E-Book, Deutsch, Band 182024, 144 Seiten
Reihe: Julia
Evans Leidenschaft, so heiß wie der Wüstenwind
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7515-2497-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 182024, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7515-2497-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Es ist die Chance ihres Lebens: Die schöne Eventmanagerin Samantha wird von Scheich Khaled Alzadikh beauftragt, sich auf seiner Luxusjacht um das kulinarische Wohl seiner Gäste zu kümmern. Was sie so gut macht, dass der Wüstenprinz sie auch bittet, die Hochzeit seines Bruders zu organisieren. Als Samantha mit ihrem feurigen Boss während dieser Party tanzt, ahnt sie, dass die Nacht für sie in einem lustvollen Rausch enden wird! Aber sie kennt nicht Khaleds Spitznamen: Mr. Never Twice - der Mann, der nie zweimal mit derselben Frau schläft ...
Ally Evans kam erst spät zum Schreiben. Als Fremdsprachenlehrerin und Bibliothekarin arbeitete sie zuvor in Berufen, die immer auch mit Sprache oder Büchern zu tun hatten. Heute geht sie zum Schreiben gern in Cafés, genießt dort eine heiße Schokolade und lässt sich für ihre mitreißenden Romances von ihren Reisen inspirieren, die sie oft in exotische Länder führen.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
Überleben. Das war es, was Samantha Roberts jeden Tag tat. Seit zweiundzwanzig Jahren.
Mit vier Jahren hatte Sam alle ihre Angehörigen auf einen Schlag verloren. Es war bei einem Busunfall passiert, auf der Fahrt zu einem der beliebten Freizeitparks. Ihre gesamte Familie hatte an der Feier teilgenommen. Aber ausgerechnet auf dieser Fahrt war der Reisebus von der Spur abgekommen … Nur das Geburtstagskind hatte das Unglück überlebt.
Den Rest ihrer Kindheit hatte sie in einem Waisenhaus verbracht. Und dort hatte sie begriffen, dass Kontrolle der einzige Weg war, den ungeheuren Verlust zu verarbeiten. Die Erkenntnis hatte sie vom traumatisierten Teenager in eine entschlossene junge Frau verwandelt, die von nun an ihr Leben selbst in die Hand genommen hatte.
Und dieser Linie war sie seither treu geblieben. Bis auf eine Ausnahme, die allerdings hatte sich noch einmal als fatal erwiesen: Mit einundzwanzig Jahren war Sam unglücklicherweise einem attraktiven Banker begegnet, von dem sie sich hatte überreden lassen, mit ihrem Erbe für den Kredit für ein gemeinsames Haus zu bürgen. Das Geld schien Sam für ein gemeinsames glückliches Leben gut angelegt zu sein, kurze Zeit später jedoch hatte Steven von Liebe nichts mehr wissen wollten – und Sam saß seither auf einem Berg Schulden, der sich nur langsam abbauen ließ.
Mittlerweile sechsundzwanzig Jahre alt, hatte sie alle hochfliegenden Träume begraben und stattdessen eine Ausbildung im Gastronomiegewerbe absolviert. Inzwischen war sie in ihrem Beruf so gut, dass ihr jetziger Chef, Mr. Albert Timburry, sie vor ein paar Monaten von ihrem ursprünglichen Arbeitgeber abgeworben hatte. Seitdem war sie im Palladium Palace angestellt. Zunächst als Servicekraft in dem angegliederten First-Class-Restaurant, später dann auch als Hausdame.
Sam tat tatsächlich fast nichts anderes als arbeiten, denn die ständige Beschäftigung half ihr, nicht allzu viel über ihr jetziges Leben nachzudenken, außerdem ließen sich auf diese Weise die Schulden schneller tilgen. Wenn sie für Mr. Timburry so hart weiterarbeitete wie bisher, wäre sie mit achtunddreißig schuldenfrei!
