Exquemelin / Fischer | Piraten der Karibik | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 248 Seiten

Exquemelin / Fischer Piraten der Karibik

Augenzeugenbericht eines Freibeuters
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7526-6493-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Augenzeugenbericht eines Freibeuters

E-Book, Deutsch, 248 Seiten

ISBN: 978-3-7526-6493-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Alexandre Olivier Exquemelin: Piraten der Karibik - Ein Augenzeugenbericht aus dem 17. Jahrhundert. | Neu editiert, mit einem Vorwort des Herausgebers, Worterklärungen und Fußnoten. | Piraten-Geschichten gibt es viele. Die meisten sind von Landratten, die nie eine Schiffsplanke betreten haben, erfunden. Wäre es nicht faszinierend, einen echten Piraten zu begleiten, auf seinen Kaperzügen in der Karibik? | Im Jahre 1669 beginnt Alexandre Olivier Exquemelin seine Karriere als Pirat. 1666 kommt er als Angestellter der französischen Westindien-Kompagnie nach Tortuga, einer kleinen Karibikinsel vor der Nordküste Haitis. Dort führt er zunächst ein »ordentliches Leben«, soweit dies auf einer berüchtigten Seeräuberinsel möglich ist. 1669 heuert er schließlich auf einem Piratenschiff an und erlebt zahllose Kaperfahrten und Räubereien aus nächster Nähe mit. Dazwischen aber, an ruhigen Tagen, schafft er sein bleibendes Werk: Das vorliegende Buch erschien 1678 in Amsterdam und wurde schnell zum Bestseller, weil es Normalsterblichen zum ersten Mal Einblick in die Welt der Piraten gab. Das Buch zeichnet sich durch klare, schnörkellose Sprache, einen enormen Faktenreichtum und präzise Detailbeschreibung aus.

Alexandre O. Exquemelin (1645-1707), manchmal auch John Esquemeling oder Oexmelin genannt, war Seefahrer, Pirat und Autor. Unter verschiedenen Piratenkapitänen erlebte er zahllose Kaperfahrten und Überfälle in der Karibik mit und dokumentierte sie authentisch wie kein anderer.
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Vorwort des Herausgebers



IM JAHR 2010 werden vor einem Gericht in Norfolk (US-Staat Virginia) fünf somalische Piraten wegen Seeräuberei vor Gericht gestellt. Den Männern drohen lebenslange Haftstrafen. Es ist der erste Piratenprozess auf US-Territorium seit dem amerikanischen Bürgerkrieg (186165). Gleichzeitig findet in Hamburg ein Prozess gegen zehn Piraten aus Somalia statt. Hier ist es sogar der erste Piratenprozess seit dem Mittelalter.

Zehn somalische Seeräuber hatten am 5. April, Ostermontag, den deutschen Containerfrachter ›MV Taipan‹ rund 500 Seemeilen vor der Küste ihres Heimatlandes angegriffen und geentert. Wenige Stunden später eilte die niederländische Fregatte ›Tromp‹, die einen Notruf aufgefangen hatte, zu Hilfe. Marinesoldaten befreien nach kurzem Schusswechsel das Schiff und nehmen die zehn Männer gefangen. Als Beweismittel sichern die Holländer fünf Kalaschnikow, zwei Raketenwerfer, große Mengen an Munition und zwei Enterleitern sowie Enterhaken.

Die Piraterie lebt, in der Realität und im Kino, und ist heute, so scheint es, präsent wie schon lange nicht mehr. Der Mythos des Piraten hat interessante und vielschichtige Quellen. Eine davon ist, dass man oft nicht so genau sagen konnte, wer denn nun eigentlich die ›Guten‹ und wer die ›Bösen‹ waren. Bei den Mannschaften war ein Motiv für Meuterei und Seeräuberei oft die Rebellion gegen ausbeuterische Zustände auf den Handels- und Kriegsschiffen, auf denen Matrosen fast wie Sklaven herhalten mussten. Bei den Anführern war es die Sucht nach Ruhm und Geld. Viele begannen als ›normale Seefahrer‹, oder als Freibeuter im Auftrag irgendeiner der auf See rivalisierenden Mächte. Ausgestattet mit offiziellen Kaperbriefen machten sie Jagd auf die Schiffe der gegnerischen Nationen. Sie kaperten, raubten, plünderten und wurden später nicht selten von ihrem König oder Herrscher dafür mit Orden behängt.

