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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 343 Seiten

Reihe: Maria Ammon

Fink Judasbrut

Kriminalroman - Maria Ammon ermittelt, Band 1 | Eine Fränkische Kommissarin im Wettlauf mit der Zeit
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98952-676-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Kriminalroman - Maria Ammon ermittelt, Band 1 | Eine Fränkische Kommissarin im Wettlauf mit der Zeit

E-Book, Deutsch, Band 1, 343 Seiten

Reihe: Maria Ammon

ISBN: 978-3-98952-676-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Gerade erst aus dem Urlaub zurück, wird Kommissarin Maria Ammon mit einer Reihe von Fällen konfrontiert: Ein ertrunkener Obdachloser, der Mordanschlag auf einen gefeierten Biochemiker - und der Fall von Marias bester Freundin Nina, die von einer verstörenden Begegnung mit einem Fremden erzählt ... kurz darauf ist sie spurlos verschwunden. Nichts davon scheint einen Zusammenhang zu haben, doch überall stößt die Kommissarin auf ungelöste Fragen, die sie tiefer und tiefer in einen Sumpf des Verbrechens führen. Als eine weitere Leiche gefunden wird und sich der Verdacht erhärtet, dass Nina entführt wurde, weiß Maria, dass sie handeln muss. Wie viele Leben stehen wirklich auf dem Spiel? Eine taffe Polizistin und die Abgründe, die sich hinter der gutbürgerlichen Fassade auftun. Eine fesselnde Frankenkrimi-Reihe, in der jeder Band unabhängig gelesen werden kann - für Fans von Elisabeth Hermann.

Sabine Fink, geboren 1969 in Dortmund, lebte in Köln, Braunschweig und Hongkong. Sie war in der Erwachsenenbildung tätig, bevor sie mit dem Schreiben von Romanen begann. Heute hat Sabine Fink ihre Wahlheimat in Mittelfranken gefunden, einem besonderen Landstrich, der sie auch zu ihren Büchern inspirierte. Ganz besonders angetan hat es ihr dabei der typisch fränkische Charme der Bewohner und deren Geschichte(n), die immer wieder für eine Überraschung gut sind. Bei dotbooks veröffentlichte Sabine Fink ihre Reihe um Kommissarin Maria Ammon mit den Krimis »Kainszeichen«, »Judasbrut« und »Sündentag«.
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Hochstahl, Fränkische Schweiz


Nina Langenbach lehnte an dem dunkelroten Campingbus und betrachtete die Menschen auf dem Wohnmobilstellplatz hinter der Brauerei. Da waren die Rentner, die sich vermutlich jedes Wochenende hier oder anderswo trafen, um von alten Zeiten zu reden und neue Wehwehchen zu diskutieren oder die Familien mit großen und kleinen Kindern, die lärmend auf dem Spielplatz tobten. Zahlreiche Hunde lungerten entweder träge im Schatten herum oder sprangen wild kläffend umher. Der Wind trug Kaffeeduft herüber. Neben der Brauerei wurden Bierfässer in einen LKW verladen.

»Jens, wo bleibst du?« Nina schob mit ihrer Sonnenbrille den blonden Bob zurück. »Wenn wir jetzt nicht gehen, wird es zu spät.«

»Mach doch nicht so einen Stress«, brummelte Jens und kletterte aus dem Bus. Während er abschloss, warf er einen kritischen Blick zum Himmel. »Meinst du nicht, wir sollten lieber hierbleiben? Es soll heute noch regnen.«

Nina schielte zu der einsamen Schäfchenwolke am strahlend blauen Himmel. während sie theatralisch die Luft einsog. »Oh Gott! Du hast recht! Da – das Unwetter naht!«

Jens knuffte sie. »Hast du deine Regenjacke? Dein Handy?«

»Erstens, es regnet nicht. Zweitens, der Akku ist leer«, gab sie zurück.

Er verdrehte die Augen. „Typisch.“

Während sie über den Stellplatz marschierten, deutete Nina auf ein Wohnmobil mit den Ausmaßen eines Reisebusses. Ein älteres Ehepaar saß davor und spielte Kniffel. »Rollendes Eigenheim«, meinte sie süffisant. »Da gehört eine Großfamilie rein und nicht zwei Persönchen.«

Schief lächelnd zuckte Jens mit den Schultern. »Weißt du, was so ein Ding kostet? Die meisten Familien sind schon froh, wenn sie sich überhaupt einen Urlaub leisten können.«

Nina schluckte eine Bemerkung herunter. Sie wollte sich die Wanderung nicht gleich zu Beginn verderben, denn die leidigen Diskussionen über die Vor- und Nachteile eines Familienlebens führten sie für ihren Geschmack viel zu häufig. Im Gehen holte Nina die Wanderkarte aus der Seitentasche ihres Rucksacks, um diese eingehend zu studieren.

