E-Book, Deutsch, Band 1, 416 Seiten
Reihe: Supernatural Academy
Eve Supernatural Academy: Year One (Supernatural Academy 1)
25001. Auflage 2025
ISBN: 978-3-646-93974-3
Verlag: Carlsen
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Magische New Adult-Romantasy
E-Book, Deutsch, Band 1, 416 Seiten
Reihe: Supernatural Academy
ISBN: 978-3-646-93974-3
Verlag: Carlsen
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Jaymin Eve ist Wall Street Journal und USA Today Bestseller-Autorin von Paranormal Romance-, Urban Fantasy- und SciFi-Büchern voller epischer Liebesgeschichten, spannenden Abenteuern und viel Humor. Sie wohnt in Australien mit ihrem Mann, zwei wunderschönen Töchtern und einigen verrückten Haustieren. Bisher hat sie mehr als drei Millionen eBooks verkauft und kann immer noch nicht glauben, dass sie beruflich Fantasiewelten erschaffen darf.
Weitere Infos & Material
KAPITEL 1
Irgendwo in der Nähe wurde ein lauter Countdown heruntergezählt, und Jubelschreie erklangen, als das neue Jahr begann. In der verdreckten Tankstellentoilette, in deren rissigen, beschmierten Spiegel ich starrte, während ich mir die letzten Reste Haarfarbe auswusch, wurde nicht gefeiert.
In meinem Leben gab es nur sehr wenige Rituale – ich hatte dafür einfach nicht genug Stabilität. Aber da war eine Sache, die ich in jedem der letzten fünf meiner zweiundzwanzig Jahre auf dieser Erde wiederholt hatte: Jedes Jahr zu Silvester – meinem Geburtstag – änderte ich meine Haarfarbe. Das war meine Art, den letzten beschissenen 365 Tagen »Fickt euch« zu sagen. Ich wollte mich nicht durch meine Umstände definieren lassen. Jede Farbe war ein Neuanfang, eine neue Ära … eine neue Chance, mein Leben auf die Reihe zu bekommen.
Und dieses Jahr hielt ich mich zum ersten Mal nicht an die dunkleren Töne.
Es sollte mein Jahr werden. Und es stand im Zeichen der Farbe Rosa.
Nachdem ich meine Haare unter dem ranzigen alten Händetrockner geföhnt hatte, schob ich sämtliche leeren Schachteln sowie die Reste des Peroxids und die Farbtuben zusammen und schmiss sie in einen nahe gelegenen Mülleimer. Im schwachen Licht warf ich einen Blick auf meine neue Haarfarbe und musste lächeln. Das Ergebnis war besser, als ich erwartet hatte: ein schimmerndes Pastellrosa. Zum Glück hatte meine Mutter mir die Fähigkeit vererbt, mit Haaren zu zaubern. Sie war Kosmetikerin und Friseurin gewesen, bevor sie in einem dunklen Loch aus Drogen, Alkohol und Männern, die ihr nicht guttaten, versunken war.
In dem Jahr, als sie starb, verwandelte ich meine silbrig blonden Locken zum ersten Mal in ein orangefarbenes Wellenmeer. Ich hatte so ein Gefühl gehabt, dass sie das gutheißen würde. Seitdem war ich auf mich allein gestellt, zog ständig um und färbte mir alle zwölf Monate die Haare. Wahrscheinlich hatte ich Glück, dass ich überhaupt noch welche auf dem Kopf hatte, aber aus irgendeinem Grund waren sie immer noch lang, dick und gesund. Meine Haare waren gesegnet.
Mein Leben hingegen? Das eher weniger.
Es war wieder an der Zeit, in den erstbesten Bus zu steigen und neu anzufangen. Wahrscheinlich hätte ich inzwischen aufhören können, wegzurennen – niemand suchte mehr nach mir –, aber vielleicht suchte ein Teil von mir immer noch nach der Illusion eines Zuhauses, das alle anderen hatten.
Dieses Jahr würde besser werden. Dieses Jahr würde ich Licht in mein Leben lassen, denn ich hatte lange genug im Dunkeln gelebt. Damit war ich mehr als fertig.