Es war eine Art staatlich sanktionierter Privatkrieg von einigen, die dafür mit einem Freibrief versehen wurden und es war relativ unabhängig davon, ob auf dem Land zwischen den betreffenden Parteien gerade Frieden herrschte, oder nicht. Auf hoher See hatten schon immer andere Gesetze gegolten Piraterie, Kaperei und offizieller Seekrieg sind jahrhundertlang nicht klar gegeneinander abzugrenzen wenn man es genau nimmt, bis heute nicht.

Ziel der Begierden im ›Goldenen Zeitalter der Piraterie‹ (ca. 1680 bis 1730) war die spanische Silberflotte, die, beladen mit reicher Beute aus den Kolonien und Erträgen des Silberabbaus in Bolivien und Mexiko, zwischen dem Isthmus von Panama, Havanna und Spanien unterwegs war. Gierig danach waren die Holländer, die Engländer, die Franzosen und Portugiesen, also alle anderen, die zu jener Zeit versuchten, die Welt zu erobern und über vernünftige Schiffe verfügten.

Viele Piraten begannen also im Bereich des Halb-Legalen. Wie es aber so ist, wenn man auf einer Rasierklinge tänzelt: Der Sprung auf die andere Seite ist allzu reizvoll. Als ›Freier Pirat‹ wartete nämlich noch viel reichere Beute. Denn erstens konnte man sich die Ziele nun nach Belieben aussuchen, und zweitens den Gewinn nach eigenen Piratenregeln aufteilen.

So lassen sich drei Abstufungen der ›Piraterie‹ im weiteren Sinne unterscheiden, festgemacht an den Besitzverhältnissen am Schiff, was einleuchtet:

Freibeuter waren damals zunächst einmal Geschäftsmänner. Und dass ihre Unternehmung von reichen Aktionären und Geschäftemachern im Ursprungshafen finanziert wurde, war Normalität. So wie auch heute Menschen ihr Geld in riskante Anlagen stecken dabei ein Risiko tragen, aber manchmal auch nicht schlecht daran verdienen.

Als etwa der Freibeuter Thomas Tew (um 16451695), gesponsert von mehreren Geschäftsleuten der Bermudas, an der Küste Südamerikas schlechte Beute machte, überredete er seine Mannschaft 1693 in den Indischen Ozean zu segeln. In der Straße von Bab el-Mandeb, dem Zugang zum Roten Meer, gelang es ihnen, ein reich beladenes Schiff des Großmoguls von Indien zu entern. Die Piraten erbeuteten Waren im Wert von 100.000 Pfund, darunter Gold, Silber, Elfenbein und Edelsteine. Jeder Mann erhielt einen Beuteanteil zwischen 1.200 und 3.000 Pfund, Tew selber soll 10.000 Pfund erhalten haben. Das waren ungeheure Summen in einer Zeit, als ein normaler Seemann gerade zwei bis drei Pfund Jahreslohn hatte. Aber auch den Sponsoren auf den Bermudas zahlte Tew den zehnfachen Betrag ihres vorgeschossenen Kapitals zurück.

Oder Woodes Rogers (16791732): Seine dreijährige Freibeuterfahrt von 1708 bis 1711 führte ihn rund um den Globus. Beute machte er vor allem an der Westküste Südamerikas, wo er zahllose spanische Geleonen kaperte. Die Reise, die 14.000 Pfund gekostet hatte, brachte über 170.000 Pfund Nettoertrag. Rogers wohnte danach gemütlich am Queen Square 19 in Bristol. Doch 1717 wurde er als Kenner der Gegend zum Gouverneur von New Providence und den Bahamas ernannt. Im April 1718 machte er sich auf die Reise, mit dem Ziel, die Region zu befrieden. Anbieten konnte er eine königliche Amnestie für alle Piraten, die sich bis zum 5. September 1718 ergeben würden.

