Finnek | Schuldacker | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 386 Seiten

Reihe: beTHRILLED

Finnek Schuldacker

Ein Münsterland-Krimi. Der dritte Fall für Tenbrink und Bertram
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7325-7453-7
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Münsterland-Krimi. Der dritte Fall für Tenbrink und Bertram

E-Book, Deutsch, 386 Seiten

Reihe: beTHRILLED

ISBN: 978-3-7325-7453-7
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der westfälische Sturkopf Heinrich Tenbrink und sein Partner Maik Bertram in ihrem dritten Fall!
Nachts in einem Wäldchen am Dorfrand: Ein betrunkener Jugendlicher stolpert - im wahrsten Sinne des Wortes - über eine Leiche. Der Tote starb durch einen Stich ins Herz. Und er ist kein Unbekannter: Paul Winterpacht stand vor zwei Monaten vor Gericht, weil er einen jungen Mann totgeschlagen hatte. Das milde Urteil gegen ihn sorgte für einen Skandal.
Für Tenbrink und Bertram sieht zunächst alles nach einem Rachemord aus. Den Täter vermuten sie im Umfeld der Familie des damaligen Opfers. Doch dann tritt der Lokalreporter Gerd Nollmann auf den Plan, der mit seiner Landwehrgruppe für Recht und Ordnung im Münsterland sorgen will. Zur Not auch mit Selbstjustiz? Ein Rätsel bleibt für die Kommissare auch der Zettel, den sie bei dem Toten gefunden haben. Darauf befinden sich handschriftliche, kaum lesbare Zeichen und Zahlen. Hat ihnen der Täter damit eine Nachricht hinterlassen, die sie zur Lösung des Falls führen soll?

LESER-STIMMEN ZU 'SCHULDACKER'

'Ein spannender Lokalkrimi, der den Leser einfängt, mitnimmt und so schnell nicht mehr loslässt.' (CarmensBuecherkabinett, Lesejury)
'Die Hauptfiguren der Serie sind mir schnell ans Herz gewachsen und ich hoffe, dass es noch weitere Folgen in der Serie gibt. Und zwar bald, ich kann's kaum erwarten ...' (BrittDreier, Lesejury)
'Tom Finnek ist wieder ein fesselnder Krimi gelungen, der durch die unterschiedlichen Charaktere sowohl bei den Ermittlern als auch bei den Dorfbewohnern besticht.' (Venatrix, Lesejury)
'Dieses Buch war mein erster Münsterland-Krimi und ich muss feststellen, dass das nicht mein letzter war. Die Geschichte war spannend, das Ermittlerteam sympathisch unaufgeregt. Ein netter Hund war auch noch dabei. Gute Unterhaltung ohne hektische Verfolgungsjagden und ständige Ballerei.' (Feyjaki, Lesejury)
'Ein wunderbarer, mit dezentem Humor gespickter, spannender Regionalkrimi mit einem außergewöhnlichen Ermittlerduo, welches einem schnell ans Herz wächst.' (Honigmond, Lesejury)
'Eine eindringliche Geschichte, die detailliert beschrieben ist, den westfälischen Begriff von Humor vor sich herträgt und die Spannung oben hält - bis zum verblüffenden und sehr tragischen Ende.' (Habbo, Lesejury)

eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung!

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2


Tenbrink konnte den Anblick von Leichen nicht ertragen. Nicht mehr.

Früher hatte ihm das nur wenig ausgemacht, aber inzwischen schlug es ihm regelrecht auf den Magen. Er wusste, dass das mit dem Tod seiner Frau Karin und dem Anblick ihrer Leiche zu tun hatte, aber dieses Wissen änderte nichts an der Tatsache und machte es nicht besser. Ganz im Gegenteil. Er war also nicht traurig darüber, dass der »Erste Angriff« bereits durch die Schutzpolizei und den Kriminaldauerdienst erfolgt war. Als Tenbrink und Bertram um kurz vor sieben an der Westerwicker Beek eintrafen, war der Auffindeort gesichert, der Tatbefund dokumentiert und auch die erste Leichenschau erfolgt. Den Toten hatte man inzwischen schon zur Rechtsmedizin nach Münster gebracht. Die Kollegen vom Erkennungsdienst waren ebenfalls weitgehend mit ihrer Arbeit fertig und hatten Spurengassen und Korridore für die Ermittler angelegt. Über dem eigentlichen Tatort, der sich direkt am Bach und inmitten eines schmalen Wäldchens befand, hatte man zum Schutz gegen den Regen einen Faltpavillon aufgestellt. Vor diesem Zelt wartete bereits Heide Feldkamp im weißen Einwegoverall der Spurensicherung auf sie. Die Tatortspezialistin begrüßte die beiden mit Handschlag.

