Evans | Summercove House - Das Buch der verborgenen Wünsche | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 551 Seiten

Evans Summercove House - Das Buch der verborgenen Wünsche

Roman - »Eine zutiefst ergreifende Liebesgeschichte«, urteilt die Glamour
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98690-968-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman - »Eine zutiefst ergreifende Liebesgeschichte«, urteilt die Glamour

E-Book, Deutsch, 551 Seiten

ISBN: 978-3-98690-968-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ein Sommer, der alles verändert: Der Familiengeheimnisroman »Summercove House - Das Buch der verborgenen Wünsche« von Harriet Evans jetzt als eBook bei dotbooks. Wie ein idyllisches Paradies liegt Summercove House an den Klippen Cornwalls - doch ein tragisches Geheimnis wirft seine dunklen Schatten über das Familienanwesen ... Als die junge Natasha nach dem Tod ihrer Großmutter nach Summercove kommt, stolpert sie über ein altes Tagebuch ihrer Tante Cecily, die vor vielen Jahren auf rätselhafte Weise starb. Schon bald wird sie hineingezogen in die Geschichte eines schicksalhaften Sommers voll junger Liebe, Eifersucht und dunkler Geheimnisse. Je weiter Natasha liest, desto mehr beginnt sie zu begreifen, was ihre Familie damals wirklich entzweite - und desto mehr beginnt sie, auch ihre eigene Mutter Miranda zu verstehen, die das Geschehene nie überwinden konnte. Kann Natasha, mit Hilfe von Cecilys Geschichte, endlich die Wunden heilen, die ihre Familie vor so Langem entzweite? »Niemand hält das Glück in solch bezaubernd schönen Worten fest wie Harriet Evans.« Literaturmarkt.info Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der fesselnde England-Roman »Summercove House - Das Buch der verborgenen Wünsche« von Harriet Evans wird alle Fans der Bestseller von Lucinda Riley und Kate Morton begeistern. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Harriet Evans wurde in London geboren. Sie arbeitete viele Jahre als Lektorin in Buchverlagen, bis sie beschloss, lieber selbst Romane zu schreiben. Heute ist Harriet Evans erfolgreiche Autorin zahlreicher Liebesromane, mit denen sie immer wieder u.a. auf der Sunday-Times-Bestsellerliste steht. Die Website der Autorin: harriet-evans.com/ Die Autorin bei Facebook: facebook.com/harrietevansbooks/ Die Autorin auf Instagram: instagram.com/harrietevansauthor/ Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre Liebesromane »Die Sterne über Keeper House«, »Eine Liebe in Langford«, Der Himmel über Chartley Hall« und »Ein halbes Leben zwischen uns«. Außerdem erschienen bei dotbooks ihre Familiengeheimnisromane »Summercove House - Das Buch der verborgenen Wünsche« und »Winterfold Manor - Der Garten der verbotenen Träume«.
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Kapitel 1


Es ist 7:16 Uhr.

Der Zug nach Penzance fährt um halb acht. Ich habe vierzehn Minuten, um nach Paddington zu kommen, und stehe in einem reglosen Waggon der Hammersmith-and-City-Linie und klammere mich so fest an die Stange über mir, dass mir die Finger weh tun. Ich muss diesen Zug erwischen; es geht um Leben und Tod.

Tatsächlich ganz wörtlich – die Beerdigung meiner Großmutter ist heute um halb drei. Man darf eine Stunde zu spät zum Abendessen kommen, aber nicht zu einer Beerdigung. Es ist eine einmalige Angelegenheit.

Ich habe mein ganzes Leben in London verbracht. Ich kenne die besten Restaurants, die Bars, die noch nach zwölf Uhr offen sind, die coolsten Galerien, die hübschesten Plätze im Park. Und ich weiß, die Hammersmith-and-City-Linie ist Schrott. Ich hasse es. Warum bin ich nicht früher gefahren? Hilflose Wut erfasst mich. Und immer noch rührt sich der Wagen nicht.

Heute Morgen weckte mich das Geräusch von Regen auf der ruhigen Straße, als es noch dunkel war. Ich habe seit dem Tod von Granny nicht mehr gut geschlafen. Ich habe mich früher stets bitterlich über das Schnarchen meines Mannes Oli beklagt und dass er das ganze Bett einnahm, in dem er quer lag. Jetzt ist er schon seit fast zwei Wochen fort. Zuerst dachte ich, das wäre gut, wenn auch nur, weil ich dann Schlaf nachholen könnte, aber das tue ich nicht. Ich liege wach, Gedanken rasen durch meinen Kopf, eine hellwache Seite meines Hirns verspottet die andere, die um Ruhe bettelt. Ich werde verrückt. Vielleicht bin ich verrückt. Obwohl man sagt, dass, wenn man glaubt, dass man verrückt wird, das eindeutig heißt, dass man es nicht ist. Ich bin mir da nicht so sicher.

