E-Book, Deutsch, Band 7, 341 Seiten
Reihe: Münsterland-Reihe
Finnek Schattenbruch
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7517-3823-1
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Münsterland-Krimi. Der letzte Fall für Tenbrink und Bertram
E-Book, Deutsch, Band 7, 341 Seiten
Reihe: Münsterland-Reihe
ISBN: 978-3-7517-3823-1
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Für Maik Bertram könnte es eigentlich kaum besser laufen: Kürzlich wurde er zum Hauptkommissar befördert, seine kleine Tochter ist gesundheitlich wohlauf und er hat eine leidenschaftliche Affäre mit der verheirateten Hannah Nachtweih. Doch als er eines Morgens verkatert aufwacht, liegt diese neben dem Bett am Boden - ermordet!
Der Mörder muss Bertram betäubt und Hannah erwürgt haben. Aber sein Chef glaubt ihm kein Wort. Obwohl es weitere Verdächtige gibt, ist er davon überzeugt, dass Bertram seine Freundin getötet hat. Um seine Unschuld zu beweisen, bleibt Bertram nur eine Chance: Er muss auf eigene Faust ermitteln. Zum Glück kann er sich dabei auf seinen Freund Heinrich Tenbrink und Hauptkommissarin Isa Rohmann verlassen ...
Im sechsten und finalen Fall der Münsterland-Krimis geraten die Ermittler selbst in die Schusslinie und müssen über sich hinauswachsen!
Alle Fälle für Heinrich Tenbrink und Maik Bertram:
GALGENHÜGEL
TOTENBAUER
SCHULDACKER
RAUCHLAND
TOTENSANG (Kurz-Krimi)
FINSTERBUSCH
SCHATTENBRUCH
Das sagen die vielen begeisterten Fans der Münsterland-Krimi-Reihe:
'Der ruhige Erzählstil, glaubhafte Figuren, eine komplexe Handlung und eine atmosphärische Schilderung ergänzen sich zu einem hervorragenden Werk.' (Wampy, Lesejury)
'Ein spannender und stimmungsvoller Münsterland-Krimi mit gutem Plot und interessanten Ermittlern, deren Privatleben ebenfalls nicht zu kurz kommt. Kein lustiger, aber dennoch humorvoller Regionalkrimi, der passend zum Titel manchmal auch etwas düster ist.' (Lucilla, Lesejury)
'Ein wunderbarer, mit dezentem Humor gespickter, spannender Regionalkrimi mit einem außergewöhnlichen Ermittlerduo, welches einem schnell ans Herz wächst.' (Honigmond, Lesejury)
'Tom Finnek hat eine leichte und nette Art, das Wesen des Münsterlandes und seiner Bewohner einzufangen. Er hebt das Knurrige im Münsterländer hervor, der nicht durch Redseligkeit und Aufgeschlossenheit besticht, eher durch das genaue Gegenteil. Seine Menschen sind Originale, sie wirken lebensecht.' (fredhel, Lesejury)
beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung.
Tom Finnek wurde 1965 im Münsterland geboren und arbeitet als Filmjournalist, Drehbuchlektor und Schriftsteller. Er ist verheiratet, Vater von zwei Söhnen und lebt mit seiner Familie in Berlin.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Gründonnerstag (14. April)
1
Severin konnte sein Glück kaum fassen und hatte Mühe, sich die Aufregung nicht anmerken zu lassen. Bloß jetzt nicht vorfreudig lächeln oder siegesgewiss grinsen! Oder irgendwas Dummes geschweige denn Verräterisches sagen! Wenn er sich noch ein wenig beherrschte und seine Gefühle im Zaum hielt, könnte dies der beste Tag seines Lebens werden.
