Evans | Tausend Sterne über der Oase der Liebe | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 192024, 144 Seiten

Reihe: Julia

Evans Tausend Sterne über der Oase der Liebe


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7515-2500-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 192024, 144 Seiten

Reihe: Julia

ISBN: 978-3-7515-2500-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wie erstarrt blickt Inez dem Reiter entgegen, der ihr unter der gleißenden Sonne entgegengaloppiert. Eine erneute Gefahr für sie? Denn die Karawane, mit der sie die Ausgrabungsstätte, die sie leitet, erreichen wollte, hat sie kurzerhand in der Wüste ausgesetzt. Doch der Fremde rettet sie: Prinz Zaid Alzadikh bringt Inez in seinen Palast, wo man sie aufmerksam umsorgt. Wo es heiß zwischen ihnen knistert und Inez sich auf seidenen Kissen in Zaids Gemach wiederfindet! Ein königliches Liebesglück - bis Inez von Zaids Verlobung mit einer Prinzessin erfährt ...



Ally Evans kam erst spät zum Schreiben. Als Fremdsprachenlehrerin und Bibliothekarin arbeitete sie zuvor in Berufen, die immer auch mit Sprache oder Büchern zu tun hatten. Heute geht sie zum Schreiben gern in Cafés, genießt dort eine heiße Schokolade und lässt sich für ihre mitreißenden Romances von ihren Reisen inspirieren, die sie oft in exotische Länder führen.

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1. KAPITEL


Unvermittelt hielt Inez inne. War es das wert? Wenn sie die Wohnung jetzt betrat, würde sie Zeugin von etwas Unangenehmem werden. Schon seit einigen Wochen spürte sie, dass etwas mit ihrer Beziehung nicht mehr stimmte.

Das ungute Gefühl verstärkte sich, als sie den Schlüssel ins Schlüsselloch steckte. Knirschend drehte er sich im Schloss, die Tür öffnete sich. Angespannt lauschte Inez in den Flur. Nichts. Hatte sie sich alles nur eingebildet?

Dann hörte sie das Geräusch. Es kam von rechts. Auf leisen Sohlen tappte sie durch den Flur, über den flauschigen Teppich, den Steven und sie erst im letzten Monat angeschafft hatten, und lauschte mit angehaltenem Atem an der Tür zum Schlafzimmer.

Der Teppich unter ihren Füßen leuchtete seltsam intensiv in einem tiefen dunklen Rot. Wieso rot? Rot bedeutet Stopp! fuhr es Inez durch den Sinn. Aber da lag ihre Hand schon auf der Klinke, drückte sie hinunter, stieß ihr Fuß gegen die Tür und ließ sie aufschwingen …

Das Bild, das sich ihr bot, war erwartet und dennoch ein Schock. Zwei Menschen lagen dort im Bett, eng ineinander verschlungen, von denen einer definitiv nicht da hingehörte: Stevens supersexy Sekretärin Claire.

Fassungslos taumelte Inez zurück, rempelte gegen den Sessel, der hinter ihr im Flur stand, und fiel rücklings hinein. Der Sessel hatte seltsamerweise sehr enge Armlehnen und klemmte sie ein, außerdem ruckte und rüttelte er sonderbar, als würde im selben Moment ihr ganzes Leben durcheinandergeschüttelt …

Erschrocken fuhr Inez hoch. Anscheinend war sie in einen kurzen Schlaf gefallen und hatte dadurch den Landeanflug verpasst. Das Flugzeug hatte bereits aufgesetzt und raste über die Landebahn, wobei es holperte und schwankte, bis der Pilot die Schubumkehr einschaltete und scharf abbremste. Unvermittelt wurde Inez in den engen Sitz zurückgepresst.

Der winzige Flughafen in Maghribir hatte nur sehr kurze Rollbahnen. Denn die Sandstürme, die hier zu dieser Jahreszeit häufiger auftraten, verlegten oft die umliegenden Dünen und sorgten dafür, dass die Pisten mühsam wieder freigeschaufelt werden mussten. Es war eine einfache Rechnung: Je länger die Bahnen, desto mehr Arbeit. Deshalb hatten die Piloten, die hier landen durften, eine Sonderlizenz vom Militär und gingen mit der harten Bremsung jedes Mal ein zusätzliches Risiko ein.

