Fink | Canary Cove - Tag der Entscheidung | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 618 Seiten

Fink Canary Cove - Tag der Entscheidung


1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-0364-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 618 Seiten

ISBN: 978-3-6957-0364-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sommer in Florida! Peter ist Highschoollehrer im kleinen Küstenort Canary Cove. Hier passiert nie etwas Aufregendes - jedenfalls bis sich der Gouverneur von Florida in den Kopf setzt, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Mit beispielloser Härte trägt er einen Wahlkampf auf dem Rücken der Gesellschaft aus, der vielen Menschen schadet und keinen von ihnen unberührt lässt. Doch als der Wahltag schließlich kommt, ist niemand auf den Sturm vorbereitet, den der Gouverneur tatsächlich entfesselt.

Walter Fink hat sich schon früh und mit voller Absicht als Leser in den Strudel der Bücherwelt hineinziehen lassen. Neben seinem Studium der Geografie und der Philosophie träumte er bereits von einem eigenen Buch. Seit der Veröffentlichung seines ersten Romans ist die Freude am Schreiben größer denn je - und sie wird ihn aller Voraussicht nach zu Lebzeiten nicht mehr verlassen. Bis dahin lebt, kocht und schreibt Walter Fink mit seinem Partner und zwei Vögeln (keine Finken) in Wiesbaden.
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Das Kapitol des Staates Florida in Tallahassee war ein überdimensionaler Turm aus erigiertem Beton, der inmitten zweier symmetrischer Kuppeln aufragte. Wer es betrachtete, fühlte sich peinlich berührt. Die Machtdemonstration war vulgär und lächerlich zugleich und die meisten Passanten ignorierten den patriarchalen Charakter des Regierungsgebäudes. Man konnte es ausblenden, man konnte auch über den Kompensationsbedarf dahinter spotten. Aber dennoch stand das Gebäude dort, im Herzen des Staates Florida, um alle Bürger zu repräsentieren.

Im Erdgeschoss, sozusagen an der Basis der Macht, befand sich das Büro des Gouverneurs von Florida. Randolph Dessaint hatte zugegebenermaßen nichts mit der Planung des neuen Kapitols zu tun gehabt, aber er hätte den Entwurf sicherlich unterstützt. Ein ständiges Ärgernis war ihm der Blick aus seinem Bürofenster. Dort stand das alte Kapitol, lungerte wie ein zerlumpter Stadtstreicher auf dem Rasen herum und grinste ihn mit seinem zahnlosen Mund an. Eine Bürgerinitiative hatte das historische Gebäude nach der Fertigstellung des Neubaus vor dem Abriss bewahrt. Nun stand es inmitten der Sichtachse, die der Architekt des neuen Gebäudes vorgesehen hatte. Gouverneur Dessaint sah es sich oft an, wenn er einen Moment Zeit hatte. Der Anblick motivierte ihn.

Er war mit großem Erfolg wiedergewählt worden und galt spätestens seitdem als Hoffnungsträger der republikanischen Partei. Er war jung genug, gerade erst Mitte vierzig, um Florida in die Zukunft zu führen. Durch sein ungewöhnlich breites Kreuz sah er immer ein wenig so aus, als habe man einen Ochsen in einen Anzug gesteckt. Aber sofern das überhaupt ein Makel war, machte er ihn wett durch seine sportliche Statur und sein gutmütiges Gesicht. Sein Haar, das er meist lausbubenhaft zerwühlte, war so dunkelbraun und glänzend wie die Vertäfelung aus Walnussholz an den Wänden seines Büros. Ein politischer Gegner hatte einmal abschätzig über ihn gesagt, er sehe aus wie eine Mischung aus Gebrauchtwagenverkäufer, einem Farmer aus dem Mittleren Westen und einem alternden James Dean.

