E-Book, Deutsch, Band 2055, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Findig Perry Rhodan 2055: 13 gegen Arkon
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8453-2054-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Die Solare Residenz"
E-Book, Deutsch, Band 2055, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-2054-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der Imperator läßt sich feiern - die USO plant den Gegenschlag Zu Beginn des Jahres 1304 Neuer Galaktischer Zeitrechnung, das dem Jahr 4890 alter Zeit entspricht, hat sich die Situation in der Milchstraße entscheidend verändert. Diese aktuelle Situation ist Resultat einer Entwicklung, die damit begann, daß sich die Liga Freier Terraner der Koalition Thoregon angeschlossen hat, einem Zusammenschluß friedliebender Völker aus sechs Galaxien. Das Kristallimperium der Arkoniden unter dem machtgierigen Imperator Bostich I. hat sich in den letzten Tagen des Jahres 1303 NGZ verändert: Unter der Bezeichnung Göttliches Imperium versucht es nun, seine Macht über die Milchstraße auszudehnen. Es ist absehbar, daß Arkon bald seine Hand nach der Erde ausstrecken wird. Perry Rhodan versucht seit langem, einen umfassenden galaktischen Krieg zu vermeiden. Jetzt aber sieht er sich einer weitaus größeren Bedrohung als bisher ausgesetzt. Aus den Bewußtseinen von 35.000 terranischen Monochrom-Mutanten und dem mit dem Anzug der Phantome ausgerüsteten Wrehemo Seelenquell entstand auf Arkon eine neue Wesenheit: die Superintelligenz SEELENQUELL. Ein erster Versuch Perry Rhodans, dem Vorgehen SEELENQUELLS Einhalt zu gebieten, findet im Kreit-System statt: ein kombinierter Einsatz in der Unterwelt von Ertrus. Die eigentlichen Helden auf dem Schwerkraftplaneten sind 13 GEGEN ARKON...
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2.
Baretus nach dem Fall
Kreit ging nicht auf, Kreit rollte heran.
Nach einer kurzen und kalten Ertrus-Nacht von etwas mehr als fünf Stunden terranischer Standardzeit – oder dreieinhalb Tontas der arkonidischen Besatzer – schob sich ihr Glutball in einer Strahlenlawine aus Rot und Malve über den östlichen Horizont. Das Sonnenlicht, vielfach gebrochen in der dichten Atmosphäre, umbrandete die bizarre Skyline hoch aufragender Wolkentürme und ergoss sich über die glitzernden Sanddünen der Gelben Wüste, die wie ein zu Gold und Schwefel erstarrtes Meer bis dicht an die Ausläufer des Großraums Baretus heranreichte.
Im Westen, über dem düsteren, von rotglühenden Lavaadern durchzogenen Vulkanland des Mattun Gor, stand Jopprott, der Werftplanet, als schnell verblassender Stern am Himmel und wurde für einen kurzen Moment von der Silhouette eines hochfliegenden Ti'Rakka Marix verschluckt.
Unsere Luftwaffe, dachte Eutrom Facrelli und lachte lustlos auf. Die einzige, die wir noch haben.
Das geflügelte Ertrus-Nashorn – eigentlich ein exotischer Saurier, dessen Körper aus einem einzigen, vielfach verfalteten Fleisch- und Knochensegel bestand – schraubte sich höher in die bleichrote Luft, bis es durch nichts mehr von den Aschewolken zu unterscheiden war, die aus den Schloten der gewaltigen Schildvulkane bis hoch in die Stratosphäre geschleudert wurden.
Die junge Extremwelt Ertrus befand sich in Aufruhr – und der Aufruhr schien sogar die scheuen Ti'Rakka Marix erfasst zu haben. Früher, vor der arkonidischen Okkupation, waren die bis zu zehn Meter langen, drei Meter hohen und mit ausgeklappten Flügeln mindestens 20 Meter breiten Ungetüme nur selten zu sehen gewesen, und während der Dunklen Jahrhunderte unter Monos, dem auf ewig verfluchten Teufel in Terras Hallen, hatten sie sogar den Status von Fabeltieren gehabt.
»Flieg, Rakka, flieg!«, sang Eutrom Facrelli aus voller Kehle gegen den aus Südwest heranpfeifenden Morgen-Mistral – was bedeutete, dass ein tiefes Grollen das poröse Gestein seiner Aussichtshöhle in einer Steilwand des Buckligen Reiters erzittern ließ.
