Fabisch | Ein Herz voll Sommerträume | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Fabisch Ein Herz voll Sommerträume

Liebesroman
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96714-190-0
Verlag: Zeilenfluss
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Liebesroman

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

ISBN: 978-3-96714-190-0
Verlag: Zeilenfluss
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Zwei Schwestern, Shakespeare und ein Verkupplungsversuch - und der Liebesschlamassel ist perfekt! Als Autorin und alleinerziehende Mutter bleibt Gemmas Liebesleben schon seit Jahren auf der Strecke. Um sie endlich vom Schreibtisch wegzubekommen, beschließt Lara, dem Glück ihrer Schwester auf die Sprünge zu helfen und sie zu verkuppeln - und das ausgerechnet mit Laras bestem Freund Tobi! Das Date von Gemma und Tobi läuft besser als erwartet, doch da ist auch noch Malte, der Lehrer ihrer Tochter, mit dem Gemma eine Schulaufführung inszeniert und der für ordentlich Verwirrung sorgt. Und auch bei Lara nimmt das Gefühlschaos seinen Lauf. Denn der Gedanke, dass ihre Schwester tatsächlich mit Tobi glücklich werden könnte, bereitet ihr zunehmend Kopfzerbrechen ... Wie kann die Liebe im Erwachsenenalter noch immer so verwirrend sein?

