E-Book, Deutsch, Band 2, 482 Seiten
Reihe: Golden Blood
F. Golden Blood
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-0426-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Chaos
E-Book, Deutsch, Band 2, 482 Seiten
Reihe: Golden Blood
ISBN: 978-3-6957-0426-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ashren F. ist eine junge sechzehnjährige Dark Romantasy Autorin, die neben ihrer Schule, leidenschaftlich schreibt doch ihre Einstellung bleibt immer die gleiche: Sie schreibt weil sie anderen Menschen einen Zufluchtsort bieten möchte, nicht weil sie mit dem Schreiben Reich werden möchte
Autoren/Hrsg.
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KAPITEL 1
(Silterranyx)
Ich schlage die Augen auf und werde sofort von einem grellen Licht geblendet. Alles um mich herum ist hell, und mein Atem rast, als ob mein Herz schneller schlägt, als es sollte. Reflexartig greife ich nach meinem versteckten Dolch, der friedlich und unauffällig in meinem Stiefel ruht. Ich richte mich auf, springe aus dem Bett, auf dem ich liege, und bin bereit, mich jeder Bedrohung zu stellen. Doch bevor ich weiter stürmen kann, packt mich jemand am Arm und hält mich fest. In einem Anflug von Panik verpasse ich meinem Angreifer einen Schlag, doch er umklammert meinen Körper von hinten, nimmt mir den Dolch ab und hält mich so fest, dass ich meine Arme nicht mehr bewegen kann. Mein Atem rast weiterhin, und ich fühle mich, als stünde ich kurz vor einer Hyperventilation.
„Hey, hey, Silterranyx, beruhige dich. Du bist in Sicherheit. Du bist nicht mehr bei deiner alten Familie.
Du bist schon lange von ihnen weg. Es ist alles gut. Hör mir zu, es ist alles gut. Atme ruhig tief ein und aus“, sagt eine Stimme, die mir zunehmend vertraut vorkommt. Ich versuche, mich zu beruhigen, doch es fällt mir schwer. „So ist gut. Atme ruhig weiter. Ich sage es dir so oft du willst: Du bist in Sicherheit, sie können dir nichts mehr tun. Es ist alles in Ordnung“, fährt die Stimme fort. „Jetzt setz dich hin, dein Körper ist es nicht mehr gewohnt, in aufrechter Position zu sein, und ich würde es sehr begrüßen, wenn du nicht gleich wieder ‚Bye, Bye Welt‘ sagst.“ Noch halb blind von der Helligkeit taste ich nach dem Bett, oder bessergesagt nach einem sicheren Halt, um mich zu orientieren und wieder zu mir selbst zu finden.
Ich spüre, wie meine Beine unter mir nachgeben wollen, und es wird mir allmählich klar, dass ich in einer schwierigen Lage bin. „Was ist eigentlich passiert?“ frage ich meinen Vater, den ich jetzt, da ich etwas klarer denken kann, wiedererkenne. Er sieht älter aus als zuvor; die Spuren der Zeit sind deutlich in seinem Gesicht sichtbar. „Nun, ihr habt die Weltenabteile verlassen und seid zurückgekehrt“, erklärt er mir. „Er hat euch ins Hauptquartier gebracht, weil ihr nicht bei Bewusstsein wart. Die einst verborgenen Welten sind zusammengebrochen und haben sich an die Oberfläche gewagt, wenn man das so sagen möchte. Unsere Welt jedoch ist größtenteils relativ normal geblieben, zumindest ist sie das wieder.
Die normalen Menschen und die Bewohner der ehemaligen Weltenabteile sind sich weitgehend aus dem Weg gegangen.
Einige von ihnen haben Kontakte geknüpft, aber das waren nur Ausnahmen. Im Laufe der Zeit sind die anderen Wissenden, meine Geschwister, gestorben.
Jetzt bin ich der einzige Überlebende, und ich konnte nicht für jede Weltenabteilung der Ansprechpartner sein. Das Chaos hat sich immer weiter ausgebreitet, und es haben sich zwei Gruppen gebildet. Die Darkaruse, die größtenteils aus den Bewohnern der ehemaligen Weltenabteile bestehen, haben beschlossen, dass die Götter nicht mehr existieren. Sie haben sich gegen sie gewandt, und damit auch gegen euch. Auf der anderen Seite gibt es uns, unsere Gruppe, die größtenteils aus Menschen besteht, ergänzt durch einige vereinzelte Magier. Deshalb konnten wir nicht lange gegen die Darkaruse standhalten. Mittlerweile haben sie fast den gesamten Kontinent unter ihre Kontrolle gebracht und verbreiten ihre dunkle Seuche gezwungenermaßen durch ihre Runen. Seitdem befinden wir uns in einem endlosen Krieg.
Die Menschen, die sich der dunklen Seite angeschlossen haben, verlieren sich selbst durch diese Rune, die sie tragen müssen. Sie verlieren die vollständige Kontrolle über ihre Magie und tanzen wie Marionetten für jemanden, den wir noch nicht kennenlernen konnten. Aber dieser muss sehr mächtig sein. Diejenigen, die sich der dunklen Seite angeschlossen haben, aber keine magischen Kräfte besitzen oder nicht aus den Weltenabteilen stammen, verlieren ebenfalls ihre Identität. Auch wenn viele auf unserer Seite langsam die Hoffnung verlieren, dass ihr wieder aufwacht, müssen wir die Illusion aufrechterhalten, dass ihr immer noch schlaft, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Hauptquartiers, zu eurem eigenen Schutz.
