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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Evalds Omas magische Wolle-Gäääng oder Wie wir das goldene Schaf fanden
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7336-0384-7
Verlag: Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 256 Seiten
ISBN: 978-3-7336-0384-7
Verlag: Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Elka Evalds wuchs in den USA auf und studierte in Yale Kunstgeschichte. Danach unterrichtete sie selbst so unterschiedliche Themen wie die Geschichte der Kleidung und die Geschichte illustrierter Kinderbücher. 2015 zog sie nach Gloucestershire in England, wo sie mit ihrem Ehemann lebt und nun Geschichten für Kinder über Kleidung schreibt. https://www.elkaevalds.com/
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3
Am nächsten Morgen, als Mum noch im Bad war und Dad im Arbeitszimmer, fing Sophie plötzlich an zu weinen.
»Was ist denn los, Fiefie?«, fragte Will.
»M-m-mein n-n-neuer Wauz ist weeeeeg!« Für Sophie war jeder Hund ein Wauz.
Will hockte sich neben sie auf den Boden. Sie war umringt von Hunden: aus Holz, aus Plastik, sogar einer aus Porzellan war dabei, auch wenn der schon ein paar Macken hatte – und dazu kamen natürlich all die Wollhündchen, die Oma ihr gestrickt hatte.
»Welcher? Der Corgi, den wir dir gestern mitgebracht haben?«, fragte Will.
Sophie nickte. »Ich hab ihn in den Korb gelegt. An der Haustür.«
hatte Mr. Fitchet also mitgehen lassen! Dann hatte Will es sich doch nicht eingebildet.
Sophies Gesicht war tränenüberströmt und sie hickste und japste vor sich hin. Will kannte dieses Japsen nur zu gut. Es würde schlimmer und schlimmer werden und sich schließlich zu einem rekordverdächtigen Heulen steigern. Wäre Heulen eine olympische Sportart, würde Sophie eine Goldmedaille nach der anderen kassieren.
»Hey!«, versuchte er sie abzulenken. »Willst du vielleicht mal meinen Pulli anprobieren?« Hastig zog er ihn aus. »Den hat auch Oma gestrickt.« Er raffte ihn zusammen und stülpte ihn Sophie über den Kopf, die sich zwar zunächst wehrte, aber dann mit einem Mal stillhielt. »Da drin fühlt man sich, als würde Oma einen umarmen.« Im Gegensatz zu Will war Sophie nämlich absolut versessen auf Umarmungen.
Sie japste noch zweimal und stieß dann einen langen Seufzer aus.
, dachte Will und wurschtelte Sophies Arme durch die Ärmel.
»Und siehst du den goldenen Streifen hier?«, fragte er. »Der ist … aus Feenstaub!« Sophie liebte alles, was mit Feen zu tun hatte.
Und tatsächlich fuhr sie ehrfürchtig mit dem Zeigefinger über die glitzernde Wolle, bevor sie hochguckte und lächelte.
»So, jetzt müssen wir aber schön leise sein. Dad muss sich doch konzentrieren«, mahnte Will. Dad arbeitete im Museum und schrieb gerade an einem Vortrag für den Tag der offenen Tür, der Ende August stattfinden sollte.
»Wir könnten dem Haus Ohrenschützer aufsetzen«, schlug Sophie vor.
»Hmm«, überlegte Will. »Wie wär’s, wenn wir einfach die Arbeitszimmertür mit Kissen und Decken polstern?«
Eigentlich war das Arbeitszimmer nicht viel mehr als eine Abstellkammer mit einem winzigen Tisch und einem Stuhl darin, und es dauerte nicht lange, bis sie eine Wand aus Decken und Kissen davor aufgebaut hatten. (, dachte Will, ) Aber dann machte Dad die Tür auf.
»Was ist denn hier draußen –?« Sein fragender Blick wanderte über die Kissen, die in alle Richtungen über den Boden geschlittert waren.