7:18 Uhr morgens. Ich atme tief durch, versuche, mich zu beruhigen. Alles wird gut. Es wird alles gut.

Granny starb letzten Freitag im Schlaf. Sie war neunundachtzig Jahre alt. Das Komische ist, dass es mich trotzdem schockiert hat. Dass ich im Februar Tickets buchte, um mit dem Zug nach Cornwall zu fahren, schien falsch zu sein, als befände ich mich in einem bösen Traum. Ich sprach am Wochenende mit Sanjay, meinem Cousin, und er sagte dasselbe. Er sagte auch: »Hast du nicht Lust, dem Nächsten ins Gesicht zu schlagen, der sagt: ›Neunundachtzig? Nun, sie hatte ein langes Leben, oder?‹ Als ob sie es verdient hätte zu sterben.«

Ich lachte unter Tränen, und dann sagte Jay: »Ich fühle mich, als ob etwas zu Ende geht, du nicht? Etwas, was größer ist als wir.«

Mir lief ein Schauer über den Rücken, denn er hatte recht. Granny war das Zentrum von allem. Das Zentrum meines Lebens, unserer Familie. Und nun ist sie fort, und – ich kann es wirklich nicht erklären. Sie war die Verbindung zu so vielem. Sie war Summercove.

Wir sind in der Edgeware Road, und es ist 7:22 Uhr. Vielleicht schaffe ich es. Ich könnte den Zug noch erwischen.

Granny und Arvind, mein Großvater, hatten für diesen Augenblick geplant. Haben ganz offen darüber gesprochen, als ob sie wollten, dass es für alle klar sei, was sie wünschten, vielleicht weil sie meiner Mutter und meinem Onkel – Jays Dad – nicht vertrauten, dass sie ihre Wünsche befolgen würden. Ich möchte glauben, dass das nicht stimmt, aber ich fürchte, dass es wahrscheinlich so ist. Sie legten fest, was passieren sollte, wenn einer von ihnen zuerst starb, was mit den Gemälden im Haus passieren soll, der Stiftung, die zu Grannys Gedenken gegründet werden sollte, dem Stipendium in Gedenken an Arvind, und was mit Summercove passieren soll.

Arvind ist neunzig Jahre alt. Er zieht in ein Heim. Louisa, die Cousine meiner Mutter, hat sich darum gekümmert. Louisa hat sich auch um die Beerdigung gekümmert. Sie kümmert sich gerne. Sie hat alles ausgesucht, wozu Granny keine Anweisungen gegeben hat, von den Liedern bis zur Füllung der Sandwichs für die Totenwache danach (eine Auswahl an Eiermayonnaise, Hühnchen mit Curry oder Gurken). Ihr Mann, der gutaussehende, aber schrecklich langsame Melone, wird bei der Beerdigung die Agenden austeilen und bei der Totenwache die Gläser auffüllen. Louisa organisiert alles, und das ist sehr nett von ihr, aber wir fühlen uns ein bisschen außen vor, Jay und ich. Wie immer hat die Leighton-Seite der Familie alles richtig gemacht, mit ihrer charmanten englischen, hemdsärmeligen Herangehensweise ans Leben, und wir, die Kapoors, sehen nur exzentrisch, seltsam, zerrissen aus. Was wir wohl auch sind.

Cousine Louisa kümmert sich auch darum, das Haus auszuräumen. Denn Summercove soll verkauft werden. Unser schönes weißes Art-deco-Haus zwischen Feldern und Meer in Cornwall wird bald jemand anderem gehören. Dort haben Granny und mein Großvater fünfzig Jahre lang gelebt und ihre Kinder großgezogen. Ich habe dort jeden Sommer meines Lebens verbracht. Es ist eigentlich das einzige Zuhause, das ich jemals gekannt habe, und ich bin anscheinend die Einzige, die deshalb sentimental wird, die es nicht ertragen kann, dass es verkauft wird. Mum, mein Onkel Archie, Cousine Louisa – sogar mein Großvater -, sie alle sind ganz munter dabei. Ich verstehe sie nicht.

»Zu viele Erinnerungen hier«, sagte Granny immer, wenn sie darüber sprach und uns entschlossen mitteilte, was damit geschehen sollte. »Es wird Zeit, dass jemand anderer dort welche schafft.«

Endlich. Die Türen in Paddington gehen auf, und ich renne hinaus und die Treppen hoch, schiebe mich an Menschen vorbei, murmele: »Entschuldigung, tut mir leid.« Gott sei Dank ist es die Hammersmith-and-City-Linie – der Ausgang führt direkt in die große Halle der Station. Es ist 7:28 Uhr. Der Zug fährt in zwei Minuten.

