Findling Ruf bloß nicht an!
Auflage der EPUB Ausgabe
ISBN: 978-3-945574-65-2
Verlag: Reichel Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Wie Sie Ihren Ex-Partner loslassen und stattdessen das Leben genießen
E-Book, Deutsch, 146 Seiten
ISBN: 978-3-945574-65-2
Verlag: Reichel Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Rhonda Findling, klinische Psychologin M.D. und Psychotherapeutin, betreut seit 1992 Klientinnen in eigener Praxis. Zuvor arbeitete sie über ein Jahrzehnt für das New Yorker Mental Health Center mit Opfern von sexuellem Missbrauch sowie als psychotherapeutische Ausbilderin. Radio- und TVSendungen sowie zahlreiche Publikationen in Newsday, New York Post, Los Angeles Times u.a. machten sie in den USA als Beziehungsexpertin landesweit bekannt. Neben 'Ruf bloß nicht an' ist im Reichel Verlag ihr Buch 'Wenn Männer vor der Liebe flüchten - Wie man mit Beziehungsneurotikern glücklich wird - oder sie meidet' erschienen.
Zielgruppe
Ratsuchende Frauen mit Partnerproblemen
Weitere Infos & Material
1
Die Befreiung aus dem Teufelskreis zwanghafter Emotionen
Sheila, eine attraktive, siebenundzwanzigjährige Programmiererin, saß zu Hause, starrte auf das Telefon und sehnte sich danach, Tony anzurufen, einen gutaussehenden Versicherungsmakler, mit dem sie seit einem halben Jahr eine Beziehung hatte.
Am Anfang ihrer Beziehung war Sheila sicher, in Tony ihren Traumpartner gefunden zu haben; er war charmant, aufmerksam und ehrgeizig. Schließlich, nach einer längeren Phase des Wartens, nahm sie nach einem Abendessen in einem teuren französischen Restaurant ihren Mut zusammen und fragte Tony nach ihrer gemeinsamen Zukunft. Seine Antwort traf sie dann mitten ins Herz, als er ihr sagte, er könne sich nicht vorstellen, sie zu heiraten. Er schlug ihr vor, sie sollten beginnen, sich nach anderen Partnern umzusehen. Wütend und verletzt erklärte Sheila, sie hielte es für das Beste, wenn sie sich nicht mehr sehen würden.
Doch jetzt fühlte sie sich einsam und verzweifelt. Sie wollte um jeden Preis mit Tony zusammen sein, koste es, was es wolle, und das zu seinen Bedingungen. Den Gedanken an ein Leben ohne ihn konnte sie nicht ertragen. „Es ist alles nur meine Schuld“, dachte sie. „Wenn ich unser Gespräch doch nur ungeschehen machen könnte; vielleicht wären wir noch zusammen.“ Sie musste einfach mit ihm sprechen.
Sie wählte seine Nummer und hoffte, er wäre zu Hause. Doch nur der Anrufbeantworter reagierte. Sie legte auf und entschied sich, abzuwarten und es später noch einmal zu versuchen. In der Zwischenzeit versuchte sie, sich mit etwas Hausarbeit abzulenken, aber sie konnte nicht aufhören, an ihn zu denken. Sie ging zum Telefon und rief an, doch wieder lief nur das Band. Mehr als zwei Stunden lang versuchte sie es alle fünfzehn Minuten: sie wusste, sie hatte die Kontrolle über sich verloren. Wie eine Drogensüchtige wand sie sich in ihrem Schmerz hin und her, irgendwie unfähig, etwas dagegen zu tun. Der Gedanke, Tony nicht mehr zu sehen, war unerträglich.
Viele von uns können sich gut in Sheila hineinversetzen, denn sie haben mehr oder weniger Ähnliches erlebt. Die Symptome sind uns schmerzhaft vertraut: da ist die Angst, die Kontrolle zu verlieren, die Sehnsucht, wieder seine Stimme zu hören. In diesem Moment erkennt man, dass man die Kontrolle über sein Verhalten verloren hat, findet aber keine Möglichkeit, den Zwang, ständig telefonieren zu müssen, zu unterbinden. Man weiß nicht mehr, was man tun soll.
