Findig | Perry Rhodan 2016: Die Einsamen der Zeit | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 2016, 64 Seiten

Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage

Findig Perry Rhodan 2016: Die Einsamen der Zeit

Perry Rhodan-Zyklus "Die Solare Residenz"
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8453-2015-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Perry Rhodan-Zyklus "Die Solare Residenz"

E-Book, Deutsch, Band 2016, 64 Seiten

Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage

ISBN: 978-3-8453-2015-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die SOL funkt SOS - 18 Millionen Jahre in der Vergangenheit Wohl kaum ein Raumschiff ist mit derart viel Mythen verbunden wie die SOL. Mit ihr startete Perry Rhodan von der Erde im Mahlstrom der Sterne, um über vierzig Jahre hinweg die Rückkehr in die heimatliche Milchstraße zu finden. Mit ihr irrte Atlan durch das Universum. Als 'Fliegender Holländer' der terranischen Raumfahrt geisterte das hantelförmige Raumschiff durch die Geschichte der Menschheit. Zuletzt hatte Shabazza das Raumschiff in seiner Gewalt. In der Kosmischen Fabrik MATERIA wurde die SOL umgestaltet, vergrößert und mit einer Carithülle umgeben. Auf dem Planeten Century I in der Galaxis DaGlausch konnte Perry Rhodan sein uraltes Raumschiff zurückerobern, um es erneut in den Dienst der Menschheit zu stellen. Doch jetzt ist die SOL so weit von dieser Menschheit entfernt wie noch nie zuvor in ihrer Geschichte. Sie wurde 18 Millionen Jahre in die Vergangenheit geschleudert. Dort, in der gigantischen Kugelgalaxis Segafrendo, soll ihre Besatzung einen mehr als seltsamen Auftrag der Superintelligenz ES erfüllen. Gelingt dies nicht, so lautet die Prophezeiung, droht das Ende der Menschheit. Die Besatzungsmitglieder der SOL sind in fernen Zeiten gestrandet. Sie sind DIE EINSAMEN DER ZEIT...

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1.


Atlan: Das Kuckucksei

Aus!, signalisierte der Extrasinn. Der Fuchs ist umstellt, und die Hunde heulen.

»Narr!«, sagte ich laut und ignorierte den prüfenden Seitenblick Ronald Tekeners.

Meine Augen begannen zu tränen. Meine Blicke huschten über die holographischen Statusanzeigen, irrten zu Roman Muel-Chen unter seiner SERT-Haube, wanderten zum Feuerleitstand, zur Orterzentrale und fraßen sich in den Außenholos der Rundumgalerie fest, als ob sie einen Fluchtkorridor durch die Mundänenschiffe bohren könnten.

Der Fuchs sollte aufhören zu rennen. Er sollte sich verstecken.

Diesmal fand ich die Bemerkung meines Extrasinns durchaus vernünftig. Halblicht konnten wir nicht mehr erreichen, dafür waren die Mundänenschiffe zu nahe und zu zahlreich in der Flugbahn der SOL materialisiert. Hunderte von ihnen. Dann Tausende.

Es war innerhalb von Sekunden passiert.

Wir hatten kaum Fahrt aufgenommen, mit einem Kursvektor, der uns schräg über das aus Zehntausenden Raumschiffswracks bestehende Trümmerfeld im Torm-Karaend-System führen sollte, als sie in den Orterholos aufgetaucht waren: klobige Zackenzylinder mit einer rissig-rauen, tiefschwarzen Außenhülle.

Es war ein abgründiges Schwarz, nicht das unverfälschte Schwarz des Weltalls, dessen Sterne die Zylinderschiffe verdunkelten. Dieses Schwarz wirkte auf eine bedrohliche Art aktiv. Es war das Schwarz von Lavaklumpen, die das zähflüssige Feuer planetarer Magmamäntel in sich trugen. Oder das düstere Schwarz riesiger, augenloser Tiefseeungetüme, wie ich sie vor Jahrtausenden auf dem Grund des irdischen Atlantik kennengelernt hatte.

Allerdings waren die lichtscheuen Gigant-Geschöpfe der Tiefsee nicht annähernd so hässlich gewesen.

Die mundänischen Kriegszylinder strahlten jene geometrisch exakte Hässlichkeit aus, die ein unweigerliches Nebenprodukt einer auf bloße Zweckmäßigkeit ausgerichteten Konstruktionsweise ist.

