Essigmann | Sagen und Märchen Altindiens, Band 1 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 180 Seiten

Essigmann Sagen und Märchen Altindiens, Band 1


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-0350-2
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 180 Seiten

ISBN: 978-3-8496-0350-2
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Erleben Sie die Märchen und Sagen aus aller Welt in dieser Serie 'Märchen der Welt'. Von den Ländern Europas über die Kontinente bis zu vergangenen Kulturen und noch heute existierenden Völkern: 'Märchen der Welt' bietet Ihnen stundenlange Abwechslung. Ein Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis dieses Buches: Inhalt: 1. Im Weltalter der Götter Schöpfung und Flut Die Götter und ihre Feinde Katscha und Dewajani Mada, der Riese Leidenschaft Nahuscha Der Fluch der Schlangenmutter Amrita, der Göttertrank Patala, die Unterwelt Ganga, die Dreipfadige Das Schlangenopfer 2. Nala und Damayanti 3. Bharatas Heldenstamm Vorgeschichte Bhischma Amba - Schikhandin Pandu und Dhrilarasehtra Pandava und Kaurava Jugend Feindschaft Bhimas Abenteuer Draupadi Ardschuna Großkönig Judhischthira Das Spiel Die zwölf Jahre Der Raub der Draupadi Die zwölf Monde Recht oder Macht? Die Schlacht Bhischmas Ausgang des Erhabenen Gesang: Dronas Ende Karnas Tod Sieg, Rache und Klage Der Pandava Ausgang

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Amrita, der Göttertrank


Nun war in jener Zeit der Götter Sehnsucht nach ewiger Jugend und Unsterblichkeit erwacht. Die Zauberformel, welche Katscha von den Danawa geholt hatte, war durch Uschanas' Fluch der Welt verloren gegangen und hatte bei allen die Liebe zu ewigem Leben erweckt.

Da traten die Aditisöhne vor Brahma und baten ihn um Rat. Und der Ewige sprach:

»Sehet! im Wasser ist alles, was das Leben erhält! Das winzigste Kräutlein zieht seine Kraft daraus, wie der mächtige Elefant der Berge. Und das Wasser des Himmels fließt in Bächen und Strömen über alles Verwesende, nimmt die letzten Lebenssäfte-Lebenskräfte mit und trägt sie in das weite Meer.

Im Ozean ruht das ewige Leben!

Auf! Sondert das Amrita, den köstlichen Unsterblichkeitstrank, von der salzigen Flut, wie der Hirte die goldgelbe Butter von dem bläulichen Naß der Milch

Die Götter riefen die Dämonen herbei, denn sie wären allein für das Riesenwerk zu schwach gewesen. Die Söhne der Diti und der Aditi schlossen Frieden und machten sich an die segenverheißende Arbeit.

Der Berg Mandara war zum Rührstock ausersehen.

In gewaltiger Anstrengung rissen Götter und Dämonen ihn aus seinen Grundfesten und schleppten ihn zum Meer. Der Schildkrötenkönig Akupara bot seinen starken Rücken als Lager für den Riesenquirl, und Indra hob den Mandara auf den hochgewölbten Panzer des geduldigen Tieres.

Nun fehlte es an einem Strick, um den mächtigen Rührstock zu drehen.

Da hielt der Schlangenkönig Wasuki die Stunde für gekommen, in der er für sich und die Seinen der Götter Freundschaft und Dankbarkeit erwerben konnte: Er bot sich den Suchenden als Quirlstrick an. Der tausend Meilen lange Schlangenkönig schlang sich um den Mandara.

Die Götter faßten seinen Kopf, die Dämonen den Schwanz, und in gleichmäßigem Hin und Her wirbelten sie das Meer durcheinander, daß der Gischt in die Wolken spritzte.

Huii! sauste und rauschte das, als die Wellen hier Abgründe aufrissen, dort Berge auftürmten! – Wie im Donner erzitterte die Erde unter dem mächtigen Wogenprall.

In jähem Wirbel wurden zuerst alle Fische in den brodelnden Abgrund gerissen. Immer schneller drehten Götter und Dämonen! Die Drehstürme rissen Vögel aus der Luft und warfen sie in den schäumenden Kessel. Und der Riesenquirl tanzte immer schneller! Die Tiere der Uferwälder wurden von Luftwirbeln in die Tiefe geschleudert, und alles Leben da unten zerstoßen, zermalmt, zerrieben! Baum und Gras wurden hineingerissen, und der Mandara glühte mitten im Meer und ergoß Ströme geschmolzenen Goldes und Silbers ins Wasser!

Da gerannen plötzlich die tobenden Fluten. – Ein wunderschönes Weib in goldgelbem Kleide hob sich aus dem Schaum, in der Rechten eine Schale aus einem einzigen Edelstein tragend: darin war Amrita, der Trank der Unsterblichkeit.

Das herrliche Weib war Lakschmi, die Göttin des Glückes, die leibhaftige Schönheit.

Sie schlang den Arm um Wischnus Hals und wählte ihn zu ihrem Gatten.

Die Götter tranken von dem köstlichen Amrita und gedachten nicht der Dämonen, die jenseits des Berges standen. Die leuchtende Schale ging von Hand zu Hand und ward nicht leer.