»Am ehesten würden mich die Beatles-LPs interessieren, Herr Tenbrink«, sagte er möglichst beiläufig und betrachtete die gut vierzig Schallplatten im Regal, die er gerade durchgesehen hatte. Um es nicht zu auffällig wirken zu lassen, setzte er achselzuckend hinzu: »Und die beiden Scheiben von den Rolling Stones. Vielleicht noch das Woodstock-Album. Ich sammle vor allem Sachen aus den Sechzigern.«
»Oh«, erwiderte der etwa sechzig Jahre alte Nachbar seiner Schwester enttäuscht und wiegte den Kopf hin und her. »Ich hab gehofft, dass ich alles auf einen Schlag loswerde. Wie ich Nina schon auf dem Spielplatz erzählt habe: Die Schallplatten gehörten meiner verstorbenen Frau und nehmen nur unnötig Platz im Regal ein. Ich besitze ja nicht einmal mehr einen Plattenspieler.«
»Alles auf einen Schlag?« Severin fuhr sich durch die stoppeligen Haare und tat so, als wäre das eine nur schwer zu schluckende Kröte. »Ich weiß nicht, Herr Tenbrink. Vieles davon ist überhaupt nichts wert.« Er zog auf gut Glück eine Schallplatte aus der Sammlung, erwischte »Das deutsche Schlagerfestival der 70er Jahre« und schmunzelte. »Nichts gegen Roy Black und Bernd Clüver, aber das sind nicht gerade gesuchte Sammlerstücke.«
Ninas Nachbar machte abermals eine enttäuschte Miene. »Ich hab irgendwo gelesen, dass alte Schallplatten richtig wertvoll sein können. Sozusagen eine Geldanlage.« Er nahm die Brille von seiner Nase und putzte sie ausgiebig mit einem Stofftaschentuch.
»Das ist richtig«, bestätigte Severin und deutete auf die laut Untertitel »20 Super-Hits der 70er«, die er immer noch in der Hand hielt. »Aber Alter allein hat noch keinen Wert. Es muss auch eine Nachfrage geben. Und dann kommt es natürlich auf die Seltenheit und Beschaffenheit der Platte an. Das hier ...« Er schüttelte bedauernd mit dem Kopf und stellte die Schlager-Platte zurück ins Regal. »... ist leider kein kostbarer Schatz, sondern Massenware. Ich würde Ihnen die Sammlung ja ausnahmsweise komplett abnehmen, aber reich werden Sie damit leider nicht.«
»Schade«, erwiderte Tenbrink, lächelte traurig und setzte seine Brille wieder auf. »Wie viel würden Sie mir denn für alle zusammen geben wollen?«
Auf diese Frage hatte Severin gewartet, seitdem er die kleine und unscheinbare Plattensammlung durchgesehen hatte und dabei völlig unvermittelt auf den Heiligen Gral der Vinylsammler gestoßen war. Auf die Yesterday and Today-LP der Beatles, im berühmten und berüchtigten »Butcher-Cover«, das die vier lachenden Pilzköpfe in Metzgerkitteln zeigte. Mit blutigen Fleischstücken und Fragmenten von Babypuppen drapiert. Ein äußerst geschmackloses Cover, das von der Plattenfirma noch vor Erscheinen zurückgezogen oder mit einer harmloseren Version überklebt worden war.
Dies hier jedoch war eines der etwa sechzigtausend Werbe-Exemplare, die damals vorab an die Presse, Plattenläden und Radiostationen verschickt worden waren. Das Cover war nicht nachträglich überklebt, es handelte sich auch nicht um eine billige russische Raubkopie, wie Severin sie selbst besaß, sondern es war das amerikanische Original aus dem Jahr 1966. Bis zu zehntausend Euro war so eine Platte wert, je nachdem, wie gut sie erhalten war. Ein ungespieltes und noch eingeschweißtes Exemplar der LP war vor einigen Jahren für schlappe zweiundzwanzigtausend Euro verkauft worden.
Als Nina ihm vorhin am Telefon berichtet hatte, sie sei auf dem Kinderspielplatz mit einem Nachbarn aus der Von-Galen-Straße ins Gespräch gekommen, der einen Abnehmer für seine alten Schallplatten suche, hatte sich Severin nicht viel davon versprochen. Roy Black und Bernd Clüver eben. Doch nun hätte er seiner Schwester am liebsten auf den Knien dafür gedankt, dass sie den Kontakt zu dem durchaus netten und dankenswerterweise völlig ahnungslosen Herrn Tenbrink hergestellt hatte. Es kam ihm vor, als wäre ein Traum wahr geworden. Wie ein Sechser im Lotto.
»Normalerweise würde ich Ihnen hundertfünfzig Euro für die Platten anbieten«, sagte Severin und kam sich nicht einmal wie ein Lügner oder Betrüger vor. »Aber weil Sie ein Nachbar von Nina sind und Ihre Enkelin in den gleichen Kindergarten wie der kleine Robin geht ...«
»Ella ist nicht meine Enkelin«, unterbrach ihn Tenbrink, »sondern die Tochter meines Mitbewohners.«
»Wie auch immer ...« Severin räusperte sich und streckte seine Hand aus, von der er hoffte, dass sie nicht zu schweißnass war. »Was halten Sie von zweihundert Euro? Ein Freundschaftspreis. Mehr kann ich beim besten Willen nicht geben. Abgemacht?«
»Was ist abgemacht?«, kam es in diesem Moment von der Tür zum Flur, wo ein circa vierzigjähriger Mann mit geschorenem Schädel und Dreitagebart stand und die Stirn krauszog. »Machst du wieder krumme Geschäfte, Heinrich?«
»Wenn man vom Teufel spricht«, sagte Tenbrink und lachte. »Maik, das ist Severin Wigger. Er ist der Bruder von Nina aus dem Kindergarten und will mir die alten Schallplatten abkaufen.« Mit einem zufriedenen Lächeln setzte er hinzu: »Für zweihundert Euro.«
Severin versuchte, nicht triumphierend zu strahlen, und wiederholte: »Abgemacht?« Immer noch hielt er seine Hand ausgestreckt.