»Habt ihr auch so ›n Schädel?«, fragte sie und nickte dem uniformierten Beamten neben dem Eingang zu, der die Plane beiseitezog, um die Kollegen hineinzulassen. »Morgen, Locke!« Heide schien sich überhaupt nicht über die Anwesenheit des Pudels zu wundern, der wie ein Bluthund den dampfenden Waldboden beschnupperte.

»Verfluchtes Altbier«, brummte Tenbrink, nahm den Hund auf den Arm und betrat den Pavillon, in dem es so feucht und heiß wie in einer Sauna war. Das dumpfe Dröhnen in seinem Kopf wurde schlagartig zu einem lauten Hämmern, und er hatte Mühe, Luft zu bekommen. »Lassen Sie bitte den Eingang offen«, wandte er sich an den Kollegen von der Schutzpolizei, »hier drin erstickt man ja.«

»Paul Winterpacht wurde erstochen«, sagte Heide, ließ aber nicht erkennen, ob sie es als witzige Entgegnung auf Tenbrinks Bemerkung gemeint hatte. »Zwei Stiche von vorne, unter die Rippen, mindestens einer davon direkt ins Herz, sagt Dr. Kemper. Keine sonstigen Hinweise auf Gewalteinwirkung.«

»Gibt es irgendwelche Anzeichen dafür, dass er versucht hat, sich zu verteidigen?«, fragte Tenbrink.

»Er scheint sich nicht gewehrt zu haben«, erwiderte Heide. »Die genaueren Obduktionsergebnisse werden wir aber erst im Lauf des Tages oder morgen erhalten.«

»Habt ihr die Tatwaffe gefunden?«, fragte Bertram, der am Eingang stehen geblieben war und sich mit der Hand Luft zufächelte.

»Negativ«, antwortete Heide, der die Hitze trotz des Overalls nichts auszumachen schien. »Allerdings waren die Wunden laut Dr. Kemper ungewöhnlich.«

»Inwiefern?«, hakte Tenbrink nach, der sich über die markierte Stelle beugte, an der die Leiche gelegen hatte.

»Sehr klein und außerdem dreieckig.«

»Also kein Messer?«

»Dr. Kemper tippt auf ein Stilett oder etwas Ähnliches. Vielleicht auch eine Art Werkzeug mit dreieckiger Spitze. Wenig Wunde, viel Wirkung.«

»Das ist allerdings ungewöhnlich.« Tenbrink setzte sich auf die Bank, die direkt neben dem Auffindeort stand. Hinter der Zeltwand hörte er den Bach plätschern, und ringsum zwitscherten die Vögel. Amseln, vermutete Tenbrink. »Todeszeitpunkt?«

»Gegen Mitternacht. Vielleicht etwas später.«

»Was wissen wir über den Toten?«

»Noch nicht sehr viel. Bernd ist bereits im Büro und kümmert sich darum. Der Tote heißt Paul Winterpacht, zwanzig Jahre alt, wohnt bei den Eltern hier in Westerwick. Im sogenannten Nöttenkamp. Die Familie ist bereits verständigt.«

Tenbrink atmete erleichtert auf. Das Überbringen von Todesnachrichten war ihm ein ebensolches Gräuel wie der Anblick von Leichen. »Habt ihr sein Handy?«, fragte er.

Heide nickte. »Handy, Bankkarten, Ausweis, Bargeld. Alles da.« Sie deutete auf einen beschrifteten Pappkarton neben dem Eingang, in dem sich die Asservatentaschen und die Beutel für Beweismittel befanden. »Einen Raubmord können wir höchstwahrscheinlich ausschließen.«

»Was hat er hier mitten in der Nacht gemacht?« Tenbrink schaute zu der markierten und mit nummerierten Schildchen versehenen Stelle auf dem Boden und beugte sich weit zur Seite. Locke nutzte die günstige Position und leckte ihm übers Kinn. »Aus!«, befahl Tenbrink.

