E-Book, Deutsch, Band 1, 248 Seiten, Format (B × H): 150 mm x 210 mm
Reihe: Die Völker von Calvaria
Felderer, Tintenheld Die Völker von Calvaria
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-9505329-6-8
Verlag: Fairyland Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Der Ruf der Gezeiten
E-Book, Deutsch, Band 1, 248 Seiten, Format (B × H): 150 mm x 210 mm
Reihe: Die Völker von Calvaria
ISBN: 978-3-9505329-6-8
Verlag: Fairyland Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Calvaria, das Land der Piratenvölker! Eine Welt voller Gegensätze, magischer Kreaturen und besonderen Fähigkeiten und nur eine Regel: Befolge den Kodex!
Die Geschwister Arius und Saria Vane mu¨ssen wie alle Calvarier eine Pru¨fung durchlaufen, um rechtmäßige Piraten zu werden. So fordert es der Piratenkodex. Aber was, wenn plötzlich die kodexverachtenden Feueraugen zwei Kandidaten zur Pru¨fung stellen und ein magisches Logbuch nichts Gutes verspricht? Während die Kandidaten eine Pru¨fung nach der anderen bestehen, decken sie unglaubliche Geheimnisse auf. Ihr Kampf fu¨r die Freiheit von Calvaria beginnt und Arius und Saria merken, dass weit mehr in ihnen steckt, als sie immer geglaubt hatten.
Das erste Abenteuer der Vane-Geschwister voller gefährlicher Pru¨fungen, fantastischer Orte und besonderer Freundschaften!
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel IV
Beunruhigende Nachrichten
Die Terrana hatte nun wieder volle Fahrt aufgenommen, da, den Göttern sei Dank, der Wind wiedergekehrt war. Obwohl es den Göttern zu verdanken war, konnte man nie so sicher sein, denn manchmal hatten auch andere ihre Hände im Spiel. Arius kam gerade aus der Kajüte, als sich sein Onkel mit seinem Unteroffizier unterhielt. „Kapitän, wir müssen immer vorsichtig sein. Ihr wisst, trauen kann man niemandem.“ Shorty schaute mit verkniffenen Augen Richtung Himmel. Auch Invisible Jack blickte sich aufmerksam um. „Was sucht ihr denn da am Himmel?“ Arius gesellte sich zu den beiden. „Wir müssen uns wohl nicht auch noch vor Riesen-Vögeln in Acht nehmen?“ Eigentlich hatte Arius es mehr im Scherz gesagt, aber die Piraten schienen tatsächlich etwas beunruhigt. „Nein, Shadow, Riesen-Vögel sind es keine, aber der Wind ist einfach zu schnell aufgekommen!“ Der Kapitän deutete auf eine Wolkenansammlung, aus der etwas herausblitzte. „Was meinst du damit?“, fragte Arius, während seine Schwester zu der Versammlung hinzustieß. „Echt, Bruderherz, du weißt aber wirklich gar nichts! Wind? Wolken? Klingelt’s da nicht bei dir?“ Saria schaute Arius herausfordernd an, aber dieser schien wirklich auf dem Schlauch zu stehen. „Was dir deine Schwester versucht zu sagen, lieber Neffe, ist, dass nicht immer die Götter für den Wind verantwortlich sind, sondern auch die Windisch!“ Arius blickte hinauf in den Himmel, konnte aber nichts erkennen. Invisible Jack folgte seinem Blick. „Noch kann man sie nicht sehen, aber ich spüre, dass sie da sind.“ „Aber warum müssen wir vorsichtig sein, wollen sie uns überfallen?“ Arius war verunsichert. „Das kann man nie wissen, Shadow. Auch wenn der Piratenkodex besagt, dass Schiffe, die auf dem Weg ins Herz von Calvaria sind, nicht überfallen werden dürfen, so sind wir doch alle am Ende Piraten. Zudem segeln wir noch unter der Piratenflagge.“ Saria schien wenig beeindruckt. „Ich denke, wenn sie uns hätten überfallen wollen, dann hätten sie es doch schon getan.