Fink | Die geheime Welt der Straßenhunde | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 216 Seiten

Fink Die geheime Welt der Straßenhunde

Neue Beobachtungen mit GPS-Messungen und was wir für unsere Hunde daraus lernen können
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-440-51321-7
Verlag: Kosmos
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Neue Beobachtungen mit GPS-Messungen und was wir für unsere Hunde daraus lernen können

E-Book, Deutsch, 216 Seiten

ISBN: 978-3-440-51321-7
Verlag: Kosmos
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sarah Fink beobachtet seit Jahren Straßenhunde. Für ihr Buch begibt sie sich auf eine sechsmonatige Reise durch Europa, bei der sie Straßenhunde mit GPS-Aktivitäts-Trackern ausstattet und ihr Verhalten beobachtet. Diese faszinierende Reise eröffnet einen einzigartigen Einblick in die geheime Welt der Straßenhunde und zeigt, wie unterschiedlich sie leben und agieren. Ihre Ergebnisse sind überraschend: Keiner der Hunde entspricht den üblichen Schlafmustern, die in Ratgebern und Hundeschulen beschrieben werden. Einige Hunde legen täglich große Distanzen zurück und spielen aktiv mit Artgenossen, während andere eine ruhige, beobachtende Haltung einnehmen. Sarah Finks Beobachtungen laden dazu ein, das individuelle Verhalten der Hunde neu zu entdecken.

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Von den Kanalinseln nach Spanien und Portugal


© Sarah und Stefan Fink

Dritter Dezember 2022. Wir sind in unserem Haus auf den Kanalinseln zwischen England und Frankreich, wo wir seit einigen Jahren Trainingsurlaube für Hundehalterinnen und -halter abseits von der Hektik des Alltags anbieten, rennen im Haus auf und ab, hoch und runter, und packen noch die letzten Sachen ein. Alles, was man für sechs Monate Tour eben brauchen könnte: Winterjacken, Stiefel, Heizjacke, Bikini, kurze Hose, Sonnenhut … Wir wussten, dass es in Rumänien sehr kalt sein würde, in Kroatien im Frühling aber auch oft schon richtig heiß ist. Gegen Mittag geht unsere Fähre aufs Festland und von dort aus fahren wir weiter mit dem Auto nach Spanien. Es ist erst Dezember und schrecklich kalt. Viele der Häuser in Portugal und Spanien sind nicht für kalte Temperaturen ausgelegt, also frieren wir in fast jeder Unterkunft.

Tatsächlich haben wir Straßenhunde bisher immer in Osteuropa beobachtet, also in Ländern wie Rumänien, Bosnien, Bulgarien, Griechenland, Türkei, Polen, nie aber im Westen, in Spanien oder Portugal. Darum wollten wir dieses Mal unbedingt diese Länder bereisen.

Im Vergleich dazu, was wir aus Bosnien, Bulgarien, Rumänien oder der Türkei gewohnt waren, waren sowohl Spanien als auch Portugal eher ein Flop, um Straßenhunde zu beobachten. Es gab zwar den einen oder anderen Straßenhund, aber überwiegend sehr scheue Tiere und den meisten sah man an, dass es ausgesetzte Jagdhunde waren. Viele Menschen haben Podencos in kleinen Anhängern, die von Autos gezogen werden, oder die Hunde leben in winzigen Zwingern vor dem Haus. Die Haltungsbedingungen – besonders der „Haushunde“ – zu sehen war traurig.

Wir waren aber darauf aus, „echte“ Straßenhunde zu beobachten, also Hunde, die seit Generationen frei leben.

Fox – ein Straßenhund stellt Hundebücher inFrage!