Bevor wir nicht sicherstellen können, dass sich hier im Hauptquartier wirklich keine Darkaruse in Verkleidung aufhalten, musst du dich bedeckt halten. Tu nichts, was dich verraten könnte. Setze deine Kräfte nicht ein, egal was passiert. Es ist zu deinem eigenen Schutz. Der einzige Ort, an dem du Magie anwenden darfst, ist dein Zimmer. Zunächst müssen wir hoffen, dass Nemeraqua ebenfalls bald aufwacht. Sie liegt noch im Koma, oder besser gesagt: du bist ja bereits wieder aufgewacht.
Aber Fragen kannst du auch später noch stellen. Ich werde jetzt jemanden holen, der sich sicherlich sehr freuen wird, zu sehen, dass du wieder wach bist.
Danach wird sie dich in eure Suite bringen, wo auch frische Kleidung für dich bereitliegt und später noch weitere Dinge. Nun, du wirst dich erst einmal duschen und dann umziehen, denn so wie du gerade aussiehst, kannst du hier definitiv nicht herumlaufen, besonders nicht in der heutigen Zeit. Das wäre viel zu auffällig und könnte unnötige Aufmerksamkeit auf dich ziehen.
Die Zeit, so wie du sie kennst, ist bereits lange vergangen, und dennoch scheint sie in gewisser Weise wieder zurückgekehrt zu sein. Es ist fast so, als ob das Universum keine Fortschritte mag und sich weigert, den Lauf der Dinge zu akzeptieren.
„Vater, bevor du gehst, kann ich dich fragen, wie viele Jahre seit unserer Rückkehr vergangen sind? Ich meine, es können doch nicht über zwanzig Jahre vergangen sein, oder?“ Er atmet einmal tief ein und aus, und ich habe Angst vor seiner Antwort. „Da liegst du leider komplett falsch, meine geliebte Tochter“, antwortet er mit einem tiefen Seufzer. „Ihr lag nicht zwanzig Jahre im Koma, noch nicht einmal hundert Jahre. Nein, ihr wart ganze tausend Jahre im Koma.“
In diesem Moment habe ich das Gefühl, dass meine Pupillen auf mindestens das Dreifache ihrer normalen Größe anschwellen, und ich verschlucke mich förmlich an einer imaginären Fliege. Wie bitte? Tausend Jahre?
Tausend Jahre waren wir nicht bei Bewusstsein?
Plötzlich fühle ich mich steinalt, als ob die Zeit an mir vorbeigerauscht wäre. Doch das, was er jetzt sagt, schockiert mich noch mehr: „Ihr seid vor dreitausend Jahren aufgebrochen und vor tausend Jahren zurückgekehrt. Das war jedoch zu erwarten, schließlich hat sich die Zeit in den Weltenabteilen schon immer viel langsamer bewegt.“
In diesem Moment fühle ich mich offiziell wie eine Ur,Ur,Großmutter. Ich meine, wie ist das überhaupt möglich? Ich sehe immer noch genauso aus wie damals, zumindest sagt mir das mein Spiegelbild in der Klinge, die ich bei mir trage. Ich sehe nicht aus wie eine uralte, schrumpelige Hexe. Doch jetzt setze ich mich erst einmal auf, aber dieses Mal wirklich langsam, sehr langsam. Ich blicke mich im Raum um und suche nach einem Fenster, finde jedoch keines. Der Raum wird einzig und allein von ein paar Lampen erhellt, die an der Decke und an den Wänden befestigt sind. In diesem Moment höre ich Schritte, die aus der Richtung der großen Stahltür kommen müssen, durch die mein Vater den Raum gerade verlassen hat. Automatisch lasse ich eine Hand locker hinter meinen Rücken gleiten, um nach meinem Dolch zu greifen, den ich dort gesteckt habe, nachdem ich aufgestanden bin.
Plötzlich kommt eine junge Frau wortwörtlich hereingestürmt und hält inne, als sie mich sieht. Das kann nicht wahr sein, denke ich mir, aber es ergibt Sinn. Sie würde sich am meisten freuen, mich wieder wach zu haben, wenn man so möchte. Aber wie kann es sein, dass sie noch nicht tot ist? Sie ist ein ganz normaler Mensch, ohne jegliche Kräfte. Ach ja, stimmt.
Sie ist ja bereits tot und nur noch eine Seele, die die Chance bekommen hat, noch auf der Welt zu sein.
„Maja?“ frage ich. „Madzia.“ So hat mich lange niemand mehr genannt, und wahrscheinlich hat sie einfach vergessen, dass ich Fenley genannt werden möchte, da ich mich nicht wirklich komplett wie eine Frau fühle, zumindest an manchen Tagen.
„Entschuldigung, ich meine natürlich Fenley“, fügt sie hastig hinzu und kommt dann auf mich zugerannt. Sie bremst kurz vor mir ab, um mich nicht über den Haufen zu rennen, und dann umarmt sie mich. Sie umarmt mich immer weiter, und schließlich umarme ich sie auch. Ich meine, das ist meine Schwester, oder besser gesagt meine Halbschwester oder Stiefschwester? Ach, keine Ahnung, aber das ist mir in diesem Moment auch völlig egal.
Das Einzige, was in diesem Moment wirklich zählt, ist die Tatsache, dass sie nach all dem, was passiert ist, immer noch hier bei mir ist. Ich habe das Privileg, sie, egal ob es nun der Wahrheit entspricht oder nicht, meine Schwester zu nennen. Letztendlich, wen interessiert es schon, ob wir Halbgeschwister, Stiefgeschwister oder leibliche Geschwister sind?
Wirklich niemand. Die einzige Person, die sich darüber Gedanken machen könnte, ist meine Schwester selbst, aber ich bin mir sicher, dass es sie nicht wirklich kümmert.
In diesem Augenblick...




