Eschen | Die Wiege der Weißen Löwin: Sofia und Yana | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Eschen Die Wiege der Weißen Löwin: Sofia und Yana

Vom Reichtum über Obdachlosigkeit zur Erfüllung
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-347-92501-4
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Vom Reichtum über Obdachlosigkeit zur Erfüllung

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

ISBN: 978-3-347-92501-4
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die obdachlose Sofia Waters kommt mit Erschöpfung und starken Beinschmerzen ins Krankenhaus. Dort lernt sie Angela kennen, die für eine Wohltätigkeitsorganisation arbeitet. Sofia erzählt Angela aus ihrer Vergangenheit: Einst war sie eine berühmte Kinderbuchautorin, die alles verlor, als ihre Familie sie finanziell ausnutzte. Später begegnet Sofia einer sterbenden Frau namens Avril, die ihr den Schlüssel zu ihrer Villa und den Auftrag gibt, einen wertvollen Diamanten zu finden und ihn von einer bestimmten Person schätzen zu lassen. Sofia macht sich auf die Suche nach dem Diamantenschätzer, muss aber feststellen, dass er ermordet wurde. Sie lernt einen Mann namens Jamie Jamieson kennen, der der Geschäftspartner des Schätzers war und die Identität des Mörders kennt. Gemeinsam arbeiten sie daran, den Mörder zur Rechenschaft zu ziehen und ein landesweites Kartell von Diamantenhändlern aufzudecken. Die Wiege der Weißen Löwin, Avrils Anwesen, wird zu einem Zufluchtsort für Straßenkinder und Obdachlose. Sofia übernimmt die Leitung und teilt ihre Erfahrungen mit den jungen und alten Obdachlosen. Yana und Timmy sind zwei der Kinder, die in Sofias Heim Zuflucht finden. Yana wurde zu einer arrangierten Ehe mit ihrem älteren Cousin gezwungen, konnte aber mit Timmys Hilfe fliehen. Während ihres Aufenthalts im Heim wird sie in eine Reihe mysteriöser Hundemorde verwickelt. Um den Fall zu lösen, verbündet sich Yana mit dem Detektiv Jack Renna. Die beiden entwickeln eine romantische Beziehung.

Bea Eschen ist gebürtige Deutsche und lebt seit 1984 im Ausland. Momentan ist sie in Sydney, Australien, zuhause. Ihr bisheriges Leben auf den verschiedenen Kontinenten Südafrika, Neuseeland und Australien brachte ihr viele Erfahrungen, die sie zum Schreiben anregen. ......................................................................................................................................................................
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DIE WIEGE DER WEISSEN LÖWIN

Damals wusste ich nichts davon, aber nachdem der Bauplan des Heimes für Obdachlose und Straßenkinder veröffentlicht wurde, brach ein Protest in der Nachbarschaft aus. Den Einheimischen gefiel die Idee nicht, dass Straßenvölker ihre kultivierten Straßen benutzen sollten. Aber seitdem der alte Bürgermeister in lebenslanger Haft sitzt und mit ihm seine kapitalistische Politik, hat man einen neuen Mann mit humanistischen Ansichten gewählt. Er und sein Team haben es trotz harten Widerstands von der Finanzlobby geschafft, eine Armutssteuer in Kraft zu setzen. Sämtliche Finanzgeschäfte an der Börse, die bisher kostenlos waren, unterliegen jetzt einer Überweisungssteuer. Die Milliarden von dadurch erworbenen Globaleinheiten werden zur Bekämpfung der Volksarmut benutzt. Es wird von einem persönlichen Grundeinkommen geredet. Jeder Bürger soll ab nächstem Jahr monatlich eine Summe erhalten, um sich das Notwendige zum Überleben leisten zu können.

Seit der neuen humanistischen Regierung werden heimatlose Menschen in Kirchen, Krankenhäusern und anderen neu errichteten Institutionen betreut. Viele Suppenküchen und sogar Restaurants bieten kostenloses Essen an. So, wie die machtvollen Spekulanten und Banken ihr Privileg der steuerfreien Finanzgeschäfte verloren, verloren auch die Bewohner der Fergusson Straße und Umgebung ihren Kampf gegen das Heim. Die Renovierungsarbeiten in der bestehenden Villa wurden abgeschlossen, bevor das neue Gebäude im hinteren Teil errichtet wurde, und das Heim für elternlose und ungewollte Kinder ist nun in Betrieb.

