E-Book, Deutsch, 1146 Seiten
Ewans / Canetta / Houston Verliebt in Schottland
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98952-718-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Drei Romane in einem eBook: »Das Highland-Hotel der Träume«, »Schottische Disteln« & »Das kleine Dorf in Schottland«
E-Book, Deutsch, 1146 Seiten
ISBN: 978-3-98952-718-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Isadorra Ewans und Ana Riba sind Pseudonyme der Autorin Klarissa Klein, unter denen sie erotische Romane veröffentlicht. Klarissa Klein wurde 1966 in Herne, Nordrhein-Westfalen, geboren. Sie lebt mit zwei Kindern, zwei Hunden und einem Ehemann im Sauerland. Unter ihrem richtigen Namen hat sie bereits Kriminalromane und unter verschiedenen Pseudonymen zahlreiche Geschichten und Novellen veröffentlicht. Bei dotbooks erschienen bereits Ana Ribas erotische Romane 'Coco' und 'Chefsache'.
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Kapitel 1
»Ms. Cavanough, bitte!« Der Mann, der diese Bitte ausspricht, stützt sich müde mit beiden Händen auf dem Tisch auf. Die Ärmel seines weißen Hemds sind fein säuberlich bis über die Ellenbogen aufgekrempelt, und die Muskeln seiner Unterarme treten deutlich unter dem Gewicht, das sie zu tragen haben, hervor. Dieser Mann ist groß, nicht direkt korpulent, aber immerhin eine monumentale Erscheinung. Dass er jetzt erschöpft den Kopf sinken lässt, ihn langsam schüttelt, um sich dann niedergeschlagen und mit hängenden Schultern auf den Stuhl mir gegenüber auf der anderen Seite des Tisches zu setzen, will so gar nicht zu ihm passen. Er wirkt kräftig, vielmehr: tatkräftig. So als würde ihn nichts erschüttern; könnte sich ihm nichts in den Weg stellen. Nun verschränkt er seine Finger ineinander; lange kräftige, männliche Finger, die an den Knöcheln etwas rauh sind und dem Betrachter zeigen, dass sie auch körperliche Arbeit kennen. Ein niedergeschmettertes Häufchen Elend.
Plastik knackt leise. Ein weißer, dünner Becher, der sich unter dem Druck meiner Hände zusammenknüllt. Fast. Und dieses Geräusch ist hier in diesem Raum so eindringlich, dass es beinahe beklemmend ist. Ein Raum mit Wänden, die noch mit Ölfarben gestrichen wurden. Irgendwann vor dem Zweiten Weltkrieg, sicherlich aber danach in den 50er Jahren. Die Wände glänzen speckig, und an einigen Stellen sind Flecken zu sehen, von denen ich lieber nicht wissen möchte, was diese flüchtig verwischten Dreckspuren hinterlassen haben könnte. Eine Neonröhre über unseren Köpfen lässt das weiße Hemd des Mannes, der mir gegenübersitzt, kalkweiß und durchsichtig erscheinen. Billiges Material, denke ich kurz und starre auf den Becher in meiner Hand und stelle fest, dass es mein Becher war, der so knackte. Das Geräusch gerade ließ den Mann aufsehen. Er betrachtet mich. Nein: Er mustert mich eingehend. Was wird er sehen? Was sieht er da?
In einem Film würde die Szene wahrscheinlich so aussehen: Eine junge Frau, die dem Mann gegenüber Platz genommen hat und die unter dem fahlen Licht der Neonröhre blass und kränklich aussieht, beinahe so, als würde sie gleich im Fieberwahn vom Stuhl fallen, versucht zu lächeln. Ein schwaches Lächeln, eines, von dem man nicht weiß, ob es ein echtes, ehrliches oder gar ein schuldhaftes, ein Geheimnis verbergendes ist. Die einzigen Bewegungen der jungen rothaarigen Frau sind die ihrer Finger, die versuchen, die Delle aus dem Plastikbecher herauszudrücken. Eine Szene wie in einem Krimi.
Nun: Die junge Frau mit den roten Haaren … das bin ich. Madison Anne Cavanough. Und ich sitze hier nicht ohne Grund. Ich brauche Hilfe. Dringend. Ich brauche die Hilfe der Polizei, denn ich habe Angst, auf die Straße zu gehen, und – obwohl ich in der Flucht im Allgemeinen sehr geübt bin –, kann ich es dieses Mal nicht alleine schaffen.
