E-Book, Deutsch, Band 1688, 160 Seiten
Reihe: Bianca
Ferrarella Unser Rendezvous mit der Liebe
1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-86295-257-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1688, 160 Seiten
Reihe: Bianca
ISBN: 978-3-86295-257-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Was fällt Mike Marlowe ein, schlecht über ihren Vater zu schreiben? Aufgebracht verabredet Miranda sich mit dem Journalisten - natürlich nur, um den Ruf ihres Vaters wiederherzustellen. Dabei entpuppt Mike sich als überraschend attraktiv und charmant. Kann sie es wagen, seiner Anziehungskraft nachzugeben? Zu oft wurde Miranda schon von der Liebe enttäuscht. Nur unter einer Bedingung lässt sie sich auf Mike ein: Ihr romantisches Rendezvous soll unverbindlich bleiben! Doch bald muss sie feststellen, dass ausgerechnet sie sich gegen ihren Willen immer mehr verliebt ...
Marie Ferrarella zählt zu produktivsten US-amerikanischen Schriftstellerinnen, ihren ersten Roman veröffentlichte sie im Jahr 1981. Bisher hat sie bereits 300 Liebesromane verfasst, viele davon wurden in sieben Sprachen übersetzt. Auch unter den Pseudonymen Marie Nicole, Marie Charles sowie Marie Michael erschienen Werke von Marie Ferrarella. Zu den zahlreichen Preisen, die sie bisher gewann, zählt beispielsweise der RITA-Award. Als Kind verbrachte Marie Ferrarella ihre Freizeit vor dem Fernseher, häufig schrieb sie die Drehbücher einiger Fernsehserien um und spielte dann selbst die Hauptrolle. Sie träumte von einer Karriere als Schauspielerin. Im Alter von elf Jahren verfasste sie ihren ersten Liebesroman, allerdings war ihr nicht bewusst, dass es sich um eine klassische Romance handelte. Während ihrer Collegezeit begann sie sich immer mehr für den Beruf einer Autorin zu interessieren und gab den Gedanken an eine Schauspielkarriere auf. Nach ihrem Abschluss, einem Master Degree in Shakespearean Comedy zogen sie zusammen mit ihren Eltern von New York nach Kalifornien. Charles, ihre Jugendliebe, hielt die Trennung nicht lange aus und folgte Marie nach sieben Wochen. Nicht lange darauf folgte die Hochzeit, und ihr Kleid dafür nähte Marie Ferrarella selbst. Mit ihren Büchern möchte die Autorin ihre Leserschaft zum Lachen bringen und unterhalten, das macht sie am glücklichsten. Genauso schön findet sie es, einen romantischen Abend mit ihrem Ehemann zu verbringen. Zu ihren Hobbys zählen alte Filme, Musicals sowie Rätsel. Geboren wurde Marie Ferrarella in Deutschland, und als sie vier Jahre alt war, wanderten ihre Eltern in die USA aus. Bereits im Alter von 14 Jahren lernte sie ihren heutigen Mann kennen; mit ihm und ihren beiden Kindern lebt sie in Süd-Kalifornien.
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
„Dieser scheinheilige, aufgeblasene, elende Mistkerl …“
Halb vor Überraschung, halb vor Empörung entfuhr Miranda Shaw diese wenig schmeichelhafte Beschreibung, bevor sie sich beherrschen konnte. Die wütende Beschimpfung passte so gar nicht zu der klassischen Musik, mit der ihr Arbeitsplatz im pharmazeutischen Labor dezent beschallt wurde.
Ihre Wangen röteten sich hektisch, und ihr Atem ging schneller. Erst vor wenigen Minuten, wenn auch anderthalb Stunden später als gewöhnlich, hatte sie ihre Pause begonnen und die Los Angeles Times aufgeschlagen. Den Sportteil der Zeitung las sie, seit sie vier Jahre alt war. Weil es ihr immer zu lange dauerte, bis ihre Mutter ihr die sehnlichst erwarteten Baseball-Ergebnisse vorlas, hatte Miranda sich selbst das Lesen beigebracht – indem sie die Namen der gegnerischen Mannschaften laut buchstabierte.
Für Baseball interessierte sie sich, weil sie ihren Vater vergötterte. Steven Orin Shaw, den seine unzähligen Fans nur „SOS“ nannten, galt als einer der besten Werfer, die es im Baseball jemals gegeben hatte. Leider hatte ein Skandal seine Karriere abrupt beendet.
Aber nicht Mirandas Treue zu ihm. Sie war jetzt vierundzwanzig, und nur der Tod – und zwar ihr eigener – konnte ihr die tiefe, unerschütterliche Loyalität nehmen.
