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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3/3, 540 Seiten

Reihe: Die Dran'bara Schriften

Finn Feindin Magie

Dritter Band der Dran'bara Schriften
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7562-2696-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Dritter Band der Dran'bara Schriften

E-Book, Deutsch, Band 3/3, 540 Seiten

Reihe: Die Dran'bara Schriften

ISBN: 978-3-7562-2696-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



"Es wird keinen Frieden geben. Das Reich ist in Gefahr. Alle Völker." Magie bedroht die Welt. Elphen lauert in den Schatten. In der Unterwelt der Boragha gärt es. Die Kinder sind verschwunden. Schwer gezeichnet von Gefechten und Verlusten, planen die Gefährten ihre nächsten Schritte. Die Ereignisse überschlagen sich, als Syriakin der eigenen Vergangenheit begegnet und Arlen wieder auftaucht.

Aidan Finn lebt mit seiner Familie und seinem Kater am Stadtrand von Berlin.
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1


Säufergasse. Perth
Sie blieb so unvermittelt stehen, dass er gegen ihre Seite prallte. Reflexartig griff er nach ihrem Arm, gewappnet gegen Angriffe jeder Art. Doch kein Dieb lauerte in ihrer Nähe, kein Soldat blickte herausfordernd. Niemand schenkte ihnen Beachtung. Um sie summte das Leben der Stadt. Bedienstete hasteten vorüber, Bürger schlenderten gemächlich vorbei. Über ihnen spann sich das Gewirr unzähliger Stimmen, von denen die der Marktschreier und Betrunkenen am lautesten röhrten.
„Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen“, scherzte Gillok mit schiefem Grinsen, das verschwand, als sie nicht reagierte. „Syra?“, setzte er nach, jählings verunsichert wegen des steinernen Gesichtsausdrucks.
Er zupfte sie am Ärmel ihres Mantels. „Was ist? Ist dir etwas aufgefallen? Hat es mit ...“
Er kam nie dazu, die Frage zu vollenden. Mit einem unerwarteten Satz wich Syriakin zur Seite aus, stob an schimpfenden Passanten vorbei über die Straße und unter einem Torbogen hindurch in eine Gasse.
Einen Augenblick stand Gillok stocksteif, dann setzte er ihr nach.
Billige Wirtshäuser und armselige Suppenküchen säumten die enge Straße. Gillok hastete an schwindsüchtigen Dirnen vorüber, streifte einen Mann, der ihm unflätige Schimpfworte hinterher brüllte. Er wich fauligem Unrat aus, sprang über das angenagte Skelett eines Hundes, beschleunigte, als er einen durchdringenden Schrei vernahm, gefolgt von entsetzten Ausrufen und wütenden Flüchen, jagte die Gasse entlang, das Pochen des eigenen Herzens und das Dröhnen seiner Stiefel im Ohr.
Als er um die hervorstehende Ecke eines schiefen Gasthauses bog, erfasste er mit einem Blick, dass er zu spät gekommen war.
Eine Meute hatte sich um seine Gefährtin geschart. Syriakin musterte sie aufmerksam, die Hände kampfbereit nach vorn gestreckt. Gillok wusste, dass sie zwei, drei Männer töten konnte, wahrscheinlich sogar mehr. Dass sie eine Kämpferin mit nahezu unheimlichen Fähigkeiten war, die in ihrem Leben vielen ausweglosen Situationen entronnen war. Doch um sie wogte das Pack. Ein wilder Haufen verlorener Existenzen, durchtränkt von Branntwein und Schmutz, gewaltbereite Männer und Frauen, gierig nach Kampf und Sensation, lüstern nach Blut und Tod.
„Heda!“, rief er und schob sich durch die aufgebrachte Menge. „Lasst mich durch! Was ist geschehen?“
„Sie hat ihn umgebracht“, dröhnten die Stimmen im Chor.