“ Sie zuckte mit den Achseln und wollte nach vorne an den Bug gehen, um frühzeitig das Meer zu entdecken, sollte es am Horizont auftauchen. Doch just in dem Moment, als sie die Versammlung verlassen wollte, schossen plötzlich drei große, metallisch wirkende Vögel über die Terrana hinweg. „Windisch!“, schrie Shorty dem Kapitän zu. Dieser griff kampfbereit zur Flinte und schaute nach oben. Die drei „Vögel“ flogen ein zweites Mal auf die Terrana zu und landeten diesmal direkt an Deck. Es waren aber keine Vögel, es waren Piraten. Alle drei trugen riesige Flügel aus Metall und sie waren silbern gekleidet. Sie wirkten, als wären sie komplett aus Metall. Sogar ihre Haare schienen mehr grau als blond zu sein. „Aperi alas! Seid gegrüßt.“ Einer der Windisch, höchst wahrscheinlich der Kapitän, trat auf Invisible Jack zu. Dieser senkte die Flinte. „Ad solem! Hallo Iron Wing, was führt euch zu uns?“ „Wir sind auf dem Weg nach Calvaria, um meinen Sohn Feather zu seiner Prüfung zu bringen, da haben wir euer Schiff entdeckt. Wir haben uns gefragt, ob auch ihr auf dem Weg dorthin seid?“ „So ist es! Wir bringen meine Nichte Curly und meinen Neffen Shadow nach Calvaria. So haben wir die Ehre, sogar zwei neue Piraten zu stellen.“ Der Kapitän zeigte auf Arius und Saria. „Na, na, noch sind sie keine Piraten.“ Iron Wing zwinkerte in die Richtung der Kinder. „Aber habt ihr schon die Gerüchte gehört?“ Invisible Jack runzelte verwundert die Stirn: „Welche Gerüchte?“ „Uns ist zu Ohren gekommen, dass dieses Jahr die Feueraugen an der Prüfung teilnehmen wollen.“ Die Geschwister erschraken und auch der Kapitän schien beunruhigt. „Verflixt! Das kann nichts Gutes bedeuten. Die Feueraugen haben sich noch nie um den Piratenkodex geschert.“ „Genau dasselbe haben wir uns auch gedacht. Wir fanden es besser, alle vorzuwarnen, denn wenn nur ein Fünkchen Wahrheit in diesem Gerücht steckt, sollten wir auf der Hut sein.“ „Ich danke dir, Iron Wing. Ich hoffe, dass es nur ein Gerücht bleibt.“ Die Windisch verabschiedeten sich und schossen hoch in die Luft. Saria und Arius schauten fasziniert zu, wie die Windisch davonflogen. Schon die Mechanik, welche die metallischen Flügel auf Knopfdruck ausklappen ließ, fesselte sie. Die Nachrichten, die sie erhalten hatten, waren beunruhigend, denn auch wenn sich die Geschwister in der Piratenwelt noch nicht so gut auskannten, eins hatten sie früh gelernt: Haltet euch von den Feueraugen fern! Invisible Jack und sein Unteroffizier zogen sich in die Kapitänskabine zurück, um in Ruhe über alles zu sprechen. Die Kinder gingen nach vorne an den Bug, denn es sollte nicht mehr lange dauern, bis das Meer am Horizont auftauchen würde. Saria hielt sich an der Reling fest und schaute gebannt aufs Meer. Das Holz fühlte sich, durch Wind und Wetter geschliffen, ganz glatt an. „Meer in Sicht!“ Laut hallten die Rufe aus dem Ausguck. Arius und Saria strengten sich an und konnten weit in der Ferne ein Glitzern erkennen. Von einem Moment auf den anderen schien der Wind sich zu verstärken und mit einem lauten Rauschen schoss ein Luftschiff aus ein paar Wolken hervor. „Die Windisch! Da oben siehst du sie?“ Saria deutete nach oben. Natürlich konnte Arius sie sehen, sie waren direkt über ihnen. Das Luftschiff war beeindruckend. Der gesamte Rumpf schien aus Metall zu bestehen. An Deck sah man überall seltsame Apparaturen. Über die gesamte Länge des Schiffs schwebte an Seilen ein Heißluftballon. Darauf zu sehen ein paar silberne Schwingen und der Satz, den die Windisch vorher zu ihrem Onkel gesagt hatten: „Aperi alas“. In silbernen Lettern prangte der Name des Schiffs an den Außenseiten: Liberty
.
