Etherington | Highheels und heiße Küsse | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 123 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

Etherington Highheels und heiße Küsse


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7457-5369-1
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 123 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

ISBN: 978-3-7457-5369-1
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ob spitz, mit Plateau oder perlenbestickt - Lily entwirft die tollsten Schuhe. Um das Geschäftliche kümmert sich der gut aussehende James. Bis jetzt waren sie nur Freunde, doch dann kündigt James auf einmal. Erst jetzt wird Lily klar, dass sie sich in ihn verliebt hat ...

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1. KAPITEL

Lily Reaves schlenderte durch die Tür ihres Büros in Manhattan und bewunderte immer noch ihre neuen Schuhe. Einzigartig, eben Lilys. Würden Prominente eines Tages den Namen Lily Reaves mit der gleichen Ehrfurcht aussprechen wie heute den von Manolo oder Prada?

Nun, vielleicht spielte sie noch nicht in der gleichen Liga, aber sie befand sich ganz definitiv auf dem Weg dahin. Sie, die auf einer Farm in der Nähe von Des Moines aufgewachsen war, hatte es geschafft, in New York ihren Weg zu machen. Manchmal verschlug ihr dieser Gedanke den Atem.

Sie betrachtete sich in dem vergoldeten Spiegel, der im Empfangsbereich hing. Die blassgelben Stilettos mit den pinkfarbenen Strass-Schmetterlingen würden einer der Höhepunkte ihrer Frühlingskollektion sein.

Als sie den Flur entlangging, vorbei an Bürotüren und ihrem Atelier, in dem sie ihre Entwürfe erstellte, sah sie, dass der Stuhl hinter dem schwarzen, halbrunden Empfangstisch leer war. Ein Blick auf die Uhr, eine Fünfdollaruhr von einem Straßenverkäufer aus der Sixth Avenue, bestätigte ihr, dass es beinahe Mittag war, und Garnet hatte sich noch nicht eingefunden. Lily schüttelte den Kopf. Dieses Mädchen kam nie pünktlich.

Lily stöckelte zum Büro ihres Office Managers. James Chamberlin saß hinter dem wie immer ordentlichen Mahagonischreibtisch und machte Notizen mit seinem Lieblingsstift, während er den Telefonhörer zwischen Ohr und Schulter geklemmt hielt. Kein einziges seiner dunkelbraunen Haare lag nicht da, wo es liegen sollte. Er hatte zwar das Jackett ausgezogen, aber sein marineblauer Schlips und das weiße gebügelte Hemd saßen perfekt.

„Ich weiß, aber Sie müssen das ändern“, sagte er ins Handy. „Die Frühlingsschau hat oberste Priorität.“

Er deutete auf den Stuhl ihm gegenüber.

„Haben Sie das Organisationsmodell benutzt, das ich Ihnen letzte Woche geschickt habe?“ Er hob die Brauen. „Nun, vielleicht ist genau das das Problem.“

Seine dominante Stimme machte die meisten Menschen nervös. Lily hatte Glück gehabt. Er war der beste Manager, den man im ganzen Land finden konnte. Er hatte die Geschäftsinteressen von Oscar-Preisträgern und Spitzenmanagern wahrgenommen. Jetzt setzte er sich für ihre ein.

Darüber hinaus liebte und respektierte er seine Mutter. Ihr hatte Lily es zu verdanken, dass er seit neun Monaten ihr Geschäftsführer war. James’ Eltern waren preisgekrönte Schauspieler. Lily hatte sich eines ihrer Stücke angesehen und danach vor dem Bühneneingang gewartet, um ein Autogramm zu bekommen.

Sie und die lebenssprühende Fedora Chamberlin hatten sich auf Anhieb verstanden und waren Freundinnen geworden. Eines Tages hatte Lily beim Mittagessen erwähnt, wie schwer es ihr fiel, einen geeigneten Manager für ihr expandierendes Unternehmen zu finden. Und siehe da! Fedoras einziges Kind, James, war die Lösung für Lilys Problem.

Zur Freude seiner Mutter kündigte er den Job in L. A. und fing bei Lily an. Er war sehr professionell, besaß einen scharfen Verstand, war geduldig und hatte Verständnis für Lilys Stimmungsschwankungen und ihr mangelndes Organisationstalent. Ihm hatte sie es zu verdanken, dass Lily Reaves’ Schuhe zur Sensation geworden waren. In ein paar Wochen würden drei Top-Modedesigner ihre Schuhe in der Frühlingsschau präsentieren.

„Gut. Setzen Sie sich am Nachmittag wieder mit mir in Verbindung.“ James legte auf und sah Lily an. „Nun, wie ist es gelaufen?“

Sie erhob sich und stellte einen Fuß auf den Stuhl, damit er ihren Stiletto sehen konnte. „Großartig, nicht wahr?“

„Sehen verdammt unbequem aus.“

„Du sollst sie ja nicht tragen.“

Sie warf ihm einen ärgerlichen Blick zu. Er hatte ihr kein Kompliment gemacht. Dabei trug sie eine eng anliegende Bolero-Jacke und einen schmal geschnittenen Rock mit zu den Schuhen passenden Strass-Schmetterlingen. Einer der Designer hatte ihr das Outfit geschickt, nachdem sie seiner Schwester mehrere Paar Schuhe in Übergröße hatte zukommen lassen. In einer Stadt, in der Kleidung horrend teuer war, musste eine Frau sehen, dass sie Schnäppchen machte, wann immer sich ihr die Gelegenheit bot.