Auf dem Kopfsteinpflaster, inmitten schmierigen Abfalls, lag ein regloser, schmaler Körper. Gillok schoss Syriakin einen Blick zu, bevor er zu dem Mann trat. Augenblicklich erkannte er, dass diesem nicht mehr zu helfen war. Er lag auf dem Rücken, die Arme schlaff an den Seiten, die Augen gebrochen. Ein Messer ragte aus seiner Kehle, ein zweites aus der Brust.
Aus der Art der Wunden las Gillok, dass beide Würfe tödlich gewesen waren. Herz und Halsschlagader. Kraftvolle, präzise Würfe, die das Opfer nach hinten geschleudert und erstickt hatten. Ein rascher Tod. Keine Zeit mehr, die Arme abwehrend zu heben, keine Zeit für letzte Worte.
Das Messer im Leib steckte bis zum Heft im Fleisch, verhinderte, dass Blut austrat. Nur ein kleiner hellroter Fleck schimmerte auf dem durchgescheuerten Stoff. Die Kehle sah schlimmer aus. Dicke Rinnsale liefen den Hals hinunter.
Als er den Toten genauer betrachtete, stutzte Gillok. Er ging in die Knie und befühlte die Kleidung. Eine Uniform. Fadenscheinig, abgetragen, die ursprüngliche Farbe kaum mehr zu erkennen.
Ein Soldat.
Nachdenklich strich er über die Brust des glatzköpfigen Mannes.
„Finger weg von den Messern!“, röhrte die Stimme eines Säufers plötzlich laut und brachte die Menge erneut zum Wogen.
Schnell hob Gillok die Hände und wandte sich der Meute zu, die ihn erbost anstarrte.
„Mordkumpan!“, entrüstete sich ein magerbrüstiges, übermäßig geschminktes Weib. „Lasst Eure dreckigen Finger von den Klingen!“
„Ich wollte nur nach den Wunden des Mannes sehen“, sagte Gillok beruhigend, die Hände weiterhin in der Luft. Langsam drehte er sich zu Syriakin, versuchte, ihren Blick einzufangen, aber Syras Augen schweiften über die aufgebrachte Menge und ignorierten ihn.
„Wozu? Er ist hinüber, das sieht doch ein Blinder“, spie die Dirne mit den hellroten Wangen aus. „Gerichtet von der da.“ Ihr Finger wies auf die Kriegerin, die das Weib ohne sichtbare Regung musterte.
„Mörderin!“
„Macht ihr den Prozess!“
„Lasst sie in der Boragha schmoren!“
„Bringt sie in den Kerker, damit sie dort verrotten kann!“
Der Pulk, ausgespuckt von den Löchern und Höhlen der Säufergasse, drängte näher, geriet außer Kontrolle. Schimpfwörter hagelten auf Syriakin, heisere Stimmen schrien nach Vergeltung, Fäuste reckten sich in die Luft.
Gillok sah nicht, wer das Toben lostrat. Plötzlich waren überall Arme, die herniederprasselten, Gegenstände, die auf Syriakin zuflogen. Steine. Unrat. Die Menge wogte in Kreisen um sie, spülte Gillok an den Rand.
Syriakin hatte keine Chance. Zwar gingen Männer und Frauen unter dem Hagel ihrer Ausfälle zu Boden oder wankten getroffen zurück, doch von allen Seiten drückten und drängten aufgeheizte Körper gegen sie, kreisten sie ein, verhinderten, dass sie nach ihren Waffen greifen konnte.
Gillok ruderte mit den Armen und schob Menschen beiseite, aber gegen die tobsüchtige Horde kam er nicht an. Nicht, ohne andere ernsthaft zu verletzen.
Schläge und Tritte prasselten auf Syriakin ein. Sie versuchte, die Attacken zu parieren, selbst als sie zu Boden ging; wehrte sich verbissen weiter, gab erst auf, als ein Stiefel ihren Kopf traf.
Ein Knüppel, den plötzlich einer der Anwesenden schwang und in Syriakins Bauchhöhle bohrte, verhinderte, dass die trampelnde Meute sie unter sich begrub. Gleichzeitig nagelte er die Kriegerin auf dem Pflaster fest.
„Auseinander!“, brüllte eine donnernde Stimme, die auch die hintersten Reihen erreichte.