Gouverneur Dessaint riss seinen Blick vom alten Kapitol los. Das Stimmengemurmel in seinem Büro holte ihn wieder in die Gegenwart zurück. Er drehte sich zu einem dunkelgrünen Ledersofa um, auf dem sich ein Teil seines engsten Stabes niedergelassen hatte. Moesha Bennett, seine Stabschefin, belegte eine Hälfte davon. Sie war eine elegante Afroamerikanerin mit freundlichen, intelligenten Gesichtszügen. Alex Rodriguez, mit der sie sich unterhielt, war die Pressesprecherin des Gouverneurs. Sie besaß eine magnetische Ausstrahlung, die alle in ihren Bann schlug. Niemand konnte genau sagen, woran es lag, aber genau das machte sie für ihren Job wie geschaffen. Sie trug einen kantigen Blazer mit breiten Schulterpartien, dessen maskuliner Schnitt ihre Weiblichkeit noch stärker betonte. Der stellvertretende Stabschef Joshua Haynes stand am Fenster, zusammen mit dem Rest der Berater: Brian Evans, dem Politikberater, Lauren Foster, der Rechtsberaterin und Lucas Anderson, dem Büroleiter.

Der Gouverneur räusperte sich und die Gespräche im Raum verstummten. Er hielt die Hände vor der Gürtelschnalle umfasst, eine steife, unsichere Pose, die ihm aber kein Berater bisher hatte austreiben können.

»Guten Morgen allerseits. Schön, dass Sie alle Zeit gefunden haben, meiner Einladung zu folgen. Ich werde Sie nicht lange von Ihrer Arbeit abhalten, versprochen.«

»So lange Sie uns dafür bezahlen, hören wir Ihnen den ganzen Tag zu«, sagte Brian Evans vom Fenster her und erntete ein paar leise Lacher.

»So viel Aufopferung, danke, Brian«, sagte der Gouverneur und lächelte schmal. »Ich habe Sie heute Morgen außerplanmäßig hergebeten, weil ich Ihnen eine Mitteilung zu machen habe. Wie Sie alle wissen, haben wir mit Ihrer Hilfe gerade meine Wiederwahl erreicht. Unsere Umfrageergebnisse sind gut, man könnte also sagen, wir erleben rosige Zeiten.«

» erleben rosige Zeiten. Das ist Ihr Verdienst«, sagte Lauren Foster und Lucas Anderson nickte eifrig dazu.

»Dazu war die Hilfe von Ihnen allen nötig und das wissen Sie. Ich bin nur das Aushängeschild unserer gemeinsamen Bemühungen«, sagte Dessaint und neigte bescheiden den Kopf. Geschmeicheltes Gemurmel erfüllte den Raum. »Und das führt mich direkt zu meiner heutigen Mitteilung. Ich möchte an diesen Erfolg anknüpfen. Mit Ihnen zusammen möchte ich, dass wir den nächsten Schritt tun. Einen Schritt, der dem amerikanischen Volk zugute kommt und ihm gibt, was es verdient: Einen wahren amerikanischen und vor allem einen republikanischen Präsidenten, dem das Wohl der Mitte und der einfachen Amerikaner am Herzen liegt. Meine Freunde, ich möchte Sie heute fragen, ob Sie mit mir gemeinsam den Weg ins Weiße Haus gehen wollen.« Er blickte in die Runde und nahm die Bekundungen der Begeisterung entgegen, die nach einer kurzen Schrecksekunde auf ihn einprasselten. Moesha Bennett und Alex Rodriguez sprangen auf und schüttelten dem Gouverneur als Erste die Hand.

»Randy, das sind ja fantastische Neuigkeiten! Ich bin sicher, das wird ein voller Erfolg.« Rodriguez strahlte über das ganze Gesicht.

Bennett, die Stabschefin, wirkte ebenfalls freudig überrascht, aber zurückhaltender, als würde sie im Kopf bereits die ersten Schritte des Wahlkampfs planen. So etwas war nicht einfach. Im Gegenteil: Es war eine Tortur.

Nachdem alle Berater ihre Freude bekundet hatten, bat der Gouverneur mit beschwichtigenden Gesten um Ruhe.