Und über Strahlengeschütze hatten die maritimen Monster meiner Vergangenheit auch nicht verfügt …

»Die Mundänen verlangen eine Antwort!«, drängte Viena Zakata, der Leiter der Abteilung Funk und Ortung, der wegen seiner vorspringenden Zähne meist »Pferdegesicht« genannt wurde. »Sofortige Kapitulation oder Vernichtung der SOL. Das Ultimatum wird über Hyperfunk alle 23 Sekunden wiederholt.«

»Das sieht ihnen gar nicht ähnlich«, überlegte ich laut. »Vor Hesp Graken haben sie uns ohne Vorwarnung unter Dauerfeuer genommen. Sie wollten uns definitiv vernichten.«

»Möglicherweise neue Befehle«, mutmaßte Ronald Tekener und setzte jenes berüchtigte undurchschaubare Lächeln auf, das ihm den Beinamen »Smiler« eingetragen hatte und seinem von Lashat-Narben entstellten Gesicht einen dämonischen Zug verlieh. »Der mundänische Heerführer Cugarittmo hat etwas von einem S-Zentranten KOMOKO erwähnt. Das scheint eine Art Basisschiff zu sein. Gut möglich, dass das Oberkommando der Janusköpfe inzwischen neue Pläne mit uns hat.«

»Aber weshalb?«, fragte ich.

Das Carit, Narrenprinz!, meldete sich im selben Moment mein vorlauter Logiksektor. Die SOL ist nicht nur goldfarben, sie ist wahrscheinlich mit allem Gold dieser Galaxis nicht aufzuwiegen.

»Ich sehe, du hast begriffen«, sagte der Smiler, der meine Miene richtig gedeutet hatte. »Oder war's dein Lästersektor? Also ich würde wer weiß was anstellen, um ein Material in die Hände zu bekommen, das dem konzentrierten Punktbeschuss Tausender Schiffsgeschütze und den geballten Ladungen dieser … dieser Hyperkatapulte standhält.«

»Mun-Katapulte«, korrigierte ich automatisch und spielte, den Blick auf die Außenholos gerichtet, fieberhaft unsere Optionen durch.

Es stimmte. Wir waren bei unserem zweiten Austritt aus der Stromschnelle – oder dem »Feuer von Hesp Graken«, wie die Mundänen den 1099 Lichtjahre entfernten Hyperdim-Tunnel in die NACHT nannten – nur durch die Carit-Ummantelung der SOL unserer sicheren Vernichtung entgangen. Das goldglänzende Material aus den Arsenalen der Kosmischen Fabrik MATERIA hatte selbst dann noch standgehalten, als unsere Paratron- und HÜ-Schirme unter dem Salvengewitter der mundänischen Wachflotte bereits zusammengebrochen waren.

Wie es aussah, hatten wir es tatsächlich dem mit winzigen Mengen des Ultimaten Stoffes angereicherten Carit zu verdanken, dass wir Halblicht erreicht hatten und in den Hypertaktflug entkommen waren.

Nach allem, was wir wussten, war diese »Pulsatorschwelle« von 50 Prozent Lichtgeschwindigkeit für den Eintritt in den Hypertakt unumstößlich.

Aber was wissen wir schon wirklich über Shabazzas Umbauten in der SOL?, meldete sich mein Extrasinn. Denk nur an die psionische Aufladung beim Transfer durch den Mega-Dom.

Ich schob den mentalen Einwand meiner »besseren Hälfte« beiseite. Im Augenblick hielt ich ihn für wenig relevant.

Jedenfalls konnte eine – scheinbar! – so überlegene Materialtechnik, wie sie die Carithülle eindrucksvoll demonstriert hatte, für die Mundänen durchaus ein Grund gewesen sein, ihre Taktik zu ändern.

Die schwarzen Zylinderschiffe zogen ihre tief gestaffelte Kesselschale um die beinahe antriebslos auf das ausgedehnte Feld der Raumschiffswracks zutreibende SOL zwar laufend enger, hatten aber noch immer nicht das Feuer eröffnet.

Laut SENECA zählte die mundänische Feindflotte exakt 7509 Schiffe – hauptsächlich schwerstbewaffnete Kriegsleichter mit einem Durchmesser von 200 und einer Höhe von 120 Metern sowie die gewaltigen Kriegstürme, die es bei einer Höhe von 1800 Metern auf einen Durchmesser von drei Kilometern brachten. Ein größerer Durchmesser also, als ihn die beiden kugelförmigen SOL-Zellen erreichten, die immerhin auf den größten je von Terranern in Serie gefertigten Schiffsriesen basierten, den Trägerschlachtschiffen der GALAXIS-Klasse.