»Rosa wäre nicht meine erste Wahl gewesen, aber ich muss zugeben, dass es dir steht.«
Ich drehte mich um und suchte nach der Person, zu der die Stimme gehörte.
Ich war allein auf der Toilette gewesen, und da ich mich gerade in einer zwielichtigen Gegend von Detroit befand, hatte ich die Tür hinter mir abgeschlossen. Wer auch immer hier drin war, stand gerade außerhalb des kleinen Lichtkegels. Zwar konnte ich erstaunlich gut im Dunkeln sehen, wenn ich mich konzentrierte, aber manchmal hatte ich Probleme, meine unerklärliche Fähigkeit anzuzapfen, also griff ich nach meiner Tasche und zog das Springmesser hervor.
»Was zur Hölle willst du?«, fragte ich mit zusammengebissenen Zähnen und ließ meine Stimme so rau wie möglich klingen. Mit meinen eins achtzig war ich zwar kein zartes Pflänzchen, aber meine Stimme war so süß, dass sie nicht mal im Ansatz zu meinem Inneren passte.
Vielleicht waren rosa Haare doch keine so gute Idee gewesen. Jetzt würde ich wirklich falsch rüberkommen.
Es kam keine Antwort, aber aus dem Augenwinkel sah ich eine Bewegung, und eine junge Frau trat ins Licht. Ich blinzelte ein paarmal und schluckte die Beleidigung, die mir schon auf der Zunge lag, hinunter. Sie war ganz anders, als ich erwartet hatte. Noch größer als ich, und ihre Haut war dunkelbraun und schimmerte im schwachen Licht. Sie hatte leuchtend rote Korkenzieherlocken, dichter als meine. Insgesamt war sie atemberaubend schön, aber nicht einfach wie ein Supermodel – im Gegenteil. Sie war so umwerfend, als wäre sie gerade vom Himmel gefallen: volle kirschrote Lippen, große grüne Augen, hohe Wangenknochen und aristokratische Züge. Hätte ich nicht auf Typen gestanden, wäre ich schon halb in sie verliebt gewesen.
Sie kam noch einen Schritt näher, und ich drückte mich mit dem Rücken gegen das dreckige Waschbecken. Nur weil sie heiß war, hieß das nicht, dass sie nicht gefährlich sein konnte. »Wir suchen schon sehr lange nach dir«, sagte sie, als ihre langen, in Leder gekleideten Beine vor mir zum Stehen kamen. »Du bist echt gut darin, umzuziehen und deine Spuren zu verwischen, aber … deine Kräfte werden immer stärker. Du kannst dich nicht länger verstecken.«
In mir wallte Panik auf. Starke Wellen, die mich fast erdrückten. Vor fünf Jahren hatten die Behörden nach mir gesucht. Ich war nicht nur mit siebzehn weggelaufen, sondern auch von einem Tatort geflohen und hatte die Leiche meiner Mutter zurückgelassen. Aber ich war mir fast sicher gewesen, dass sie mich schon längst aufgegeben hatten.
Offensichtlich nicht.
Auf der Suche nach einem Fluchtweg scannte ich sofort den Raum.
»Willst du nicht mal meinen Namen wissen, bevor du verschwindest?«, fragte sie belustigt. »Irgendwie unhöflich, findest du nicht?«
Ich schloss meine Hand um die Klinge, bereit, sie beim ersten Anzeichen eines Angriffs aufschnappen zu lassen. »Sollte der mich interessieren?« Ich schüttelte den Kopf über sie. »Ich kenne dich nicht. Ich will dich nicht kennen. Ich werde jetzt gehen.« Die falsche Furchtlosigkeit war einen Versuch wert. Vielleicht würde sie einen Rückzieher machen. Aber ihrer Bemerkung »Wir suchen dich schon lange« nach zu urteilen, bezweifelte ich das.
»Ich heiße Ilia«, fuhr sie fort, als hätte ich ihr nicht gerade gesagt, dass sie sich verpissen solle. »Mein Name. Er wird I-L-I-A buchstabiert, aber man spricht ihn aus wie Ei…« Sie hielt inne. »…lia.«
Ich war erstaunt über ihren ruhigen Plauderton, als würden wir uns schon seit zwanzig Jahren kennen und wären alte Freundinnen, die sich austauschten.