In das Palladium Palace kam man normalerweise ohne eine entsprechende Mitgliedschaft gar nicht hinein. In dem Luxushotel trafen sich die Reichsten der Reichen. Um Geschäfte zu machen, Konditionen auszuhandeln, sich Vorteile zu verschaffen oder Verträge aufzusetzen. Hier zeigten sie, was sie besaßen: Die Damen führten Brillanten, exquisite Kleider und luxuriöse Handtaschen aus, die Herren teure Uhren, elegante Schreibgeräte und Autoschlüssel, deren zugehörige Luxuskarossen auf dem hoteleigenen Parkdeck auf sie warteten. Samantha blieb immer noch jedes Mal der Atem weg, wenn sie sah, was allein auf dem Parkdeck des Wolkenkratzers an Reichtum herumstand.
Mr. Timburry hatte schnell ihr Talent erkannt, mit Charme und Verhandlungsgeschick selbst schwierige Gäste zu beruhigen und ihr deshalb eine Zusatzausbildung im Krisenmanagement angeboten. Schon jetzt rief er sie oft dazu, wenn im Restaurant mal wieder Wogen geglättet werden mussten, obwohl noch einige Wochen bis zum Ausbildungsende vor ihr lagen. Schon mehrfach hatte er betont, dass er mit ihr, Sam, einen echten Glücksgriff getan habe.
Das dachte auch Prinz Khaled, der mit seinem alten Geschäftsfreund Albert Timburry im Palladium Palace wegen einer dringenden Angelegenheit verabredet war und jetzt fragend mit dem Kinn auf die ihm unbekannte Servicekraft deutete, die gerade an einem anderen Tisch die Teller abräumte.
Die junge Frau trug einen modischen Kurzhaarschnitt – etwas, was Khaled normalerweise sofort veranlasste, den Blick wieder abzuwenden, denn kurze Haare bei Frauen erinnerten ihn zu sehr an das schmerzlichste Erlebnis seines Lebens. Aber da waren auch diese bezaubernden Grübchen in ihren Wangen. Die witzigen Sommersprossen auf der Nase. Sowie die perfekte Figur mit Kurven an den genau richtigen Stellen.
„Ach, Sie meinen Samantha Roberts“, meinte Albert Timburry. „Ja, Sam ist erst seit zehn Monaten bei uns. Ein absolutes Talent, wenn Sie mich fragen. Sie ist wie gemacht für diesen Beruf, sie hat den Servicegedanken voll und ganz verinnerlicht. Die wird es noch weit bringen in der gehobenen Gastronomie, da bin ich mir sicher.“
Khaled schüttelte ironisch den Kopf. Gehobene Gastronomie? Es war ein gnadenloses Understatement, was sein alter Freund Timburry hier von sich gab. Das Palladium Palace zählte zu den absoluten Spitzenlokalitäten, und das nicht nur in London. Das Palladium, wie es der Kürze halber genannt wurde, war auf der ganzen Welt bekannt. Ohne Monate im Voraus getätigte Reservierungen war ein Besuch im Restaurant aussichtslos.
Was allerdings nicht für alle Gäste galt. Für Kunden wie Khaled war immer ein Tisch frei, das schien für Albert Timburry ein selbst ernanntes Gebot zu sein. Es mochte mit Khaleds Status zusammenhängen. Als zweitältester Sohn eines Königs verfügte man nun mal über ein großzügigeres Budget.
Khaled hielt sich nicht oft in London auf, aber wenn er hier war, stattete er dem Palladium regelmäßig einen Besuch ab. Die englische Finanzmetropole faszinierte ihn. Sogar das trübe Wetter hier mochte er. Es korrespondierte mit der schmerzlichen Melancholie, die ihn manchmal überfiel. Außerdem brauchte er hin und wieder ein bisschen Abstand von Bandhrazar, das er zwar liebte, dessen Traditionen, Sitten und Gebräuchen er aber oft als zu streng empfand.
Aus den Augenwinkeln beobachtete er die junge Kellnerin. Schön war sie, das musste man ihr lassen. Sogar trotz der kurzen Haare. Der Schnitt betonte auf unerwartete Weise ihre hohen Wangenknochen, und die Art, wie sie sich bewegte, war unvergleichlich. Sie hatte etwas Geschmeidiges an sich, fast wie eine Tigerin, die geschickt durch den Dschungel schlich. Sie bewegte sich zwischen den Tischen so selbstverständlich, als wäre das Restaurant ihr Wohnzimmer, wobei ihrem aufmerksamen Blick tatsächlich nichts entging. Hatte ein Gast sein Glas ausgetrunken, war sie sofort da, um nachzuschenken, fehlte irgendwo ein Buttermesser, zauberte sie in Sekundenschnelle eins herbei, schickten sich Gäste an zu zahlen, trat sie schon mit dezentem Schritt mit der Rechnung an den Tisch heran.
