Feist / Forstchen | Die Legenden von Midkemia 1 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 1

Reihe: Die Legenden von Midkemia

Feist / Forstchen Die Legenden von Midkemia 1

Die Brücke
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-641-18568-8
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Brücke

E-Book, Deutsch, Band 1

Reihe: Die Legenden von Midkemia

ISBN: 978-3-641-18568-8
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Seit langer Zeit leisten die Menschen von Midkemia den Invasoren von der anderen Seite des Spalts tapferen Widerstand. Doch lange können sie den Angriffen nicht mehr standhalten. Sie sind gezwungen, eine ungewöhnliche Allianz einzugehen: Um im Kampf nicht von den Dunkelelfen überwältigt zu werden, müssen sich die königlichen Truppen mit ihrem Feind, den Tsurani-Invasoren, verbünden – nur so können sie den bitteren Winter in der Wildnis überstehen und die Dunkelelfen in die Flucht schlagen.

Raymond Feist wurde 1945 in Los Angeles geboren und lebt in San Diego im Süden Kaliforniens. Viele Jahre lang hat er Rollenspiele und Computerspiele entwickelt. Aus dieser Tätigkeit entstand auch die fantastische Welt seiner Romane: Midkemia. Die in den 80er-Jahren begonnene Saga ist ein Klassiker des Fantasy-Genres, und Feist gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Fantasy in der Tradition Tolkiens.
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Prolog


Erkenntnis


Der Regen hatte aufgehört.

Lord Brucal, Marschall der Armeen des Westens, betrat das Kommandozelt. Er schnaubte wie ein Schlachtross und fluchte leise. »Verdammtes Wetter«, sagte er schließlich. Der ältere General, noch immer breitschultrig und in bester körperlicher Verfassung, fuhr sich mit der behandschuhten Hand über die Stirn, um die feuchten Haare aus dem Gesicht zu streichen.

Borric, Herzog von Crydee und Stellvertretender Kommandeur des Marschalls, blickte seinen alten Freund mit einem ironischen Lächeln an. Brucal war ein kräftiger Krieger und ein zuverlässiger Verbündeter, was die politischen Wirren des Königreichs der Inseln betraf, und darüber hinaus war er auf dem Schlachtfeld ein sehr fähiger General. Aber er besaß auch eine Neigung zur Eitelkeit, und Borric wusste, dass er sich jetzt, da ihm die geliebten Haare am Schädel klebten, in gereizter Stimmung befand.

»Na, immer noch krank?« Borric war ein beeindruckender Mann mittleren Alters, dessen Haare und Bart immer noch überwiegend schwarz waren und erst wenige graue Spuren aufwiesen. Er trug Schwarz – die einzige Farbe, die er sich nach dem Tod seiner Frau viele Jahre zuvor gestattete –, abgesehen von dem braunen Überwurf von Crydee mit der goldenen Möwe darauf; die Möwe hockte auf einer kleinen goldenen Krone, das Zeichen für Borrics königliche Herkunft. Seine Augen waren dunkel und durchdringend, doch spiegelte sich in ihnen eine leise Erheiterung über die Unzufriedenheit des alten Freundes.

Wie Borric erwartet hatte, stieß der alte, graubärtige Herzog einen Fluch aus. »Ich bin nicht krank, verflucht! Ich habe nur einen leichten Schnupfen.«

Borric dachte an die Zeit, da Brucal ein junger Mann gewesen war und seinen Vater auf Crydee besucht hatte. Er rief sich sein Lachen in Erinnerung, das stets von einer stürmischen Fröhlichkeit und strahlenden Augen begleitet worden war. Auch als die rötlich braunen Haare grau geworden waren, hatte Brucal noch jeden Tag voll ausgekostet. Zum ersten Mal begriff Borric, dass sein Freund ein alter Mann geworden war.

Ein alter Mann, der allerdings noch immer behände sein Schwert ziehen und damit beträchtlichen Schaden anrichten konnte, wie Borric im Stillen zugeben musste. Und ein Mann, der nachdrücklich bestritt, dass er krank war.