Jetzt glitt James’ Blick nach unten. Ihn interessierten weder ihre Haare, mit denen sie täglich kämpfte, noch ihre Kleider oder ihre Beine. Nein, er studierte ihre Schuhe, wobei seine grauen Augen vor lauter Konzentration schmal wurden. „Die handwerkliche Arbeit ist ausgezeichnet. Ich mag den Glanz des Leders. Das Design ist anständig.“

Überschwänglich war James nicht gerade. Aber, na schön, sie zahlte ihm sein Gehalt ja auch nicht für Komplimente. Lily ließ sich wieder in den Stuhl fallen, strich den Rock glatt und schlug die Beine übereinander. „Wo ist Garnet?“

„Beim Mittagessen.“

„Wie lange schon?“

Er blickte auf die Messinguhr an der Wand. „Zu lange. Wie immer.“

„Hast du ihre Füße angesehen?“

„Ja.“

„Wenn ich sie noch einmal dabei erwische, dass sie so ein Paar …“

James seufzte. Ihr strenger Ton schien ihn kein bisschen zu überzeugen. „Ich weiß … dann wirst du sie feuern.“

„Warum habe ich sie eigentlich überhaupt eingestellt?“

„Weil einer deiner wichtigsten Kunden das wollte, kein guter Grund.“

„Der Kunde hat mich darum gebeten.“ Gestern hatte sich Garnet mit einem Paar Schuhen davongeschlichen, die Lily für ein Schaufenster von Bloomingdale’s entworfen hatte. Sie seufzte. „Langsam beginne ich zu verstehen, warum.“

„Du wirst sie ja doch nicht feuern, Lily.“

„Doch, das werde ich.“

„Beweise es.“

Sie lächelte. „Willst du dich über mich lustig machen, James Chamberlin?“

Er hob die Hände. „Niemals würde ich das tun.“

Lily stützte das Kinn auf die Hände. Garnet hatte durchaus Potenzial. Sie brauchte nur etwas Anleitung. Und ein Ziel. Und Ehrgeiz. All diese Dinge hatte Lily gehabt, als sie in die Stadt gekommen war, trotzdem kämpfte sie noch heute manchmal um ihr Selbstvertrauen. „Garnets Vater hat mir einmal geholfen, als ich wirklich dringend Aufträge brauchte.“

„Ich weiß.“ James machte ein ausdrucksloses Gesicht.

„Bist du eigentlich nie jung und ziellos gewesen?“

„Nein.“

Lily betrachtete sein vollkommen ernstes Gesicht. Ja, das stimmte. James wusste nicht nur, wohin er wollte, er kannte auch immer mindestens drei Wege, um dorthin zu gelangen. Und er wusste, wie lange es dauern würde, Wetterbericht und Kilometerangabe inbegriffen.

Lily hatte einmal seinen Terminkalender gesehen. Dieser Anblick hatte sie in ihre Collegezeit zurückversetzt, als von ihr erwartet worden war, Essays mit diesen furchtbaren römischen Zahlen zu schreiben, mit Bibliografien und sogar Fußnoten. Sie überlief eine Gänsehaut bei diesen albtraumhaften Erinnerungen.

„Kannst du bitte noch einmal mit ihr sprechen, damit sie mir ausrichtet, wer angerufen hat?“, fragte er. „Sie hat keinerlei System. Manchmal schreibt sie es auf rosa Zettel, die sie mit Herzen bemalt. Manchmal mailt sie mir – obwohl sie meistens Dreher macht oder Zahlen vergisst. In seltenen Fällen schafft sie es sogar, mir eine Voicemail zu schicken. Meistens geht die allerdings an dich und nicht an mich.“

„Ich werde mit ihr reden“, erklärte Lily. Auch wenn Computer ihr im Grunde ein Rätsel waren – mailen war doch so etwas wie miteinander reden. Das verstand sie. „Hast du die Verträge für die Frühlingsschau bekommen?“

James hielt einen Stapel Papiere hoch. „Hier sind sie.“

Lily zögerte die Frage hinaus, die sie quälte, seit sie den Auftrag erhalten hatte. „Und? Da steht wirklich mein Name drin?“

Er schob ihr die Verträge zu. „Ja, natürlich.“

„Alles okay damit?“

„Ein paar Sätze müssen abgeändert werden. Aber sonst ist alles in Ordnung.“

Lily sah auf. Ihre Blicke trafen sich. „Habe ich dir schon gesagt, wie sehr ich deine Arbeit schätze?“

„Lily, das hast du dir selbst erarbeitet. Erinnerst du dich nicht?“

Sie schüttelte den Kopf. Sie war im Mittelfeld gedümpelt, bevor James bei ihr angefangen hatte. Ihr einziger Erfolg war vor zwei Jahren gewesen, als einer für den Oscar nominierte Schauspielerin beim Betreten des roten Teppichs ein Absatz gebrochen war und sie die Schuhe ihrer Assistentin angezogen hatte – ein Paar, das Lily entworfen hatte. In der Schuhindustrie war man daraufhin auf sie aufmerksam geworden, aber erst mit James’ Hilfe hatte sie das zu ihren Gunsten nutzen können.

Dieses Jahr hatte er Verbindungen zu den richtigen Leuten in L. A. hergestellt und eine Zusammenarbeit mit Hollywood-Stylisten arrangiert. Sie hatte danach Dutzende Paar Schuhe für Entertainer entworfen, die an der Oscar-Prämierung teilgenommen hatten.

„Ohne dich hätte ich das nie geschafft“, sagte sie.

Er lächelte. „Nun, ich bin eben der Beste …“

Sie blinzelte. James war die meiste Zeit über so ernst, dass sie kaum bemerkte, wie attraktiv er war. Erst wenn er lächelte, durchfuhr es sie. Nicht, dass er unattraktiv gewesen wäre, wenn er nicht lächelte. Nur war er es dann auf eine zugeknöpfte, konservative Art. Er war nicht...



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