sie sind nicht der Erste, der die Frau sehen möchte, die vielen Bordcomputern ihre Stimme verlieh.“ Sie zog die Augenbrauen in die Höhe. „Oder hat Ihr Besuch einen anderen Grund?“

Pat verbarg seine Enttäuschung. Er hatte nicht gewusst, dass noch andere Computer ausgerechnet Sweetys Stimme besaßen.

„O nein, Sie haben recht, Miss ...“

„Martha ... so nennen mich alle.“

„Danke, Miss Martha. Ich bin Pat O’Brian.“

Sie nickte.

„Die NEPTUN, nicht wahr? Eigner: Gene Tarrot.“

„Wir sind Partner, das Schiff gehört uns zu gleichen Teilen. Eh, darf ich mich setzen, oder störe ich?“

„Ich habe nur wenig Zeit, Mister O’Brian, aber für ein paar Minuten wird es schon reichen.“ Wieder lächelte sie. „Sehen Sie, es ist eine merkwürdige Situation für mich, denn ich kenne Sie nicht, habe nie Ihre Stimme gehört. Sie jedoch hatten die Gelegenheit, oft mit meiner Stimme zu sprechen, sich mit ihr zu unterhalten. Aber die Gedanken und Wortkombinationen Ihres Roboters sind nicht die meinen.“

„Ich weiß“, wehrte Pat ab. „Trotzdem hatte ich den Wunsch, Sie persönlich kennenzulernen. Nun werden meine Gespräche mit Sweety viel interessanter werden ...“

„Sweety?“

Er grinste verlegen.

„So nannten wir unseren Computer – der Stimme wegen.“

Sie lachte laut auf, und Pat fühlte sich glücklich, als sie lachte. Sie hatte braune Augen und braunes, langes Haar. Ihr Gesicht strahlte Selbstbewusstsein, aber auch eine gewisse Wärme aus. Sie schien ein Mensch zu sein, den man einfach gernhaben musste.

Die Unterhaltung dauerte mehr als nur ein paar Minuten, und als Pat aufbrach, nahm er ihr Versprechen mit, sie nach Dienstschluss ausführen zu dürfen.

Martha war nicht so klug und allwissend wie Sweety, aber sie war eine Frau.

Viel, viel später an diesem Tag hatten beide das Gefühl, als hätten sie sich schon immer gekannt ...

Was wusste man im zwanzigsten Jahrhundert schon von dem Stern Altair?

Die ersten Erkenntnisse waren seine Helligkeit und Farbe. Letztere war fast identisch mit jener unserer Sonne, nämlich gelblich. Also durfte auch angenommen werden, dass er eine entsprechende Struktur im Aufbau besaß wie die Sonne. Die Helligkeit betrug 0,89.

Die Astronomen fanden aber noch mehr heraus.

So stellten sie fest, dass der Durchmesser von Altair zwar dem unserer Sonne entsprach, also etwa anderthalb Millionen Kilometer, seine Masse jedoch zweieinhalbmal so viel betrug. Das ließ auf ein starkes Gravitationsfeld...



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