E-Book, Deutsch, Band 202022, 144 Seiten
Reihe: Julia
Evans Stürmische Gefühle im Wüstenpalast
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7515-1000-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 202022, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7515-1000-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Traum wie aus 1001 Nacht, so liegt die von Fackeln beleuchtete Oase vor ihnen. Endlich hat Aislyn Scheich Amar ganz für sich. Jeder seiner Blicke ist wie ein zärtliches Versprechen. Und die leidenschaftlichen Stunden, die sie hier in seinen Armen verbringt, lassen sie von einer gemeinsamen Zukunft träumen. Doch zurück im Palast von Maghrabesh wendet der Wüstenprinz sich auf einmal kühl von ihr ab. Mit gebrochenem Herzen flieht Aislyn zurück nach Irland. Sie ahnt nichts von der verheerenden Intrige, die es Amar unmöglich macht, sich für sie zu entscheiden.
Ally Evans kam erst spät zum Schreiben. Als Fremdsprachenlehrerin und Bibliothekarin arbeitete sie zuvor in Berufen, die immer auch mit Sprache oder Büchern zu tun hatten. Heute geht sie zum Schreiben gern in Cafés, genießt dort eine heiße Schokolade und lässt sich für ihre mitreißenden Romances von ihren Reisen inspirieren, die sie oft in exotische Länder führen.
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1. KAPITEL
Nie hätte Aislyn gedacht, dass ein Pferdemarkt so riesig sein könnte!
Na gut, es war kein normaler Pferdemarkt, wie sie ihn aus Irland gewohnt war, wo die Züchter zweimal pro Jahr auf der Insel zusammenkamen, um Connemara-Ponys auszutauschen. Dort kannte jeder jeden. An den Markttagen hielt man ein Schwätzchen, begutachtete nebenher die angebotenen Fohlen, Jährlinge und die Mutterstuten, und wenn der eigentliche Verkauf begann, hatte man die wichtigsten Informationen bereits eingeholt. Im Grunde keine große Sache. Aber Aislyn hatte ohnehin seit Langem kein Pferd mehr erworben, sie war ja schon froh gewesen, dass sie ihren Reiterhof nicht verkaufen musste.
Nach dem plötzlichen Tod des Vaters vor zwei Jahren hatte sie mit ihren Schwestern Brenda und Sheela sogar darum kämpfen müssen, dass die familieneigene Pension nicht unter den Hammer kam. Erst im vergangenen Jahr hatte sich die Situation der Familie schlagartig wieder geändert, nachdem zuerst Aislyns älteste Schwester Sheela und nun auch noch Brenda geheiratet hatten. Die Verbesserungen, die mit beiden Hochzeiten einhergegangen waren, hatten unter anderem dazu geführt, dass Aislyn ihre Connemara-Zucht nun nicht nur weiterführen, sondern sogar noch vergrößern konnte, denn beide Schwestern griffen sowohl der Pension als auch dem Reiterhof finanziell unter die Arme.
Im Moment befand sich Aislyn in Andalusien, in einem kleinen Ort in der Nähe von Granada, wo jedes Jahr eine große internationale Pferdeverkaufsschau stattfand. Hier wollte sie sich nach einem Connemara-Zuchthengst umsehen.
Sie war in einer kleinen preisgünstigen Pension am Rande des Ortes untergekommen, mit Blick auf den überdimensionalen Parkplatz, auf dem im Moment ein Pferdetransporter neben dem anderen stand. Tag und Nacht kamen hier Schlepper an, wurden Pferde ein- und ausgeladen, und was normalerweise ein nächtliches ruhestörendes Ereignis war, versetzte Aislyn immer wieder von Neuem in Aufregung.
Es war gerade Nachmittag, und sie saß mit ihrer Reitfreundin Maire, die sich extra drei Tage freigenommen hatte und hergekommen war, in einem der Restaurantzelte. Die beiden jungen Frauen ließen sich beide einen Rebujito schmecken, ein typisches andalusisches Kaltgetränk aus Sherry, gemischt mit erfrischender Limonade.