Relativ weit im Süden von Portugal bei Odemira fanden wir dann endlich einen Hund, der nicht frisch ausgesetzt war, sondern laut Aussagen der Bewohner der Umgebung schon lange hier lebte. Fox war ein etwa 3 bis 5 Jahre alter Rüde, unkastriert. Wir hatten zuvor unzählige Hotels und Airbnbs in Portugal angeschrieben und gefragt, ob es in der Gegend um die Unterkunft Straßenhunde gebe. Fast immer hatten wir darauf dieselbe Antwort bekommen: „Die Nachbarn haben Hunde, die frei herumlaufen dürfen, es gibt ein paar ausgesetzte Hunde, aber Straßenhunde, die schon seit Jahren frei in der Gegend leben, gibt es nicht.“

In dem kleinen Dorf bei Odemira war das anders. Hier gab es einen dorfbekannten namenlosen Straßenhund, der seit Jahren durch die Gegend streunte. Die Unterkunft, in der wir die nächsten eineinhalb Wochen verbrachten, war ein Reiterhof, und „Fox“, wie wir den Straßenhund nannten, war bekannt dafür, alle paar Tage vorbeizuschauen und mit dem Hund der Reitlehrerin zu spielen.

© Sarah und Stefan Fink

Straßenhund Fox mit GPS-Halsband bei Odemira, Portugal

© Sarah und Stefan Fink

Straßenhund Fox mit den Haushunden einer deutschen Auswanderin und deren Nachbarn

Natürlich kam er gerade die ersten Tage unseres Aufenthalts nicht zum Reiterhof. Wir hatten die Zeit aber genutzt und „Lizzy“, eine 8 Jahre alte Hündin getrackt, die einer Mitarbeiterin des Reiterhofes gehörte und fünf Minuten zu Fuß entfernt wohnte. Lizzy wurde aus dem Tierschutz übernommen, sie war ein sehr ruhiger, introvertierter Hund und hielt sich die meiste Zeit vor dem ländlichen Haus der Besitzerin auf.

Das Gartentor war immer offen. Lizzy konnte kommen und gehen, wie sie mochte. Gelegentlich ging sie allein zum Reithof, wo ihre Besitzerin arbeitete. Die meiste Zeit aber verbrachte sie vor „ihrem“ Haus.

Wie würde sich ihr Verhalten von dem der Straßenhunde ohne Bezugspersonen oder dem Verhalten von Arbeitshunden unterscheiden? Zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch keine Ahnung!

Am dritten Tag in der Früh kam Fox, der Straßenhund, auf den wir so lange gewartet hatten, endlich vorbei! Fox war aufgeweckt, neugierig und verspielt, aber auch vorsichtig und scheu. Man merkte, dass er von seinem Naturell her eigentlich ein Clown und ein bisschen ein Macho war, ihm aber die Erfahrung mit Menschen fehlte bzw. vielleicht hatte er auch schlechte Erfahrungen gemacht.

Mit dem Hund der Reitlehrerin spielte er ausgelassen, wild und teilweise etwas grob. Vor Yari, meiner Border-Collie-Hündin, hatte er zuerst das Weite gesucht, obwohl Yari kein aufdringlicher oder dominanter Hund ist. Sehr schnell war aber auch hier das Eis gebrochen und er hatte wild mit ihr gespielt!

© Sarah und Stefan Fink

Frei lebender Hofhund Lizzy bei Odemira

Für Menschen interessierte sich Fox nicht so richtig. Er schaute zwar, ob er Futter bekommen konnte, und wusste, welche Menschen immer etwas für ihn dabeihatten, aber das war es dann auch schon wieder. Berühren lassen wollte er sich nicht und er war generell scheu, sobald Menschen mit ihm mehr interagieren wollten. Dass er bei mir skeptisch war, verstand ich. Spannend war jedoch, dass er sich auch absolut nicht von Menschen anfassen lassen wollte, die ihn seit Jahren fütterten.

Das ist recht ungewöhnlich. Von Straßenhunden aus anderen Ländern oder Tierschutzhunden kenne ich entweder Charaktere, die grundsätzlich neugierig, verspielt und extrovertiert sind wie Fox und die in der Regel sehr schnell und einfach auftauen, oder Hunde, die sehr verschlossen sind, und bei denen man viel Erfahrung braucht, um ihnen zu zeigen, dass Menschen doch recht nett sind.

