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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, Band 5, 325 Seiten
Reihe: MeeresWeltenSaga
Fast MeeresWeltenSaga 5: Mit der reißenden Strömung der Antarktis
1. Auflage, Digital Original 2017
ISBN: 978-3-646-60319-4
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 5, 325 Seiten
Reihe: MeeresWeltenSaga
ISBN: 978-3-646-60319-4
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Valentina Fast wurde 1989 geboren und lebt heute im schönen Münsterland. Beruflich dreht sich bei ihr alles um Zahlen, weshalb sie sich in ihrer Freizeit zum Ausgleich dem Schreiben widmet. Ihre Leidenschaft dafür begann mit den Gruselgeschichten in einer Teenie-Zeitschrift und verrückten Ideen, die erst Ruhe gaben, wenn sie diese aufschrieb. Ihr Debüt, die »Royal«-Reihe, wurde innerhalb weniger Wochen zum E-Book-Bestseller.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
DER SCHMERZ DER ERKENNTNIS
Ich hielt den Atem an, während eine Welle aus Übelkeit mich zu überrollen drohte. Mein Herz trommelte heftig gegen meine Rippen und ich sah fassungslos dabei zu, wie Saniya ihre Hände in Nobilis' Haare gleiten ließ und ihn noch enger an sich zog, ihre Lippen fest aufeinandergepresst. Sie bewegten sich im Einklang, als würden sie sich nicht zum ersten Mal küssen.
Es war wie in einem Albtraum. Eben noch war ich ein Mensch gewesen, hatte mich dann plötzlich wieder in eine Media verwandelt und in letzter Sekunde das rettende Wasser erreicht. Im nächsten Moment hing ich auch schon an allen Gliedmaßen gefesselt in einer dunklen Höhle, in die mich scheinbar Saniya und Nobilis verschleppt hatten.
Nobilis …
Ich verstand überhaupt nichts mehr.
Wir waren voneinander getrennt durch eine unsichtbare Barriere, die ein bisschen so aussah wie der grazile Mantel einer Seifenblase. Nicht zu vergessen ein Hai, der sich scheinbar nur für mich zu interessieren schien und ständig versuchte, mich anzugreifen, jedoch aufgrund der Barriere nicht an mich herankam.
»Hör auf damit, Saniya!«, flüsterte ich heiser und spürte, wie Wut in mir aufstieg. »Lass ihn los!«
Tatsächlich wandte sich Saniyas Gesicht mir zu, während der Rest ihres Körpers noch an Nobilis gepresst war. »Ach Adella … Adella … Adella … Du kleines Menschending denkst wohl noch immer, dass sich die Welt nur um dich dreht, was?«
Rasender Zorn durchfuhr mein Innerstes, ließ meinen Körper beben. »Du weißt überhaupt nichts von mir.«
»Doch«, lachte sie und strich mit ihrem Zeigefinger genüsslich über Nobilis' Brust, direkt über die Stelle, wo sein Herz saß. Er reagierte nicht darauf. »Ich weiß alles über dich und deine Freunde.«
»Was?« Meine Stimme klang fest, doch jähe Furcht durchzuckte mich, schluckte den Zorn, die erstickende Wut.
Saniya lachte erneut und warf ihr dunkelrotes Haar zurück. »Der liebe Nobilis war so nett und hat uns alles gesagt, was er wusste. So haben wir auch erfahren, dass du nicht ewig ein Mensch bleiben würdest und wir nur unsere Wachen an den Küsten positionieren mussten, um auf deine Rückkehr zu warten.«
»Das kann nicht …«, keuchte ich und schaute Nobilis an, der mich nun ebenfalls betrachtete.
Das Lächeln auf seinen Lippen wirkte bösartig. Fremd. Völlig falsch. »Doch genauso war es«, widersprach er mir mit einer ekelerregenden Genugtuung in seiner Stimme. »Du und die anderen aus dieser lächerlichen Gruppe, ihr seid schwach. Nun weiß ich, wohin ich gehöre, bin nun Teil von etwas Großem. Ich hatte das unerhörte Glück, in die Reihen der einzig wahren Königin aufgenommen zu werden.«
»Nobilis, das kann nicht dein Ernst sein!«, schrie ich verzweifelt und zerrte an meinen Fesseln, die sich tief in meine Haut bohrten. Das herausströmende Blut machte den Hai schier wahnsinnig. Er riss sein Maul auf und versuchte verzweifelt, an mich heranzukommen.
