Farago | Das Geheimnis von Digmore Park | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

Farago Das Geheimnis von Digmore Park

Liebesroman aus dem England der Regency Zeit
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-941408-44-9
Verlag: Dryas Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Liebesroman aus dem England der Regency Zeit

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

ISBN: 978-3-941408-44-9
Verlag: Dryas Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In Digmore Park, dem herrschaftlichen Familiensitz der Dewarys, verschwindet die Schwester des Lords spurlos. Ist Frederick, der Erbe von Digmore Park, der Mörder? Alles scheint darauf hinzuweisen - doch der junge Mann ist nicht aufzufinden. Als die energische Elizabeth Porter einen neuen, attraktiven Stallmeister einstellt, ahnt sie nicht, wen sie vor sich hat ... Die hohen Mauern von Digmore Park wissen ihre Geheimnisse gut zu bewahren. Wird Frederick seine Unschuld beweisen und das Herz der stolzen Elizabeth erobern können?

Die Österreicherin Sophia Farago ist Unternehmensberaterin und Autorin. Ihre große Liebe gilt der englischen Geschichte. So hat sie stilecht vor dem Amboss im schottischen Gretna Green geheiratet. Zwei ihrer Regency-Romane landeten in Österreich auf der Bestsellerliste. Dies ist ihr erstes Buch im Dryas Verlag.
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1. Kapitel

War sie bereits auf dem besten Wege, eine alte Jungfer zu werden? Miss Elizabeth Porter legte die Stirn in Falten und schob nachdenklich ihre Unterlippe vor.

„Überlege es dir gut, meine Liebe“, hatte Clara gesagt und dabei ihrer Stimme jenen bedeutungsvollen Klang verliehen, den sie stets anschlug, wenn sie etwas Weltbewegendes zu verkünden hatte, „in wenigen Monaten wirst du dreiundzwanzig Jahre alt! Ich hoffe, du verzeihst mir meine Aufrichtigkeit, aber bevor du den Antrag von Mr. Bavis ablehnst, bedenke bitte, dass es der letzte sein könnte, der dir jemals gemacht wird.“

Noch vor einer Stunde hatte Elizabeth die Vorstellung, den selbstgerechten Mr. Bavis zu heiraten, entrüstet von sich gewiesen. Doch nun beschäftigten sie die Worte ihrer besten Freundin viel stärker, als ihr lieb war. Nicht einmal der schnelle Ritt nach Hause auf Summerwind, ihrem Lieblingspferd, hatte sie auf andere Gedanken gebracht. Was, wenn Clara recht hatte? Wie sollte sie in Winchester je einen passenden Gemahl finden? Kaum ein Gentleman der vornehmen Londoner Gesellschaft verirrte sich je hierher in ihre Heimatstadt, und unter den zahlreichen Bewunderern aus der Gegend gab es niemanden, der ihr Herz auch nur im Geringsten zu interessieren vermochte. Wenn sie wenigstens ein ordentliches Debüt in der Hauptstadt gehabt hätte! Vor fünf Jahren war alles so schön geplant gewesen, doch dann war Papa erkrankt. Inzwischen war er lange tot, und dennoch kam ein Aufenthalt in der Hauptstadt nicht in Frage. Wer sollte sich denn um Portland Manor kümmern, wenn nicht sie? Wer sollte die Dienstboten beaufsichtigen und mit dem greisen Verwalter die Bewirtschaftung besprechen, wenn nicht sie? Elizabeth seufzte. Manchmal war es gar nicht einfach, eine tüchtige junge Frau zu sein. Bis ihr Bruder volljährig war, würden noch drei lange Jahre vergehen. Jahre, in denen sie an Winchester gebunden war. Und dann war es für ein Debüt zu spät. Oder hatte die Welt je etwas von einer sechsundzwanzigjährigen Debütantin gehört? Elizabeth zog die Zügel ein wenig fester an, bis Summerwind in Schritt fiel. Ihre Wangen waren vom schnellen Ritt zart gerötet, der kleine grüne Reithut saß etwas schief auf ihren vom Wind zerzausten blonden Locken. Ihr Weg führte sie die von hohen Platanen gesäumte Allee zu ihrem Elternhaus hinauf, das auf einem kleinen Hügel südlich der Stadt lag. Ein roter Backsteinbau mit hohen weißen Sprossenfenstern, dessen unzählige Kamine von vielen Zu- und Umbauten im Laufe der letzten Jahrzehnte Zeugnis ablegten. Die Hufe ihres Pferdes klapperten laut über den menschenleeren Vorplatz. Ein Blick zu Boden genügte, und die Falten auf ihrer Stirn verstärkten sich. Was sie sah, war ein anschaulicher Beweis dafür, dass sie nicht nur ihre Zukunft, sondern auch die Dienerschaft nicht wirklich im Griff hatte! Alles wirkte ein wenig verwahrlost. Die Hecken bedurften dringend eines Rückschnitts, Unkraut wucherte in den Ritzen der Pflastersteine. Derartige Übel hätte es unter den wachsamen Augen von Mr. Simmons nie und nimmer gegeben. Der Stallmeister hatte mit freundlicher, aber doch eiserner Hand regiert und dafür gesorgt, dass Gärten und Stallungen, Auffahrt und Höfe stets in gepflegtem Zustand gewesen waren. Doch Mr. Simmons war tot, vom Blitz erschlagen. Das war noch keine fünf Wochen her. Es war ein ungewöhnlich heißer Maitag gewesen, und die drückende Schwüle hatte sich in einem abendlichen Gewitter entladen. Mr. Simmons war eben dabei, einige Dachschindeln bei den östlichen Stallungen auszuwechseln, als das Unfassbare geschah. So schnell, wie das Gewitter gekommen war, war es auch wieder gen Osten abgezogen. Es hatte eine Vielzahl abgebrochener Äste hinterlassen, ein halb abgedecktes Stalldach und einen toten Stallmeister, dessen verkrümmter Leib auf den harten Steinen des Vorhofes gefunden wurde.

