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E-Book, Deutsch, 332 Seiten

Fink Qualitätsmanagement


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7543-2032-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 332 Seiten

ISBN: 978-3-7543-2032-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das Leben könnte es schlechter meinen mit Mark. Ein guter Job, eine hübsche Verlobte und ein Schwiegervater in spe, der für ihn sorgt - in den unsicheren Verhältnissen des Jahres 2038 ist das schon eine Menge. Doch ein Zwischenfall lässt Mark neu über den Wert von Kunst und Freiheit nachdenken und alles infrage stellen, was er bisher angestrebt hat. Und welche Ziele verfolgt eigentlich der undurchsichtige Natan, der plötzlich mit beunruhigenden Informationen auftaucht?

Walter Fink ist Jahrgang 1987 und hat Geografie und Philosophie studiert. Er war mehrere Jahre in einem Architekturbüro tätig und widmet sich jetzt dem Schreiben. Walter Fink schreibt, kocht und lebt mit seinem Partner und zwei Vögeln in Wiesbaden.
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1


Eine goldene Zukunft

Acht Jahre später hatte Mark Leiter das Gefühl, sich durch eine dunkle, zähe Masse arbeiten zu müssen, als er an einem schwülwarmen Sommerabend durch die Innenstadt schlenderte. Wie Sirup umhüllte ihn die Luft und machte seine Schritte auf dem belebten Bürgersteig mühsam. Er hatte den Eindruck, dass auch seine Gedanken und Empfindungen in ihrem Fluss gehemmt waren. Eigentlich müsste er jetzt doch eine Hochstimmung empfinden oder wenigstens nagende Zweifel spüren. Nach dem, was er gerade in einem der feinsten Restaurants der Stadt erlebt hatte, hätte Mark zumindest irgendein deutliches Gefühl von sich erwartet. Stattdessen war da nur dieses undefinierbare nervöse Prickeln, das wie Kohlensäure durch seine Adern perlte.

Eigentlich war er auf dem Weg zur Metro, um nach Hause in seine kleine Wohnung zu fahren, aber als er plötzlich die auf Hochglanz polierte Holztür einer Weinbar neben sich auftauchen sah, folgte er einer spontanen Eingebung und öffnete die Tür.

Der Gastraum war nicht groß, dafür aber gut gefüllt. Zu dieser vorgerückten Stunde bestanden die Gäste vornehmlich aus Menschen, die den Höhepunkt des Abends bereits hinter sich hatten, vor dem Zubettgehen aber noch eine Zwischenstation einlegen wollten. Wie er selbst, dachte Mark, als er sich etwas unsicher in dem gemütlich eingerichteten Lokal umsah, bevor er einen der wenigen noch freien Sitzplätze an der Theke ansteuerte. Die Gäste trugen allesamt Kleidung von gehobener Qualität oder sogar vornehme Abendgarderobe, sodass Mark in seinem schwarzen, figurbetonten Anzug und dem weißen Hemd zu seiner Erleichterung nicht weiter auffiel.

Entgegen dem Trend, der Lokale wie dieses reihenweise als postmoderne Designtempel aus Glas, Stahl und farbiger Beleuchtung wiederauferstehen ließ, hatte der Gastraum mehr den Charme eines vornehmen Clubs aus dem 19. Jahrhundert, wenn auch vorsichtig modernisiert. Der Altersdurchschnitt der Gäste wurde durch sein Eintreten sicherlich drastisch gesenkt. Diejenigen, die nicht gerade in angeregte Gespräche vertieft waren, verfolgten Marks Weg von der Tür zur Theke mit der üblichen beiläufigen Aufmerksamkeit untätiger Gaststättenbesucher. Wer nicht mit seinen Gedanken beschäftigt war, schien Marks hochgewachsene Gestalt mit einem gewissen Wohlwollen zu betrachten.