Der Flughafen lag mitten in Bandhrazar–al–Sahrar, dem „Land der großen Weite“, womit die Wüste gemeint war. Im Nachbardistrikt Bandhrazar–al–Sahil wäre das Landen einfacher gewesen, dort brauchten die Piloten keine Sonderlizenz. Aber wenn Inez in Bandhrazar–al–Sahil gelandet wäre, hätte das ihren anschließenden Reiseweg um mindestens zwei Tage verlängert, denn ihr Ziel war die Ausgrabungsstätte von Alt Zadikhapur, die in der Wüste lag.

Um diese geheimnisvolle Stadt rankten sich wundersame Geschichten. Unfassbar schön soll sie gewesen sein und gleichzeitig ein Meisterwerk antiker Stadtplanung, mit reichverzierten Häusern und prachtvollen Grünlagen, in denen Zehntausende von Schatten spendenden Bäumen gestanden hatten, mit unzähligen Wasserspielen, die die Parks frisch hielten, und schmalen Bächen, die weit über die Stadtgrenzen hinaus sogar die umliegenden Felder bewässerten.

Nicht erst seit Kurzem fragte sich die Wissenschaft, wie es den Menschen damals gelungen war, die blühende Metropole inmitten der Wüste dauerhaft so grün zu halten. Und seit das exotische Bandhrazar vor knapp einem Jahr angekündigt hatte, sich der Moderne zu öffnen, und das Königshaus von Bandhrazar die Hochzeit des ältesten Prinzen in internationaler Öffentlichkeit in Venedig zelebriert hatte, hatte sich die Zahl der Neugierigen verzehnfacht, die als Besucher hierherkamen. Die Tourismusindustrie von Bandhrazar erlebte gerade einen Aufschwung.

Auf die Reise hatte sich Inez gefreut. Genau genommen handelte es sich nicht um einen Urlaub, sondern um einen Studienaufenthalt. Es war der sprichwörtliche Sechser im Lotto: Vor wenigen Wochen hatte die Uni in London bei ihr angefragt, ob sie im Rahmen ihres Forschungsprojekts über antike Bewässerungssysteme als Vertretung für eine verhinderte Doktorandin zu einer Ausgrabung nach Bandhrazar fahren wolle. Diese Chance nicht zu ergreifen, wäre dumm gewesen, auch wenn es bedeutete, für mehrere Wochen von Steven getrennt zu sein, mit dem Inez erst vor einem halben Jahr zusammengezogen war.

Aber seit vorgestern war diese Beziehung ohnehin Geschichte. Eine neue Woge des Schmerzes überrollte Inez, während sie beobachtete, wie das Flugzeug langsam zum Stehen kam und eine Fahrgastbrücke an das Flugzeug geschoben wurde. Steven war seit vorgestern nur noch eine Episode in ihrem Leben, denn noch am selben Tag, als ihre Vermutung zur Gewissheit geworden war, hatte Inez ihre Sachen gepackt und war zu ihrer Freundin Ashleigh gezogen.

Fahr zum Teufel, Steven Taylor! Die Beziehung zu beenden, war das einzig Richtige gewesen. Ihr überstürzter Auszug aus der gemeinsamen Wohnung hatte allerdings dazu geführt, dass sie nun eine Woche zu früh in Bandhrazar gelandet war, denn eine ganze Woche hatte sie ihre Freundin Ashley nicht mit ihrem Kummer belasten wollen. Schlimm genug, dass sie sich erneut von einem Mann hatte täuschen lassen, einem Mann, den sie eigentlich nur hatte retten wollen: aus seiner seelischen Misere, seiner gefühlten Unzulänglichkeit und seiner Selbstzerfleischung.

Die mit einer ziemlichen Selbstüberschätzung einhergegangen war. Wie hatte sie das zum wiederholten Male übersehen können? Männer, die an die Empathie und Hilfsbereitschaft von Frauen appellierten, aber zum heulenden Elend wurden, sobald in ihrem eigenen Leben mal etwas schiefging, die Frauen ausnutzten und sie am Ende zum Dank nach Strich und Faden betrogen: Wieso war sie erneut an so ein Exemplar geraten?

