Finnek | Gegen alle Zeit | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 480 Seiten

Reihe: Bastei Lübbe

Finnek Gegen alle Zeit

Historischer Roman
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-8387-1031-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Historischer Roman

E-Book, Deutsch, 480 Seiten

Reihe: Bastei Lübbe

ISBN: 978-3-8387-1031-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein stinkender Keller voll Schlafender und ein fluchender Mann mit Dreispitz - Henry Ingram traut seinen Augen nicht, als er nach einem heftigen Rausch zu sich kommt. Nur langsam begreift er das Unglaubliche: Er wurde um dreihundert Jahre in der Zeit zurückversetzt, mitten hinein ins London des 18. Jahrhunderts, ein London der Ganoven und Diebe. Unfreiwillig hilft er beim Ausbruch des Räuberhauptmanns Jack Sheppard aus dem berüchtigten Newgate-Gefängnis - und wird so selbst zum gejagten Gesetzlosen ...

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(S. 440-441)

Henry spürte eine kalte Hand auf seiner Stirn, eine weitere auf seiner Brust, und er hörte eine sonore Stimme sagen: »Können Sie mich hören, Henry?« »Ay, Sir«, wisperte Henry, ohne die Augen zu öffnen. »Ay, Sir?«, lachte der Mann wiehernd. »Freut mich, dass Sie Ihren Humor nicht verloren haben. Und dass Sie überhaupt wieder da sind.« Die Stimme des Mannes kam Henry bekannt vor, unangenehm bekannt. Als er die Augen aufschlug und den üppigen Vollbart unter der mächtigen Hakennase sah, hätte er am liebsten laut geschrien, doch er schaute dem freundlich lächelnden Mann in die Augen und sagte nur:

»Dr. Featherstone.« Der Doktor nickte überrascht. »Wie geht es Ihnen? Haben Sie Schmerzen?« »Bin ich wieder in Bedlam?«, fragte Henry. »Bedlam?« Wieder dieses Lachen. »Sind Sie denn verrückt?« »Wo bin ich denn dann?« »Im Barts.« »Was?« »St. Bartholomew’s Hospital«, erklang eine zweite Stimme von der anderen Seite des Bettes.

»Sie befinden sich auf der Intensivstation der Chirurgie.« Als Henry den Kopf drehen wollte, musste er feststellen, dass das nicht möglich war. Sein Schädel war bandagiert und fixiert. Aus den Augenwinkeln blickte er zu dem zweiten Mann und sah ein weiteres bekanntes Gesicht. Er rief: »Mr. Bramble!« »Mr. Ingram war offensichtlich nicht so bewusstlos, wie es für uns den Anschein hatte, Gavin«, sagte Dr. Featherstone und fühlte den Puls an Henrys Handgelenk.

Henry bemerkte Pflaster und leichte Verbände an beiden Handgelenken und eine Kanüle mit angehängtem Schlauch in der linken Armbeuge. Er begriff noch immer nicht, was mit ihm los war, und fragte: »Haben Sie mich wieder zur Ader gelassen, Doktor?« Diesmal lachte Mr. Bramble lauthals und rief: »Aderlass, sehr gut!« Dr. Featherstone erklärte: »Sie haben viel Blut verloren, das ist wahr, aber dafür sind nicht wir verantwortlich. Sie wurden schwer verletzt und haben einen Schädelbasisbruch mit einhergehendem Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Es gab Einblutungen ins Hirn, die wir jedoch glücklicherweise operativ in den Griff bekommen haben, bevor der Druck auf die Dura Mater zu groß wurde.« »Sie haben mir den Schädel aufgebohrt?« »Nur ein winzig kleines Loch. Kaputt war er ja ohnehin«, sagte

Dr. Featherstone und lachte über seinen Ärztewitz. »Nach der Operation haben Sie acht Tage im Koma gelegen. Jedenfalls dachten wir das bis gerade.« »Wissen Sie noch, was passiert ist?«, fragte Mr. Bramble. »Wie es zu der Verletzung kam?« »Jonathan Wild hat mich mit der Schaufel …«, begann Henry, brach dann plötzlich ab und schaute zur Decke. Neonlicht blendete ihn, und er schloss erneut die Augen. »Sean Leigh hat mich mit einer Eisenstange im Postman’s Park niedergeschlagen. Das wollen Sie doch von mir hören, oder?«

»Sie erinnern sich, das ist ein gutes Zeichen«, sagte Mr. Bramble zufrieden. »Nach dem jetzigen Stand gibt es keinen Grund anzunehmen, dass irgendwelche dauerhaften Schäden zurückbleiben«, dozierte Dr. Featherstone und klopfte aufmunternd auf Henrys Knie. »Weder die Lungen noch das Herz waren in ihrer Funktion eingeschränkt, wir mussten Sie auch nicht künstlich beatmen. Die Epiduralblutungen waren natürlich nicht ohne Folgen und können Nachwirkungen haben. Wegen der Schwellungen kann es immer noch zu Bewusstseinsstörungen kommen, doch das wird sich mit der Zeit geben.«

»Bewusstseinsstörungen?« »Ja, Schwindelgefühle, Gleichgewichtsstörungen, Sinnestäuschungen bis hin zu Halluzinationen. Aber keine Bange, das eingesickerte Blut wurde vollständig ausgeräumt, die Schwellung hat bereits nachgelassen, das Hirn wurde nach ersten Tests nicht geschädigt, die Knochen werden rasch heilen, und das Ganze wird Ihnen bald wie ein dummer Traum vorkommen.«



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