Ob die Rückkehr in ein bürgerliches Leben möglich war oder nicht, hing von politischen Konstellationen und winzigen Schmetterlingsschlägen des Schicksals ab. Vielen berühmten Freibeutern gelang es nicht, oft weil sie im Lauf der Zeit schon allzu viel ›Piratenruhm‹ angesammelt hatten: Edward Teach (›Blackbeard‹): im Kampf getötet; ›Calico‹ Jack Rackham: gehängt; Bartholomew Roberts: im Kampf getötet; William Kidd: erschossen und geköpft; Charles Vane: gehängt; John Gow: gehängt; La Buse (Olivier Le Vasseur): geköpft; Edward Low: gehängt.

Und natürlich gab es auch Figuren, die nie etwas mit dem zivilisierten Leben zu tun haben wollten, und sich vor allem durch ihre Foltermethoden und ihre Grausamkeit und Trunksucht einen Ruf erwarben. Dazu gehört Roche Braziliano (16301671), der von etwa 1654 an die Meere unsicher machte. Einen Namen machte er sich vor allem durch seine extreme Brutalität. Es ist überliefert, dass er zwei Spanier bei lebendigem Leibe grillen ließ, weil sie ihm ihre Schweine nicht überlassen wollten. Außerdem war er ein großer Säufer und Trunkenbold. Jeden, der nicht mit ihm trinken wollte, so heißt es, ließ er erschießen.

Oder François l’Olonnais (16351667), der psychopathische Züge hatte. Es gehörte zu seinen Praktiken, seinen Opfern Stücke aus dem Fleisch zu schneiden oder sie lebendig zu verbrennen. Seine Lieblingsfoltermethode war das ›woolding‹: Dabei wird ein geknotetes Seil um den Kopf des Opfers gewunden und dann mit einem Stock so lange gedreht, bis die Augen heraustreten. Seine Gegner, die Spanier, machten Jagd auf ihn, er wehrte jedoch mehrere ihrer Angriffe ab. Als es ihm gelang, einem Hinterhalt zu entkommen und dabei zwei spanische Gefangene machte, »zog (er) seinen Säbel, und mit diesem schnitt er die Brust eines dieser armen Spanier auf, und zog dessen Herz heraus mit seinen gotteslästerlichen Händen, biss zu und riss daran mit seinen Zähnen, wie ein wilder Wolf«. Sein Ende kam, als er mit seinem Schiff im Golf von Honduras auf eine Sandbank lief. Weil die Mannschaft das Schiff nicht frei bekam, wandten sie sich zu Fuß ins Inland, wo sie in Darién in die Hände der einheimischen Bevölkerung fielen. Exquemelin schreibt, dass sie l’Olonnais »lebendig in Stücke rissen, seinen Körper Glied für Glied ins Feuer warfen und seine Asche in die Luft.«

Der Franzose ist einer der Haupt-Protagonisten in Alexandre O. Exquemelins Buch, der andere ist Henry Morgan (um 1635 1688), und das Schicksal beider könnte nicht unterschiedlicher verlaufen sein: Morgan trieb seit 1665 als Freibeuter sein Unwesen in der Karibik, allerdings meist mit Billigung seiner Schutzmacht England. Mitte 1668 überfiel er mit Wissen des englischen Gouverneurs von Jamaika, Thomas Modyford, die Stadt Portobello, wo er reiche Beute machte und sich noch besser für künftige Unternehmungen ausrüstete.

Am 28. Januar 1671 gelang ihm sein größter Coup: Als selbsternannter ›Chefadmiral aller Bukaniersflotten und Generalissimo der vereinigten Freibeuter von Amerika‹ zog er mit 1200 Mann auf 36 Schiffen gegen Panama, damals die reichste Niederlassung Spanisch-Amerikas. Nach einem neuntägigen Fußmarsch über die Landenge von Panama bekämpften und vertrieben die Piraten eine zahlenmäßig überlegene spanische Streitmacht, dann besetzten und plünderten sie die...



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