Kalte Luft begrüßt mich. Ich stecke mein Ticket panisch in die Sperre und renne die Treppe hinunter zu dem breiten Bahnsteig, meine Beine fühlen sich wie Wackelpudding an, während ich schneller und schneller laufe. Ich bin fast da, fast am Ende ... Ich schaue auf die große Uhr – 7:29. Wie ein Kind hüpfe ich die letzten drei Stufen hinab, meine Knie geben beinahe unter mir nach, und ich springe in den Zug. Ich stehe keuchend neben der Gepäckablage und versuche, mich zu sammeln. Ein letzter Pfiff, das Geräusch von zuknallenden Türen weiter vorn in der endlosen Reihe der Wagen. Wir fahren los.

Ich finde einen Platz und setze mich. Meine Mutter fährt nicht Auto, also kenne ich mich mit Zügen aus. Der Schlüssel zu einer guten Reise ist nicht ein Platz mit Tisch. Ich werde nie verstehen, warum man so einen haben will, außer man kennt alle an dem Tisch. Am Ende füßelt man fünf Stunden lang verlegen mit einem verschwitzten Mann mittleren Alters oder ist umgeben von einer schreienden, überaufgeregten Familie. Ich kuschle mich auf einen Fensterplatz und schließe die Augen. Kühler Schweiß läuft mein Rückgrat hinunter.

Dies ist der Zug, in dem ich jeden Sommer mit Mum nach Summercove fuhr. Mum brachte mich hin, blieb ein paar Tage und fuhr dann wieder weg, bevor der Rest ihrer Verwandten ankam und manchmal – aber nicht oft – bevor sie und Granny sich über etwas streiten konnten: Geld, Männer, mich.

Der Zug nach Penzance war immer so lustig, als ich noch klein war. Es war die Vorfreude auf die vor mir liegenden Ferien, sechs Wochen in Cornwall, sechs Wochen mit meinem Lieblingsmenschen an meinem Lieblingsort. Mum würde auf der Zugfahrt seltsam guter Laune sein, und ich auch, und wir beide freuten uns darauf, unsere Zweisamkeit für ein paar Wochen aufzulösen, weg von unserer dunklen Wohnung in Hammersmith, in der sich die Tapete von den Wänden löste und man im Sommer die Mülltonnen draußen riechen konnte. Bryant Court passte nicht zum Sommer. Der Lärm drinnen und draußen wurde schlimmer, kratzend und seltsam, und die Leute im Haus schienen weniger exzentrisch, sondern bedrohlich zu werden. Das heiße Wetter schien sie auszutrocknen und spröder und schriller zu machen. Wir waren immer euphorisch, wenn wir dort wegkamen.

Einmal, als wir auf dem Weg nach Paddington waren und meine Mutter mich am Handgelenk zu einem wartenden Taxi zerrte, die Taschen über unsere Schultern geworfen, zischte Mrs. Pogorzelso Mum »Schlampe!« zu, als sie die Tür aufmachte. Ich wusste nicht, was das hieß oder warum sie es sagte. Mum verfrachtete mich in das schwarze Taxi, und wir saßen grinsend da, umgeben von Gepäck, während wir durch Kensington zum Bahnhof rollten, und wir waren beide auf eine Art Komplizinnen, die ich mir nicht erklären konnte. Das war auch eines der Male, als Mum ihre Geldbörse vergessen hatte und der Fahrer uns umsonst mitnahm, nachdem sie anfing zu weinen. Meine Mutter vergaß ihre Börse ziemlich oft.

Sie ist bereits in Summercove und hilft Cousine Louisa bei der Organisation der Beerdigung und des Hauses. Sie ist überzeugt, dass Louisa schon ein Auge auf ein paar Möbel geworfen und alles unter Kontrolle hat. Archie, Mums Zwillingsbruder und Jays Dad, ist auch dort. Mum und ihre Cousine verstehen sich nicht gut. Aber schließlich versteht Mum sich mit vielen Leuten nicht gut.

Der Zug rast durch die Außenbezirke von London, an Southall und Heathrow vorbei, durch kümmerliches Brachland, das nicht weiß, ob es Stadt oder Land ist, nach Reading. Ich schaue mich zum ersten Mal um, seit ich auf meinem Platz zusammengebrochen bin. Ich will einen Kaffee und sollte etwas essen, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob ich überhaupt etwas essen kann.

»Die Fahrscheine bitte«, ertönt eine Stimme über mir. Ich fahre heftiger zusammen als angebracht, und der Kontrolleur sieht mich erschrocken an. Ich reiche ihm meinen Fahrausweis – Gott sei Dank habe ich ihn an der Liverpool Street gekauft, da ich wusste, dass die Schlangen in Paddington furchtbar lang wären. Ich blinzle und versuche, nicht zu zittern, als der Wunsch, mich zu übergeben, ohnmächtig zu werden, mich wieder...



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