Doch was bringt uns so sehr aus dem Gleichgewicht, dass wir vor nichts zurückschrecken, um einen Mann dazu zu bringen, wieder zu uns zurückzukehren? Warum können wir ihn nicht loslassen?
Lassen Sie uns dazu einige Aspekte betrachten, die Frauen zu diesem Verhalten bewegen. Eine der grundlegendsten menschlichen Empfindungen ist die Angst, verlassen zu werden. Für Neugeborene kann dieser Verlust sogar den Tod bedeuten, denn Kinder können ohne die Zuwendung und Fürsorge von Erwachsenen nicht überleben. Diese Angst ist, abhängig von unserer persönlichen Biographie, auch später noch bis zu einem gewissen Grad in uns vorhanden. Werden wir dann als Erwachsene von jemandem verlassen, auf den wir unseren Wunsch nach Liebe und Unterstützung gerichtet haben, werden die Kindheitsängste wieder aktiviert, was zusammen mit der aktuellen Gefahr, verlassen zu werden, zu einer intensiven Furcht und zu Panikgefühlen führen kann. Unsere Fähigkeit, klar zu denken, kann in solchen Situationen so sehr eingeschränkt sein, dass wir ausschließlich diese furchtbare Angst erleben.
Wenn wir uns zurückgelassen fühlen, ergreift uns Panik, weil wir plötzlich alleine sind, und zusätzlich empfinden wir ein Gefühl der Zurückweisung. Solche schmerzlichen Empfindungen können dazu führen, dass wir versuchen zu klammern. „Klammern“ bezeichnet in unserem Fall die unterschiedlichsten Formen von Festhalten wie zwanghaftes Telefonieren, unangemeldetes Auftauchen vor der Wohnung oder am Arbeitsplatz, oder das fortwährende Schreiben von Briefen oder E-Mails, auch wenn auf keinen dieser Kontaktversuche jemals eine Reaktion erfolgt.
Die Verzweiflung einer Frau kann so groß werden, dass sie Dinge tut, die für sie erniedrigend sind und quasi an Masochismus grenzen. Nannette litt so sehr unter der Trennung von ihrem Freund, dass sie ihn zu Hause aufsuchte, vor ihm auf die Knie fiel und ihn anflehte, sie wieder aufzunehmen. Wie sie mir berichtete, waren für sie Selbstachtung oder Stolz in diesem Moment vollkommen gleichgültig - was zählte, war einzig und allein der Glaube, nicht ohne diesen Mann leben zu können.
Maria suchte das Apartmenthaus ihres Ex-Freundes auf und verlangte vom Portier, ihrem Ex-Freund ihre Anwesenheit zu melden, doch Ihr Ex-Freund lehnte es ab, sie zu sehen. Maria geriet dadurch vollkommen aus der Fassung und erklärte dem Portier, sie werde die Lobby nicht verlassen, bis ihr Ex-Freund herunterkommen und mit ihr sprechen würde. Der Portier drohte daraufhin, die Polizei zu rufen; aber in ihrer Verzweiflung blieb Maria einfach nur stehen. Als dann der Streifenwagen eintraf, schlich Maria sich davon, zutiefst erniedrigt und beschämt.
Solche seelischen Schmerzen und Erniedrigungen sind keine Seltenheit. Viele Frauen, von denen Sie es nicht erwarten würden - weil sie vielleicht berühmt, erfolgreich und/oder schön sind -, haben erlebt, was Nannette, Sheila oder Maria durchgemacht haben.
Durch den Drang, seinen Ex-Partner anzurufen, oder ihn festzuhalten, obwohl man weiß, dass die Beziehung beendet ist, werden Gefühle wie Einsamkeit, Schmerz und Kränkung betäubt und verschleiert. Das gilt auch für Frauen, die noch eine Beziehung haben oder die sich mit einem neuen Partner treffen und nun befürchten, nie mehr von diesem Mann zu hören. Wenn eine Frau wie unter Zwang einen Mann aufgrund ihrer Verlustängste anrufen muss, erlebt sie unter Umständen einen angenehmen Adrenalinschub, während sie voller Erwartung darauf hofft, ihn zu sehen oder nur seine Stimme zu hören. Diese Art von Rausch befriedigt allerdings nur vorübergehend. Der wahre Weg zur seelischen Befreiung ist, Ihren Schmerz während seiner Abwesenheit zu fühlen und ihn allein oder mit Unterstützung anderer zu verarbeiten.