Vor dem riesenhaften Mann mit den rollenden Augen wich die Menge zurück. Das Stimmengewirr ebbte ab und verstummte. Säufer bückten sich nach fallengelassenen Mützen, Dirnen schoben verrutschte Perücken zurecht. Steine polterten auf das Pflaster, Dolche wurden unauffällig in Hemdärmel geschoben, Fäuste hinter Rücken versteckt. Einzelne lösten sich aus dem Pulk, traten den Rückzug an. Andere entfernten sich grollend, manche stoben hinfort. Diebe verschwanden wie Schatten, die Taschen schwer von neuen Reichtümern. Nur wenige blieben zurück.
Gillok beugte sich zu Syriakin hinunter, doch der Knüppel schob sich vor seine Brust. „Nichts da.“
„Ich wollte nur sehen, ob sie verletzt ist.“ Gillok zwang sich, ruhig zu sprechen. „Sie reagiert nicht.“
„Kennt Ihr sie?“, fragte der muskelbepackte Besitzer des Prügels barsch.
„Ja.“
„Dann nehmt ihn ebenfalls in Gewahrsam“, befahl der Riese über Gilloks Kopf hinweg.
Gillok fuhr herum und trat einen Schritt zurück, als er sechs Männer auf sich zu rennen sah. „Haltet ein“, rief er, die Arme abwehrend erhoben. „Ich hatte mit dem Vorfall nichts zu tun.“
„Das stimmt, Amon Gurbandat“, sagte einer der Dagebliebenen, ein schmächtiges Männlein mit harten Gesichtslinien. „Er kam, nachdem sie den Mann gemetzelt hatte.“
„Ihn trifft keine Schuld“, bestätigte ein anderer. „Er schien genauso erschrocken wie wir.“
Gurbandat brummte etwas Unverständliches. „Behaltet ihn im Auge“, wies er seine Uniformierten dann im Kommandoton an. Der Knüppel schwang bedrohlich in seiner Hand. „Sie hat sie einen Mann getötet, vor aller Augen. Vorsätzlich.“
Einer der Schergen zuckte mit den Achseln. „Sie scheint bewusstlos.“
Scheint“, wiederholte Amon Gurbandat mit verkniffenem Lächeln, hob blitzschnell den Fuß und rammte ihn in Syriakins Seite.
Gillok kannte Syras eiserne Selbstbeherrschung, aber der brutale Tritt ließ sie aufstöhnen. Noch während sie sich krümmte, senkte der Prügel sich auf ihren Nacken.
„Schluss mit den Spielchen“, befahl Gurbandat dröhnend. „Ein Schlag und Ihr werdet nie wieder laufen. Für den Rest Eures erbärmlichen Lebens.“
„Warum tötet Ihr mich nicht gleich?“, drang Syriakins Stimme zwischen zusammengebissenen Zähnen zu ihnen herauf.
„Syra“, stöhnte Gillok.
„Weil ich das Gesetz vertrete“, zischte Gurbandat. Mit einer Faust griff er nach ihrem Kragen und zog sie auf die Beine, als wäre sie schwerelos. Gillok schluckte, gegen seinen Willen beeindruckt. Amon Gurbandat schien stark wie ein Bulle und gerissen wie ein Fuchs. Kein Mann, mit dem man sich leichtfertig anlegte, zumal auch seine Untergebenen aussahen, als verbrächten sie die meisten Stunden des Tages auf dem Kampfplatz.
Zwei von ihnen traten Syriakins Beine auseinander und bogen ihre Arme auf dem Rücken so weit nach oben, dass ihre Finger beinahe ihr eigenes Schulterblatt berührten. Eine Prozedur, die sie in die Knie zwang.
Gillok wurde unruhig.
„Ah. Bleibt schön, wo Ihr seid!“ Warnend hob Gurbandat den Knüppel. „Sie tun nur ihre Pflicht.“
„Ihr behandelt sie wie eine Verbrecherin.“
„Sie ist eine kaltblütige Mörderin. Und ich helfe, Mörder zu bestrafen.“, Er beobachtete Syriakin, während seine Männer ihre Handgelenke fesselten und ihre Taschen systematisch entleerten, „Knebelt auch ihre Füße“, wies er seine Leute an. „Sie kämpft mit allen Finessen.“
Gillok betrachtete seine Gefährtin. Sie hatte jeden Widerstand aufgegeben, wirkte benommen und teilnahmslos.
Er suchte ihren Blick. Sie hielt den Kopf gesenkt und von ihm abgewandt. Fühlte sie Schuld? Kein Wort der Verteidigung drang über ihre Lippen. Sie hatte sich in sich selbst...



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