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E-Book

E-Book, Deutsch, 360 Seiten

Felder Unsympath


1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-8419-0048-7
Verlag: Edel Books - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 360 Seiten

ISBN: 978-3-8419-0048-7
Verlag: Edel Books - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Format: EPUB
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Peter Weidner hat einen Job im Musikbusiness, ein hohes Einkommen, einen Jaguar, viel Freizeit und eine massive Persönlichkeitsstörung. Seine aktuelle Lieblingsbeschäftigung sind Frauen, die per Kontaktanzeige die große Liebe suchen. Ein perfekt oberflächliches Leben. Wären da nicht seine unüberwindbare Abneigung gegenüber seinen Mitmenschen, sein neurotischer Perfektionismus und sein massiver Selbstekel. Während er sich nach außen hin freundlich und zurückhaltend gibt, werden in einem Inneren Widerwillen und Hassgefühle immer stärker ... In seinem Romandebüt gelingt es Robin Felder, die Leere seiner Hauptfigur mit einer Fülle von Beobachtungen zur Musikbranche, zum Alltags- und zum Liebesleben zu verbinden, die in ihrer schmerzhaften Genauigkeit ebenso verstörend wie amüsant sind.

Robin Felder, Jahrgang 1971, Komponist und Texter aus München, schreibt und produziert erfolgreich für Künstler aus den verschiedenen Genres der Popmusik, u. a. Tom Novy, Disco Boys, Depeche Mode, Du & Ich, Kastelruther Spatzen, Hansi Hinterseer, Moby. 'Unsympath' ist sein erster Roman.
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(S. 215-216)

Am nächsten Morgen. Genauer gesagt, Montag, zwei nach sieben. Ich sitze am Schreibtisch. Die Auswertung der Blutproben müsste jetzt vorliegen. Bin doch etwas nervös. Vorsichtig ausgedrückt. Habe die Nummer der Praxis schon auf Wahlwiederholung eingetippt. Ich benutze auf meinem Festnetzanschluss mittlerweile keinen schnurlosen Apparat mehr, weil meine Ohren an der Muschel noch heißer werden als beim Handy. Seit Kurzem besitze ich wieder eins der guten alten Schweineringelschwänzchentelefone. Bin viel zu früh aufgewacht. Wie immer ohne Erinnerung an meine Träume.

Seit geschlagenen zweieinhalb Stunden sitze ich vor dem Frühstücksfernsehen. Hatte schon ganz vergessen, wie deprimierend das ist. Ein Thema heißt »Diäten, wie macht man es richtig?« Ein Ernährungscoach erklärt drei fetten Trullas, was sie falsch machen. Alle drei: dicke Ärsche, Riesenbäuche, aber keine Titten. Fett und noch dazu ohne Titten ist ganz schlimm. Mir wird kurzzeitig unwohl. Die gewaltigen Arme vor der Brust verschränkt, schauen sie vollkommen fassungslos und nicken mit ihren Köpfen, als der Trainer ihnen Tipps gibt. Zusammengefasst: Weniger fressen, mehr bewegen. Wer hätte das gedacht.

Ich kann an ihrer übertriebenen Einsicht ausmachen, dass sie sich niemals daran halten werden. So viel Selbstbeherrschung haben sie nicht. Sie glauben, dem Coach einen höchstpersönlichen Gefallen zu tun, wenn sie beteuern, sich künftig nicht gleich jeden Schokoriegel intravenös einzuverleiben. Getreu dem Motto: »Das hat mir mein Arzt verboten. Wenn ich das mache, schimpft er mit mir.« Ich bin nicht sicher, ob diese Waschlappen tatsächlich glauben, ihrem Arzt läge etwas an der Einhaltung seiner Empfehlungen. Ein dreitägiger Lehrgang bei diesem schlauen Fitnessguru kostet fünfzehnhundert Mäuse. Inklusive Ernährungstabellen und individuellem Trainingsprogramm. Mit rückgratlosen Affen macht man die meiste Kohle. Diäten, Teleshopping, Astroshows, Wahrsagerhotlines, Rhetorikkurse, Motivationsseminare.

Mein Zahnfleisch zwischen dem dritten und vierten Backenzahn von hinten, rechts oben, tut weh. Ich habe mit der Zahnseide gestern Abend zu stark rumgepult. Nach einer Werbeunterbrechung, die nicht so kurz wie angekündigt war, sagt eines der Schwabbelmonster mit ihrem Fischmaul, irgendwo zwischen ihren dicken Backen: »Früher war ich ein Strich in der Landschaft.« Ich muss lachen. Aber sicher. Früher. Jede Übergewichtige sagt das. Jetzt kommt bestimmt, ja, und dann kamen die Kinder! Sie redet weiter: »Aber dann kamen meine Kinder. Und nach dem zweiten …«

Wer sagt’s denn. Klar, nach dem zweiten Kind, wahrscheinlich vom zweiten Freund, mit 15 bekommen. Gezeugt in irgendeinem Hagebuttenstrauch hinter der Großraumdisco. Und weil du geglaubt hast, fünfzehn ist genau das richtige Alter, um zum zweiten Mal Mutter zu werden, hast du auch das nicht abtreiben lassen. Ein Kind der Liebe. Sie quatscht weiter: »… bekam ich die Pfunde einfach nicht mehr runter.« Jetzt wird ihr Name eingeblendet. Sindy Koschinski, Bottrop, 19, Hausfrau. Die volle Packung. Sindy aus Bottrop, mit ›S‹ geschrieben, Hausfrau. Wow, die gibt’s wirklich. Sindy, Jacqueline, Jennifer, Yvonne, Chantal, Jessica, Denise. Als ob sie sicherstellen wollten, schon namentlich identifiziert zu werden. Als Kreaturen, wie aus einer Real-Life-Doku.



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