Finch | Nacht der Hunde | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 512 Seiten

Reihe: Lucy-Clayburn-Reihe

Finch Nacht der Hunde

Thriller
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-492-99575-7
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller

E-Book, Deutsch, Band 3, 512 Seiten

Reihe: Lucy-Clayburn-Reihe

ISBN: 978-3-492-99575-7
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine Razzia bei illegalen Hundekämpfen wird für Lucy Clayburn fast zum Erfolg, wäre da nicht ein Unbekannter, dem die Flucht in einem schwarzen Van gelingt. Während Lucy weiter ermittelt, landet eine Vermisstenmeldung auf ihrem Schreibtisch. Und es ist nicht die erste. Unbescholtene Bürgerinnen und Bürger sind von einem Tag auf den anderen wie vom Erdboden verschluckt, man findet keine Leichen. Bei den Ermittlungen muss Lucy sich nicht nur mit ihrem Vater und seinem mächtigen Syndikat auseinandersetzen, der schwarze Van scheint sie zudem zu verfolgen. Hängen die Fälle etwa zusammen? Doch wie findet man Vermisste, wenn es keine Spuren gibt?

Paul Finch hat als Polizist und Journalist gearbeitet, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Neben zahlreichen Drehbüchern und Kurzgeschichten veröffentlichte er auch Horrorromane und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem British Fantasy Award und dem International Horror Guild Award. Er veröffentlichte bereits mehrere sehr erfolgreiche Thriller um den Ermittler Mark »Heck« Heckenburg. Seine neue Serie, in der Lucy Clayburn ermittelt, eroberte England im Sturm. Paul Finch lebt mit seiner Familie in Lancashire, England.
Finch Nacht der Hunde jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Prolog


Hollinbrook in Crowley war eine absolut typische Vorortsiedlung.

Nicht wohlhabend, aber die Gärten waren gepflegt, die Rasenflächen sauber, wenn nicht gar übertrieben penibel gemäht. Die Autos auf den Zufahrten waren überwiegend Familienkutschen. Einige waren schon ein wenig ramponiert, und alle vermittelten den Eindruck, dass ihre Eigentümer nicht gerade reich waren, sondern eher mittlere Einkommen bezogen. Doch auch wenn Hollinbrook keine wohlhabende Siedlung war, vermittelte sie durchaus ein gewisses Gefühl von Sicherheit. Sie gehörte zwar zum ausgedehnten Ballungsraum Greater Manchester, aber die Gegend war friedlich und ruhig, eher beschaulich. Die Kinder spielten hier unbeaufsichtigt, und Rentner wie Harry Hopkins führten ihren Hund zu einem spätabendlichen Gassigang aus, ohne befürchten zu müssen, dass ihnen womöglich etwas Schlimmes zustieß.

Nicht, dass Harry sich normalerweise um so etwas Gedanken machte. Als ehemaliger Grubenarbeiter war er in seinen jungen Jahren ein kräftiger Kerl gewesen, und auch wenn er inzwischen siebenundsiebzig war, wirkte er immer noch ziemlich robust und wie jemand, mit dem nicht zu spaßen war. Zu seiner Zeit hatte das Wort »schuften« noch etwas bedeutet: Schweiß, Muskelkater, Schnitte und Schwielen an den Händen und einen von Kohlenstaub schwarz umhüllten Körper. Und nichts von alledem war Anlass zur Klage gewesen, denn das war dein Job gewesen, dein Leben, das, was du gemacht hattest, um etwas zu essen auf den Tisch zu bringen.

Inzwischen war ein Vierteljahrhundert vergangen, seitdem die Grube Hollinbrook geschlossen worden war, aber Harry war nicht das einzige Relikt aus diesen schweißtreibenden Tagen. Er wohnte immer noch an der Atkinson Row Nummer 8, der einzigen Reihe von Häusern, die Ende der 1990er-Jahre nicht plattgemacht worden war, als schließlich mit der Neubebauung des Brachlands begonnen worden war. Dass die Häuser an der Atkinson Row die Bulldozer überlebt hatten, lag unter anderem daran, dass sie in dem geplanten neuen Stadtbild keinesfalls fehl am Platz gewirkt hatten. Die Häuser waren mehr als zweckdienlich. Es handelte sich um die typischen kleinen Reihenhäuser mit zwei Zimmern unten und zwei oben, doch sie verfügten über solide Dächer, sichere Fundamente, und es gab keinen Hinweis auf etwaige durch den Bergbau verursachte Bodenabsenkungen. Dieser Tage waren die Häuser geradezu ansehnlich. Das Mauerwerk war neu verfugt und frisch gestrichen, die Abflussrohre und die Regenrinnen waren ebenfalls neu, und hinter jedem Haus gab es einen kleinen Garten statt wie früher einen winzigen Hof mit Außentoilette. In der Siedlung hießen sie immer noch die »Grubenhäuser«, obwohl Harry der einzige ehemalige Grubenarbeiter war, der noch dort wohnte. Seitdem Ada vor neun Jahren gestorben war, lebte er allein, doch mit den Blumenkästen unter den vorderen Fenstern und der kanariengelb lackierten Haustür war sein Haus von allen das ansprechendste.