Ich weiß, dass mein Anblick sich für ihn wie Versagen anfühlt. Mittlerweile kenne ich Lewis Stone gut genug, dass ich mir ungefähr vorstellen kann, wie er fühlt, wie er analysiert und plant. Es ist nicht das erste Mal, dass ich ihm hier in diesem Raum gegenübersitze, und es wird wohl auch nicht das letzte Mal sein. Lewis Stone, ECD, City of London Police. Wirtschaftskriminalität. Ob er jemals einen Fall so wie meinen hatte – vermag ich nicht zu sagen.
Denn nicht ich bin die Schuldige. Nicht ich sollte hier auf diesem Stuhl sitzen und mir all die Fragen gefallen lassen müssen, die einem Außenstehenden zeigen, dass ich eine äußerst lebhafte Fantasie haben muss, wenn es um die Unterschlagung von Kundengeldern durch meinen direkten Vorgesetzten geht.
Nicht ich bin schuldig.
Ich … ich bin hier das Opfer.
***
»Ms. Cavanough, bitte: nur die eine Information. Wer kann Ihre Berechnungen bestätigen?«, fragt er jetzt bereits zum x-ten Mal und mustert mich erneut. Sucht die Schwachstelle in meiner Aussage, die es nicht gibt. Allerdings ist da noch mehr in seinem Blick. Es gefällt ihm, was er da sieht. Die Mischung aus meiner Verzweiflung und meinem Aussehen ruft den Beschützer in ihm hervor. Er will und möchte mir ja helfen. Aber irgendwie sind ihm die Hände gebunden, und nur aufgrund der Tatsache, dass er mich hübsch findet, kann er die Kavallerie nicht aus ihrem Fort herauslassen.
Ich beuge mich hinunter zu meiner Tasche, ziehe meinen Spiegel aus dem kleinen Seitenfach meiner mausgrauen DKNY. Mir reicht ein flüchtiger Blick, um zu sehen, dass mein Make-up noch einigermaßen fixiert ist. Dass die Tagescreme die dunklen Ringe unter meinen Augen zwar nicht vollständig, aber immerhin ein wenig verstecken kann. Meine roten Locken noch genauso undone aussehen, wie sie es heute Morgen taten, kurz bevor ich aus dem Haus ging. Dass ebendiese Locken auch so etwas wie ein Schutzschild sind für mein schmales – wie sagt mein bester Freund immer? – aristokratisches Gesicht mit der vornehmen Blässe darin. Ich kann Stone ansehen, dass ihm mein Businesskostüm nicht gefällt. Grau in Grau, weißer Kragen auf den Schultern, der das ganze Ensemble wie eine Tortenspitze wirken lässt. Ich sehe ihm an, dass er die Jeans-T-Shirt-Fraktion bevorzugt. Der Taschenspiegel klackt leise, als ich ihn zusammenschnacken und in die Tasche zurückfallen lasse.
»Mr. Stone«, sage ich, und er unterbricht mich.
»Inspektor«, bittet er, und ich nicke gequält. Sein Gesichtsausdruck spricht Bände. Im Klartext steht da: Mädchen, auch wenn du hundert Mal intelligenter bist als ich … so viel Zeit muss sein.
»Inspektor Stone«, setze ich erneut an. »Sie haben eine 200 Seiten lange Aufstellung. Tabellen, bunt und übersichtlich. Sie kennen den Ursprung dieser Daten. Sie verfügen über Analysen des Geldflusses, Ihnen liegen die Fakten über die Gewinne vor, die dieser Mann mit seinen Machenschaften eingefahren hat. Sie sind im Besitz von Daten, die es Ihnen ermöglichen, die auf den Caymans angelegten Konten bis zu diesem Mann hin zurückzuverfolgen. Also bitte: Was wollen Sie noch? Jemanden, der Kringel über die Is malt?« Ich schließe ungläubig die Augen. Das kann doch nicht wahr sein? Eines haben Stone und ich in diesem Augenblick gemeinsam: Resignation. Ich frage mich nicht zum ersten Mal in den letzten Monaten, warum ich mir das eigentlich antue.