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2
Lara     Lara stocherte mit dem Strohhalm in ihrem Cocktail. Seit Tagen fieberte sie diesem Abend entgegen, hatte Tobis Nachrichten so oft gelesen, bis sie jedes Wort auswendig kannte, die letzte war vorhin gekommen. Dass er sich freue, hatte er geschrieben, und Laras Herz wollte seitdem nicht mehr aufhören zu tanzen. Heute war einfach ein perfekter Tag: erst die Nachricht, dass sie Praxispartnerin wurde, jetzt das Treffen mit Tobi. Dafür hatte sie sogar das Abendessen, das sie mit Gemma und Julie anlässlich ihrer Beförderung geplant hatte, vorverlegt und das Feiern mit Daniel verschoben. Tobi war ihr einfach wichtiger. Viele Jahre waren vergangen, seit sie sich das letzte Mal gesehen hatten: Dreizehn drei viertel, sie hatte nachgezählt. Wie oft war er wohl in der Stadt gewesen, ohne sich zu melden? Lara wippte mit dem Fuß, Ungeduld kribbelte unter ihrer Sohle. Sie freute sich auf ihn, obgleich sie immer noch sauer war, dass er damals ohne eine Erklärung abgetaucht war. Beste Freunde machten sowas nicht. Sie hatte lange darüber nachgedacht und wurde das Gefühl nicht los, dass plötzlich irgendwas zwischen ihnen gestanden haben musste. Wenn sie doch bloß wüsste, was! Lara sah sich um und fragte sich, ob eine Bar der richtige Ort war, um sich nach dieser langen Zeit zu begegnen. Viel lieber hätte sie sich mit ihm an der Mauer vor der Schule getroffen, so wie früher. Stundenlang hatten sie dort gesessen, über alles Mögliche gequatscht, die Beine baumeln lassen, von der Zukunft geträumt, Karten gespielt und Kekse gegessen. Hoffentlich fanden sie auch an diesem unbekannten Ort eine neue Ebene, auf der sie sich begegnen konnten, und blieben nicht auf einem Allgemeinplatz stehen. Es graute ihr davor, mit ihm nur nichtssagende Floskeln auszutauschen, wie mit einem Fremden. Für sie war Tobi immer noch ihr Seelenverwandter, aber war sie es auch für ihn? Gedankenverloren zog Lara an ihrem Strohhalm. Wie er jetzt wohl aussah? Natürlich hatte sie ihn gegoogelt: Tobias Jahn, zweiunddreißig, Schauspieler in Berlin. Die Kritiken zu seinen Auftritten waren durchweg positiv, die Fotos jedoch irgendwie zu gekünstelt, um sich wirklich ein Bild machen zu können. Damals, direkt nach seinem Verschwinden, hatte Lara nirgendwo eine Spur von ihm gefunden, selbst seine Eltern wussten nur vage, dass er in Berlin war. Später hatte sie nicht mehr nach ihm gesucht. Was hätte es auch gebracht? Er hatte sie offensichtlich nicht sehen wollen, sonst hätte er gewusst, wo er anrufen könnte. Nun hatte er es getan. Warum ausgerechnet jetzt, wusste Lara nicht. Auch hatte sie keine Ahnung, was daraus werden würde. Deshalb hatte sie auch niemandem von dem Treffen erzählt, nicht einmal Gemma. Lara atmete tief durch und zwang sich, nicht schon wieder auf die Uhr zu schauen. Stattdessen nippte sie an ihrem Bramble. Zuckersirup und Brombeerlikör prickelten eiskalt und süß auf der Zunge. Tobi verspätete sich, aber das war ihr ganz recht, denn sie wusste immer noch nicht, was sie sagen wollte und wie. Dabei war das gar nicht ihr Stil, ein Gespräch so durchzuplanen. Normalerweise setzte sie auf Spontanität. Aber die Frage, die sie Tobi stellen musste, geisterte seit Jahren durch ihren Kopf, und es fiel ihr nicht leicht, sie auszusprechen. Warum war er abgehauen, ohne Tschüs zu sagen? Warum hatte er sich nie gemeldet? Warum?, hatte sie damals in den wolkenvergangenen Himmel gebrüllt. Warum?, später in Kissen geschluchzt. Warum?, echote es lange noch durch ihre Träume. Und obgleich die Antwort darauf längst Vergangenheit sein musste, konnte sie trotzdem die Macht haben, sie heute noch zu verletzen. Das spürte Lara genau, und deshalb wollte sie vorbereitet sein. Aber anstatt die passenden Worte zu suchen, bogen ihre Gedanken dauernd ab: zu ihrer Schwester. Die Vorstellung, dass Gemma ihr Leben und die Liebe verpasste, spukte ihr seit dem Chicken-Masala-Desaster von vorhin unaufhörlich durch den Kopf. Gerade angesichts ihrer eigenen Glückswelle fühlte es sich nicht richtig an, dass Gemma in ihrem tristen Alltag steckte und sich nur mit Sorgen herumplagte. Konnte sie denn nicht irgendetwas tun, um ihre Schwester happy zu machen? Vielleicht musste sie sie nur ein wenig anstupsen. Wieder nahm Lara einen Schluck, der Gin entfaltete langsam seine Wirkung, trotzdem konnte sie sich nicht entspannen, hörte statt der leisen Jazzmusik nur ihre Schwesternliebe, die ihr zurief, sie müsse etwas unternehmen. Lara trank aus und fällte spontan eine Entscheidung: Sie würde für Gemma eine Überraschung planen! Irgendwas, das sie aus ihrem Trott riss, sie ein wenig aufrüttelte und durchschüttelte. Entschlossen zückte Lara ihr Smartphone und begann zu suchen: nach Lebensfreude und Sonnenschein für ihre liebe Schwester. Klar, dass man das nicht einfach so buchen konnte, aber den Weg dorthin vielleicht schon. Einen Drink später hatte sie sich durch Eseltrekking, Tauchkurse, Kuschelwochenenden und Weinseminare geklickt, doch nichts schien wirklich zu Gemma zu passen. Gerade schloss sie frustriert den Internetbrowser, da setzte er sich zu ihr. Und obgleich sie ihn erwartet hatte, war sie einen Atemzug lang so überrascht, dass sie sich nicht bewegen konnte. Dann wirbelte sie zu ihm herum, dass der Hocker bedrohlich schwankte. »Tobi!