Etwas ungelenk ging er zwischen den Stühlen hindurch zu einem Platz ganz am Rand der Theke. Jetzt, da er saß, wirkten die gedämpften Gespräche der anderen Gäste und die Atmosphäre der Bar beruhigend auf seine Nerven ein. Er wusste gar nicht recht, warum er draußen auf der Straße so nervös gewesen war; ebenso wenig, warum er diese Weinbar betreten hatte, schließlich war er noch nie hier gewesen und hatte sie nur im Vorbeigehen bemerkt. Mark dachte üblicherweise nicht allzu viel über sich selbst nach, aber manchmal wunderte er sich.

Er nahm einen Schluck von der bernsteinfarbenen Flüssigkeit, die ihm der Kellner in einem schweren Glas gebracht hatte und spürte, wie ihn eine Welle der Wärme durchströmte. Mit der Wärme kam endlich auch das Hochgefühl, das er draußen auf der Straße vermisst hatte. Das war heute wirklich ein besonderer Abend; ein Abend, auf den er lange gehofft hatte. Zuletzt, wie er sich eingestehen musste, aber mit abnehmender Zuversicht.

»Beerdigung oder Galadinner?« Die spröde spöttische Stimme riss Mark aus seinen Gedanken.

»Wie bitte«? Er drehte den Kopf nach rechts, von wo die Stimme gekommen war. An einem Nischentisch nur eine Armlänge entfernt saß allein eine ältere Frau, mindestens Anfang siebzig. Zu einem weiten, flauschigen Pullover aus heller Wolle trug sie eine zweireihige Perlenkette und unecht aussehende Ohrclips mit grünen Steinen. Ihren Stuhl hatte sie so gedreht, dass sie der Theke zugewandt saß; die Beine übereinandergeschlagen und in der Hand ein kelchartiges Glas mit einer minzfarbenen Flüssigkeit darin. In ihren Augen blitzte der Schalk. Sie deutete mit ihrem Glas in Marks Richtung. »Bei Ihrem Anzug könnte es beides sein. In meiner Jugend haben wir Farben getragen, wenn wir etwas zu feiern hatten.«

Mark sah sie einen Moment lang an, bevor er mehr aus Höflichkeit mit den Mundwinkeln ein Lächeln andeutete. »Es war nur ein Essen.« Schon als er sich wieder abwandte, wusste er, dass sie mit ihm noch nicht fertig war. Nur ein Essen? Warum hatte er das gesagt? Das Glas in seiner Hand blitzte im Licht, als er es hob und in einem Zug leerte. Er gab dem Barmann ein Zeichen, es erneut zu füllen.

»Mit Ihren jungen Freunden? Sicher war es sehr unterhaltsam.« Etwas Wehmut hatte sich in die Stimme der alten Frau geschlichen, aber der spöttische Gesichtsausdruck war unverändert.

»Mit meiner Freundin.« Mark fixierte den Barmann, der mit seinem neuen Whisky zurückkam.

»Und dazu der Beerdigungsanzug? Wie romantisch. Hat sie etwa mit Ihnen Schluss gemacht?«

Was hatte die Alte nur für ein Problem mit ihm? Er drehte sich zu ihr um. »Nein, einen Heiratsantrag. Zum Wohl!« Er prostete ihr süffisant zu und sah mit Befriedigung, wie endlich das Grinsen von ihrem Gesicht herabtröpfelte. Mark nahm sein Handy aus der Hosentasche und sah auf das Display. Keine neuen Nachrichten, kein Anruf. Er legte das Telefon vor sich auf die Theke und richtete es dabei an der Tischkante aus. Den zweiten Whisky hatte er überhaupt nicht trinken wollen. Er hatte den ersten nur wegen der alten Frau so schnell hinuntergestürzt.