Um kurz nach zehn abends zog Harry die hübsche Tür seines Hauses hinter sich zu und hörte, wie das Schloss einrastete. Milly, seine kleine Pekinesin, wartete geduldig. Sie war inzwischen dreizehn Jahre alt, wohlgenährt, hatte graues Fell an den Wangen und krumme Beinchen. Aber sie war ein liebevolles kleines Wesen und liebte nichts mehr als einen gemächlichen Spaziergang mit ihrem Herrchen. Harry knöpfte seinen Mantel zu, zog seinen Filzhut tiefer in die Stirn und streifte seine fingerlosen Handschuhe über. Es war September, und die glühende Augusthitze hatte merklich nachgelassen. Die Abende waren kühl, dazu blies auch noch eine frische Brise.

Die beiden setzten sich in Bewegung und trotteten die Straße entlang, wobei Milly trotz der barschen Ermahnungen ihres Herrchens an der Verankerung jeder einzelnen Straßenlaterne schnupperte und das Wasser aus den vereinzelten Pfützen schleckte, Hinterlassenschaften des nachmittäglichen Regenschauers. Am Ende der Straße bogen sie rechts ab und folgten ihrer üblichen Route.

Es war zwar noch nicht sehr spät, aber mitten in der Woche, weshalb alle Straßen, an denen sie entlanggingen, weitgehend verwaist waren: Candlemaker Avenue, Rotherwood Drive, Hornby Crescent, Billington Grove. Die Namen klangen regelrecht vorortmäßig und sahen auf jeden Fall so aus. Weitere gepflegte Vorgärten, Steingärten, Sträucher. Ganz anders als die engen, von Reihenhäusern gesäumten Straßen aus Harrys frühen Tagen. Doch er musste zugeben, dass die Dinge sich insgesamt eher zum Besseren geändert hatten. Es war einfach, mit feuchten Augen der Vergangenheit hinterherzuhängen, insbesondere dann, wenn man sie nicht erlebt hatte.

Hinter den meisten Fenstern waren die Vorhänge zugezogen, nur schwaches Lampenlicht fiel durch sie hindurch, doch hin und wieder kam er an einem geöffneten Fenster vorbei und hörte Musik oder etwas, das klang wie ein laufender Fernseher. Das war etwas, das sich Harrys Meinung nach nicht zum Besseren geändert hatte. All diese Geräte, die die Kinder in ihren Zimmern stehen hatten und sie zu Stubenhockern machten. Dabei sollten sie eigentlich draußen sein und herumtoben. Wobei er zu dieser späten Stunde natürlich keine herumtobenden Kinder zu sehen erwartet hätte.

Erst recht nicht angesichts dessen, dass da noch diese andere Sache war, die vermutlich dafür sorgte, dass sie lieber zu Hause blieben.

Der schwarze Transporter.

Instinktiv umfasste Harry die Hundeleine fester und zog Milly näher zu sich heran. Der alten Dame machte das nichts aus. Sie tollte auf ihre alten Tage ohnehin nicht mehr so herum wie früher.

Aber der schwarze Transporter.

Harry wusste nicht, ob es sich dabei um eine dieser sogenannten Großstadtlegenden handelte. Aber was auch immer dahintersteckte – er hatte erst vor Kurzem davon gehört, und zwar beim Buchmacher, vor zwei Wochen.

