E-Book, Deutsch, 282 Seiten
Reihe: beHEARTBEAT
Feger / Zille Sehnsucht nach Sunset Rock
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7517-2656-6
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 282 Seiten
Reihe: beHEARTBEAT
ISBN: 978-3-7517-2656-6
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Romantische Baumhausnächte auf dem Sunset Rock
Hazel liebt ihr Leben in New York. Doch als ihr Vater schwer erkrankt, möchte sie ihm seinen letzten Wunsch erfüllen: ein Luxus-Spa-Hotel in der amerikanischen Kleinstadt Stowe zu eröffnen. Die malerische Stadt in Vermont ist die Heimat ihrer vor vielen Jahren verstorbenen Mutter. Vor Ort aber trifft Hazel der Schock: Auf dem von ihr erworbenen Grundstück auf dem Sunset Rock steht ein riesiges Baumhaus - und es soll nicht das letzte sein. Als Hazel auf den brummigen Besitzer Nathan trifft, geraten ihre Pläne ins Wanken. Denn zu allem Überfluss nistet er sich in ihrem Herzen ein. Doch hat Nathan auch Gefühle für sie? Und was wird aus dem Versprechen an ihren Vater?
Der erste Band der romantischen Neuengland-Reihe in den USA - mit ganz viel Baumhausromantik, einem mitreißenden Knistern und liebenswerten Charakteren, die einem sofort ans Herz wachsen.
eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.
C.K. Zille und Nadine Feger leben mit ihren Familien am Niederrhein. Die Familie ist auch der Grund, weshalb die beiden Autorinnen sich kennengelernt haben. Was in der Spielgruppe ihrer Kleinsten begann und sich zu einer Freundschaft entwickelte, gipfelte schließlich im Schreiben eines gemeinsamen Romans. Als Autorenduo sind die beiden ein gut eingespieltes Team und planen auch in Zukunft weitere gemeinsame Projekte. Außerdem lieben sie es, gemeinsame Wanderungen zu unternehmen und sich währenddessen über neue Ideen auszutauschen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1 – Hazel
Zufrieden reiche ich dem untersetzten Mann mir gegenüber die Hand. »Ich danke Ihnen, Mr Thompson. Sie werden diese Entscheidung nicht bereuen.«
»Ganz gewiss nicht, Ms Woods. Das Hotel wird unserer Stadt mit Sicherheit guttun.« Mr Thompson steht die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. »Es schafft nicht nur neue Arbeitsplätze, es wird uns auch mehr Touristen bringen. Stowe braucht dringend ein bisschen frischen Wind.«
Das sehe ich auch so, denke ich mir im Stillen, hüte mich jedoch davor, es auszusprechen. Stowe ist die Heimatstadt meiner Mum. Und ganz gleich, wie nett es hier ist, wundert es mich kein bisschen, dass es sie als junge Frau nach New York zog. Wohlwollend nicke ich dem Stadtverwalter zu.
»Wissen Sie schon, wann Sie mit den Bauarbeiten anfangen werden?« Schweißperlen rinnen Mr Thompson von der kahlen Stirn, die er mit einem Stofftaschentuch wegtupft.
»Es müssen nur noch ein paar Formalitäten geklärt werden, und dann können wir loslegen. Schätzungsweise in drei bis vier Wochen werden wir mit der Abholzung beginnen.«
»Wie genau haben Sie …«
Das Schrillen meines Handys befreit mich aus Mr Thompsons Schraubzwingen. »Entschuldigen Sie bitte, da muss ich dringend ran. Wir sind ja auch mit allem durch, richtig?«
»Natürlich. Auf Wiedersehen, Ms Woods.«
»Wiedersehen.« Sobald sich die Tür hinter mir schließt, nehme ich das Gespräch entgegen. »Gott sei Dank, Ben. Du hast mich gerettet. Mr Thompson ist so … Ach, egal.« Als ich ins Freie trete, kneife ich automatisch die Augen zusammen. Das grelle Sonnenlicht blendet mich, und jetzt, um die Mittagszeit, ist es beinahe unerträglich heiß.
»Hat denn alles geklappt?«, fragt mein Bruder ungeduldig.
»Na klar. Der Vertrag ist unterzeichnet und notariell beglaubigt. Es ist also alles unter Dach und Fach.«
»Yes!«, brüllt Ben mir ins Ohr.