Das Glas in seiner Hand funkelte erneut, als er es abstellte, beinahe wie ein Diamant. Musste er Anasthasia jetzt eigentlich einen Verlobungsring kaufen? Er hatte keine Ahnung, wie das lief, wenn die Frau den Antrag machte. Sie hatte ihm jedenfalls keinen geschenkt. Das würde er zu Hause recherchieren müssen. Jetzt, unter dem taxierenden Blick der alten Schachtel wollte er es jedenfalls nicht auf seinem Handy nachschlagen. Verstohlen versuchte Mark aus dem Augenwinkel heraus zu erkennen, ob die Frau ihn noch immer ansah. Tatsächlich, aber jetzt hatte sie einen geradezu komischen perplexen Blick im Gesicht. Als sie merkte, dass Mark sich zu ihr umdrehte, riss sie sich zusammen und prostete ihm nun ihrerseits mit ihrem ungesund grünen Getränk zu. »Zum Wohl, mein Junge. Und herzlichen Glückwunsch zur Verlobung.«

»Danke. Sie sind die Erste, die mir gratuliert.«

»Wie alt sind Sie, mein Junge?« Sie leckte sich über die Lippen und verteilte dabei etwas roten Lippenstift auf ihren Schneidezähnen. Plötzlich tat sie Mark furchtbar leid. So alt und allein, dass sie mit fremden Menschen in einer Bar reden musste.

»Fast vierundzwanzig, in ein paar Wochen.«

»Vierundzwanzig.« Die Frau schien sich nicht vorstellen zu können, dass man so jung sein konnte. »Da war ich schon mit meinem Ernst verheiratet.« Sie sagte es mehr zu sich selbst.

»Waren Sie denn glücklich gemeinsam, Sie und Ihr Ernst?« Mark hätte sich normalerweise nicht so weit vorgewagt, aber da die Frau ihre Fragen selbst ohne Hemmungen stellte, sah er es als gerechtfertigt an.

Ein amüsiertes Lächeln kehrte in ihre Augen zurück, als sie nach einem Moment antwortete. »Manchmal, ja.« Sie lachte leise. »Die jungen Leute stellen sich die Ehe immer als ein großes Glück vor, das niemals endet. Romantisch an jedem einzelnen Tag. Aber eine Ehe ist harte Arbeit.« Sie lächelte, als wolle sie dem Gesagten den Stachel nehmen. »Ich will Ihnen keine Angst machen. Mit der richtigen Person an Ihrer Seite ist es das wert. Einsamkeit –« Sie blickte erschauernd in den Gastraum voller plaudernder Menschen, »Einsamkeit ist grausam.«

Mark wusste nicht recht, was er antworten sollte. Er fühlte sich plötzlich schuldig dafür, dass er frisch verlobt war und die Frau vor ihm von ihrer Einsamkeit redete. Er hatte beinahe das Bedürfnis, zu antworten, dass er keineswegs an immerwährendes Glück glaubte, fragte sich aber im selben Moment, was eine solche Bemerkung am Tag seiner Verlobung wohl über ihn aussagen würde.

»Aber wissen Sie«, fuhr die alte Frau fort, »was noch viel schlimmer ist als allein und einsam zu sein? und einsam zu sein.« Und mit diesen Worten kippte sie den Rest ihres grünlichen Getränks, stand erstaunlich sicher auf und griff nach einem leichten Überzieher, den sie trotz der hochsommerlichen Temperaturen dabei hatte. Mark erhob sich ebenfalls und half ihr galant in die Jacke.

»Danke, junger Mann, sehr freundlich.« Sie legte ihm zum Abschied ihre zittrige Hand auf den Arm. »Passen Sie gut auf sich auf.« Sie nickte mit Nachdruck, als verberge sich eine tiefere Wahrheit in ihren Worten. Bevor Mark etwas erwidern konnte, hatte sie sich umgedreht und ging mit zielstrebigen Schritten auf den Ausgang zu. Erst, als sie in der Nacht verschwunden war, setzte sich Mark langsam wieder und schüttelte den Kopf, in dem noch immer die gegensätzlichen Gedanken klimperten, die ihn hierher geführt hatten. »Wirklich...



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