Aislyn hatte jeden Cent, den sie nicht für den monatlichen Unterhalt ihrer Pferde brauchte, sorgfältig beiseitegelegt, um sich die lang ersehnte Reise nach Andalusien endlich leisten zu können. Ungewohnt war dabei lediglich, dass sie jetzt wirklich in der Lage war, einen Connemara-Zuchthengst zu erwerben, und sogar für den Transport nach Hause genug Geld aufbringen konnte. Und für den Fall, dass sie keinen Transport zurückbegleiten musste, hatte sie noch ein paar Tage Rundreise durch Andalusien geplant. Die plötzliche finanzielle Freiheit fühlte sich immer noch merkwürdig an.
„Wie war es eigentlich in Venedig?“, fragte Maire, nippte an ihrem Rebujito und schaute Aislyn fragend an. „Das zweite Mal innerhalb eines Jahres bei so einer Wahnsinnshochzeit, das muss doch unglaublich gewesen sein.“
„Absolut“, erwiderte Aislyn. „Du kannst dir das nicht vorstellen, Maire. Nikos und Sheela waren wieder mit diesem Segelschiff da, du weißt doch, mit seiner Bark, auf der sie sich kennengelernt haben. Aber diesmal lag das Schiff nicht im kleinen Hafen wie bei Sheelas Hochzeit in Galway, sondern direkt am Canale Grande in Venedig, und zwar genau vor dem Palazzo, in dem Lorenzo und Brenda jetzt wohnen. Es ist einfach unglaublich, dass die beiden jeden Tag mit dem Blick auf den Canale Grande aufwachen werden.“ Sie seufzte und schüttelte ihre blonde Mähne.
„Ach, Aislyn, nur kein Neid“, witzelte Maire. „Wir suchen dir hier einfach einen reichen Spanier, und mit dem reitest du dann jeden Abend in den Sonnenuntergang. Wäre das nicht was für dich?“
„Der Ritt in den Sonnenuntergang auf jeden Fall. Aber den Spanier können wir auch weglassen, das Pferd würde mir reichen“, erwiderte Aislyn lachend.
„Du bist wirklich total unromantisch“, schimpfte Maire. „Wird es überhaupt jemals ein Mann schaffen, dir den Kopf zu verdrehen?“
Aislyn schob die Unterlippe vor, überlegte und schüttelte den Kopf. „Ich glaube nicht. Ich brauche keinen Mann. Ich komme am besten allein klar.“
„Und die Liebe?“
Aislyn zuckte mit den Schultern.
„Wird überschätzt, denke ich.“
„Mal ganz im Ernst: Du bist dem Richtigen nur noch nicht begegnet. Dabei laufen hier doch durchaus ein paar interessante Exemplare herum.“
„Echt? Wo?“, fragte Aislyn und ließ ihren Blick spaßhaft über die Gäste an der Bar schweifen. Die reichere Klientel hielt sich eher in den richtigen Hotelbars auf und bezahlte allein für einen Whiskey eine Summe, mit der Aislyn ihre Pferde früher einen Monat lang durchgefüttert hatte. Und abgesehen davon hieß reich nicht automatisch auch interessant – das galt umso mehr, seit ihrer Familie das Wasser nicht mehr bis zum Hals stand.
Da musste schon ein sehr außergewöhnlicher Mann kommen, um Aislyn zu beeindrucken. Und überhaupt, wofür sollte sie ihre Freiheit aufgeben? Nein, Aislyn fühlte sich wohl, so, wie sie lebte.
Sie lachte und knuffte Maire in die Seite.
„Ich glaube wirklich, ich komme am besten allein zurecht. Außerdem, welchem Mann würde meine Pferdebegeisterung nicht schon nach kurzer Zeit auf den Geist gehen? Und dann würde er mich sicher an die Kette legen wollen. Nein danke, dazu liebe ich mein freies Leben viel zu sehr.“
„Und nicht zu vergessen, das Abenteuer.“
„Genau“, bestätigte Aislyn. Schade, dass die Freundin nur so wenig Zeit hatte und in drei Tagen schon wieder nach Irland zurückfliegen musste. Das reichte leider nicht, um irgendwelche Streiche auszuhecken, so wie sie das früher immer getan hatten. Sie hob ihr Glas.
„Auf das Abenteuer!“
„Auf das Abenteuer!“, wiederholte Maire, trank ihr Glas in einem Zug aus und setzte es auf dem Tisch ab. „Ups. Schon leer.“
„Noch einen? Zur Feier des Tages?“
„Noch einen.“
Scheich Amar Alzahrani war außer sich.