Brucal streifte die schweren Handschuhe ab und reichte sie seinem Adjutanten. Einem anderen gestattete er, ihm den schweren, pelzgesäumten Umhang abzunehmen, den er für den Weg von seinem eigenen Zelt hierher getragen hatte. Er war in eine schlichte blaue Hose und eine graue Tunika gekleidet, hatte den Überwurf jedoch in seinem Zelt gelassen. »Und dieser verdammte Regen macht es auch nicht besser.«

»Noch eine solche Woche, und wir müssen mit den ersten richtigen Schneefällen rechnen.«

»Unsere Kundschafter sagen, dass es weiter nördlich um den Himmelssee herum bereits kräftig schneit«, erwiderte Brucal. »Wir sollten in Betracht ziehen, die Reservetruppen den Winter über zurück nach LaMut und Yabon zu schicken.«

Borric nickte. »Möglicherweise bleibt es noch eine weitere Woche mild, bevor die Winterstürme einsetzen. Damit hätten die Tsuranis genügend Zeit, irgendetwas anzuzetteln. Ich neige dazu, die Hälfte der Reservetruppen hier in der Nähe zu behalten. Die andere Hälfte werde ich zurück nach LaMut schicken.«

Brucal studierte die Karte, die auf dem großen Tisch vor Borric lag. »In der letzten Zeit haben sie nicht sehr viel getan, oder?«, fragte er.

»Genauso viel wie im letzten Jahr«, sagte Borric und deutete auf die Karte. »Ein Ausfall hier, ein Überfall dort. Es gibt jedoch kaum Hinweise darauf, dass sie noch weiter vordringen wollen.«

Borric musterte die Karte; die nach Midkemia eingedrungenen Tsuranis hatten einen beträchtlichen Teil der Grauen Türme und der Freien Städte eingenommen, aber in den letzten fünf Kriegsjahren hatte er die Front stabil halten können. Den Herzögen war ein Überfall auf das Tal in den Bergen gelungen, von wo aus die Tsuranis operierten, und seither gab es keinerlei Nachrichten darüber, was hinter den feindliche Linien vorging.

Brucal schnäuzte sich in einen Stofffetzen, der zum Ölen der Waffen benutzt wurde, und warf ihn dann in die Kohlenpfanne neben sich. Seine große Nase war rot und glänzte. Seine Augen hatten in der letzten Zeit an Glanz verloren, bemerkte Borric. Obwohl Brucal trotz seines fortgeschrittenen Alters noch gesund und kräftig war, war er ein alter Soldat, und der Feldzug währte nun schon mehr als neun Jahre.

Borric dachte zurück an die Zeit, da die tsuranischen Eindringlinge zum ersten Mal gesichtet worden waren. Es waren zwei Jungen aus seiner eigenen Festung gewesen, die ein zerstörtes tsuranisches Schiff an der Landzunge bei Crydee gefunden hatten. Später hatte die Elbenkönigin von fremden Wesen berichtet, die in den Wäldern zwischen Elvandar und dem Herzogtum von Crydee aufgetaucht waren.

Die Welt hatte sich verändert: dass fremde Wesen aus einer fremden Welt durch ein magisches Tor eingedrungen waren, war eine Tatsache und nicht länger ein Wunder. Er hatte einen Krieg zu führen und zu gewinnen. Borric hatte mit Tinte einige Anmerkungen auf die Karte geschrieben.

»Was ist das?«, fragte Brucal und deutete auf ein neues Zeichen, das Borric erst am Morgen eingetragen hatte.

»Eine weitere Wanderungswelle von Dunklen Brüdern. Es sieht so aus, als würde ein ziemlich großer Teil von ihnen von den südlichen Ausläufern der Nordberge herunterkommen. Sie benutzen einen schmalen Pfad in der Nähe der Elbenwälder. Ich kann allerdings keinen Grund erkennen, warum sie so etwas um diese Jahreszeit tun sollten.«

»Diese finsteren Gesellen brauchen doch gar keinen Grund«, bemerkte Brucal.

Borric nickte. »Mein Sohn Arutha hat damals, vor fünf Jahren, als die Tsuranis meine Burg belagert haben, von einer großen Streitkraft von Dunklen Brüdern berichtet, die sich mit den Tsuranis angelegt hätten. Aber diese Dunklen Brüder sind von den Tsuranis aus den Grauen Türmen vertrieben worden und waren unterwegs nach Norden, um zu ihren Verwandten in den Nordlanden zu gelangen. Sie haben sich seither ruhig verhalten.«

»Es gibt möglicherweise doch einen Grund.«

Borric zuckte mit den Schultern. »Ich höre, alter Freund.«

»Der Treck ist ein bisschen zu lang, als dass er nichts zu bedeuten hätte«, bemerkte Brucal, während er sich mit dem Handrücken die Nase abwischte. »Und die Dunklen Brüder sind nicht dumm.«

»Die Dunklen Brüder mögen alles Mögliche sein, aber dumm sind sie ganz sicher nicht«, stimmte Borric ihm zu. »Wenn eine solch große Streitmacht von ihnen marschiert, muss das einen Grund haben.«