»Entferne ihn. Wir haben ihr wohl genug Angst gemacht«, amüsierte sich Saniya und küsste Nobilis erneut, bevor sie endlich von ihm abließ.
Dieser schwamm unbeeindruckt auf den Hai zu und sprach dabei Worte, die ich nicht richtig verstehen konnte. Augenblicklich beruhigte sich das Tier und drehte sich zu Nobilis, um ihm seelenruhig hinterher zu schwimmen.
Fassungslos blickte ich den beiden nach und mir stand der Mund offen. Das war … schwarze Magie, oder wie auch immer man das nannte … Den Willen beeinflussen, war … falsch. Selbst hier unter Wasser, in einer Welt voller Magie, war ich mir sicher, dass das nicht richtig war!
»Schau doch nicht wie eine Qualle. Das steht dir nicht. Habe eine gute Nacht, liebste Adella«, säuselte Saniya und betrachtete mich abschätzig von oben bis unten, bis sie mir den Rücken zudrehte und einfach in der Dunkelheit verschwand. Schwärze verschluckte sie, dort, wo das leichte Leuchten der Barriere vor mir nicht hinreichte. Es gab nur einen Ausgang, der aus diesem kalten Ort hinausführte, und dieser lag mir direkt gegenüber. Sichtbar, doch für mich unerreichbar.
»Warte! Was wollt ihr von mir?«, rief ich ihr hinterher.
Doch ihre Antwort war nur ein lautes Lachen, das an den Gesteinswänden meines Unterwasserkerkers abprallte und sich vervielfachte, als würden Tausende Saniyas über mich lachen.
»Saniya!«, brüllte ich und auch meine Stimme hallte durch den finsteren Gang, der von mir wegführte, vermischte sich mit ihrem Lachen und ließ mich erschaudern.
»Verdammt noch mal! Wollt ihr mich verarschen? Kommt gefälligst zurück! Nobilis! Wie kannst du mir das antun?«, schrie ich und zerrte immer fester an meinen Fesseln, bis schließlich meine Stimme vollends versagte und jegliche Kräfte mich verließen.
Ich war alleine.
Erschöpfung überkam mich und ein Schluchzen wollte meiner Kehle entfliehen, doch ich hielt es fest, damit sie nicht hören konnten, wie es um mich stand. Vielleicht waren sie noch irgendwo in der Nähe … Nein, ich war alleine und dieses Mal würde mich niemand retten.
Ein Zittern erfasste mich, während ich versuchte zu begreifen, was passiert war. Es fühlte sich an, als wären nur Minuten vergangen, seitdem ich mich direkt vor Sarahs Augen wieder in eine Media verwandelt und mich mit letzter Kraft ins Wasser geschleppt hatte.
Wie konnte … wie konnte Nobilis mir das antun? Oder stand er unter einem Bann? – Ja, das musste es sein … Niemals würde er sich freiwillig den Wächtern des Südpolarmeeres anschließen.
Nobilis … ich musste ihn dazu bringen, wieder er selbst zu sein. Warum war er überhaupt hier? Hatte Saniya ihn verschleppt? Oder hatte er sich resigniert dem Bösen angeschlossen, nachdem ich ihn einfach verlassen hatte?
Meine Kehle schnürte sich zu, während ich mich kraftlos in meinen Fesseln hängen ließ.
***
Ich wurde durch ein Geräusch geweckt und wunderte mich für einen Moment, wie ich einfach hatte einschlafen können. Blinzelnd kam ich zu mir und schaffte es kaum, meinen Kopf zu heben, fragte mich, wann ich eingenickt war. Ich blickte hinab auf meine Flosse, in deren Mitte sich nun rote Striemen abzeichneten. Die Fesseln zerfurchten das sensible Fleisch, doch ich spürte kaum den Schmerz, weil es meinen Armen noch schlimmer erging. Sie brannten wie Feuer.
