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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 8, 161 Seiten

Reihe: Münsterland-Reihe

Finnek Rauhmorde

Ein Münsterland-Krimi. Tenbrink und Bertram ermitteln in den Rauhnächten
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7517-8581-5
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Münsterland-Krimi. Tenbrink und Bertram ermitteln in den Rauhnächten

E-Book, Deutsch, Band 8, 161 Seiten

Reihe: Münsterland-Reihe

ISBN: 978-3-7517-8581-5
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eigentlich möchte Maik Bertram mit seiner Tochter und Heinrich Tenbrink die weihnachtlichen Rauhnächte gemütlich in einem kleinen Kotten im Wald verbringen. Und mit Mord und Totschlag will er nur noch auf dem Papier zu tun haben - als Krimi-Autor. Doch dann erschüttert ein Doppelmord das winterliche Münsterland. Der Tatverdächtige flieht und nimmt in seiner Verzweiflung Maiks Tochter und Kommissarin Heide Feldkamp als Geiseln ...

Noch einmal müssen Bertram und Tenbrink gemeinsam ermitteln. Dabei stoßen sie auf alte und neue Geheimnisse und die Frage: Wie gut kennt man die Menschen, die einem am nächsten stehen?

Für alle Fans der beliebten Münsterland-Reihe - und alle, die es noch werden wollen - hat Tom Finnek diesen kleinen spannenden Krimi geschrieben. Die perfekte Krimi-Lektüre für einen kalten Winterabend.

Alle Fälle für Heinrich Tenbrink und Maik Bertram:

GALGENHÜGEL
TOTENBAUER
SCHULDACKER
RAUCHLAND
TOTENSANG (Kurz-Krimi)
FINSTERBUSCH
SCHATTENBRUCH
RAUHMORDE (Kurz-Krimi)

beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung.

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Freitag, 26. Dezember
1


Heinrich Tenbrink war erleichtert. Die Weihnachtstage in dem einsamen Waldkotten waren erstaunlich schön gewesen: harmonisch, friedlich und gar nicht so deprimierend, wie er befürchtet hatte. Oder wie es der notorische Weihnachtshasser Maik Bertram vorhin beim Mittagessen so trefflich formuliert hatte: »Die verfluchten Feiertage sind eigentlich ganz glimpflich verlaufen.«

Das vergangene Jahr war kein gutes für Tenbrink gewesen. Gelinde gesagt. Ein Jahr voller Tod und Trauer. Im Frühling war seine Schwippschwägerin Gertrud an den Folgen einer Lungenembolie gestorben. Sie war zwar schon weit über achtzig Jahre alt und seit längerer Zeit krank gewesen, aber Tenbrink hatte sie leider vor ihrem Tod nicht mehr im Krankenhaus besuchen können. Ein viel zu kurzes Telefonat zu ihrem Geburtstag war seine letzte Erinnerung an die alte Freundin. Und das ärgerte ihn.

Der nächste und ungleich heftigere Schicksalsschlag hatte nicht lange auf sich warten lassen. Im Spätsommer hatte seine Lebenspartnerin Brigitte einen Schlaganfall erlitten und war bei der anschließenden Notoperation an einer weiteren Hirnblutung gestorben. Mit Anfang siebzig. Am Tag zuvor hatten sie noch einen Ausflug mit dem Fahrrad unternommen, und Tenbrink machte sich seitdem Vorwürfe, weil er sie trotz des schwülen Wetters zu der Tour überredet hatte. Dass die Ärzte beteuerten, es sei nicht seine Schuld und die Radfahrt nicht die Ursache für ihren Tod gewesen, konnte daran nichts ändern. Schuld war keine Frage der Logik. Wer wusste das besser als Tenbrink.