Seit diesem Tag war nichts mehr wie vorher. Die Burschen erfüllten ihre Pflichten nur mehr nach ihrem Gutdünken oder wenn Elizabeth sie ausdrücklich darauf hinwies. Die Ermahnungen der Haushälterin und der Köchin fruchteten wenig. Und einen Butler, der allein durch seine Autorität mit strengen Worten für Ordnung gesorgt hätte, gab es auf Portland Manor nicht. Es war höchste Zeit, einen neuen Stallmeister einzustellen. Je schneller hier wieder eine ordnende Hand eingriff, desto besser war es für alle. Doch wo sollte sie einen geeigneten Mann finden? Vergeblich hatte sie sich bereits im Kreis ihrer Bekannten umgehört. Neulich, als sie mit Mama in Winchester war, um bei der Schneiderin das grüne Reitkleid abzuholen, das sie eben trug, da waren sie beim „Hampshire Chronicle“ vorbeigekommen. Es hatte einiger Überredungskunst bedurft, Lady Portland davon abzubringen, in die Redaktionsstube zu stürmen, um ein Inserat in diese Zeitung setzen. So wenig sich Mama in die Angelegenheiten der Gutsverwaltung einmischte, so sehr konnte sie sich für Abenteuer und moderne Ideen begeistern. Doch Elizabeth war viel zu vernünftig, um ein derartiges Wagnis zu befürworten. Wer wusste denn, welches Gesindel einem da ins Haus kam? Elizabeth seufzte. Sie hatte keinen geeigneten Verehrer, sie hatte keinen Stallmeister, und anscheinend hatte sie noch nicht einmal einen Stallburschen. Das galt zumindest für diesen Augenblick, denn die Stallungen waren verwaist. Niemand kam, um ihre Zügel in Empfang zu nehmen und ihr die Hand zum Absitzen zu reichen. Zum Glück bedurfte sie keiner derartigen Hilfe. Mit geübtem Griff schwang sie sich aus dem Sattel.

„Joseph!? Joseph! Wo steckst du?“ Warum war der Bursche nicht an seinem Platz? Der Fuchs musste abgerieben werden. Es war nicht gut, das Pferd verschwitzt und gesattelt stehen zu lassen. „Joseph!“

Alles blieb still. Nur die Äste der Ginsterbüsche raschelten im Wind, und von fern klangen leise die Kirchenglocken herüber, um die Gläubigen zur Abendmesse zu rufen. Das Läuten brachte Elizabeth auf eine Idee: Sie würde den Pfarrer von St. Ann um Hilfe bitten. Mr. Bishop war viel im Landkreis unterwegs, er ging in den besten Häusern ein und aus. Sicher konnte er ihr einen geeigneten Stallmeister empfehlen.

