Ferst / Gellermann / Knop | Geschichte, Kultur und Philosophie | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 472 Seiten

Ferst / Gellermann / Knop Geschichte, Kultur und Philosophie

Essays und Beiträge zu Ethik, Politik, Literatur, Ökologie und Psychologie
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7526-6514-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Essays und Beiträge zu Ethik, Politik, Literatur, Ökologie und Psychologie

E-Book, Deutsch, 472 Seiten

ISBN: 978-3-7526-6514-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Erfahren Sie mehr über die Pionierinnen der Archäologie. Deutsche Biographien in Persien belichten zwei andere Beiträge. Riskante Arbeitsbedingungen in Nicaragua mit gravierenden gesundheitlichen Auswirkungen stellt eine Autorin vor. Siegbert Dupke zeichnet geographische Blickwinkel, verknüpft mit historischen Daten. Eine innerchinesische Konfliktlage erklärt ein anderer Essay. Dass unsere Zivilisation in einen Hochrisikobereich abrutscht, weil sie die ökologische Tragekapazität bereits seit Jahrzehnten überschreitet, wird analysiert in den Konsequenzen. Psychologische und Philosophische Fragen nehmen zahlreiche Autoren und Autorinnen in den Blick. Hintergründe zu Aspekten des Meissener Porzellans arbeitet ein ehemaliger Leiter der Manufaktur heraus. Kirchliche Musik und Engel im biblischen Kontext werden thematisiert.

Hans (-Ulrich) Sonntag, geboren 1944 in Meißen, Studium der Kultur- und Kunstwissenschaften, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Albrechtsburg Meißen, Promotion an der Universität Leipzig, Leiter des Porzellanmuseums der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH von 1991 bis 2005. Er schrieb zahlreiche Bücher und Fachaufsätze über die Kultur- und Kunstgeschichte des Meissener Porzellans. Es erschienen von ihm mehrere Gedichtbände. Er gab drei Bücher 'Politische Witze in der Weimarer Republik' heraus. In diversen Anthologien sind Gedichte und Erzählungen von ihm veröffentlicht, so z.B. in den Bänden 'Die Ostroute' und 'Mit Rucksack, Floß und Wanderstab'.
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Evelyn Bernadette Mayr


Der hohe Preis des süßen Lebens


La tierra es un satélite de la luna

El apolo 2 costó más que el apolo 1

el apolo 1 costó bastante.

El apolo 3 costó más que el apolo 2

el apolo 2 costó más que el apolo 1

el apolo 1 costó bastante.

El apolo 4 costó más que el apolo 3

El apolo 3 costó más que el apolo 2

el apolo 2 costó más que el apolo 1

el apolo 1 costó bastante.

El apolo 8 costó un montón, pero no se sintió

porque los austronautas eran protestantes

y desde la luna leyeron la Biblia,

maravillando y alegrando a todos cristianos

y a la venida el Papa Paulo VI les dio la bendición.

El apolo 9costó más que todos juntos

Junto con el apolo 1 que costó bastante.

Los bisabuelos de la gente de Acahualinca tenía menos hambre

que los abuelos.

Los abuelos de la gente de Acahualinca tenía menos hambre

que los padres.

Los abuelos se murieron de hambre.

Los padres de la gente de Acahualinca tenían menos hambre

que los hijos de la gente allí.

Los padres se murieron de hambre.

La gente de Acahualinca tiene menos hambre que los hijos de la

gente allí.

Los hijos de la gente de Acahualinca no nacen por hambre,

y tienen hambre de nacer, para morirse de hambre.

Bienaventurados los pobres de ellos será la luna.1

Die Erde als Satellit des Mondes

Die Apollo 2 kostete mehr als die Apollo 1

die Apollo 1 war bereits ziemlich teuer.

Die Apollo 3 kostete mehr als die Apollo 2

die Apollo 2 war teurer als die Apollo 1

und die Apollo 1 war ziemlich kostspielig.