Genau die flackerte jetzt zusammen mit dem Zorn in ihr auf, als sie las, was Mike Marlowe in seiner Kolumne geschrieben hatte. Von allen Sportreportern war er ihr immer der liebste gewesen. Sicher, hin und wieder war sie anderer Meinung, trotzdem hatte sie nicht nur sein breites Wissen, sondern auch seinen lebendigen Stil bewundert. Wenn er ein Spiel schilderte, sah man es vor sich ablaufen.
Aber in diesem Moment hätte sie den Mann umbringen können. Ganz langsam und genüsslich.
Es war mal wieder die Jahreszeit, in der die Leute den Weihnachtsschmuck wegräumten und über ihre guten Vorsätze für das neue Jahr die Stirn runzelten, weil sie schon jetzt gegen die meisten davon verstoßen hatten. Es war auch der Monat, in dem die Vereinigung der Baseball-Reporter sich mit der wichtigen Frage beschäftigte, welcher Spieler in die Ruhmeshalle des Baseballs in Cooperstown aufgenommen werden sollte.
Lange vor der eigentlichen Abstimmung wurden die Kandidaten für diese höchste Ehrung des Baseballs bekannt geben. Miranda hatte sich längst damit abgefunden, dass ihr Vater es niemals auf eine der Vorschlagslisten schaffen würde.
Aber jetzt besaß dieser Idiot, dieser Supertrottel, der sie so kolossal enttäuscht hatte, die unglaubliche Frechheit zu erwähnen, dass ihr Vater seit einer Ewigkeit aus dem Baseball verbannt war. Über mehrere Absätze seiner Kolumne hinweg beklagte er sich darüber, dass die einst so saubere Sportart von immer mehr Skandalen heimgesucht wurde. Und dann zählte er auch noch all die Gründe auf, warum SOS niemals für die Ruhmeshalle infrage kommen würde.
Das zu wissen war schlimm genug. Aber musste der Mann auch noch lang und breit und mit spitzer Feder erläutern, wie SOS seine Fans enttäuscht und Schande über ihr geliebtes Spiel gebracht hatte?
Na gut, ihr Vater hatte einen schwachen Moment gehabt und gewettet. Na und? Das taten viele Menschen, und SOS hatte nie Geld auf eine gegnerische Mannschaft gesetzt. War das etwa unverzeihlich? Wohl kaum. Auf jeden Fall war es kein Vergehen, für das man so an den Pranger gestellt werden durfte.
Aber genau dort stand er jetzt.
Ob er es schon gelesen hatte? Das wäre das Letzte, was er brauchte. Erst der Skandal und dann der schreckliche Unfall sechs Monate später. Seitdem lebte er praktisch wie ein Einsiedler. Miranda hatte Jahre gebraucht, um ihn aus dem Schneckenhaus zu holen, in das er sich damals zurückgezogen hatte. Inzwischen wagte er sich sogar wieder unter Menschen.
Dieser unverschämte Artikel konnte alles zunichte machen, wofür sie so hart gearbeitet hatte!
Als nun Mirandas wütender Ausruf durch das fast leere Labor hallte und die gedämpfte Musik übertönte, nahm Tilda Levy den Blick von ihrem Computerbildschirm. Sie rieb sich die Stirn, bevor sie sich zu Miranda umdrehte. „Hast du deinen Gehaltsscheck vorzeitig bekommen?“, fragte sie trocken.
Dass die Chemiker im Forschungslabor von Promise Pharmaceuticals unterbezahlt waren, stand für alle Kollegen fest. Für den Dauerstress und die vielen Überstunden verdienten sie entschieden zu wenig.
„Wie?“ Miranda brauchte einen Moment, um sich von der Zeitung loszureißen und Tildas Frage zu verarbeiten. „Nein. Es ist dieser verdammte Artikel.“
Sie stand auf und pfefferte das Blatt so heftig in den Papierkorb neben ihrem Schreibtisch, dass er umkippte. Miranda murmelte etwas nicht Druckreifes, während sie ihn wieder aufstellte.
Tilda beugte sich vor und reckte den Hals. Sie beide waren befreundet, seit sie auf der Highschool im Chemielabor ein Team gebildet hatten. Auch wenn Tilda sich kein bisschen für Baseball interessierte, wusste sie, welchen Teil der Zeitung Miranda als Erstes überflog.
Sie speicherte ihre Arbeit ab und zeigte auf den Papierkorb. „Was ist denn? Glaubt dein Lieblingsreporter etwa nicht daran, dass die Angels in diesem Jahr Meister werden?“ Die Angels waren Mirandas Lieblingsmannschaft – für die hatte ihr Vater in den letzten sieben Jahren seiner Karriere gespielt.
Miranda antwortete nicht, sondern starrte mit finsterer Miene auf die zerknüllte Zeitung.