Die charakterliche Kombination von Fox, extrovertiert, verspielt, sehr neugierig und trotzdem so zurückhaltend und desinteressiert am Menschen, war also ungewöhnlich. Die meisten Hunde mit einem so neugierigen, extrovertierten Charakter schließen sich schnell Menschen an. Generell bevorzugen die meisten Hunde aufgrund ihrer außergewöhnlich langen Domestikationsgeschichte Menschen als Sozialpartner und nicht ihre Artgenossen. Das sehen wir bei vielen Straßenhunden immer wieder, die uns dann nicht mehr von der Seite weichen und uns überallhin begleiten, wenn wir häufiger auf denselben Plätzen spazieren gehen. Fox jedoch war anders und fand nur Hunde toll. Dementsprechend schwierig war es auch, ihm das Tracking-Halsband anzuziehen. Noch dazu war Fox der erste Straßenhund, dem wir ein Tracking-Halsband angelegt hatten. Heute, viele Straßenhunde später, habe ich so meine Tricks und Techniken, wie man die Halsbänder gut anziehen kann. Bei Fox hatte ich aber fast einen ganzen Tag lang gebraucht. Etliche Wurstscheiben später hatte er dann aber sein Halsband an, und wir durften in eine ganz neue Welt eintauchen. Seine Welt!

Am ersten Abend führte er uns zu einem Feld, in einem Dorf in der Nähe des Reiterhofes, den er oft besuchte. Wie sich herausstellen sollte, war das sein „Hauptwohnsitz“. Dort verbrachte er die meiste Zeit und war durchaus bekannt. Weil ich sichergehen wollte, dass ich das Halsband in ein paar Tagen auch wieder abnehmen kann, brachte ich Fox am ersten Abend noch eine Wurstscheibe vorbei, um mich beliebt zu machen. Danach filmten wir ihn vom Auto aus noch unauffällig. Unauffällig für Fox. Die Leute in dem Dorf hatten natürlich schnell unser Auto mit dem ungewöhnlichen Kennzeichen bemerkt und eine ältere Dame war gleich zum Zaun gekommen. Sie fragte, ob wir den Hund einfangen wollten – sie kannte ihn seit Jahren, gab ihm jeden Tag etwas zu fressen, hatte selbst Haushunde und fürchtete, dass wir ihm etwas antun wollten. Zum Glück konnte sie recht gut Englisch und wir hatten ihr an den darauffolgenden Tagen immer wieder gezeigt, was Fox so erlebt hatte, wo er sich untertags aufhielt und wie viel er spazieren ging.

Am nächsten Tag dachte ich, ich hätte durch Fox noch einen weiteren Straßenhund getroffen. Und zwar auf demselben Feld, auf dem sich Fox die meiste Zeit aufhielt. Nachdem wir mit den Anwohnern gesprochen hatten, stellte sich aber schnell heraus, dass der vermeintliche Straßenhund der Hund einer ausgewanderten Deutschen war, der frei herumlaufen durfte.

Zwar nicht in diesem Ort, aber in anderen Orten und Ländern haben wir immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Menschen sehr skeptisch sind, wenn sie uns sehen, weil sie oft die Erfahrung gemacht haben, dass Touristen Hunde stehlen bzw. „retten“ in der Annahme, es seien Straßenhunde.

Was Fox anging, war es sehr spannend ihn zu beobachten! So oft habe ich auf Fortbildungen und in Seminaren gehört oder in Büchern gelesen, dass erwachsene Hunde von Natur aus wenig oder gar nicht spielen würden. Fox hatte gleich einmal mit all diesen Behauptungen aufgeräumt und hatte den ganzen Tag nichts anderes im Kopf als von einem Dorfhund zum anderen zu laufen und mit allen zu spielen. Selbst wenn Leute mit ihren Hunden an der Leine durchs Dorf gegangen waren und er die Hunde kannte, war er hingelaufen und hatte mit den angeleinten Hunden gespielt!

© Sarah und Stefan Fink

Fox spielt mit dem Haushund einer deutschen Auswanderin.

Das Maximum, das wir aufgezeichnet hatten, waren 85 Minuten reine Spielzeit pro Tag, also knapp 1,5 Stunden. Dazu kamen noch knapp zwei Stunden Rennen. Rennen beobachteten wir bei Fox ausschließlich – und sehr häufig und leidenschaftlich – in einem spielerischen Kontext. (Er ist nie besonders schnell von A nach B...



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