Die Apollo 4 kostete mehr als die Apollo 3

die Apollo 3 war teurer als die Apollo 2

für die Apollo 2 gaben sie mehr aus als für die Apollo 1

und die Apollo 1 war an sich schon ziemlich kostspielig.

Die Apollo 8 kostete eine ganze Menge,

doch niemand bedauerte das,

bei den Astronauten nämlich handelte es sich um Protestanten

und vom Mond herab lasen sie aus der Bibel,

und allen Christen, bewegt von freudigem Staunen und Bewunderung,

sprach Papst Paul VI. nach der Rückkehr vom Mond seinen Segen aus.

Mehr als alles zusammen verlangte die Apollo 9 ihren Preis,

teurer als einschließlich der Apollo 1,

die schon an sich ziemlich kostspielig war.

Die Urgroßeltern der Menschen aus Acahualinca2

hatten weniger Hunger als ihre Großeltern.

Die Großeltern der Menschen aus Acahualinca hatten weniger

Hunger als ihre Eltern.

Die Großeltern starben aus Mangel an Nahrung.

Die Eltern der Menschen aus Acahualinca hatten weniger

Hunger als die Kinder der Leute dort.

Die Eltern starben vor Hunger.

Die Menschen aus Acahualinca hatten weniger Hunger als

die Kinder der Leute von dort.

Die Kinder der Leute von Acahualinca

werden nicht geboren, aus Hunger.

Sie hungern und dürsten danach geboren zu werden

um an Hunger zu sterben.

Selig die Armen, denn ihrer ist der Mond.3

Das eine war das Sterben an der Zivilisation – welch namhafter Begriff, sprach man doch von „Zivilisationskrankheiten“. Das andere waren die Armut, der Hunger, das In-Kauf-Nehmen von Arbeitsbedingungen, um der Familie ein Auskommen, ein Überleben und manchmal sogar ein Leben zu sichern. Das eine war die süße Sucht in den sogenannten zivilisierten Ländern, der Zucker, der sich in so vielen Produkten unter unzähligen Namen im Übermaß des Überflusses verbarg. Das andere waren die jungen und ein wenig älter gewordenen Männer auf den Zuckerrohrplantagen Nicaraguas, die ihr Leben dafür ließen. Das eine waren die hohen Fallzahlen von Diabetes I und II hierzulande – vor den hohen Risiken schützte vielleicht zunächst ein Maß an Bildung, dann ein Gesundheitssystem, das die Verletzlichkeit des Menschseins mitunter achtsam hegte wie ein rohes Ei. Das andere war eine Gesundheitsversorgung, die zwar mit der nicaraguanischen Revolution einen hehren Aufschwung erfahren hatte, aber doch für viele nicht erschwinglich war, besonders nicht bei langwierigen Krankheiten wie CKDnT (Chronical Kidney Disease of non-Traditional Causes). Das eine war die Möglichkeit eines kontinuierlichen Glukosemonitorings, eines Sensors im Unterhautgewebe, der laufend Blutzuckerwerte kontrollierte. Das andere war die Dialyse in den letzten Jahren eines meist jungen Lebens, eine Behandlung, für die es selbst aufzukommen galt, und die Familien erst recht tiefer in die Armut führten.

In Nicaragua verstarben Männer, die nicht einmal die Hälfte ihrer Lebenserwartung erreichten, die in dem mittelamerikanischen Land immerhin bei 75 Jahren liegt. Chronische Niereninsuffizienz aufgrund unbestimmter Ursachen wurde ausgelöst – wie man vermutet – durch toxische Substanzen in den Spritzmitteln, durch Dehydrierung bei den 12-16-Stunden-Schichten des Zuckerrohrhackens auf weiten Feldern. Auch der Hitzestress, forciert noch durch den Klimawandel, nichtsteroidale entzündungshemmende Mittel und Infektionskrankheiten galten als Risikofaktoren, die mit der Zeit zu CKDnT beitragen können4. Meist trifft es Menschen der unteren Schichten der Gesellschaft, in wenig entwickelten, ruralen Gebieten. Manche von ihnen sterben in zweiter oder dritter Generation an der Krankheit. Manche von ihnen wählen nach der Diagnose den Freitod.