Ist Ihre Beziehung noch zu retten oder möchten Sie Ihre momentane Bindung erhalten, ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass ein verzweifeltes Anklammern die meisten Männer dazu bringt, sich noch mehr von ihren Partnerinnen zu distanzieren. Ein verzweifeltes und bedürftiges Verhalten lässt Sie aussehen, als fühlten Sie sich nicht liebenswert und als seien Sie dankbar für die Aufmerksamkeit irgendeines Mannes.
Wenn Männer ihre eigenen Themen in Bezug auf Intimität und Nähe haben, wird sich Ihr Partner durch ein klammerndes Verhalten immer bedrängter und eingeengter fühlen. Er wird das Gefühl haben, keine Luft mehr zu bekommen, wenn Sie fortwährend versuchen, einen Beweis dafür zu bekommen, dass er sie nicht verlassen will. Ihr Klammern lässt Sie außerdem emotional bedürftig erscheinen und gibt Ihrem Partner das Gefühl, Sie ohne Unterlass mit der beruhigenden Liebe versorgen zu müssen, auf die Sie so verzweifelt angewiesen sind - was mit Sicherheit für jeden Menschen eine große Herausforderung darstellt.
Es ist nur menschlich, dass es Männern schwer fällt, sich in eine Frau zu verlieben, die sie mit Telefonanrufen bombardiert. Eine verzweifelte Frau gibt einem Mann keine Möglichkeit, sich nach ihr zu sehnen. Da sie so verfügbar ist, bleibt ihm kein Raum mehr, um von ihr zu träumen oder sie zu vermissen - was leider manchmal alles ist, was Verliebtsein bedeutet.
In seiner Verzweiflung zu klammern führt zu einem Teufelskreis: je mehr sich der Partner zurückzieht, desto stärker versucht der andere zu klammern.
Trotz dieser Einsicht kann der Zwang, zu klammern, unwiderstehlich sein. Zwar ist Ihrem Verstand klar, dass Ihr Verhalten unangemessen ist, aber Sie werden dennoch von einem inneren gefühlsmäßig unbeherrschbaren Drang getrieben. Und Sie spüren ein körperliches Unbehagen, wenn Sie Ihrem zwanghaften Verhalten nicht nachgeben.
Wie verhalten Sie sich am vernünftigsten, wenn Sie den zwanghaften, unwiderstehlichen Drang verspüren, einen Mann anzurufen?
Zuerst einmal gestatten Sie sich, die Anspannung und die Gefühle bewusst zu erleben. Akzeptieren Sie sie, bis die Gefühle vergehen - denn sie werden vergehen. Und das ist der Trick - spüren Sie Ihre Gefühle, anstatt sie auszuleben. Dies erfordert eine Menge Arbeit und Selbstdisziplin, da es leichter ist, etwas zu spüren, ihm nachzugeben und es dann auszuleben. Gefühle zu verarbeiten, sie wahrzunehmen aber nicht auszuleben, nennt man übrigens „Gefühle beherrschen“.
An dieser Stelle möchte ich Sie warnen: Sie werden eine innere Unruhe beim Zügeln Ihrer Gefühle verspüren und vielleicht das Verlangen haben, diesem Druck nachzugeben, weil Sie sich so unwohl in Ihrer Haut fühlen. Und dieses Unbehagen wird Sie zwingen, anrufen zu wollen, denn Sie wünschen sich die sofortige Erleichterung, wenn die Spannung nachlässt. Aber bedenken Sie, welche Schmerzen und Qualen Sie ertragen müssten, sollte er Sie zurückweisen oder Sie nicht die ersehnte Reaktion erhalten.
Tanja, eine Frau aus meiner Gruppe, hatte eine Liste von Freundinnen zur Verfügung, die sie anrief, wenn sie der Drang überwältigte, ihren Ex-Freund anzurufen. Helena, auch aus meiner Gruppe, ging in solchen Fällen in ein Sportstudio, um zu trainieren; Barbara ging ins Kino. Schon nach...