»Was willst du von mir, Ilia?« Ich zog ihren Namen genauso in die Länge wie sie. »Was soll das heißen: ›Meine Kräfte werden stärker‹? Ich meine … Kräfte … im Ernst? Bist du wahnsinnig?«
Sie lachte und warf ihren Kopf zurück, während heisere Töne die Luft erfüllten. Mir jagte ein Prickeln über den Rücken, und ich war mir ziemlich sicher, dass es nicht nur daran lag, dass ihr Lachen so sexy war wie sie selbst. Das Geräusch sandte eine Art Energiewelle aus.
»Das mit dem Wahnsinn hängt davon ab, wen du fragst«, antwortete sie schließlich, nachdem sie sich wieder gefangen hatte. »Und an welchem Tag du mich erwischst. Aber um deine andere Frage zu beantworten: Du, meine Freundin, bist keine gewöhnliche Soup.«
Ich blinzelte sie an, meine Hand schwitzte am Griff meines Messers. »Suppe?« Was zum Teufel meinte sie mit Soup? Das Essen? Oder war das eine abfällige Bezeichnung, die ich noch nicht kannte?
Oder … vielleicht eine Gang?
Dabei hatte ich in letzter Zeit mit Gangs nichts am Hut gehabt. So ein Leben war nichts für mich, das hatte ich schnell gelernt, aber manchmal tauchten ihre Mitglieder an den seltsamsten Orten auf. Wie … in den öffentlichen Toiletten von Detroit.
»Du hast was mit Drogen zu tun, oder?«, platzte ich heraus, bevor sie antworten konnte. »Siehst du auch kleine fliegende Drachen und so? Deshalb bist du hier drin und redest von Kräften und Suppe. Ich nehm keine Drogen, weißt du. Die sind nichts für mich. Mein Leben ist auch so schon verrückt genug, also kannst du mit deinem komischen Gerede gleich wieder abhauen.« Mit der freien Hand fuchtelte ich herum und machte ein zischendes Geräusch, um sie zu verscheuchen.
Sie lachte erneut. »Drachen. Woher weißt du von den Drachen?« Sie zwinkerte, als wäre das der lustigste Witz, den sie je gehört hatte. »Es gibt einige davon in Faerie … wo alle Soups herkommen.« Zum ersten Mal, seit sie aus dem Schatten getreten war, rückte sie näher an mich heran und versperrte mir den einzigen Ausweg.
Mein Messer schnappte auf, bevor ich überhaupt darüber nachdenken konnte, doch sie schenkte der scharfen Klinge keine Beachtung.
»Hör zu, ich hätte nicht erwartet, dass du keine Ahnung hast, wer du bist«, fuhr Ilia fort, ihr Ausdruck plötzlich ernst. »Ich hätte es mir denken können, denn wir sind uns ja nicht mal ganz sicher, was du bist … aber in dir ist auf jeden Fall eine Menge Macht verborgen. Die wenigen Male, die du mit deiner Energie in Kontakt gekommen bist, war es auf der ganzen Welt zu spüren. Aber im Moment hältst du deine Kräfte unter Verschluss. Wie machst du das?«
Ich war mit bitte was in Kontakt gekommen? »Ich … was?«
»Deine Kräfte«, fuhr sie fort und gestikulierte, als wollte sie sagen: Komm schon, so schwer ist das doch nicht.
Ich schüttelte den Kopf. »Du bist genauso verrückt wie meine cracksüchtige Mutter, und die hat von Geistern, Gaben und Göttern geschwafelt.«
»Falsch.« Ilia schüttelte ebenso den Kopf. »Deine Mutter war auf keinen Fall cracksüchtig. Crack hat keine Wirkung auf Übernatürliche, und du, meine Liebe, bist zu hundert Prozent eine Soup.«
Übernatürlich wie … Supernatural. Oh, sie meinte Supe und nicht Soup … Ach du...