Der Flughafen war klein, aber mit modernster Klimatechnik ausgestattet, die so leise lief und so gut versteckt war, dass Inez nicht ausmachen konnte, woher der feine erfrischende Windzug kam. Der Boden der gesamten Halle war mit glänzendem grünem Marmor bedeckt. Beeindruckt betrachtete Inez die hohen Deckengemälde, die kunstvoll ausgearbeiteten Intarsien in den Wänden, die eleganten geschwungenen Treppen … In Europa sah man so einen Prunk nur in den großen alten Königshäusern, in Versailles oder Sanssouci. Und hier schmückte man schon einen unbedeutenden Provinzflughafen so aus?

Man musste ihr das Staunen ansehen, denn eine Gruppe weißgewandeter Männer war stehen geblieben. Die Männer musterten sie mit einem ironischen Lächeln, wobei der Blick einzelner recht unverfroren über ihre Figur glitt. Natürlich hatte sie sich zuvor über die Landessitten informiert und trug ein einfach geschnittenes Reisekleid aus hellem Leinen, das sowohl ihre Schultern bedeckte als auch bis über die Knie reichte. Trotzdem empfand sie die Blicke der Männer als unangenehm aufdringlich. Lag das vielleicht an ihren blonden Haaren, die sie zwar zu einem Pferdeschwanz zusammengefasst hatte, deren Farbe hier aber trotzdem Aufsehen erregte?

Verlegen kramte sie ein leichtes cremefarbenes Tuch aus ihrem Handgepäck, das sie sich um den Kopf band. Die wenigen Frauen, die sie hier im Flughafengebäude sah, trugen allesamt Schleier, unter denen nur vereinzelt schwarzglänzende Strähnen hervorschauten. Warum? Waren Schleier in Bandhrazar nicht abgeschafft worden? Inez meinte, davon gelesen zu haben. Irritiert wuchtete sie ihren großen Rollkoffer zur Seite, um erstmal aus dem Blickfeld der Männer zu kommen.

So einfach war das hier wohl doch nicht. Andererseits war sie nicht hergekommen, um nach nur wenigen Minuten schon wieder den Kürzeren zu ziehen. Gerade hatte sie wieder nach ihren alten Mustern reagiert, war zur Seite gegangen und hatte denjenigen das Feld überlassen, die sie provozierten. Das musste aufhören.

Das Problem war jetzt allerdings erstmal die Weiterreise. Zwar lag der Flughafen von Maghribir um einiges näher an der Ausgrabungsstätte als der große Flughafen im Nachbardistrikt Bandhrazar–al–Sahil, aber niemand vom Forscherteam rechnete schon heute mit ihr. In ihrer Aufregung hatte sie vergessen, das Ausgrabungsteam über ihre vorzeitige Ankunft zu informieren. Das jetzt noch zu tun, wäre ihr peinlich gewesen, jemand hätte seine Arbeit unterbrechen müssen, um für Stunden unterwegs zu sein, und ein Auto wäre ungeplant für mindestens einen Tag nicht anderweitig verfügbar gewesen. Das konnte bei Ausgrabungen, wo freigelegte Objekte sofort vor der sengenden Sonne geschützt werden mussten, problematisch werden.

Deshalb hatte Inez im Flugzeug beschlossen, sich allein zur Ausgrabungsstätte durchzuschlagen. Ein großes internationales Team arbeitete dort, es kamen öfter neue Wissenschaftler an oder fuhren ab, ganz unbekannt konnte der Weg also nicht sein. Allerdings wurde ihr jetzt klar, dass sie hier, mitten in der Wüste, nicht auf ein entwickeltes Straßennetz bauen konnte. Gab es in Bandhrazar überhaupt so etwas wie öffentlichen Nahverkehr, gab es befestigte Straßen? Oder nur Sandpisten? Wie viel bezahlte man eigentlich für eine private Fahrt mit einem Jeep? Geld in der Landeswährung hatte sie in London eingetauscht, fünf Pfund entsprachen einem Bandhri, aber was bedeutete das schon? Inez hatte keine Ahnung von den hiesigen Preisen, abgesehen davon durfte sie als Frau in Bandhrazar gar nicht allein Auto fahren, geschweige denn sich einen Leihwagen mieten. Gab es hier so etwas wie einen Taxiservice? Und falls ja: Durfte sie, so allein als Frau, einfach zu einem fremden Mann ins Auto steigen?

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