Nach einem letzten vergeblichen Versuch, ihren Stallburschen durch lautes Rufen auf sich aufmerksam zu machen, führte sie ihr Pferd selbst in seine Box und machte sich dann daran, den jungen Mann aufzuspüren. Sie musste nicht lange suchen. Kaum hatte sie den Stall durch die schmale Seitentür verlassen, als gedämpftes Lachen an ihr Ohr drang. Es kam aus dem Küchengarten, der dereinst von ihrer Großmutter an einem geschützten Platz im Halbschatten, an der Rückseite der Stallungen, angelegt worden war. Der kleine Nutzgarten war nun der ganze Stolz der Köchin; stets liebevoll gepflegt, wurde er immer wieder durch neue Kräuter und Gemüsesorten erweitert. Elizabeth trat näher und sah, dass das Gartentor geöffnet war. Lucy, die Küchenmagd, war damit beschäftigt, Pflanzen mit einem scharfen Messer abzuschneiden. Der Pferdeknecht hatte es sich auf einem der breiten Pfeiler des Gartenzauns gemütlich gemacht. Ein langer Grashalm, an dem er versonnen kaute, steckte in seinem Mund. Mit einem breiten Grinsen sah er dem Mädchen bei seiner Arbeit zu. Anscheinend hatte er soeben etwas Amüsantes gesagt, denn Lucy blickte mit leicht geröteten Wangen zu ihm empor. Auch auf ihren Lippen lag ein strahlendes Lächeln.

Elizabeth räusperte sich laut und vernehmlich.

Die Magd ließ vor Schreck die gesammelten Kräuter auf den Boden fallen. Sie fuhr herum, sah ihre Herrin sie mit prüfendem Blick mustern, und das Rot ihrer Wangen vertiefte sich. Rasch stand sie auf und knickste. „Guten Abend, Miss Elizabeth. Ich bin gerade dabei, Marigold abzuschneiden.“ Sichtlich verlegen wischte sie ihre Hände an der ohnehin nicht mehr sauberen Küchenschürze ab. „Die Köchin sagt, nichts gibt frischer Butter eine so schöne Farbe wie Marigold.“

Joseph war vom Gartenzaun heruntergesprungen, hatte den Grashalm ausgespuckt und tat nun so, als würde er Lucy helfen. Elizabeth, die vorgehabt hatte, mit dem Stallburschen ein ernstes Wort zu reden, brachte es nicht übers Herz. Ihr amüsierter Blick wanderte zwischen den beiden hin und her, es war offensichtlich, dass der Bursche und die Küchenmagd Zuneigung zueinander gefasst hatten. Wie sollte sie wohl am besten auf diese Entdeckung reagieren? In ihrem Inneren kämpften widersprüchliche Gefühle. Einerseits hatte sie nichts dagegen einzuwenden, dass sich die beiden ineinander verliebt hatten. Sollten sie sie einst um die Erlaubnis bitten, heiraten zu dürfen, so würde sie dem nicht entgegenstehen. Auf der anderen Seite waren zwei Verliebte nicht nur Anlass zu ungetrübter Freude. Mit einem Anflug tiefer Sehnsucht nahm sie das schwärmerische Funkeln in Lucys Augen wahr. Und natürlich war ihr das zärtliche Grinsen des Stallburschen nicht entgangen, mit dem er die Küchenmagd betrachtete. Wann würde wohl endlich ein Mann kommen, um sie mit solch einem liebevollen Blick zu bedenken? Sie meinte einen wirklich liebevollen Blick, denn bewundernde Blicke bekam sie allenthalben! Noch. Doch wenn man Clara Glauben schenken konnte, dann waren diese Tage gezählt. Dann würde sie als alte Jungfer enden, die froh sein musste, wenn sie dereinst bei der Aufzucht der hoffnungsfrohen Nachkommen ihres Bruders behilflich sein durfte, statt eigenen Kindern das Leben zu schenken … Sie fuhr aus ihren Gedanken auf.

„Joseph, es ist nicht deine Aufgabe, dich im Küchengarten herumzutreiben! Summerwind steht in seiner Box und muss dringend abgerieben werden.“

Der Bursche hob die Hand an seine Mütze und versicherte, seine Arbeit sofort zu erledigen, wandte sich um und kehrte zu den...


Die Österreicherin Sophia Farago ist Unternehmensberaterin und Autorin. Ihre große Liebe gilt der englischen Geschichte. So hat sie stilecht vor dem Amboss im schottischen Gretna Green geheiratet. Zwei ihrer Regency-Romane landeten in Österreich auf der Bestsellerliste. Dies ist ihr erstes Buch im Dryas Verlag.



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