»Pssst«, zischte Sophie. »Wir haben dir einen Ohrenschutz gebaut, du musst dich doch konzentrieren.«
»Ach sooo …« Dad kniff die Augen zu und schien einen Moment lang das Lachen unterdrücken zu müssen. »Das ist sehr nett von euch, Sophie.« Er hockte sich neben sie. »Aber leider ist der schlimmste Lärm gar nicht hier draußen«, erklärte er. »Sondern da drin.« Er tippte sich an den Kopf.
»Na kommt, ihr zwei«, sagte Mum, die hinter sie getreten war. »Lassen wir Dad mal in Ruhe arbeiten.« Sie legte jedem von ihnen eine Hand auf den Rücken und schob sie in die Küche. »Ist das der Pullover, den du aus Omas Wohnung mitgenommen hast?«
»Ja«, antwortete Will, der bereits dabei war, die Müslischalen fürs Frühstück auf den Tisch zu stellen.
»Dachte ich’s mir doch, dass er dir zu eng sein muss«, sagte Mum. »Aber für Sophie ist er genau richtig, schau mal.«
Wills Kinnlade klappte runter. Denn tatsächlich, der Pulli saß bei seiner Schwester wie angegossen. Dabei war die erst fünf und klein wie Oma, Will dagegen war neun und groß wie Dad.
Irgendetwas stimmte nicht mit diesem Pullover.
Bevor Mum Sophie zum Karate brachte, gab sie ihm den Pullover zurück. Zuerst bekam er ihn kaum über den Kopf, doch als er die Hände hineinschob, schienen die Ärmel länger zu werden, genauso wie der Saum, als er ihn runterzog. Es war, als würde sich der Pullover selbst während des Anziehens größer stricken. Und sobald Will drinsteckte, hatte er wieder dieses warme, wohlige Gefühl im Bauch, wie von heißem Kakao an einem Wintertag.
»Und du willst wirklich nicht mitkommen?«, rief Mum die Treppe rauf.
»Nein, danke.« Will blickte sich um, und es war, als würde er sein Zuhause zum allerersten Mal sehen. »Ich hab, äh, noch zu tun!«
Es war nicht schwer, bei ihnen zu Hause die Sachen ausfindig zu machen, die Oma gestrickt hatte. Man brauchte bloß nach ulkigen Farbkombinationen Ausschau zu halten (zum Beispiel leuchtend roten und lila Punkten auf limettengrünem Grund) oder Dingen, die wie etwas ganz anderes aussahen (zum Beispiel dem ananasförmigen Teekannenwärmer). So etwas war ganz eindeutig Omas Werk.
Das meiste davon, wie Mums Flickenstrickjacke oder Sophies Katzenmütze, wirkte völlig gewöhnlich, als Will es ausprobierte. Oder falls doch irgendwelche geheimen Kräfte darinsteckten, blieben sie ihm zumindest verborgen. Mit ein paar Sachen verhielt es sich jedoch eindeutig anders. Diese Dinge erfüllten nicht einfach nur ihren Zweck, sondern machten ihre Arbeit extragut. Wie Mums Fäustlinge, die seine Hände heizungswarm hielten, selbst nachdem er zehn Minuten lang eine Tüte Tiefkühlerbsen umklammert hatte. Oder der Lappen unter dem Badezimmerwaschbecken, der ganz ohne Wasser und Seife die Grasflecken aus seinen Jeans rausbekam.
Und zwei dieser Fundstücke stellten sich als geradezu heraus.
Erstens Dads bunt gestreifte Socken mit den goldglitzernden Fersen, die Will ganz unten im Wäschekorb fand. Ob die einem wohl besonders warme Füße verschafften? Er ging zum Gefrierschrank, um sich gleich noch mal die Erbsen zu schnappen, als etwas äußerst Sonderbares passierte. Es war, als würde irgendwer bei jedem Schritt sanft seine Knöchel anschieben, so dass er viel schneller voran kam als normal.
Er versuchte einen Hüpfer.