»Es war überhaupt nicht schwer. Habe zusätzlich zur vereinbarten Summe ein bisschen Kleingeld obendrauf gelegt und ein nettes Lächeln aufgesetzt, und schon habe ich den Zuschlag erhalten. Es gab nämlich wohl noch einen weiteren Interessenten für das Grundstück.«
»Den du offenbar mühelos ausgestochen hast.«
»Sieht ganz danach aus.«
»Und? Was stellst du jetzt noch an?«
Träge lasse ich meinen Blick durch die Straße schweifen. Die bunten Holzhäuser sehen hübsch aus, einladend und gemütlich. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite sitzen ein paar Leute vor einem kleinen Geschäft auf der Bank und unterhalten sich angeregt. Alles in allem scheint das Leben hier sehr viel langsamer vonstattenzugehen als in New York. Und langweiliger.
»Frag mich was Leichteres. Besonders viel los ist hier nicht gerade. Vielleicht laufe ich zum Sunset Rock und erkunde unser neues Territorium.«
»Du im Wald? Das passt ja wie die Faust aufs Auge.«
»Was ist daran so abwegig?«
»Ach, nichts …«
»Blödmann«, necke ich Ben. »Außerdem wüsste ich eh nicht, wo ich sonst hinsoll. Diese Hitze macht mich noch wahnsinnig. Wie geht es Dad?«
»Unverändert. Sie haben die Morphium-Dosis erhöht, damit die Schmerzen erträglicher sind.«
Mein Herz wird schwer. Dieses Hotel hier in Stowe ist Dads neuestes Projekt. Und alles sieht danach aus, als wäre es zugleich sein letztes. Er wollte es unbedingt selbst verwirklichen. Aber der Krebs ist aggressiver als anfangs befürchtet, und nun … Ich darf gar nicht darüber nachdenken.
»Ich mach dann mal Schluss«, erwidere ich niedergedrückt und versuche erfolglos, den Kloß in meinem Hals runterzuschlucken.
Ich muss mich dringend ablenken. Aber hier in der Stadt gibt es augenscheinlich nichts, was mich auf andere Gedanken bringen könnte. Obendrein kann ich es kaum erwarten, diesem Glutofen zu entkommen. In den Wald zu gehen, ist daher definitiv die beste Option. Sicher wird es im Schatten der Bäume erträglicher sein.
Dennoch wäre ich jetzt viel lieber in unserer Penthouse-Wohnung in New York und würde mich im Pool auf der Dachterrasse auf dem Wasser treiben lassen oder wenigstens in unserem klimatisierten Büro sitzen.
Stattdessen stecke ich noch ein paar Tage hier fest. Übermorgen habe ich vor Ort einen Termin mit dem Projektleiter des Abholzungsunternehmens, damit wir noch einmal den genauen Ablauf durchgehen können, bevor die Abriss- und Bauphase beginnt.
Missmutig laufe ich zu meinem Auto, einem gelben Mini-Cabrio, herüber und lasse mich auf den Fahrersitz fallen. Meine Slingpumps streife ich ab und tausche diese gegen ein Paar beerenfarbene Wanderstiefel, die ich hinter dem Rücksitz hervorziehe. Den Blazer meines blassrosa Kostüms lege ich auf die Rückbank, greife nach meiner Tasche und steige wieder aus.
Belustigt schaue ich an mir herunter. Die groben Wanderstiefel passen nicht gerade zu meiner feinen Stoffhose, aber immerhin harmonieren sie farblich miteinander. Ob meine weiße Bluse so optimal für den Wald geeignet ist, wage ich ebenfalls zu bezweifeln, doch das ist mir jetzt auch egal.
Entschlossen stapfe ich los in Richtung unseres neu erworbenen Grundstücks. Von der Main Street erreiche ich den Sunset Rock Trail in nur wenigen Minuten. Wenn ich den Weg eine Weile entlanglaufe, werde ich unser Areal nicht verfehlen können. Hoffe ich zumindest. Denn bisher war ich erst einmal vor Ort und bin von der anderen Seite mit dem Auto zum Wanderparkplatz gefahren und von dort aus gestartet. Aber so schwierig kann das ja nicht sein.
Erleichtert atme ich auf, als ich in den Schutz der hohen Bäume trete, die die brennende Sonne von mir fernhalten. Ich streife eine meiner haselnussbraunen Haarsträhnen zurück, die sich aus meinem Dutt gelöst hat und mir an der schweißnassen Stirn klebt. Andächtig lehne ich mich an einen dicken Baumstamm, schließe die Augen und atme tief durch.