»Da müssen wir links.« Sie deutete auf den befestigten Weg, der sich über die Felder zum Wald hinschlängelte.

Ninas vormals gute Laune hatte sich verflüchtigt. Eigentlich hätten sie gar keine Zeit für einen Kurztrip gehabt, denn ihr neues Haus beanspruchte all ihre Freizeit. Der Rohbau stand beinahe und es gab unzählige Dinge zu planen. Jens, Polizist beim Einsatzzug in Erlangen, war in den zwei Osterferienwochen für Kollegen mit schulpflichtigen Kindern eingesprungen. Nina, die als Lehrerin Osterferien hatte, schlug sich daher meist allein mit den üblichen Problemen am Bau herum. An diesem Wochenende wäre nun Zeit gewesen, um gemeinsam ein paar liegen gebliebene Dinge zu erledigen, doch das schöne Frühlingswetter am Morgen hatte Nina Lust auf eine Wanderung in der Fränkischen Schweiz gemacht. Jens hatte nach den anstrengenden Diensten der letzten zwei Wochen eigentlich eher etwas Ruhiges vorgeschwebt, daher hatte es Nina einige Überredungskunst gekostet, zum Brauereiweg rund um Aufseß zu fahren.

»Nina, nun renn doch nicht so!«

»Wenn wir zu langsam gehen, schaffen wir das bis heute Abend nicht.«

»Ich habe ja gleich gesagt, dass es eine bescheuerte Idee ist, die komplette Tour zu machen«, knurrte Jens mit zusammengebissenen Zähnen. »Das sind 15 Kilometer. Das dauert Stunden! Es reicht doch, wenn wir einfach ein Stück spazieren gehen und uns danach gemütlich vor unseren Bus setzen.« Mit dem Daumen zeigte er hinter Sich in die Richtung des älteren Ehepaares.

Nina warf ihm über die Schulter denselben strengen Blick zu, mit dem sie seit fast dreizehn Jahren ihre Realschüler bedachte, wenn die den Unterricht störten. Jens seufzte verdrossen. Schweigend erreichten sie zehn Minuten später den Wald. Der Boden war bedeckt mit Tannennadeln und dämpfte ihre Schritte. An einer Weggabelung blieb sie stehen. Ein Trampelpfad führte links am Waldrand entlang. Geradeaus erkannte man eine mit hohem Gras überwucherte Traktorspur, die zwischen einer Wiese und einem Getreidefeld hindurchführte. Es war still und friedlich, nicht einmal Autos in der Ferne waren zu hören.

»Wo lang?«, fragte Nina, nachdem sie vergeblich nach Hinweisschildern Ausschau gehalten hatte.

Jens runzelte die Stirn. »Keine Ahnung. Vielleicht haben wir irgendeinen Abzweig verpasst. Gehen wir einfach nach links – bestimmt kommen wir dann zum Stellplatz zurück.«

»Woher weißt du das?«, fragte Nina schnippischer als beabsichtigt.

»Das ist doch wohl völlig klar!«, meinte Jens. »Wir sind von dort gekommen, dann einmal links abgebogen, und der Weg hat da hinten einen leichten Linksknick gemacht. Wenn wir jetzt ...«

»Ist ja gut«, unterbrach Nina ihn, während sie auf die Wanderkarte blickte. »Dein Orientierungssinn in allen Ehren, aber wir wollen nicht zurück zum Stellplatz, sondern nach Sachsendorf und das ist irgendwo anders als links.« Sie sah sich um, wobei sie versuchte auf der Karte irgendeinen Anhaltspunkt zu finden.

»Du willst nach Sachsendorf«, korrigierte Jens, während er sein Handy aus der Hosentasche zog. »Ist doch egal, wenn wir woand...«

»Dir vielleicht!«, brauste Nina auf. »Mir nicht. Da!« Nina deutete auf einen Wegweiser an einem Baum, der versteckt hinter einem Ast befestigt war. »Da müssen wir lang. Also, was ist? Kommst du jetzt mit oder willst du lieber zurück?«

Jens sah sie verdrossen an. »Du bist heute echt nicht gut drauf, oder?«

Ohne ihn noch eines Blickes zu würdigen, marschierte Nina weiter.

»Nina!«, rief Jens ihr hinterher.