Tage-, vielleicht auch wochenlang, wer wusste das hier unten schon so genau, hatten sie mich großteils alleine gelassen. Mich der Dunkelheit und meinen eigenen Gedanken ausgesetzt.
Das Geräusch ertönte erneut. Dieses Mal zwang ich mich meinen Kopf zu heben, wobei mein Nacken mehrmals knackte. Eine Gestalt kam näher, doch ich konnte sie kaum erkennen, weil meine Augen so brannten. Sie fühlten sich beinahe trocken an. Doch das war kaum möglich. Schließlich war ich hier unter Wasser.
Ich öffnete meinen Mund, doch brachte lediglich ein leises Röcheln heraus, das mich so sehr anstrengte, dass ich jegliche Kontrolle über mich verlor und mein Kopf erneut nach vorne fiel. Ich konnte sein Gewicht einfach nicht mehr halten. Mit letzter Kraft versuchte ich bei Bewusstsein zu bleiben, doch dann wurde wieder alles schwarz.
***
»Weck sie auf!« Eine harsche Stimme drang zu mir vor. Ich war müde. So unglaublich müde. Plötzlich durchzuckten mich Stromstöße, die so heftig waren, dass ich mich aufbäumte und zu schreien begann. Mein gesamter Körper zuckte und wand sich, mein Blut schien zu kochen. Gleichzeitig spürte ich, wie sich noch etwas in mir regte, etwas nunmehr Vertrautes: Hass.
Ich schlug meine Augen auf und da hörten die Stromstöße auf. Vor mir erblickte ich Nobilis, einen Zitteraal neben sich. Nur ein halber Meter trennte uns. Er hatte den Aal dazu gebracht, meine Fesseln anzugreifen – und somit auch mich. Die zuvor kaum sichtbare Barriere war verschwunden.
Reglos starrte ich Nobilis an und versuchte etwas anderes zu fühlen als den lodernden Hass, doch war kaum dazu imstande. Einer dunklen Vorahnung folgend, sah ich an mir herunter und stellte fest, dass sich das schwarze Mal auf meiner Brust pochend vergrößerte. Es fraß sich quasi über meinen Körper und hatte es, ohne dass ich es bemerkt hatte, bis weit über meinen Brustkorb geschafft. An den Stellen, wo es sich ausgebreitet hatte, sah man nichts mehr von meiner schimmernden Haut. Nur noch Schwärze.
»Sieh mich gefälligst wieder an«, forderte Nobilis.
Ruckartig hob ich meinen Kopf und schleuderte ihm einen Blick voller Hass entgegen. Er schaute mir tief in die Augen, suchte offenbar etwas darin und lächelte plötzlich, bevor er sich sichtlich zufrieden umdrehte.
»Und du bleib gefälligst hier!«, brüllte ich und spürte, wie rasende Wut sich durch jede Faser meines Körpers zu ziehen begann. Sie wollte mich an sich reißen, doch ich wehrte mich, wollte mich nicht selbst verlieren und zu dem werden, was sie aus mir machen wollten. »Sag mir endlich, was hier los ist!«
»Nicht mehr lange«, rief er mir über seinen Rücken hinweg zu und verschwand in der Dunkelheit, während der Aal ihm mit zischenden Geräuschen folgte.
»Verdammt! Bleib hier und rede mit mir!«, schrie ich hysterisch und wand mich, ignorierte den Schmerz, spürte nur noch Schwärze in mir und wehrte mich nicht mehr dagegen. »Du widerlicher Mistkerl! Ich werde dich finden und dann werde ich dich büßen lassen!«
Ich tobte so lange, wie mein Körper es zuließ, schrie, bis plötzlich jegliche Kraft aus mir herausströmte und mich zusammenfallen ließ. Mein Kinn landete auf meiner Brust, während mich nur noch die Fesseln an meinen Händen mitten in der Höhle hängen...