»Wo befinden sie sich jetzt?«

»Den jüngsten Berichten der Kundschafter zufolge halten sie sich in der Nähe der Elbenwälder auf. Sie weichen sowohl den Zwergen von Bergenstein als auch den Elbenpatrouillen aus und marschieren Richtung Osten.«

»Das einzige Ziel dort ist der Himmelssee«, sagte Brucal, »es sei denn, sie haben vor, sich nach Süden zu wenden und die Elben oder die Tsuranis anzugreifen.«

»Wieso der Himmelssee?«

»Es könnte sein, dass sie versuchen, oben in den Nordlanden nach Osten zu gelangen. Von den Zähnen der Welt aus erstreckt sich in nordöstlicher Richtung ein Gebirgsausläufer, der Hunderte von Meilen lang und unpassierbar ist. Es gibt aber eine Verbindung, die zwischen den Nordbergen zu den Zähnen der Welt verläuft, am Himmelssee vorbei.« Der alte Herzog strich sich über den noch immer nassen Bart. »Das ist einer der Gründe, wieso wir oben in Yabon so viel Ärger mit den Schurken haben.«

Borric nickte. »Wir in Crydee werden ziemlich in Ruhe gelassen, verglichen mit den Zusammenstößen, die deine Garnisonen mit ihnen haben.«

»Ich wünschte nur, ich wüsste, wieso so viele kurz vor dem Winter versuchen, nach Osten zu gelangen.«

»Irgendetwas geht da vor«, bestätigte Borric.

»Ich habe den Rabenclan bekämpft, seit ich ein Junge war«, sagte Brucal. Er schwieg eine Weile. »Ihr Oberanführer ist ein abscheulicher Hund namens Murad. Falls dieser Haufen aus den Nordlanden vorhat, sich mit ihm zu verbünden …«

»Was dann?«

»Ich weiß nicht genau, was dann geschieht, aber es kann nur etwas Schreckliches sein.« Brucal blickte wieder auf die Karte. »Halten sich in diesem Gebiet gerade Leute von uns auf?«

»Es gibt dort nur die Garnisonsfestungen entlang der tsuranischen Front sowie ein paar Patrouillen, die sich noch so lange dort aufhalten werden, bis es richtig Winter wird.«

Brucal beugte sich etwas tiefer hinab, um die kleinen Zeichen besser entziffern zu können, die mit Tinte auf die Karte gemalt worden waren, dann gab er ein Geräusch von sich, das irgendwo zwischen Schnauben und Lachen lag. »Hartraft.«

»Wer?«, fragte Borric.

»Er ist der Sohn von einem meiner Junker. Dennis Hartraft. Er befehligt für Baron Moyet eine Kompanie von Dieben und Halsabschneidern, die sich die Plünderer nennen. Er hält sich in diesem Gebiet auf.«

»Was tut er da?«, fragte Borric. »Sein Name kommt mir zwar vertraut vor, aber ich kann mich nicht erinnern, mal einen Bericht von ihm erhalten zu haben.«

»Dennis hält nicht viel von Schreibkram«, sagte Brucal. »Was er dort tut? Er bekämpft die Tsuranis mit außerordentlicher Brutalität. Es ist etwas Persönliches.«

»Gibt es eine Möglichkeit,...


Feist, Raymond
Raymond Feist wurde 1945 in Los Angeles geboren und lebt in San Diego im Süden Kaliforniens. Viele Jahre lang hat er Rollenspiele und Computerspiele entwickelt. Aus dieser Tätigkeit entstand auch die fantastische Welt seiner Romane: Midkemia. Die in den 80er-Jahren begonnene Saga ist ein Klassiker des Fantasy-Genres, und Feist gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Fantasy in der Tradition Tolkiens.

Forstchen, William
Raymond Feist wurde 1945 in Los Angeles geboren und lebt in San Diego im Süden Kaliforniens. Über lange Jahre hat er Rollenspiele und schließlich Computerspiele entwickelt. Aus dieser Tätigkeit entstand auch die fantastische Welt Midkemia, die er in seinen Romanen literarisch ausgestaltet. Inzwischen verfolgen weltweit Millionen Fans das hin und her wogende, oft kriegerische Geschehen auf Midkemia und Kelewan.William Forstchen, geboren 1950, ist einer der emsigsten Autoren in der Fantasy und SF. In Deutschland ist er bislang durch seine Romane zum Computerspiel Wing Commander und durch das Sammelkartenspiel Magic bekannt geworden.



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