E-Book, Deutsch, 268 Seiten
Etzel Thelma
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7407-7485-1
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ist es Wahnsinn oder Methode?
E-Book, Deutsch, 268 Seiten
ISBN: 978-3-7407-7485-1
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nach dem Studium der Psychologie war Gerhard Etzel lange Jahre als Managementtrainer und Coach für Führungskräfte tätig. Heute genießt er seinen Ruhestand. Er hat einige Fachbücher veröffentlicht, teilweise im Selbstverlag, einiges im Verlag managerSeminare. Seinen ersten Krimi »Das Spiel des Frauenmörders« hat er 2016 im Selbstverlag bei Amazon Create Space veröffentlicht.
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Königs Hofgut
Christoph König war sich darüber im Klaren, dass die Besprechung, zu der er gebeten hatte, schwierig werden würde. Alle waren vom unerwarteten Ableben Theodors betroffen. Vor allem Thelma war nach dem Tod ihres Vaters in sehr tiefe Trauer versunken und machte nicht den Eindruck, als ob sie bald wieder ihr normales Leben aufnehmen könnte. Deswegen hatte er sie auch nicht aufgefordert, an diesem Termin teilzunehmen. Aber es ging darum, den Bestand von Königs Hofgut sicherzustellen, und alle anderen waren sicher in der Lage, sich auf dieses Thema zu konzentrieren. Vor allem die Regelung der Nachfolge für den verstorbenen Theodor als Geschäftsführer war wichtig.
Aus diesem Grund hatte er auch Paul Polster, den Leiter der Gutsverwaltung, zur Teilnahme aufgefordert, obwohl er kein Familienmitglied und kein Anteilseigner der Firma war. Ihm war klar, dass Paul Polster versuchen würde, die Geschäftsführerposition des Unternehmens zu bekommen. Er hielt sich mit Sicherheit für den am besten geeigneten Kandidaten. Das entsprach ja auch der Wahrheit. Er, Christoph König, hatte sich bisher nie um das Business gekümmert. Ihm war wichtig gewesen, dass die Einnahmen flossen und ihm ein angenehmes, einigermaßen luxuriöses Leben ermöglichten. Das hatte sein jüngerer Bruder auch bestens erledigt. Grace König fehlte das für die Geschäftsführung not wendige Fachwissen, und Thelma war noch zu jung. Aber die Leitung sollte unbedingt von einem Mitglied der Familie König übernommen werden.
Polster hatte ihn gebeten, auch seinen Sohn Lukas einzuladen, da dieser nach Abschluss seines Betriebswirtschaftsstudiums als sein Nachfolger aufgebaut werden sollte. Nach anfänglichem Zögern hatte er zugestimmt. Es war sicher kein Fehler, wenn Lukas gleich zu Beginn seiner Karriere im Hofgut mitbekommen würde, in welche Richtung die zukünftige Entwicklung gehen sollte.
»Es ist mir nicht leicht gefallen, euch zu dieser Besprechung aufzufordern, obwohl erst zwei Wochen seit Theodors schrecklichem Unfalltod vergangen sind. Aber trotz aller Trauer: Ich denke, es wird Zeit, dass wir uns wieder gemeinsam um die Geschäfte kümmern. Wir müssen Entscheidungen treffen, die nicht hinausgezögert werden dürfen«, eröffnete er die Besprechung im großen Speisezimmer des Hofguts.
»Du hast recht, es gibt einiges zu erledigen, das keinen Aufschub duldet. Es wäre schade, wenn Königs Hofgut in Schwierigkeiten käme«, sagte Paul Polster. »So, wie ich in den fast vierzig Jahren meiner Mitarbeit mit aller Kraft und Energie euren Großvater und dann Theodor unterstützt habe, so werde ich auch weiterhin alles tun, um Königs Hofgut zum verdienten Erfolg zu verhelfen.«
»Du sagst, du wirst alles tun, das ist schön und gut. Aber die Frage der Geschäftsführung ist noch nicht geregelt. Bisher hielt Theodor vierzig Prozent der Gesell schafteranteile unserer GmbH, Grace und ich hatten je dreißig Prozent. Laut Testament vererbt Theodor seinen Anteil zu gleichen Teilen an Grace und Thelma. Damit haben wir nun folgende Verteilung: Grace hat fünfzig Prozent, ich bleibe bei dreißig, und Thelma hält zwanzig. Damit steht Grace eigentlich das Recht zu, über die Geschäftsführung zu entscheiden. Möchtest du das selbst machen, Grace, oder hast du einen anderen Vorschlag?«
Die so Angesprochene wehrte erschrocken ab. »Um Himmels willen, ich verstehe von dem Geschäft viel zu wenig. Nein, nein, ich kann das nicht machen.«
»Und wem möchtest du die Aufgabe übertragen? Ich glaube, Paul würde sich die Finger danach lecken«, sagte Christoph mit schiefem Grinsen. »Ist doch so, Paul, oder etwa nicht?«
Paul hatte anscheinend die Anspielung nicht verstanden. »Ich bin nicht abgeneigt. Vielleicht wäre es wirklich ganz sinnvoll, die Leitung einem Angestellten zu übertragen, der nicht zur Familie gehört. So könnten die Geschäfte unabhängig von eventuellen Interessenskonflikten innerhalb der Familie erfolgreich geführt werden.«
»Ist das wirklich praktisch? Sollte nicht Christoph das machen? Er muss die Geschäfte ja nicht wirklich führen, das könntest tatsächlich du erledigen, Paul, aber im Hintergrund. Christoph trägt den Namen König, die Leute kennen ihn, sicher finden sie das gut. Das ist nach meiner Meinung die beste Lösung.« Grace zeigte sich ungewöhnlich engagiert.