Plötzlich bemerkten Sonne und Mond, daß sich Rahu, ein Dämon der Finsternis, unter die trinkenden Götter gemischt hatte und eben an der kostbaren Schale nippte. Erschreckt riefen sie Wischnu an, dieser schleuderte seine nie fehlende Wurfscheibe und schnitt damit Rahus Haupt vom Rumpfe.

Tot sank der Leib des Dämonen zu Boden, denn der Unsterblichkeitstrank war noch nicht durch die Kehle gelaufen. Das abgeschnittene Haupt aber fliegt ewig durch den Weltenraum, denn unsterblich ist es durch das Amrita geworden:

Brüllend verfolgt es Sonne und Mond, kommt bald diesem, bald jener nahe und droht die Leuchtenden zu verschlingen – denn sie haben Rahu an Wischnu verraten.

Als die Dämonen sich von den Göttern um das Amrita betrogen sahen, stürzten sie hinter dem Berg hervor, und es kam zu fürchterlichem Kampf.

Aber die Unsterblichen erschlugen der Dämonen so viele, als sie umdrängten. Nur wenige konnten sich vor den streitbaren Lichtgöttern in die Tiefe des Meeres retten.

Nachdem die Götter den Berg Mandant wieder auf seinen Platz gestellt hatten, traten sie mit dem Schlangenkönig Wasuki vor Brahmas Angesicht.

Sie priesen dem Ewigen die guten Dienste, die der Herr der Schlangen ihnen geleistet hatte, und baten den Weltenschöpfer, den Fluch der Kadru zu mildern, denn die Sorge um die Zukunft der Seinen verzehre den wackren Wasuki.

Da sprach der milde Herr der Geschöpfe:

»Unauslöschlich steht der Mutter Fluch in meinem Sinne, und zu viele der Giftwürmer schleichen unter meinen geliebten Geschöpfen umher. Sie sollen untergehen, auf daß die Welt gedeihe und der Mutter Wort geachtet werde wie meines! Nun eine kleine Schar von ihnen will meine Gnade erretten:

Wenn Wasukis Schwester Dscharatkaru die Gattin eines frommen Einsiedlers wird, der, trotz seiner Gelübde, um ein Weib bettelt, so wird sie einen edlen Sohn gebären, welcher die letzten Schlangen vor den unwiderstehlich lockenden Zauhersprüchen des Opferpriesters bewahrt

Traurig ob des unabwendbaren Verhängnisses schlich Wasuki von dem Lotusthron des Ewigen hinweg.

Er sandte die Klügsten seines Volkes durch alle Lande, daß sie den Büßer suchten, welchen das Schicksal seiner schönen Schwester zum Gatten bestimmt hatte: das Geschlecht der Zickzackläufer sollte nicht aus der Welt verschwinden.

Patala, die Unterwelt


Die letzten Dämonen hatten sich im Meer verborgen und brüteten Rache.

»Laßt uns Glauben und Sitte vernichten sprachen sie. »Ist die Zucht der Frommen dahin,, so bleiben die Götter ohne Opfer, und ihre Kraft schwindet wie Schnee vor der Sonne. Schweigt die Lehre, so stirbt Sitte und Brauch; keiner wird dann ein Opferfeuer entzünden und den Himmlischen Speise und Trank bieten

Des Nachts schlichen sie aus den Gewässern, erwürgten die frommen Brahmanen, die Einsiedler und Büßer, und fraßen ihr Fleisch, daß die Knochen und Schädel in der Wildnis bleichten.

Von Tag zu Tag wurden weniger die Frommen, die allein die heiligen Opferbräuche und das alles ordnende Wissen des Weda kannten. Die Feuer erloschen auf den Altären, die Menschen wüteten gegeneinander in Haß und Mord, denn kein Gesetz, keine Vätersitte zügelte ihr wildes Wesen, seit die Überlieferung mit den Lehrern der Menschheit dahinschwand. Einer scheute den andern, wie das Lamm den Tiger, und sie flohen einander und bargen sich in den Höhlen und Klüften der wildesten Berge.

Nur wenige, in denen die alte Tugendlehre durch einzelne, den Dämonen entgangene ßrahmanen lebendig erhalten worden war, zogen als Helden gegen die Schrecken der Finsternis. Doch sie blieben im Kampf mit den Unholden.

Die Lichtgötter verloren an Kraft und Macht, als die Opfer ausblieben, denn der Glaube stärkt Menschheit und Gottheit.

In dieser Not kamen die Himmlischen zu dem allewig Unveränderlichen und baten ihn um Hilfe für seine Welt.

»Ihr sollt die Brahmanenmörder vernichten sprach Brahma, »und müßtet ihr dazu den Meeresgrund trocken legen! – Bittet den Heiligen Agastya! Die Bußkraft dieses Frommen ist mächtig genug, um euch zu helfen

Da gingen sie nach der Klause des Heiligen und sprachen zu ihm: »Du frommer Seher der Urzeit, der du dem Windhiaberge das Wachsen verboten, als er voll Neid auf den Meru die Sonne verdunkeln wollte! Du Starker, der den Frevler Nahuscha vom Weltenthron...



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