Princess, die eineinhalb Meter lange Riesenspitzmaus, die Eutrom auf unbestimmte Zeit in Pflege genommen hatte, machte einen erschrockenen Satz nach hinten. Eutrom hatte das noch nicht ganz ausgewachsene, mutterlose Herdentier der Spezies Sorex maximus ertrusis auf abenteuerlichen Umwegen von Eden Arukitch übernommen.
Der einsame Reporter und Gründer des Untergrundsenders »Radio Freies Ertrus« hatte Princess als neue Begleiterin auserwählt, nachdem ein Naat-Soldat seine bisherige Gefährtin, die Riesenspitzmaus Baroness, erschossen hatte. Aber Arukitch hatte sich nicht lange an Princess' Gesellschaft erfreuen können, denn schon bald hatten ihn die Arkoniden verhaftet. Vor kurzem, am 30. Dezember 1303 NGZ, war er nur knapp dem Vibratorschwert eines naatschen Henkers entgangen.
Die schwanzlose Riesenspitzmaus mit dem graublauen Fell und der torpedoförmigen Schnauze war eine Versprengte des Krieges. Ebenso wie Eutrom selbst. Versprengte waren auch alle anderen in der Rebellengruppe von Rubin Karek. Eutrom hatte sich Rubin aus Gründen angeschlossen, die nicht ausschließlich mit seinem Wunsch zu tun hatten, den Besatzern, die höchstwahrscheinlich seine ganze Familie ermordet hatten, zu schaden, wo er nur konnte.
»Ruhig, Princess, ganz ruhig!«, sagte Eutrom und justierte die vor seinem Kopf schwebende Holokamera per Blickschaltung um. Das Hightech-Gerät aus swoonscher Fertigung, das er ebenfalls von Mitarbeitern des ertrusischen Piratensenders erhalten hatte, zoomte auf Baretus zurück. Princess, die einen intensiven Geruch nach verfaultem Laubmoos verströmte, knuffte ihn zärtlich in den Oberschenkel. Sie stellte sich auf die Hinterpfoten und knabberte kurz an seinem langen, kupferfarbenen Haarzopf, bevor sie ihre Schnauze mit einem zufriedenen Schnaufer auf die kniehohe Felsbalustrade legte, die Eutrom von einem über 2000 Meter tiefen Abgrund trennte.
Von hier oben, aus den sturmumtosten Steilwänden des Buckligen Reiters, konnte Eutrom schon mit bloßem Auge den gesamten Großraum Baretus überblicken. Immerhin war der Horizont der 70.000 Kilometer durchmessenden Extremwelt weiter entfernt als auf Planeten geringerer Größe. Das halb verbaute, halb von Zonen kaum gebändigter Natur durchwucherte Areal erstreckte sich von der Gelben Wüste im Osten 350 Kilometer bis zu den Ausläufern des Mattun Gor im Westen. Nach Süden hin durchmaß der Großraum Baretus 120 Kilometer und lief in einer Hügellandschaft aus, die Eutrom an die dicht aneinandergedrängten Schädeldecken urzeitlicher Riesen erinnerte, die jetzt, in der Morgendämmerung, in einem fahlen Rot erglühten.
Bei genauerem Hinsehen entpuppten sich einige der »Riesenschädel« als arkonidische Schlachtschiffe der 1500-Meter-Klasse, die auf dem noch weiter südlich gelegenen Raumhafen niedergegangen waren. Zwei merklich niedrigere »Hügel« erstrahlten nicht in Rot, sondern in einem matten Blau und waren, wie Eutrom wusste, die in starke Paratrons gehüllten KOMEDUS-Rechnerschiffe – ein äußerst lohnendes, zur Zeit aber praktisch unerreichbares Ziel für den ertrusischen Widerstand.
Im Kontrollhologramm der winzigen Schwebekamera erschienen die bekannten Daten über die schwer bewachten Spezialschiffe, deren Aufgabe war, die bei der Schlacht um das Kreit-System zerstörte Großsyntronik ARBOSSA auf dem zweiten Planeten Jopprott zumindest teilweise zu ersetzen.
»Euch jagen wir auch noch in die Luft …«, knurrte Eutrom.
Er schaltete das abgeschirmte, eng konturierte Lampenfeld ab, das ihn bis jetzt umglüht hatte, und legte sein Vibratormesser und die Knochenschnitzerei, mit der er seit einer Stunde nicht weitergekommen war, auf die Felsenbalustrade.