»Danke, Leute. Danke! Ich bin ja froh, dass Sie mich nicht ausgelacht haben.« Er lächelte selbstironisch. »Ich möchte noch eine Sache ganz deutlich klarstellen: Ich hoffe auf die Unterstützung von Ihnen allen während des Wahlkampfs. Und falls wir Erfolg haben sollten, gibt es für jeden von Ihnen einen Platz im Weißen Haus.«

Diese Nachricht verursachte noch mehr Wirbel als die erste und einige Stabsmitglieder brauchten mehrere Minuten, um sich zu beruhigen. Der Gouverneur lächelte bei ihrem Anblick. Es fehlte nicht viel und Joshua Haynes würde Brian Evans an den Händen fassen und zusammen mit ihm auf den Ledersesseln herumspringen wie ein Sechsjähriger.

Nachdem die Unruhe wieder etwas abgeebbt war, meldete sich Alex Rodriguez zu Wort. »Randy, wie halten wir es mit der Öffentlichkeit? Wann wollen Sie Ihre Kandidatur bekanntgeben?«

»Auf jeden Fall noch nicht jetzt. Das genaue Vorgehen müssen wir in den nächsten Wochen gemeinsam erarbeiten.« Die übrigen Berater wandten sich wieder dem Gouverneur zu und Joshua Haynes nickte.

»Ich habe mir vorgestellt, dass wir auf jeden Fall warten, bis sich meine Herausforderer positioniert haben. Dann starten wir unsere Kampagne mit etwas Abstand und bekommen so hoffentlich mehr Aufmerksamkeit.«

»Und dann wissen wir auch schon, mit welchen Themen die anderen punkten wollen. Wir können dann ihre Schwachstellen angreifen und sehen bereits, wie die Wählerschaft auf einzelne Aspekte anspricht«, pflichtete Bennett ihm bei.

»Richtig.« Dessaint nickte seiner Stabschefin zu. »Um die Demokraten müssen wir uns vorerst keine Gedanken machen. Die Vorwahlen werden die wirkliche Herausforderung. Präsident Shrimp darf nicht mehr antreten, ansonsten bin ich sicher, er würde wiedergewählt werden. Die Stimmung im Land gibt jedem republikanischen Kandidaten gehörig Rückenwind, so lange er nicht gegen Shrimps Politik argumentiert.«

»Das wäre glatter Selbstmord«, murmelte Brian Evans vom Fenster her. Dem Politikberater war nur zu bewusst, wie sehr Präsident Douglas Shrimp seine zweite Amtszeit dazu genutzt hatte, den gesamten Politikbetrieb zugunsten seines autoritären Stils umzugestalten. Die meisten politischen Beobachter sahen allein seine angeschlagene Gesundheit als Grund dafür an, dass Shrimp sich nicht über die Begrenzung der Amtszeit hinwegsetzte. Es wäre nur ein weiterer Tabubruch in einer langen Reihe von Tabubrüchen. Die Amerikaner waren daran gewöhnt, das Land war abgestumpft.

»Aber die Menschen sind immer noch gespalten«, gab Lauren Foster, die Rechtsberaterin, zu denken. »Da ist immer noch ein gehöriges Wählerpotenzial, das Shrimps Politik hasst. Und das ist in den letzten vier Jahren nicht weniger geworden. Ist es nicht möglich, dass die Demokraten dadurch einen bedeutenden Zulauf bekommen könnten?«

»Stimmt«, sagte Dessaint. »Deswegen ist es meiner Meinung nach so wichtig, dass wir Themen finden, mit denen wir vor allem diejenigen Republikaner überzeugen können, die bisher gar nicht gewählt haben oder die von Shrimps Politik enttäuscht sind. Wir brauchen hochemotionale Themen.«

»Welche sollen das sein?«, fragte Moesha Bennett, runzelte die Stirn und sah ratlos drein. »Shrimp hat doch so ziemlich jedes populistische Thema aufgegriffen, das herumlag.«

»Na, dann wird es jetzt unsere Aufgabe sein, eigene Themen zu basteln«, sagte Dessaint gut gelaunt. »Wir haben ja noch ein bisschen Zeit dafür. Legen wir...



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