»Wow!« Als hätte er Sprungfedern unter den Füßen! Wieso war Dad das bloß nie aufgefallen? Mit diesen Socken konnte man gut und gerne drei Zentimeter höher hüpfen als sonst! Aber na ja, wann hüpften Erwachsene überhaupt schon mal? Und dann war da noch der eigenartige Klorollenhut auf der Toilette, der aussah wie ein Außerirdischer aus der Serie Doctor Who. Will setzte ihn sich probeweise auf den Kopf und sah sich im Badezimmer um. Nichts passierte.
, dachte er.
Da fiel ihm sein Taschenschaf ein. Das hatte Oma ihm zum Schulanfang gestrickt und gesagt, er solle es drücken, wenn ihm zu irgendetwas der Mut fehlte. Wo war es nur?
Er lief in sein Zimmer und suchte unter seinem Kopfkissen, in seiner Legokiste und in den Taschen seiner Winterjacke.
»Wo. Ist. Das. Schaf?«, fragte er laut.
Kaum dass er ausgeredet hatte, erschrak er über eine Art Ziehen an seinen Augen. Als würden sie aus Eisen bestehen und die unterste Schublade seines Schreibtischs wäre ein Magnet. Sein Kopf folgte seinem Blick und seine Beine seinem Kopf, bis er mit klopfendem Herzen vor dem Schreibtisch hockte. Er zog die Schublade auf und tastete sich langsam bis nach hinten durch. Spielzeugautos. Ein Kricketball. Filzstifte. Noch weiter. Da, etwas Weiches.
Er kramte es hervor. Sein Taschenschaf!
Genau wie in seiner Erinnerung hatte es vier Hörner, denn mit so etwas Langweiligem wie stinknormalen Zweihornschafen hatte Oma sich natürlich nicht aufgehalten. Sein Fell war nusskuchenbraun, und als Will es in die Sonne hielt, glitzerte darin Gold.
Er musste laut lachen. Was war hier nur los? Hatte das etwa mit dem Klorollenhut auf seinem Kopf zu tun?
Er versuchte dasselbe mit seinem Dinobleistift, den er schon lange suchte, dem vermissten Dosenöffner und Dads hundertfünfzig Jahre alter Pennymünze, die seit Ostern niemand mehr gesehen hatte. Und jedes Mal funktionierte es. Er musste bloß die entsprechende Frage stellen und dann seiner Blickrichtung folgen. Nur als er wissen wollte, wo er wohl einen Koffer voller Geld und ein Skateboard finden würde, reagierte der Hut nicht.
»Wo ist Sophies Corgi?«, fragte er schließlich.
Gespannt wartete er ab. Diesmal lenkte das mittlerweile vertraute Ziehen seine Augen zur Treppe, und seine Beine machten sich auf den Weg die Stufen hinab. Durch die Küche und den Windfang ging es vorbei an massenweise Gummistiefeln in sämtlichen Farben und Größen zum Hinterausgang. Dort blieb Will kurz stehen und fragte sich, ob er das Haus tatsächlich mit einem Klorollenhut auf dem Kopf verlassen wollte. Aber dann trat er kurz entschlossen hinaus in den Garten.
Nebenan jäteten Arthur und Rosie ihre Streifenbeete. Alle ihre Blumen hatten nämlich gestreifte Blüten, manchmal sogar gestreifte Blätter. Außerdem trugen die beiden gern Streifen von Kopf bis Fuß.
»Hallo, Will! Unsere Tigerrose ist aufgeblüht, das musst du dir anschauen!«
»Ein andermal gern!«, rief Will, dessen Augen ihn weiter Richtung Gartentor zogen.
Die Pingles, ihre Nachbarn auf der anderen Seite, arbeiteten gerade an ihrer neuesten Erfindung: einem Tribock. Das war eine Art mittelalterliches Katapult und größer als Dad.
»Wir sind fast bereit zum Abfeuern, Will!«, rief David. »Lust,...