Und da draußen standen Hunderte dieser schrundigen schwarzen Riesenraumer mit den je sechzehn wie Sägeblattzähne herausragenden Triebwerkszacken auf ihren oberen und unteren Zylinderflächen.

Und sie warteten auf eine Antwort. Auf die bedingungslose Kapitulation der SOL.

Nach SENECAS vorläufiger Auswertung ihrer energetischen Signaturen waren es nicht nur die gleichen Schiffe, mit denen wir es vor Hesp Graken zu tun gehabt hatten, sondern dieselben. Die minimalen Schwankungsbreiten und charakteristischen »Ausreißer« der Energieemissionen eines Raumschiffs waren für die Nahortung der SOL so unverkennbar wie Hirnwellenmuster oder Zellmembranschwingungen für einen Individualtaster. Offenbar hatte das mundänische Oberkommando seine Wachflotte vor Hesp Graken, der wir so knapp entkommen waren, der SOL hinterhergeschickt.

Wir hatten uns zu lange im Orbit von Pragaend, der Hauptwelt des Torm-Karaend-Systems, aufgehalten – auf der Suche nach Hinweisen auf einen ominösen Ort namens Auroch-Maxo-55 und ein noch viel ominöseres Ding namens Kym-Jorier.

Wir saßen in der Falle. Und die Schlinge zog sich immer enger zu.

Wir konnten das System der blassgelben Sonne Torm nicht mehr verlassen. Im Rücken und an den Flanken lauerten die mundänischen Kriegszylinder, die jederzeit bereit waren, auf Rammkurs zu gehen, und »bugwärts« erstreckte sich ein chaotisches Trümmerfeld aus Zehntausenden Raumschiffswracks, das uns unmöglich genügend Spielraum für eine Beschleunigung auf Halblicht bot.

»Verschärfung des Ultimatums«, meldete Viena Zakata und fuhr sich nervös durch die langen, ungepflegten Haare. »Beschuss der SOL steht unmittelbar bevor!«

Manchmal sieht der Fuchs den Wald vor lauter Bäumen nicht, sinnierte mein Extrasinn und schickte mir eine mentale »Nahaufnahme« des Trümmerfelds, in dessen Ausläufer die SOL bereits eingedrungen war. Nicht genug damit, dass mein Extrasinn einen abscheulichen Hang zum Sarkasmus hatte, ab und zu fand er auch noch Gefallen daran, sich in kryptischen Andeutungen zu ergehen.

Ich wusste, was wir vor uns hatten.

Der unüberschaubare Schiffsfriedhof, in dessen Randzonen wir hineinsteuerten, war das traurige Vermächtnis einer gigantischen Raumschlacht, die vor 22 Jahren – oder 251 Segaf – im Torm-Karaend-System stattgefunden hatte. Wie wir von Cart Mantoroka, dem serimischen Regierungschef von Pragaend, wussten, hatte die Schlacht mit einer vernichtenden Niederlage der Flotten der Galaktischen Krone gegen eine mundänische Übermacht geendet.

Die einst stolzen Blüten-, Blatt- und Doppelkelchschiffe trieben nun seit über einer Serimer-Generation als Totenschiffe durch die Kälte des Alls und wurden von der Bevölkerung der drei bewohnten Torm-Welten als makabre Rohstoffquellen genutzt.

Ein Fuchs im Wald sieht mehr als tausend Hunde …

Halt's Maul!

Ein Verwundeter zwischen Toten rettet vielleicht sein Leben …

Ich sagte: Halt's …

»Was soll ich den Mundänen antworten?«, unterbrach Viena Zakata meinen lautlosen Schlagabtausch mit dem Extrasinn, und im selben Moment teilte Oberstleutnant Don Kerk'radian, Leiter der Abteilung Schiffsverteidigung, mit, dass die ersten Strahlensalven in die hochgefahrenen Paratrons der SOL einschlugen.

»Impuls- und Desintegratorbeschuss«, meldete der blonde Hüne mit den hellblauen Augen und dem marinefarbenen Sweater, der die Aufschrift »TERRA – NATION ALASHAN« trug. Seit er bei der Verteidigung Alashans gegen die Dscherroburg TUROFECS seinen Zwillingsbruder verloren...



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