„Es geht also um deinen Dad, stimmt’s?“, fragte Tilda besorgt.
Miranda schob die Hände in die Taschen ihres Kittels. Sie wäre gern auf und ab gegangen, aber das Labor war nicht dazu ausgelegt, aufgestauten menschlichen Unmut herauszulassen. Es diente allein dazu, chemische Experimente zu beschleunigen.
Miranda seufzte. „Das kann man wohl sagen.“
Achselzuckend wandte Tilda sich wieder ihrem Computer zu. „Vergiss es einfach. Spätestens morgen liegt der Artikel in irgendeinem Vogelkäfig – oder er wartet im Mülleimer auf die Abfuhr.“
Aber heute wurde er von vielen Leuten gelesen. Und höchstwahrscheinlich auch von ihrem Vater. Darauf kam es an.
Miranda straffte die Schultern. Es herunterzuschlucken half nicht. Sie musste sich Luft machen.
„Er hat geschrieben …“ Sie zog die Zeitung aus dem Papierkorb und schlug sie mit spitzen Fingern auf. Es dauerte einen Moment, bis sie die richtige Seite fand. „Steve Orin Shaw, von seinen Fans und gegnerischen Spielern nur SOS genannt, verkörpert leider alles, was an diesem Sport schlecht und käuflich ist …“ Sie schluckte mühsam und wehrte sich gegen die Tränen. „Und das ist noch nicht alles“, brachte sie nur noch heraus und räusperte sich.
„Das habe ich mir gedacht.“ Tilda stand auf, ging zu ihrer Freundin und legte den Arm um ihre Schultern. „Jetzt hör mir mal zu. Die Leute reden immer, auch wenn gar nichts dran ist. Und wenn doch, wird umso mehr gelästert. Dagegen kann man nichts machen.“
Miranda schüttelte den Arm ab und kniff trotzig die Augen zusammen. „Doch, das kann man.“
Tilda seufzte nur. „Dir ist hoffentlich klar, dass Mord in allen fünfzig Bundesstaaten strengstens verboten ist.“
„Es gibt mildernde Umstände“, entgegnete Miranda. Sie wollte Marlowe nicht mehr umbringen, aber er sollte seine gehässigen Worte zurücknehmen – öffentlich, damit ihr Vater wenigstens etwas von seinem Stolz bewahren konnte.
Ihre Kollegin schüttelte den Kopf. „Ich bezweifle, dass ein Gericht Marlowes Artikel als mildernden Umstand ansehen würde.“ Sie wurde ernst. „Lass es gut sein, Miranda.“
Das konnte Miranda nicht. Ihr Vater brauchte jemanden, der sich für ihn einsetzte und das tat, wozu er selbst nicht mehr fähig war. SOS war wehrlos. Der Ausschluss aus seinem geliebten Baseball hatte ihm den Kampfgeist genommen. Als Kind hatte sie ihn nur selten zu Gesicht bekommen, weil er dauernd unterwegs war. Und nach Ariels Tod war alles kaputtgegangen. Erst die Ehe ihrer Eltern, dann ihre Mutter. Aber an einem hatte Miranda immer festgehalten: an der Loyalität zu ihrem Vater.
Jetzt brauchte er sie mehr denn je.
„Ich kann es nicht einfach hinnehmen“, sagte sie, bevor sie sich zu ihrem Computer drehte und zu schreiben begann. Fieberhaft. Statt Zahlen und Formeln tanzten Buchstaben über den Bildschirm. Zum Glück konnte die Tastatur keine Laute von sich geben, sonst hätte sie gestöhnt und gewimmert, so heftig hämmerte Miranda auf ihr herum.
Neugierig schaute Tilda über die Schulter. „Was machst du da?“
Miranda tippte weiter. „Ich schreibe Mike Marlowe, was ich von ihm und seinem arroganten Artikel halte“, erwiderte sie trotzig.
„Sagst du ihm, wessen Tochter du bist?“, fragte ihre Freundin.
Das würde ihrer E-Mail zwar mehr Gewicht verleihen, aber sie musste sachlich bleiben, auch wenn der Trottel es gar nicht verdiente.
Miranda strich sich den blonden Pony aus den blauen Augen, die dunkler wurden, wenn sie zornig war. „Nein. Nur dass er ein Idiot ist.“
Lachend kehrte Tilda ihrer Freundin wieder den Rücken zu. Sie wollte nicht indiskret sein. „Für den Hinweis ist er dir bestimmt dankbar.“
Mike Marlowe hatte mit Reaktionen der Leser gerechnet. Die kamen immer, wenn er etwas für die Times schrieb. Bei diesem Artikel war er allerdings sicher gewesen, dass jeder echte Baseball-Fan ihm nur zustimmen konnte.
Eigentlich war es traurig....