„Bereit machen zum Wassern!“ Shorty trieb die Piraten an. Es dauert nur noch wenige Minuten, dann hatte die Terrana das Meer erreicht. Mit einem lauten Platschen traf das Segelschiff auf Wasser. Eine Welle schwappte über den Bug und lauter kleine Gischt-Spritzer landeten in Arius und Sarias Gesicht. Zum ersten Mal in ihrem Leben konnten sie das Meer schmecken. Es schien endlos wie die Dünen im Trockenland. Nur mit dem Unterschied, dass das Wasser fast spiegelglatt war und in der Sonne glitzerte. Die Liberty war noch ein Stück zusammen mit der Terrana geflogen, aber vor gut einer Stunde waren die Windisch wieder in den Wolken verschwunden. „Na, ihr zwei?“ Invisible Jack trat auf seine Nichte und seinen Neffen zu. „Wie findet ihr das Meer?“ „Echt cool!“, raunte Saria bewundernd. „Das Meer ist unglaublich. Ich hätte nie geglaubt, dass es so tiefblau sein kann. Und so wie die Sonne darauf scheint, sieht es aus, als würden tausende Lichter auf der Oberfläche tanzen.“ Schwärmerisch schaute Arius in die Ferne. „Stimmt. Aber es kann auch ganz anders sein. Gefährlich, zerstörerisch und schwarz wie die Seele eines Feuerländers.“ Der Kapitän besegelte das Meer schon seit so vielen Jahren und er kannte seine Tücken. Er wusste von den vielen Schiffen, die nicht mehr von ihren Reisen zurückgekehrt waren. „Wir setzen nun die Friedensflagge“, machte Shorty Meldung bei dem Kapitän. „Friedensflagge? So was haben Piraten?“ Saria war verwundert. Invisible Jack musste schmunzeln. „Ja, Curly, so etwas haben Piraten. Diese eine spezielle Flagge hissen wir nur, wenn wir auf dem Weg ins Herz von Calvaria sind. Da unsere Hauptinsel neutraler Boden ist, ist es laut Kodex allen Piraten untersagt, die anderen Völker auf der Insel oder auf dem Weg dorthin anzugreifen. Dies ermöglicht, dass wir unsere Nachkommen zur Prüfung schicken können und ihr in Calvaria gemeinsam gefahrlos lernen könnt. Zudem befindet sich auf der Hauptinsel am Hafen ein großer Handelsplatz. Dort können wir mit anderen Piraten Waren tauschen und ein- und verkaufen. Es läuft ja nicht immer so gut mit dem Plündern.“ „Schiff in Sicht!“, hallte es vom Ausguck herunter. Invisible Jack zückte sein Fernrohr. „Ah, die Fortune.“ Arius und Saria drehten sich in die Richtung, in die ihr Onkel blickte. In der Ferne sahen sie einen kleinen dunklen Punkt, der schnell näherkam. „Boa! Die sind aber echt schnell unterwegs, oder?“ Saria blieb der Mund offenstehen. „Ja Curly. Die Fortune ist das schnellste Schiff weit und breit. Aber ihr braucht keine Angst zu haben, es ist das Schiff der Wellenwanderer und auch sie haben die Friedensflagge gehisst.“ Lange mussten die Geschwister nicht warten, dann sahen sie die Fortune in ihrer ganzen Pracht. Es war ein sehr wendiges Boot. Schmal und windschnittig. Das Hauptsegel war dunkelblau und zeigte eine riesige Welle. Sie schafften es mit Müh und Not, Details zu erkennen, denn kaum fuhr das Schiff neben ihnen, war es auch schon wieder verschwunden. An Deck sah Arius einen Jungen, der ungefähr in seinem Alter sein musste. Vielleicht war auch er auf dem Weg zur Prüfung. Saria interessierte sich nicht mehr für die Fortune, diese war mittlerweile ohnehin nur mehr ein Punkt in der Ferne. Vielmehr war sie aufgeregt, endlich Calvaria zu...