»Benedikt Niemeyer, der Auffindezeuge, hat ausgesagt, dass dieses Wäldchen ein beliebter Treffpunkt für jugendliche Liebespaare ist«, berichtete Heide und ging hinüber zum Beweismittelkarton. »Im Dorf nennt man diesen Weg am Bach deshalb ›Knutschallee‹.«

»Ein tödliches Rendezvous nach Mitternacht?«, mutmaßte Bertram, der immer noch ein wenig abseits stand. »Klingt ziemlich melodramatisch.«

»Der Zeuge hat eine schwarz gekleidete Person gesehen, die hastig aus dem Wäldchen gelaufen kam, als er gerade mit dem Fahrrad in den Weg einbog. Leider konnte er keine genaueren Angaben über die Person machen. Schwarzes Hemd, schwarze Hose, schwarze Mütze. Vielleicht kann dieser Niemeyer etwas mehr berichten, wenn er seinen Rausch ausgeschlafen hat. Die Kollegen vom KDD meinten, dass der junge Mann ziemlich betrunken war.« Heide zuckte mit den Schultern, suchte vorsichtig in dem Karton herum und zog schließlich einen durchsichtigen Kunststoffbeutel heraus, in dem sich ein Stück Papier befand. »Das wird dich interessieren, Heinrich«, sagte sie und reichte Tenbrink den Beutel. »Haben wir unter der Leiche gefunden.«

Irgendwo bellte ein Hund, und Locke antwortete mit einem Knurren. Wieder befahl Tenbrink: »Aus!« Locke antwortete mit einem erneuten Knurren, nur etwas leiser als zuvor. Als wollte er das letzte Wort haben.

Tenbrink begutachtete das Stück Papier im Beutel. Es war schmal und länglich und erinnerte ihn an die abreißbaren Zettel von Kellnerblöcken – aus der Zeit, als Bestellungen noch handschriftlich notiert und nicht gleich digital eingetippt wurden. Allerdings befand sich kein Logo einer Brauerei am oberen Rand des Zettels. Auf dem Papier standen einige Buchstaben und Zahlen, die jedoch mit Tinte geschrieben und daher wegen des Regens größtenteils verwischt und unleserlich waren. »EX« oder »EY« konnte Tenbrink entziffern, dahinter eine »2« oder ein Fragezeichen, und danach kamen einige Ziffern oder Buchstaben, von denen nur verlaufene Rudimente übrig waren. Tenbrink reichte Bertram, der näher gekommen war und ihm über die Schulter geschaut hatte, das Fundstück, doch der zuckte nur achtlos mit den Schultern und gab ihm den Beutel zurück.

»Das habt ihr unter der Leiche gefunden?«, wunderte sich Tenbrink. »Wo genau?«

»Am Unterarm. Die ersten Buchstaben sind nur deshalb noch zu lesen, weil der Ärmel darauf lag und den Regen abgehalten hat.«

»Wie lag Winterpacht? In welcher Position?«

»Auf dem Rücken.«

»Hat der Auffindezeuge den Toten bewegt?«

»Nicht dass ich wüsste.«

»Seltsam«, brummte Tenbrink und schüttelte nachdenklich den Kopf. Locke gab erneut ein Knurren von sich, doch diesmal reagierte Tenbrink mit einem barschen Befehl: »Halts Maul, Locke!« Der Hund schaute erstaunt und verstummte augenblicklich.

»Dieses Stück Papier könnte auch vorher schon dort gelegen haben«, gab Bertram zu bedenken. »Hat vielleicht gar nichts zu bedeuten. Womöglich nur die Überreste eines Einkaufszettels. Hat auch ungefähr die Form.«

»Möglich«, antwortete Heide. »Das Gleiche gilt für die Zigarettenstummel, Bustickets und Kaugummis, die wir neben und unter der Leiche gefunden haben. Hier wimmelt es von Scheinspuren. Gleich neben der Bank …« - sie deutete auf das Beweismittelschildchen mit der Nummer 9 - »… lag ein gebrauchtes Kondom.«

«Mahlzeit«, brummte Tenbrink und gab Heide den Beweismittelbeutel zurück. »Irgendwelche Anzeichen für Geschlechtsverkehr? Gab es Spermaspuren am Toten?«

Heide schüttelte den Kopf. »Wir sollten den Obduktionsbericht abwarten. Dann wissen wir auch mehr über die Tatwaffe. Kann am Sonntag natürlich etwas dauern.«

Tenbrink nickte, hob seinen Hund hoch und stand auf. »Die Waffe wurde ihm frontal, aus nächster Nähe und von unten ins Herz gestoßen?«

»Unter die Rippen«, bestätigte Heide.

»Hier, halt mal!«, wandte er sich an Bertram und drückte ihm unvermittelt den Pudel in die Arme. Dann sagte er zu Heide: »Erstich mich!«

Heide verstand nicht.

Bertram grinste breit und erklärte: »Er meint: ›Erstich mich!'”

»Klugscheißer!«, maulte Tenbrink und wandte sich abermals an Heide: »Wie würdest du zustechen, wenn du mich mit einem Messer oder...



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