In diesem Moment kam ein schwarzer Pudel ins Wohnzimmer gerannt, gefolgt von einem kleinen, vielleicht dreijährigen Mädchen, das lautes Indianer-Geheul von sich gab und mit einem Flitzebogen bewaffnet war, mit dem es Jagd auf den Hund zu machen schien.
»Haltet den Büffel!«, rief die Kleine und stöhnte theatralisch auf, als der Pudel mit einem langen Satz über den Boden schlitterte und unter der Couch verschwand. »Männo, Locke! Unterm Sofa gildet nicht!«
»Unterm Sofa ist Klippo«, sagte der Mann namens Maik und schüttelte den Kopf. »Da darfst du ihn nicht fangen, Ella. Das weißt du doch.«
»Klippo ist doof«, erwiderte das Mädchen bockig.
»Außer wenn du selbst gefangen wirst«, konterte Tenbrink und wandte sich an den Vater des Mädchens: »Hast du ihren Koffer gepackt? Alles bereit?«
Der Mann in der Tür nickte. »Die Reisetasche ist schon im Wagen. Ich hab euch noch etwas Proviant eingepackt.«
»Proviant? Es sind doch nur achtzig Kilometer.«
»Du kennst ja Ella. Sobald sie im Auto sitzt, will sie was essen. Ich hab Reiswaffeln ins Handschuhfach gelegt. Bist du sicher, dass du nicht lieber meinen Wagen nehmen willst? Dein alter Audi ist ...«
»Gerade erst durch den TÜV«, erwiderte Tenbrink und schüttelte den Kopf. »Der ist nicht alt, der hat Charakter.«
Severin hielt immer noch die Hand ausgestreckt und kam sich in der Pose etwas blöd vor. Er räusperte sich und nahm einen dritten Anlauf: »Also, was sagen Sie? Abgemacht?«
»Was?«, antwortete Tenbrink verwirrt und zögerte kurz. »Ach so, ja, von mir aus.« Er wollte bereits einschlagen, doch sein Mitbewohner ging plötzlich dazwischen.
»Warte mal, Heinrich!«
»Was ist?«
»Das geht nicht!«
»Warum nicht?«
»Du hast doch gesagt, ich soll die Platten bei ebay-Kleinanzeigen einstellen. Das hab ich heute Morgen gemacht, und es hat sich bereits ein Interessent gemeldet.«
»Tatsächlich?«, staunte Tenbrink, und Severin spürte sein Herz rasen.
»Ein Händler aus Osnabrück will am Montagabend herkommen und sich die Platten anschauen. Er ist über Ostern in Holland und will auf dem Rückweg über Schöppingen fahren. Er klang sehr interessiert und hat darum gebeten, die Schallplatten für ihn zu reservieren.«
»Am Montag?«, fragte Severin und nahm seine Hand herunter. »Aber heute ist Donnerstag. Ich würde die Sammlung gleich mitnehmen. Dann sind Sie sie los.« Die letzten Worte richtete er an Tenbrink, der plötzlich verunsichert wirkte. »Warum so lange warten?«
»Wir müssen das ja nicht übers Knie brechen«, antwortete Tenbrink und strich dem kleinen Mädchen, das mit dem Flitzebogen im Anschlag lauernd vor dem Sofa stand, über das hellblonde Haar. »Ich bin über die Feiertage ohnehin nicht in Schöppingen. Ella und ich fahren gleich los und besuchen meine Tochter in Gladbeck.«
»Locke auch!«, rief das Mädchen.
»Ja, Locke kommt auch mit«, bestätigte Tenbrink und wandte sich an Severin: »Wir sind erst am Montagmittag wieder da. Dann können wir ja weitersehen.«
»Dreihundert Euro!«, rief Severin plötzlich aufgeregt und streckte, wie bei einem unkontrollierbaren Reflex, erneut die Hand aus....