Neben anderen Wohltätigkeitsorganisationen bin ich ein wichtiger Spender geworden; die Hälfte der Einnahmen, die ich aus der Vermietung des Diamanten verdiene, gehen direkt an Die Wiege der Weißen Löwin, auch kurz als Die Wiege bekannt. An der Straßenfront wurde ein großes Leuchtschild errichtet. Jeder Buchstabe strahlt in einer anderen Farbe. Der Hintergrund des Schildes stellt eine Wüste dar, die ein Rudel von weißen Löwinnen und ihre Jungen mit einer ausgeprägten weißen Löwin im Vordergrund zeigt.

Mein Einkommen ist beständig und beträchtlich. Jamie sorgt dafür, dass der Diamant laufend von Galerien und Museen weltweit gepachtet wird. Meine neue finanzielle Freiheit erlaubte mir, den Dachboden der Wiege in ein Zuhause für mich zu verwandeln. Es ist eine kleine gemütliche Wohnung mit Holzwänden und Teppichböden. Badezimmer und Küche sind modern gestaltet und mit allem ausgestattet, um mich selbst zu versorgen. Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht für Jamie zu kochen, der mich mindestens zweimal die Woche zu Mahlzeiten und zum Schach besucht. Das regelmäßige gute Essen hat mich wieder an Gewicht zunehmen lassen. Ich sehe gesünder aus und fühle mich viel besser.

Vom Dachfenster aus habe ich einen Blick auf die Stadt und die Bäume in der Ferne; das Gebiet, in dem ich mich als Obdachlose herumtrieb. Oft verliere ich mich in Gedanken über meine Vergangenheit und die Gegenwart; die geistige Kraft, die ich aus meinem heimatlosen Leben gewonnen habe; die Begegnung mit Avril und die finanzielle Unabhängigkeit, die sie mir geschenkt hat; die spirituelle Umwandlung, die ich durchgemacht habe, und wie ich jetzt den Kindern mit einer Erfahrung zur Seite stehe, der niemand sonst standhalten kann. Obwohl meine Arbeitskolleginnen qualifiziert und professionell sind, habe ich etwas erreicht, das über das erworbene Wissen hinausgeht. Es ist das gelebte und tief empfundene Gefühl, am Rande der Existenz zu stehen, das mir eine ewige Lebenskompetenz gegeben hat. So wie die kraftvolle Aura der weißen Löwin mir geholfen hat, tiefe Trauer und Verzweiflung zu überwinden, kann ich jetzt den Kindern helfen, sich von den Qualen des Straßenlebens zu erholen.

In den ersten Wochen tauchte kein Kind in der Wiege der Weißen Löwin auf, bis ich auf die Idee kam, durch die Hang-Outs der Straßenkinder zu laufen und Flyer zu verteilen. Ich wusste, wo man sie findet: in der Nähe von Kirchen, Restaurants, Märkten, Kinos, Supermärkten, Theatern und Einkaufszentren. Zwei Tage später fanden wir ein Neugeborenes vor der Haustür. Es war in dicke Decken gehüllt und eine Flasche gefüllt mit Milch lag neben seinem hilflosen Körper in dem kleinen Korb. Angela und ich waren schockiert. Wir hatten alles erwartet, aber nicht das! Vorsichtig nahmen wir das Baby aus dem Körbchen, überprüften es auf Anzeichen von Verletzungen und beschlossen, den Vorfall der Polizei zu melden. Dort verwies man uns an das Waisenhaus, wo sie das Baby aus Mangel an Beweisen, dass es keine Eltern hatte, ablehnten. Wir hatten keine andere Wahl, als es mitzunehmen, und benannten den kleinen Jungen nach dem ersten Kind, das jemals bei Der Wiege auftauchte: Erster.

Als das zweite Kind seinen Kopf durch das offene Fenster steckte, bat ich es herein. Er war ein Junge im Alter von etwa zwölf Jahren. Er sah heruntergekommen aus.

„Möchtest du mit mir essen?“, fragte ich ihn.

Er nickte, ohne mich anzusehen und stand wie angewurzelt da. Offenbar war er in schlechter Verfassung; abgemagert bis auf die Knochen, in Lumpen gekleidet und schmutzig.