Nein, es war wahrlich kein gutes Jahr gewesen. Wenigstens waren ihm nicht auch noch sein Freund und Mitbewohner Maik Bertram und dessen Tochter Ella abhandengekommen, wonach es zu Beginn des Jahres ausgesehen hatte. Vor drei Jahren, kurz nach dem gewaltsamen Tod seiner damaligen Freundin Hannah, hatte Bertram den Dienst bei der Kriminalpolizei quittiert und sich seitdem als Krimiautor versucht. Anfangs mit bescheidenem, später mit erstaunlichem Erfolg. Weil er nun sowohl beruflich wie privat völlig ungebunden war, stand ihm plötzlich der Sinn danach, seine Zelte im Münsterland nach all den Jahren abzubrechen und in seine alte Heimat Magdeburg zurückzukehren. Eine Schnapsidee, die Tenbrink ihm glücklicherweise und unter tatkräftiger Hilfe der inzwischen sechsjährigen Ella hatte ausreden können. Dass Bertram zur gleichen Zeit die Beziehung zu seiner Ex-Freundin und Ex-Kollegin Heide Feldkamp wieder aufgenommen hatte, hatte Tenbrink dabei durchaus in die Karten gespielt.

Ohne Bertrams Beistand und Unterstützung hätte er Brigittes Tod vermutlich nicht so unbeschadet überstanden. Ganz zu schweigen von dem Beistand seines Pudels Locke, der regelrecht zu riechen schien, wenn es dem Herrchen nicht gut ging, und ihm in den schlimmsten Momenten nicht von der Seite gewichen war. Wie ein Hütehund.

Der Herbst hatte allerdings doch noch eine gute Nachricht gebracht: Tenbrinks Tochter Maria hatte im November ihren Freund Eberhard, der sich aus unerfindlichen Gründen Ebi nannte, geheiratet und war samt ihren Töchtern Nelly und Jana bei ihm eingezogen. Ebi war Anwalt oder Rechtsberater eines großen Energieunternehmens und besaß ein Haus in der Nähe von Gladbeck. Eine gute Partie, wie man früher gesagt hätte. Die vier Mitglieder der Neufamilie waren im Moment auf einer Kreuzfahrt in der Karibik. Zugleich Hochzeitsreise und Weihnachtsurlaub.

Für einen kurzen Moment hatte Tenbrink gehofft, Maria und Ebi würden auch ihn zu der Reise einladen. Er war noch nie auf einer Kreuzfahrt gewesen, noch nie in der Karibik. Doch die Hoffnung war ebenso kurz wie trügerisch gewesen. Vermutlich hätte er ohnehin Nein gesagt. Wenn sie denn gefragt hätten.

Stattdessen also ein abgeschiedenes Häuschen im sogenannten Düvelswald, dem Teufelswald, einem teilweise renaturierten Erlenbruch an der holländischen Grenze. Weihnachten im unwirtlichen und nasskalten Venn. In den Rauhnächten, wie man sie in Westfalen gern nannte. Wenn zwischen den Jahren die Geister und Dämonen umgingen.

Der altersschwache Kotten, der früher angeblich als Heuerlingshaus für umherziehende Waldarbeiter gedient hatte, war ihm von Gertrud vermacht worden und hatte erst wieder instandgesetzt und beheizbar gemacht werden müssen. Die mühselige Renovierung wie auch die jetzigen Weihnachtstage im Bruchwald waren Bertrams Idee gewesen. Vermutlich hatte er sich davon etwas Ablenkung und Trost bei der Trauerbewältigung versprochen. Werkeln gegen die Wehmut. Und es hatte sogar funktioniert. Manchmal.

»Möchte noch jemand einen Schluck Kaffee?« Tenbrink hielt die Thermoskanne in die Höhe und schaute zu Maik Bertram und Heide Feldkamp, die auf dem abgewetzten Sofa vor dem Fernseher saßen und synchron mit dem Kopf schüttelten. Auch der überdimensionale Flachbildfernseher war Bertrams Idee gewesen. »Wenn schon Weihnachten, dann aber richtig«, hatte er gemeint. Also hatten sie tagsüber gemeinsam mit Ella Drei Haselnüsse für Aschenbrödel geschaut und abends Ist das Leben nicht schön? oder Schöne Bescherung. »Weihnachts-Hardcore«, so nannte Bertram das. Jetzt allerdings betrachteten die beiden gebannt die Nachrichten irgendeines Regionalsenders.

»Gibt's Neuigkeiten?«, fragte Tenbrink und goss sich den restlichen Kaffee und etwas Milch in seine Tasse. »Haben sie den Tatverdächtigen schon gefasst?«

»Bislang nicht.« Heide schüttelte den Kopf und deutete mit der Gehhilfe auf ihren Gipsfuß. »Ausgerechnet jetzt, wo was Aufregendes passiert, bin ich außer Gefecht gesetzt.« Sie war vor Kurzem mit dem Mountainbike gestürzt, hatte sich das linke Sprunggelenk gebrochen sowie einen Ellbogen ausgerenkt und war noch einige Zeit krankgeschrieben.