Wie hatte Albert Timburry es formuliert? Sie hat den Servicegedanken voll und ganz verinnerlicht.
Galt das eventuell auch für andere, pikantere Situationen?
Nun, er würde es testen. Mit genüsslichem Blick setzte Khaled diese Samantha in Gedanken auf die Liste seiner Eroberungen. Obwohl Liste hierfür nicht das richtige Wort war, denn eine Liste führte Prinz Khaled Alzadikh, den seine Freunde auch „Mr. Never Twice“ nannten, längst nicht mehr.
Die Arbeit machte ihr Spaß. Natürlich war sich hin und wieder ein Gast seines Reichtums zu sehr bewusst und glaubte, das Personal deshalb schikanieren zu können. Aber im großen Ganzen benahmen sich die Gäste anständig, behandelten die Servicekräfte freundlich und gaben oft ein Trinkgeld, das Sam immer noch erstaunte.
Selbstverständlich war es nie Sams Intention gewesen, wegen der hohen Trinkgelder in einem Luxushotel zu arbeiten, auch wenn das natürlich ein sehr angenehmer Nebeneffekt ihrer Tätigkeit war. Während ihrer Ausbildung hatte sie die Arbeit in der Küche sehr genossen. Sie konnte mehrgängige Gerichte in exzellenter Qualität zubereiten, wusste alles über Zutaten, Zubereitungsarten und adäquates Anrichten. Hier im Palladium Palace aber arbeitete sie am liebsten im Service, im direkten Kontakt mit den Gästen, denn sie stand im Ruf, auch in den stressigsten Momenten die Nerven behalten zu können.
Was nun wahrlich kein Wunder war, denn wenn man wie sie eine Kindheit ohne Eltern überlebt hatte, dann brachte einen so schnell nichts mehr aus der Fassung. Wer Streitereien und Kämpfe im Waisenhaus mehrheitlich für sich entschieden hatte, der konnte auch mit schwierigen Gästen umgehen. Deshalb war Sam sowohl im Restaurant als auch im Hotel als Managerin kritischer Situationen gefragt, sodass Mr. Timburry ihr schließlich die Zusatzausbildung als Krisenmanagerin vorgeschlagen hatte und sie sogar finanzierte. Offenbar hatte sich ihr guter Ruf auch schon in London herumgesprochen, denn manchmal wollten sogar Gäste, die noch nie im Palladium Palace gegessen hatten, von ihr bedient werden.
Wie anscheinend auch jener Gast, zu dem Mr. Timburry sich schon vor einer halben Stunde gesetzt hatte. Es schien ein besonderer Gast zu sein, denn so lange verweilte der Chef normalerweise nicht an einem Tisch. Die anderen Gäste sollten schließlich nicht das Gefühl bekommen, weniger wert zu sein. Eben hatte Mr. Timburry ihr mit einer leichten Handbewegung ein Zeichen gegeben.
Sam trat an den Tisch und spürte, wie sie von dem Gast interessiert gemustert wurde, wobei dieser Blick schon mehr als einfaches Interesse signalisierte. Das Verhalten dieses Gasts war schon beinahe unverschämt.
Herausfordernd hob Sam den Kopf schaute dem Mann direkt in die Augen, denn das stoppte solches Verhalten meistens. Nicht aber bei diesem Gast. Im Gegenteil, jetzt kam sein Blick noch intensiver zurück, sodass Sam in ihrer Arbeitskleidung zu schwitzen begann. Verwirrt spürte sie, wie sich feine Schweißperlen auf ihrer Haut bildeten und ihr in den Ausschnitt rannen, der Gott sei Dank von der Bluse bedeckt war. Gänsehaut trat auf ihre Arme, was unter den Ärmeln ihres Blazers glücklicherweise ebenfalls nicht zu sehen war.
Aber die leichte Röte, die sie in ihre Wangen steigen fühlte, war sicher...