»Verstehen Sie doch bitte …!« In seiner dunklen Stimme klingt verständnisvolle Verzweiflung mit.
»Ich verstehe nur, dass ich hier sitze, weil ich um Ihre Hilfe gebeten habe. Der Mann hat mich nach meinem Ausscheiden bei McAllister, Hammersmith & Co. mehrfach bedrohen lassen. Von den Mobbing-Attacken während der letzten Monate im Büro rede ich gar nicht. Ich fürchte um mein Leben, und Sie wollen von mir einen Namen, der Ihnen bestätigt, dass er eben nicht nur Briefmarken geklaut hat.« Ich stelle meinen Plastikbecher etwas heftiger auf dem Tisch ab, als ich es beabsichtigte. Das Ergebnis daraus ist: eine neue Einbuchtung und eine Pfütze Wasser. Die kleine Bescherung zerrt an meinen Nerven, und ich beuge mich erneut zu meiner Tasche, hole ein Päckchen Taschentücher heraus, damit ich die Pfütze aufwischen kann; aber mir fehlt die Kraft dazu. In der Bewegung nach unten verharre ich, denke mir, was soll’s, und setze mich wieder aufrecht hin.
»Ich verstehe nur, dass Sie mir nicht helfen wollen.« Dieser Satz peitscht ihm wie eine Ohrfeige ins Gesicht. Ich erkenne, dass ich ihm Unrecht tue, weil ihm die Hände gebunden sind und zumindest er, als Polizist, sich an die Regeln halten muss. Aber ich gebe nicht auf. Ich habe eine Kerbe gefunden, die ich mir offen lassen muss, auch wenn ich ihn damit verletze. Normalerweise ist das keineswegs meine Art, aber ich bin verzweifelt. Einen Versuch, ihn zu erreichen, will ich noch unternehmen.
»Der Mann verdiente mit gestohlenen Kundengeldern Millionen. Wenn er das wenigstens legal getan und die Geldgeber von ihrer Spende an ihn partizipiert hätten … Aber ich sehe schon: Es stimmt, dass sich niemand dafür interessiert, was hinter den verschlossenen Türen der Banken passiert.« Als ich mich dieses Mal hinunterbeuge, um meine Tasche zu nehmen, tue ich das, weil ich gehen will. Ich muss hier raus. Dieses sinnlose Unterfangen entfacht ein Gefühl von Klaustrophobie in mir.
»Ms. Cavanough«, der Klang in seiner Stimme hält mich zurück. »Ich persönlich würde Ihnen sofort helfen. Das wissen Sie hoffentlich, aber wenn ich nicht jemanden finde, der mir Ihre Rechnungen bestätigt, dann wird niemand außer mir in diesem Fall – Ihrem Fall – aktiv werden.«
Fassungslos starre ich den Mann vor mir an. Er fährt sich müde und fahrig durch das kurze braune Haar, und er wirkt in seiner Erscheinung wie die Abteilung, die er leitet: angestaubt.
»Wenn es Ihnen hilft, Inspektor Stone, dann nehmen Sie einen Taschenrechner zur Hand. Denn anscheinend gehört es nicht zu Ihren Kernkompetenzen, eins und eins zusammenzuzählen?«, gebe ich ihm den spöttischen Rat. Meine Verzweiflung mischt sich gerade mit unbändiger Wut, und ich muss auf der Hut sein, dass ich ihn nicht verstimme. Also erinnere ich ihn daran, dass diverse, bedeutende Kontrollinstanzen bereits an der Angelegenheit arbeiten.
»Ihnen ist schon klar, dass die Börsenaufsicht den Fall ebenfalls untersucht?«, versuche ich den vorangegangenen Vorwurf zu entkräften, aber gleichzeitig ihm auch mehr Gewicht zu verleihen. Er kann nichts dafür, ermahne ich mich wieder einmal. Nicht er.
Stone fährt sich erneut müde über das Gesicht. »Die kooperieren nicht. Angeblich haben sie keinen Prüfer, den sie erübrigen können«, sagt er matt.
Mein Kopf fällt in den Nacken, und ich starre auf die Fassung der Neonröhre. Aus meiner Kehle huscht ein leises, verdammt zweifelndes Lachen. Hier läuft doch was schief,...