Christoph war zufrieden. Er war sich sicher gewesen, dass Grace ihn vorschlagen würde. Auf die Argumentation von Polster ging er mit keinem Wort ein. »Wenn du das so siehst, Grace, bin ich einverstanden. Ich glaube auch, dass das eine sehr gute Lösung ist. In der Aufgabenverteilung wird sich nicht viel ändern, wir müssen nur überlegen, wie wir die Lücke füllen, die Theodor gerissen hat.«
Christoph legte eine Pause von einigen Sekunden ein, wie wenn er seines verstorbenen Bruders gedenken wollte. »Gut, nachdem das geklärt ist, nun zum nächsten Thema«, fuhr der neu ernannte Geschäftsführer dann fort. »Was machen wir mit dem Problem Alois Hammerl? Paul, bitte fasse für uns noch einmal die Fakten zusammen.«
Paul Polster lies sich die eben erlittene Abfuhr nicht anmerken, obwohl er tatsächlich sofort nach Theodors Tod auf die Position des Geschäftsführers spekuliert hatte. Er redete in geschäftsmäßigem Ton. »Alois Hammerl, Großbauer aus Icking…«
Er wurde sofort von seinem Sohn Lukas unterbrochen: »Aus Irschenhausen. Das ist zwar Gemeinde Icking, aber wenn du dich mit den Irschenhausener Bauern, besonders mit Alois Hammerl, gut stellen willst, dann sage Irschenhausen. Die sind da sehr eigen.«
Polster sah seinen Sohn verärgert an, lenkte dann aber ein. »Wenn du meinst, dann halt Alois Hammerl, Großbauer aus Irschenhausen. Sein Land liegt an der Gemeindegrenze zwischen Schäftlarn und Icking-Irschenhausen genau neben unserem. Er hat beantragt, auf seinem Grund, direkt an unserer Grenze, zwei Windkrafträder bauen zu dürfen. Die projektierten Anlagen sind mehr als zweihundert Meter hoch, halten aber das Kriterium zehnfache Höhe als Abstand zur nächsten Wohnbebauung ein. Theodor hatte angekündigt, gegen das Vorhaben klagen zu wollen.«
Christoph ergänzte die Ausführungen von Paul Polster. »Theodor war strikt gegen dieses Projekt, weil der Anblick der Windräder seiner Meinung nach die Kunden in unserem Wellnesshotel und die Gäste im Reiterhof vergraulen würde. Außerdem befürchtete er, dass der von den Windrädern ausgehende Infraschall möglicherweise negative Auswirkungen auf unsere Schaf- und Rinderzucht haben könnte.«
Paul Polster übernahm wieder das Wort. »Ich habe immer wieder versucht ihm klarzumachen, dass wir wenig Chancen hätten, die Windräder zu verhindern. Dass die Kunden ausbleiben würden, ist reine Spekulation, und für den Infraschalleffekt gibt es keine wissenschaftlich bestätigten Fakten.«
»Wenn du das überhaupt vorgebracht hast dann wahrscheinlich nur sehr halbherzig. In Wirklichkeit hast du ihn in seiner Meinung doch nur unterstützt. Du hast Spenden an überwiesen, du hast ihn mit jedem erdenklichen Propagandamaterial gegen Windkraft versorgt und hast ihm einen Anwalt vermittelt, der die Klage gegen Hammerls Projekt vorbereiten sollte. Deine Solidarität mit meinem Bruder in allen Ehren, aber das reicht jetzt«, sagte Christoph verärgert. »Wir geben den sinnlosen Widerstand auf. Wir verhandeln mit Alois Hammerl und bieten ihm eine Partnerschaft zum Betrieb der Windräder an.«
Lukas wollte etwas sagen.
»Was gibt’s?«, fuhr ihn sein Vater an. Anscheinend hatte Paul Polster die Belehrung von vorhin und jetzt den Vorwurf von Christoph König noch nicht verdaut. Die Wortmeldung von Lukas kam gerade recht, um seinem Ärger ein wenig Luft zu machen.
»Paul, lasse ihn bitte reden«, sagte Christoph.
»Da müsste man aber gleichzeitig überlegen, wie man möglichst konstruktiv mit den Bürgern umgehen kann, die gegen die Windräder sind. Die machen eine gute Pressearbeit und haben die lokalen Zeitungen auf ihrer Seite. Es wird immer wieder berichtet, dass zahlreiche Bürger die Windräder ablehnen. Es wäre fatal, wenn in dieser Sache in der Süddeutschen Zeitung und im Münchener Merkur Negatives über Königs Hofgut zu lesen wäre.«
Christoph nickte nachdenklich. »Das ist ein guter Hinweis.« Er sah kurz zu Paul Polster und sagte dann zu ihm: »Du willst ja deinen Sohn möglichst schnell in die aktuellen Geschäfte einbinden. Das ist auch mein Interesse. Dann übertragen wir ihm doch diese Aufgabe. Das ist dir doch sicher recht?«
Da Paul nur ergeben den Kopf senkte, wandte er sich wieder an Lukas. »Lukas, Sie machen dann folgendes – ach was, wir sind ein Team, und du gehörst dazu, da bleiben wir doch gleich beim du – also, du...