Trotz der Hitze erscheint mir die Luft klar und frisch, irgendwie »sauber« – ganz anders als in New York. Dennoch bin ich durch und durch Großstadtpflanze und habe nicht die leiseste Ahnung, an welcher Art Baum ich hier gerade lehne. Ich bin ja schon froh, Laubbäume von Nadelbäumen unterscheiden zu können, aber für mehr reicht es leider nicht.
Nachdem ich mich gesammelt habe, laufe ich gemächlich den Wanderweg entlang, der sanft ansteigt. Nur vereinzelt begegnen mir ein paar Spaziergänger, zumeist mit Hund, und mustern mich befremdlich. Als ich linker Hand einen kleinen Trampelpfad entdecke, werden Kindheitserinnerungen geweckt und mit ihnen die Abenteuerlust in mir. Ich kann gar nicht anders, als vom Hauptweg abzuweichen und dem verwunschenen, sich durchs Dickicht schlängelnden Pfad zu folgen.
Der trockene Waldboden knackt und raschelt unter meinen Schritten, ein erdiger Duft von Laub und Moos füllt meine Lungen. Das Rauschen der Bäume in der sanften Brise ist neben dem aufgeregten Gezwitscher der Vögel das einzige Geräusch, das zu hören ist. Keine Autos, keine Flugzeuge, kein anderer Lärm.
Schlagartig bin ich vollkommen entspannt und entschleunigt – ein Gefühl, das mir seltsam fremd vorkommt.
Beflügelt davon laufe ich weiter, entdecke immer wieder neue Pfade, die mich magisch anziehen, und lasse mich einfach treiben. Mir war beim besten Willen nicht bewusst gewesen, welche Wirkung die Natur haben kann.
Zufrieden stelle ich fest, dass es unseren Hotelgästen demnächst genauso gehen wird, wenn sie hier in unserem neuen Resort residieren.
Moment, das Hotel … Wo bin ich hier überhaupt? Wie lange laufe ich eigentlich schon ziellos durch die Gegend?
Erschrocken stelle ich fest, dass ich nicht die leiseste Ahnung habe, wo ich mich befinde. Der Versuch, die Karten-App zu starten, scheitert kläglich – es gibt hier keinen Empfang. Jegliches Gefühl von Entspannung verpufft schlagartig. Ich bin völlig aufgeschmissen.
»Denk nach, Hazel. Du kannst doch sonst immer einen kühlen Kopf bewahren«, murmle ich mir selbst zu.
Wenn ich mich links halte, müsste ich rein theoretisch wieder auf einen der Hauptwege zurückkommen. Also schlage ich mich querfeldein durchs Dickicht, worunter meine helle Hose ein wenig leidet. Immerhin trage ich bequeme Schuhe. Aber ganz gleich, wie lange ich laufe – auf einen richtigen Weg komme ich nicht. Weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen.
Ein lautes Schnauben lässt mich erschrocken herumfahren. Gibt es hier Bären? Ich schlucke hart, entdecke dann zu meiner großen Erleichterung jedoch nur einen Hirsch.
»Gott sei Dank«, rufe ich und stoße ein irres Lachen aus, welches das Tier aufgeschreckt davonpreschen lässt.
Hastig setze ich meinen Weg fort, ohne zu wissen, welches Ziel ich vor Augen habe. Erst als ein Klopfen in mein Ohr dringt, das sich eindeutig nach einem Hämmern anhört, schöpfe ich ein wenig Hoffnung. Unbeirrt folge ich dem Geräusch, das mit jedem Schritt lauter wird. Als ich es unmittelbar über mir vernehme, schaue ich erstaunt nach oben.
In einigen Metern Höhe entdecke ich ein überraschend imposantes Baumhaus, das nicht danach aussieht, als wäre es von einem Laien zusammengeschustert worden.
Ein lautes »Wow« purzelt aus mir heraus, und nur einen Augenblick später ragt der Kopf eines bärtigen Mannes über die Brüstung.
Mit fragendem Blick mustert er mich. »Was machen Sie hier? Haben Sie sich verlaufen?« Ein leichter Anflug von Hohn schwingt in seiner Stimme mit.
»Ich fürchte, ja«, gebe ich kleinlaut zu. »Könnten Sie mir vielleicht erklären, wie ich wieder auf den Wanderweg finde?«
»Moment«, brummt er. Dann setzt das Hämmern wieder ein.
Das kann doch nicht sein Ernst sein!
Ich...