« »Hi.« Er lächelte sie an. Seine Stimme war tiefer geworden, doch sie erkannte sie sofort, erkannte ihn sofort. Das gleiche Lächeln wie früher, nur war es jetzt von einem Dreitagebart umrahmt. Die Schultern waren breiter, das Kinn kantiger geworden. Lara entdeckte eine feine Narbe an der Stirn, die war neu, doch das Funkeln in den schwarzbraunen Augen war genauso wie bei ihrer ersten Begegnung. Damals, in der sechsten Klasse, als sie sich in der großen Pause am Wasserspender das erste Mal getroffen hatten. »Sorry, ich habe den Anschlusszug verpasst, und mein Handy war leer«, entschuldigte er sich für sein Zuspätkommen. »Macht doch nichts«, erwiderte Lara und klammerte sich an ihrem Glas fest, es vibrierte unter ihren Fingerspitzen, so wie ihr Brustkorb, Bauch und Knie. Der Barkeeper fragte nach ihren Wünschen, Tobi bestellte einen Dry Martini, Lara das Gleiche nochmal. »Wie geht es dir?«, fragte er jetzt. »Bestens. Und dir?«, stieg sie in das oberflächliche Geplänkel ein, auch wenn sie sich genau davor gefürchtet hatte. Tobi sah sie eindringlich an. Sein Blick prickelte auf ihrer Haut wie ein warmer Sommerregen. »So schön, dich zu sehen«, sagte er leise, und es klang so vertraut, dass Lara das Herz aufging. Vielleicht waren sie sich doch nicht allzu fremd geworden, vielleicht konnten sie an ihre gemeinsame Vergangenheit anknüpfen, wieder beste Freunde werden und bald schon offen über alles reden. Der Barkeeper brachte die Cocktails, verschaffte ihr Zeit, den nächsten Satz zu überdenken, sie suchte nach einem, der nicht gleich mit der Tür ins Haus fiel. »Und, was hast du so gemacht?«, kam dabei heraus. Das klang etwas hohl, aber okay für den Anfang, zum Anknüpfen, irgendwie. »Lara, bitte, können wir den Teil mit der höflichen Konversation überspringen?« Tobias fuhr sich durch die dunkelbraunen Haare, zerwühlte dabei den strengen Scheitel, wurde wieder zu Tobi. Dem Jungen mit den Funkelaugen. Lara zog ihren Drink zu sich heran, nahm einen großen Schluck und all ihren Mut. »Warum bist du hier, warum jetzt?« Für den Bruchteil eines Augenblicks presste Tobi die Lippen zusammen, sah gequält zur Seite, dann hob er das Glas und sagte mit einem merkwürdig schiefen Lächeln: »Trinken wir auf Mausi.« Laras Mund klappte auf, das konnte unmöglich der Grund dieses Treffens sein. Oder doch? Heute war der sechzehnte Mai, der Geburtstag ihrer vor vielen Jahren verstorbenen Katze. »Auf Mausi«, sagte sie halb ungläubig, halb schuldbewusst und trank das Glas in einem Zug leer. Ihre Katze wäre heute achtzehn Jahre alt geworden, wäre sie nicht mit zwei an einer Bauchfellentzündung gestorben. Lara hatte tagelang geweint, Tobi war da gewesen, seine Schulter, sein Trost. Jedes Jahr am sechzehnten Mai hatten sie auf Mausi angestoßen. Als Tobi fort war, hatte Lara es allein versucht, aber das leere Geräusch eines einzelnen Glases war unerträglich gewesen, in dem Nichtklirren hatte sie ihre Einsamkeit so laut gehört, dass sie die ganze Flasche ausgetrunken hatte. Irgendwann hatte sie dann beschlossen, dass der sechzehnte Mai in Zukunft wieder ein gewöhnlicher Tag sein sollte. Jetzt schämte sie sich dafür. »Du bist nicht Tierärztin geworden«, durchbrach Tobi Laras Erinnerungen. Es war eine Feststellung, der eine Frage innewohnte. Lara kämpfte die Tränen hinunter. Die dunklen Jahre, wie sie sie nannte, streckten ihre kalten Finger nach ihr aus. Sie wedelte mit dem leeren Glas: noch einen, bitte. »Zahnärztin«, sagte sie endlich, es klang wie eine Entschuldigung. Sie war im ersten Semester Tiermedizin gewesen, als sie Tobi das letzte Mal gesehen hatte. Begeistert hatte sie ihm von der eigenen Praxis auf dem Land vorgeschwärmt. Sie hatte allen Mausis dieser Welt helfen wollen. Doch dann war er abgehauen und kurz darauf ihre Eltern gestorben. Was blieb, war ein Riesenloch, in das Lara fiel, fiel und fiel. Danach war es nicht mehr in Frage gekommen, jeden Tag für flauschige, kleine Wesen mit treuen, runden Augen verantwortlich zu sein. Was, wenn sie eines davon verlöre? Das hätte ihre zerbrechliche Seele nicht ausgehalten. Zahnmedizin hatte Gemma ihr damals vorgeschlagen, und das war genau das Richtige für sie gewesen: sicher und unaufgeregt. Sie war zufrieden mit ihrem Job, an manchen Tagen...



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