»… und wenn wir dazu von unten kommen müssen«, fügte er hinzu.
Princess nieste ihre Zustimmung.
»Brav, Princess!«, sagte Eutrom und wühlte gedankenverloren im Nackenfell der Riesenspitzmaus. »Bist eben eine echte Ertruserin.«
Princess spuckte einen Brocken halbverdauten – und, wie es schien, halbverdorbenen – Laubmooses in den Abgrund und schickte einen Sirenenton hinterher, der die Stalaktiten der Aussichtshöhle gefährlich zum Schwingen brachte.
Anders gesagt: Sie piepste.
*
Im kämpfenden Untergrund zu sein bedeutete auf Ertrus, tatsächlich unter die Erde zu gehen.
Ertrus war eine geologisch junge Welt, deren Planetenkruste noch immer von heftigen tektonischen Verschiebungen durchlaufen wurde. Im Umfeld ertrusischer Städte, Industrieanlagen und Proteinfabriken musste der Untergrund mit leistungsstarken und tiefreichenden Kraftfeldprojektoren künstlich stabilisiert werden. Ohne solche energetischen Klammern riss die ertrusische Erde regelmäßig auf und bildete Spalten von Hunderten und Tausenden Kilometern Länge.
Besonders der große Äquatorialkontinent Baedhro mit den beiden Städten Baretus und Fin Calley war von einem dichten Netz solcher Verwerfungszonen durchzogen. An die aktiven Krater, die lavaführenden Röhrenhöhlen und unterirdischen Flüsse des Mattun Gor schlossen sich die Kavernen um Fin Calley an, die ihrerseits in das zerklüftete Höhlenlabyrinth und das zum Teil wasserführende Kanal- und Spaltensystem unter und um Baretus übergingen. Selbst der schroffe Gebirgszug des Buckligen Reiters machte keine Ausnahme – zumal er zusätzlich von den Minenschächten der Prospektoren durchlöchert war, die sich in mehr als zweieinhalb Jahrtausenden mit ihren Desintegratorfräsen in seine Eingeweide gewühlt hatten.
Ein so weitverzweigtes Netzwerk miteinander verbundener Hohlräume konnte im Bedarfsfall nicht nur einzelnen Widerstandsgruppen als Zuflucht und Operationsbasis dienen, sondern ganze Armeen verbergen. Und tatsächlich war die Partisanenarmee des Präsidenten der ertrusischen Résistance, Kim Tasmaene, im wahrsten Sinn des Wortes eine Untergrundarmee.
Hinzu kam, dass ein Volk, das so oft die leidvolle Erfahrung totalitärer Systeme gemacht hatte wie die Umweltangepassten der terranischen Subspezies Homo sapiens ertrusis, zwangsläufig eine lange zurückreichende Tradition im organisierten Widerstand hatte. Die Freiheitskämpfer des Jahres 1304 NGZ konnten zum Teil auf unterirdische Einrichtungen zurückgreifen, die noch unter der Terrorherrschaft der Cantaro und Hyguphoten oder sogar in den Zeiten des Carsualschen Bundes angelegt worden waren.
Eines dieser von den jeweiligen Obrigkeiten nie erfassten Verstecke war das hoch liegende Höhlensystem, das den Partisanen um Rubin Karek als vorübergehende Basis diente und neben mehreren tief in den Bergsockel hinabreichenden Kaminen einen nach außen führenden Schacht aufwies, der sich vorzüglich als Beobachtungsposten eignete.
Eben jenen Schacht, aus dessen schwindelerregend gelegener Mündung – knapp unter den am Buckligen Reiter auflaufenden Wolken – Eutrom Facrelli und die Riesenspitzmaus Princess auf Baretus hinabblickten.
Oder auf das, was von Baretus übriggeblieben war.
*
56 Kilometer durchmaß das kreisförmige Areal der Zentralstadt Baretus.
Hier hatte einst das Herz der Kreit-Koalition geschlagen. Hier hatte sich das logistische, wirtschaftliche und insbesondere das emotionale Zentrum für die 78 von Ertrusern und Ertruser-Abkömmlingen besiedelten Welten befunden, deren 64 in einer Raumkugel von annähernd 300 Lichtjahren Durchmesser liegende Sonnensysteme...