»Wenn du Milly ausführst, halt immer nach diesem schwarzen Ford Transit Ausschau. Er kurvt spätabends durch die Wohnsiedlungen. Keine Ahnung, was die Leute, die ihn fahren, im Schilde führen, aber du kannst davon ausgehen, dass es nichts Gutes ist.«

»Wenn du keine Ahnung hast, was sie im Schilde führen – woher weißt du dann, dass es nichts Gutes ist?«, hatte Harry verwirrt entgegnet.

Ein hilfloses Achselzucken. »Ich weiß es nicht, Harry. Die Leute sagen es.«

»Ach so. Dann muss es natürlich stimmen.«

Doch jetzt, da Harry nach zehn Uhr abends alleine auf den Straßen unterwegs war, musste er sich eingestehen, dass er die Sache nicht mehr so herablassend abtun konnte. Er war sicher, dass diese Geschichte mit dem schwarzen Transporter eine Legende war. Mein Gott, überall fuhren schwarze Transporter herum. Doch auch wenn einige Gegenden von Crowley, unter anderem die, durch die er gerade ging, im Laufe der vergangenen Jahre aufgehübscht worden waren, konnte er nicht bestreiten, dass das Leben insgesamt nicht mehr so beschaulich war wie einst. Nicht einmal im Einkaufsviertel, wo man überall Obdachlose sah. Das war natürlich traurig, aber es war auch ein Ärgernis. Die einen waren Psychos, die anderen drogensüchtig, und nahezu alle bettelten. So etwas hatte es während seiner Jugend nicht gegeben, obwohl damals alle viel ärmer gewesen waren als heute.

Auch dieses hohe Level an Kriminalität hatte es nicht gegeben. Harry hatte sich immer für einen hart gesottenen Burschen gehalten, aber an einem Freitag- oder Samstagabend würde er sich nicht mehr in die Nähe der Pubs im Stadtzentrum begeben, nicht mehr dieser Tage. Da zog er The Horseshoe am oberen Ende der Siedlung vor, selbst wenn der Laden in dem Ruf stand, eine Rentnerkneipe zu sein. Das war Harry egal. Alles war besser, als eine Flasche über den Kopf gezogen zu bekommen, weil man jemanden falsch angeguckt hatte, und wenn man dann am Boden lag, auch noch mit Tritten ins Gesicht traktiert zu werden. Und so ging es nicht nur im Stadtzentrum zu. In Crowley gab es jede Menge Wohnviertel, die genauso übel waren. Heruntergekommene Siedlungen wie Hatchwood Green zum Beispiel. In diesen Elendsvierteln war fast jeder arbeitslos, was für die Betroffenen natürlich nicht erfreulich war, aber Harrys Meinung nach auch nicht als Entschuldigung dafür herhalten konnte, dass Männer ihre Frauen schlugen oder auf den Eingangsstufen der Häuser Betrunkene herumsaßen und die Sandkästen auf den Spielplätzen mit weggeworfenen Kondomen und Spritzen übersät waren.

Harry wusste, dass all dies passierte, weil er Männer und Frauen in seinem Alter kannte, die das Pech hatten, in solchen Siedlungen zu wohnen, und sie ihm all das jedes Mal erzählten, wenn sie sich trafen. Aber selbst die Hollinbrook-Siedlung war nicht so sicher, wie sie vielleicht erscheinen mochte. Nicht mehr. Früher war sie einmal idyllisch gewesen, doch langsam und zunächst beinahe unmerklich hatten sich die Dinge geändert, als die Bösewichte auf die Siedlung aufmerksam geworden waren. Inzwischen gab es auch in Hollinbrook Einbrüche, und hin und wieder wurde ein Auto gestohlen. Es wurden Herumtreiber gesichtet, und angeblich waren sogar einige Haustiere verschwunden.

Während er über all das nachsann, hörte er auf einmal etwas, dass so klang wie das Stapfen von Lederstiefeln.

Er sah sich um und erhaschte den Blick auf jemanden, der im nächsten Augenblick aus seinem Sichtfeld verschwand.

Direkt vor ihm, auf der anderen Straßenseite.

Harry verlangsamte seinen Schritt.

Er blieb beinahe stehen, doch dann ging er zügig weiter und grummelte vor sich hin.

Wahrscheinlich hatten seine beunruhigenden Gedanken dafür gesorgt, dass seine Fantasie mit ihm durchgegangen war. Doch als er sich der Kreuzung Billington Grove/Bucks Lane näherte, hatte er tatsächlich den Eindruck, als ob dort gerade jemand um die Ecke zu...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.