Da hatte er nun einen der besten Araberhengste aus seiner Zucht für den Verkauf ausgesucht, ihn in den letzten Tagen mit dem reichhaltigsten Kraftfutter versorgen lassen, damit sein Fell glänzte und er in Saft und Kraft stand, wenn er vorgeführt wurde, hatte jeden Tag nach ihm gesehen und ihn nur vorsichtig geritten, damit er sich nicht kurz vor dem Verkauf noch verletzte – und dann das: Dieser Tollpatsch von Stallbursche hatte vergessen, ihm bei der Überfahrt nach Gibraltar Hufschoner und Bandagen anzulegen, und als der Hengst aufgrund des Wellengangs der Fähre nervös geworden war und gegen die metallischen Wände des Transporters ausgeschlagen hatte, hatte er sich verletzt.
Jetzt lahmte der Hengst, unmerklich zwar, aber ein geübtes Auge konnte es erkennen. Und hier gab es massenhaft geübte Augen. Mit ziemlicher Sicherheit würde der Zwischenfall den Preis senken. Nicht, dass es Amar auf ein paar Dollar, Euros oder Pfund ankam, auf seinem Konto würde er den Unterschied gar nicht bemerken. Aber ein nicht ganz einwandfreies Pferd auf einer Show wie dieser war ein Armutszeugnis! So etwas mochte er mit seinem herrschaftlichen Namen nicht in Verbindung gebracht wissen.
Wer, verdammt noch mal, hatte diesen Stallburschen überhaupt eingestellt, der offensichtlich nicht mal das Einfühlungsvermögen einer Mistgabel besaß? Araber waren die sensibelsten Tiere, die Amar kannte. Sie waren von edlem Wesen, durch jahrhundertelanges Zusammenleben mit ihren Herren in den Wüstenzelten feinfühlig und empathisch geworden. Mit ihnen musste man so sanft und zärtlich umgehen wie mit einer Frau.
Der Teufel sollte diesen Stallburschen holen! Am besten, er entließ ihn auf der Stelle. Fragte sich nur, wer den Hengst dann bis zum Verkauf versorgte und wer das neue Pferd nach Hause begleitete: einen Andalusier, den Scheich Amar im Tausch für den Araber erwerben wollte. Für Amira, seine kleine Tochter. Im Moment war sie wieder mal auf dem Gelände der Ausstellung unterwegs, obwohl er ihr verboten hatte, das Zimmer in seiner Abwesenheit zu verlassen. Aber ließ sich ein zehnjähriger Wirbelwind festhalten? Nein.
Dabei war Amar nur schnell beim Veranstalter gewesen, um ein Missverständnis aufzuklären, denn im Programm wurde die Vorführung seines Pferds mit einer falschen Zeit angekündigt. Jetzt verstand er, warum selbst Amiras verschiedene Kindermädchen so oft überfordert gewesen waren, dass die letzten drei immer schon wenige Wochen nach Übernahme des Jobs wieder gekündigt hatten.
Aber im Grunde war es ja gut, dass Amira schon so selbstständig war.
Außerdem war es nicht das erste Mal, dass Amar seine Tochter mit nach Europa nahm. In Spanien, im Land seiner Vorfahren, waren sie allerdings noch nicht gewesen. Deshalb hatte Amar vor, hier nicht nur den Araber zu verkaufen und einen Andalusier zu erstehen, sondern mit Amira gleichzeitig ein paar historisch wichtige Stätten zu besuchen, die noch vom jahrhundertelangen friedlichen Zusammenleben der Religionen zeugten. Immerhin ging der heutige Name des Landstrichs aus dem hervor, den ihm die Mauren damals gegeben hatten: al-Andalus.
Eine gute Erziehung war Amar wichtig. Dass Amira ein Mädchen war, kümmerte ihn dabei nicht, denn seiner Auffassung nach hatten alle Menschen das gleiche Recht auf Bildung. Außerdem sollten seiner einzigen Tochter später einmal alle Türen offenstehen. Aber natürlich hatte Amira ihre Privatlehrer. Das ermöglichte ihr...