„Wie heißt du?“

„Timmy.“

„Nimm dieses Butterbrot jetzt schon mal, das Essen wird in einer Stunde fertig sein.“

Er verschlang das Brot. Dann gab ich ihm eine Flasche Milch, die er in einem Zug austrank. Er verschwand und kam an diesem Tag nicht zum Essen zurück, aber am Nächsten kam er in Begleitung eines Mädchens, dessen äußere Erscheinung einen mittelöstlichen Charakter hatte. Ihr schwarzes langes Haar war eine Ewigkeit nicht mehr gebürstet worden. Das einst farbenprächtige übergroße Kleid mit glitzernden Steinen war verblasst. Sie trug keine Schuhe und ihre Füße waren schwarz und verkrustet mit altem Schmutz. Die großen Augen schauten sich ängstlich im Zimmer um. Ich bat die beiden Kinder, hereinzukommen. Zögernd kamen sie näher; immer bereit, sofort wieder wegzulaufen.

„Kommt herein, ihr könnt mir vertrauen. Ich bin hier, um euch zu helfen.“ Ich lächelte, um sie willkommen zu heißen. An Freundlichkeit waren sie nicht gewöhnt und wussten daher nicht, wie sie reagieren sollten. Timmy zog das Mädchen hinter sich her. Sie starrte mich an.

„Hallo, ich bin Sofia. Wie ist dein Name?“

„Yana“, flüsterte sie ängstlich.

„Bitte fühlt euch hier wie zu Hause. Ich bereite jetzt ein Essen für euch zu. Danach könnt ihr duschen und euch frisch anziehen. In der Zwischenzeit könnt ihr euch entweder umsehen oder euch einfach hinsetzen und mir zusehen.“

Sie setzten sich hin und beobachteten mich ununterbrochen, auf eine plötzliche Veränderung oder eine Spur von Gefahr bedacht, die sie zweifellos sofort wegrennen lassen würde. Ich wärmte die Hühnersuppe auf und stellte jeweils eine Schale vor sie. Die Kinder ignorierten die Löffel, nahmen die Schale in die Hand und leerten sie hastig. Um das Hühnerfleisch zu verzerren, nahmen sie ihre Finger. Es war wohltuend, ihnen zuzusehen, denn sie verschlangen jeden Bissen mit großem Genuss. Ich schätzte beide Kinder als gleichaltrig, wollte aber nicht zu viele Fragen stellen, um sie nicht noch mehr zu verängstigen.

Also beschloss ich, den Dingen ihren natürlichen Lauf zu lassen. Nachdem sie mit dem Essen fertig waren, wartete ich auf ihren nächsten Zug.

„Dusche?“, fragte Yana und zeigte auf sich selbst.

„Ja, komm bitte mit.“

Langsam folgte sie mir in das Badezimmer für Mädchen. Ich gab ihr ein Handtuch und saubere Kleidung. Zum Dank legte sie ihre Hände zusammen, was ich für eine süße Geste hielt. Dann führte ich Timmy zum Badezimmer für Jungen, wofür er mir mit Worten dankte. Als die Kinder etwas später wieder in der Küche auftauchten, fragten sie nach mehr Hühnersuppe, von der sie jeweils eine weitere Schüssel aßen. Ich war froh, dass sie mir langsam Vertrauen schenkten. Diesmal setzte ich mich zu ihnen und leistete ihnen Gesellschaft. Nachdem sie ihre Suppe gegessen hatten, bot ich ihnen frische Früchte und Kekse an, die sie gerne annahmen.

„Ihr könnt heute Nacht hierbleiben. Die Betten sind frisch gemacht und warten auf kleine müde Leute.“

Sie lächelten zum ersten Mal.

„Wir wollen in einem Bett schlafen“, sagte Timmy.

„Kein Problem!“

Sie schliefen die nächsten vierzehn Stunden.

Yana ist heute noch bei uns. Angela fand heraus, dass ihre Eltern Yana mit ihrem fünfzigjährigen Cousin verheiratet haben, der sie seitdem sucht, um sie mit nach Pakistan zu nehmen. Ich habe eine Rechtsschutzanordnung vom Schutz des Kindes erhalten, eine Organisation, die das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte des Kindes vertritt und umsetzt. Die Anordnung berechtigt mich,...



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