Generell muss man sagen, dass der Einsatz für Würde und Freiheit des Menschen und den Schutz der Natur manchmal ein ähnlich kurzes Leben nach sich zog, wie das derer, die man zu schützen trachtete. Erfahrungsgemäß kommen aber Menschen, die wesentliche Veränderungen anregen und dabei am Leben bleiben, gerne von außen. Von einem solchen Menschen, besser von seiner Initiative, handelt der nachfolgende Essay5:

An den Sollbruchstellen der Stadt sei er aufgewachsen, , manche Menschen prägt eben die Umwelt mehr als andere. Ein feines Sensorium, das war nicht vorhersehbar, dass er im wohlständigen Westen sein Glück nicht fand und sich aufrieb an den Widersprüchen der Zeit. Zart und gläsern wirkte er, hochgewachsen war er und groß. Sein Rücken leicht gekrümmt, mehr aus Höflichkeit, um sich zu anderen hinunter zu beugen. Seine Haut wirkte durchsichtig und seine Erscheinung wie aus einer anderen Epoche. Und trotzdem war er genau richtig hier.

Diese Linie zwischen den Wohlständigen und den Randständigen, die Grenzen von Klassen, von Farben der Haut – auf der einen Seite wir, die Wohlhabenden, Weißen, auf der anderen Seite die anderen, die Marginalisierten, sagte er. Ein übersensibles Kind aus Detroit, das nicht verstand, dass es diese Grenze im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gab. Rational sei es nicht zu argumentieren. Wie sollte man so etwas je einem Kind verständlich machen? Strukturen seien es, historisch gewachsen, die man durchbrechen und seit jeher überwinden könne. Mit Kunst, mit Literatur, dem Film, mit Journalismus, der Wissenschaft. Der täglichen Arbeit, dem sozialen Engagement: fruchtbare Sollbruchstellen eben. Auch zwischen den Menschen.

Kameramann sei für den jungen Jason Glaser der coolste Job der Welt gewesen. Aber dann kam die überbordende Langeweile auf den New Yorker Sets, die ihn unruhig werden ließ. Überbezahlt die Arbeit und mit Licht geflutete Eintönigkeit, die manchmal aus nichts weiter bestand, als Scheinwerfer am Filmset richtig zu positionieren. Verwöhnt vom Wohlstand – der ausschweifende, ausufernde Lebenswandel rächte sich, das soziale Gewissen kam und holte ihn ein. Im College habe er nicht aufhören können, sich mit diesen Dingen zu beschäftigen. Film und Fotografie waren seine Leidenschaften, an der Filmhochschule war er erfolgreich. Keiner seiner Generation versenke sich noch in der Dunkelkammer, lachte er. Das mache er heute wieder, aber auf andere Art, outdoor, bevorzugt in wenig beleuchteten Winkeln der Welt. CKDnT sei in Mittelamerika am besten erforscht. Das sei auch seiner Organisation zu verdanken, dem Team, dem Netzwerk. Nach seinem Studium hatte er für HBO, MTV und NBC gearbeitet. Die Filmindustrie und New York – das hatte Spaß gemacht. Er sei damals egoistischer gewesen als heute. Was hatten und mit ihm zu tun? Mit seiner Persönlichkeit, mit dem, was er, Jason, wirklich war, worüber er sprechen wollte? Wir haben niemandem weh getan mit dem, was wir taten. Aber die größte Untat war die Untätigkeit, das ist sie zu jeder Zeit. Unrecht geschehen zu lassen, zuzusehen und zuzulassen. Nach einer tiefen Krise im Alter von 28 Jahren habe ihn das Leben begonnen einzuholen, ihn zu entheben, was dem Schatten zu entheben war, er begann sein Leben zu drehen, zu betrachten, zu wenden und neu zu begehen. Er entwickelte sich zum...



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