Nina stellte sich vor, wie Jens mit den Händen in den Hüften darauf wartete, dass sie umkehrte. Sie hörte ihn noch ein paar Mal rufen, aber sie drehte sich nicht um. Erst nach einigen Minuten blieb sie stehen. Jens war nicht hinter ihr hergekommen. Sie schnaubte. Typisch! Sollte er mitsamt seiner verdammten Sturheit bleiben, wo der Pfeffer wächst. Von wegen, sie war nicht gut drauf!

Sie folgte dem Weg weiter durch den Wald und über die Felder. Zwei Mal verpasste sie einen Wegweiser, darum brauchte sie viel länger als erwartet, bis sie endlich in Sachsendorf an der Brauerei ankam. Allmählich war ihr Ärger über Jens verraucht. Wahrscheinlich würde auch er sich beruhigt haben, wenn sie zurück in Hochstahl war. Es wäre nicht das erste Mal in ihrer zehnjährigen Beziehung, dass sich jeder nach einem Streit in einen Schmollwinkel verzog. Zu Anfang ihrer Beziehung hatten sie sich mit ein paar gegenseitigen Sticheleien schnell versöhnt. Heute dauerte es meist länger. Resolut schob Nina außerdem das unschöne Gefühl beiseite, das sie bei dem Gedanken überkam, Jens könne in sein altes Eifersuchts- und Kontroll-Muster zurückfallen, das ihnen vor ein paar Jahren große Probleme bereitet hatte, wenn Nina allein Unterwegs gewesen war.

In dem kleinen Biergarten der Brauerei Stadter in Sachsendorf war viel los, daher setzte sie sich an einen der langen Biertische zu einer Familie. Während sie auf ihr Essen wartete und dabei in einer herumliegenden Tageszeitung blätterte, kam sie irgendwann mit den Eltern ins Gespräch. Die beiden Kinder spielten Uno. Nina ließ sich gern zu ein paar Runden mit der ganzen Familie überreden. Sie vergaß die Zeit, daher war es schon nach vier, bis sie schließlich weiterging. Am Himmel waren inzwischen mehr als nur ein paar Schäfchenwolken aufgezogen. Sie konsultierte die Wanderkarte. Auf ihrem Weg befände sie sich stets in der Nähe einer Straße und konnte notfalls vielleicht per Anhalter nach Hochstahl fahren.

Während sie durch Sachsendorf und Neuhaus wanderte, dachte sie darüber nach, was Jens dazu sagen würde, wenn Sie in ein fremdes Auto stieg. Wenigstens bis Aufseß wollte sie noch wandern. Möglicherweise fuhr von dort ein Bus nach Hochstahl, dann war sie gar nicht auf Jens angewiesen. Doch den Gedanken verwarf sie schnell wieder. Es war im Grunde albern, aber eine besondere Genugtuung würde es sein, wenn sie den ganzen Weg zurück wanderte. Ein paar spitze Bemerkungen über seine zunehmende Bequemlichkeit würde Jens über sich ergehen lassen müssen. Spätestens nach ein paar Spötteleien würde der Rest des gemeinsamen Tages schön werden. Wie immer.

Eine Stunde später, irgendwo mitten im Wald, war ihre gute Laune jedoch verflogen. Sie setzte sich auf einen Holzstapel am Rande einer Lichtung und nahm die Wanderkarte zur Hand. Nachdem sie in den Wald eingebogen war, hatte sie eine ganze Weile keine Wegmarkierungen mehr zu Gesicht bekommen, außerdem war von einer Straße weit und breit keine Spur. Der kühle Wind ließ sie frösteln. Es hatte angefangen zu nieseln.

»Na toll«, murmelte sie, als sie trotz der Karte immer noch keinen blassen Schimmer hatte, wo sie gelandet war. »Du hast nicht zufällig eine Idee, wo ich lang muss?«, fragte Nina einen Ohrenkneifer, der gerade Anstalten machte, auf ihren Oberschenkel zu klettern. „Dachte ich mir.“ Sie schnippte ihn herunter.

Abgesehen davon, dass sie nicht wusste, wo sie war, ärgerte sie, dass sie keine Regenjacke mitgenommen hatte. Im Geiste streckte sie Jens die Zunge raus. Sie hasste es, wenn er recht behielt.

Als sie eine halbe Stunde später zum zweiten Mal an demselben Holzstoß vorbeikam, musste sie sich wohl oder übel eingestehen, dass sie sich gründlich verlaufen hatte. Inzwischen regnete es stark, ab und zu grollte es. Ein besonders heller Blitz ließ sie unwillkürlich zusammenzucken. Sie zählte die Sekunden bis zum Donner.

Fünf. Wenigstens nicht direkt über ihr.

Noch nicht.

Das Haar klebte an ihrem Kopf und ihre Kleidung war triefend nass. Sie marschierte weiter. Minuten...



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