»Sei doch froh«, erwiderte Bertram und gab ihr einen Kuss auf die Wange. »Sonst müsstest du jetzt Überstunden schieben und hättest ein gemütliches Weihnachtsfest mit uns verpasst.«

»Auch wieder wahr.« Heide lächelte verkniffen. Sie sah beinahe so aus, als wäre ihr der Gedanke an ein verpasstes Fest gar nicht mal zuwider. »Ich hab vorhin übrigens im Präsidium angerufen und mit Bernd Hölscher gesprochen. Die Kollegen sind über die Feiertage alle im Einsatz, scheinen aber tatsächlich keine Ahnung zu haben, wo dieser Martin Pieper sich versteckt.«

»Ist nur eine Frage der Zeit«, erwiderte Bertram. »Sein Bild ist morgen in allen Zeitungen und heute sogar im Fernsehen. Ich geb ihm noch ein, zwei Tage. Höchstens.«

Tenbrink setzte sich mit der Tasse in der Hand auf die Sofalehne und starrte nun ebenfalls auf den Bildschirm. Ein Kriminalrat im Ruhestand, ein Hauptkommissar außer Dienst und eine arbeitsunfähige Oberkommissarin verfolgten die Berichterstattung über einen Doppelmord, der sich in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft ereignet hatte. Im Dorf Uppenkamp, gerade einmal drei Kilometer entfernt. Und als sei das noch nicht Zufall genug, handelte es sich bei einem der Mordopfer um David Schulze-Düvel, einen Sprössling jener bäuerlichen Schulzenfamilie, nach der der »teuflische« Erlenbruch an der Grenze benannt war: Düvelswald.

Ein Mord aus Eifersucht und Rache. Vermutlich unter Alkoholeinfluss. Mit einem flüchtigen Täter, der seine Frau und deren Liebhaber oder Freund erschossen hatte und anschließend blutverschmiert und mit der Tatwaffe in der Hand am Tatort gesehen worden war. Martin Pieper war zwar noch nicht gefasst, aber sein Schicksal besiegelt. Bertram hatte recht: ein, zwei Tage. Höchstens.

»Pieper ist angeblich Jäger«, gab Heide zu bedenken. »Er kennt sich vermutlich gut in der Gegend aus und weiß von Verstecken, auf die wir niemals kommen würden.«

»Apropos«, sagte Tenbrink und schaute sich in dem winzigen Wohnzimmer um. »Wo steckt eigentlich Ella?«

»Die ist vorhin mit Locke raus«, antwortete Bertram und stierte weiterhin auf den Fernseher, wo gerade ein hastig rauchender Nachbar interviewt wurde und sich aufführte, als hätte der Mordanschlag ihm gegolten. Bevor Tenbrink etwas erwidern konnte, setzte Bertram hinzu: »Ja, sie hat Mantel, Mütze, Schal und Handschuhe dabei. Mach dir keine Sorgen.«

»Hast du ihr gesagt, dass sie nicht so weit gehen soll?«, fragte Tenbrink und suchte Bertrams Blick. »Du weißt, dass der Wald nicht ungefährlich ist.«

»Das weiß ich, und Ella weiß das auch«, antwortete Bertram, ohne den Blick vom Fernseher abzuwenden. »Sie kennt sich hier inzwischen besser aus als wir alle zusammen. Gestern erst hat sie mich vor einem Schlammloch gewarnt, das ich gar nicht gesehen hatte. Außerdem hat sie ja Locke dabei.«

»Als Jagd- und Wachhund?«, fragte Heide belustigt.

»Nein, als Schisshase, der vor der geringsten Gefahr davonläuft. Locke ist das genaue Gegenteil von Ella.«

»Trotzdem«, beharrte Tenbrink und seufzte unbehaglich. Die Diskussion hatten sie schon oft geführt, und er wusste, dass sie nirgendwo hinführte. Mach dir keine Sorgen! Das war leichter gesagt als getan. Natürlich verstand er, dass Bertram seine Tochter zu einem selbstständigen und selbstbewussten Menschen...



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