E-Book, Deutsch, 152 Seiten
Reihe: beTHRILLED
Finnek Totensang
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-0883-8
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Münsterland-Krimi. Kurz-Krimi mit Tenbrink und Bertram
E-Book, Deutsch, 152 Seiten
Reihe: beTHRILLED
ISBN: 978-3-7517-0883-8
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Seit einer Woche sitzt Henner Holtkamp im Gefängnis. Der Autor von blutigen Thrillern soll eine rumänische Prostituierte ermordet haben. Im Haus des Schriftstellers wurden Blutspuren des Opfers gefunden - an den Wänden, im Flur, an einem Küchenmesser. Der Fall scheint damit eigentlich gelöst. Eigentlich - denn von der Leiche fehlt jede Spur ...
Aber nicht nur dieser verzwickte Fall stellt Kommissar Heinrich Tenbrink auf eine harte Geduldsprobe. Er muss auch noch den neuen Kollegen Maik Bertram vor den Fallstricken der münsterländischen Mentalität bewahren und gegen seine zunehmenden Gedächtnislücken kämpfen.
Die Ereignisse dieses Kurz-Krimis sind zeitlich vor Band 1 'Galgenhügel' aus der erfolgreichen Münsterland-Kimi-Reihe von Tom Finnek angesiedelt. Lesen Sie, wie das ungewöhnliche Ermittlerteam zum ersten Mal aufeinandertrifft und seinen ersten Fall löst!
Heinrich Tenbrink und Maik Bertram ermitteln in:
- Galgenhügel
- Totenbauer
- Schuldacker
- Rauchland
- Finsterbusch (erscheint im Winter 2021)
eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung!
Tom Finnek wurde 1965 im Münsterland geboren und arbeitet als Filmjournalist, Drehbuchlektor und Schriftsteller. Er ist verheiratet, Vater von zwei Söhnen und lebt mit seiner Familie in Berlin.
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Heinrich Tenbrink war sich nicht sicher, ob das mit diesem Maik Bertram eine gute Idee war. Nicht weil er ihn für unfähig hielt oder ihm seinen Fehltritt in Magdeburg vorwarf. Kriminalrat Henrichs, Bertrams bisheriger Vorgesetzter, hatte ihn wärmstens empfohlen und sich, trotz des peinlichen Vorfalls mit der Prostituierten, die ihn in die Falle gelockt hatte, persönlich für Maik Bertram starkgemacht. Und auf die Expertise seines alten Freundes Henrichs konnte sich Tenbrink verlassen.
Nein, das Problem bei Bertram waren weder seine Ossi-Herkunft noch seine Vorgeschichte bei der Drogen- und Milieufahndung, sondern schlicht die Tatsache, dass er zu gut aussah. Bertram war ein Frauentyp – mit rasiertem Schädel, Fünftagebart, markantem Kinn und sportlicher Figur. Schon als Martina Derksen, die neue Oberstaatsanwältin, den Oberkommissar vorhin ins Präsidium begleitet und dem Team vorgestellt hatte, waren Tenbrink die aufmerksamen bis bewundernden Blicke nicht entgangen. Und auch jetzt, während der morgendlichen Lagebesprechung, glaubte er im Gesicht von Heide Feldkamp, der Tatort-Spezialistin im KK11, ein ganz ähnliches Lächeln zu erkennen. Die Jagd auf den Neuen war eröffnet, und das schmeckte Tenbrink nicht. Überhaupt nicht.
»Heinrich!«, meldete sich in diesem Augenblick Bernd Hölscher, der Aktenführer des Kommissariats, zu Wort. »Wir wären dann soweit.« Hölscher wiegte seinen massigen Körper im gepolsterten Sessel vor und zurück und wischte sich mit einem Taschentuch über die Stirn. Schon zu dieser frühen Morgenstunde und trotz der geöffneten Fenster war es brütend heiß im Besprechungsraum. Hundstage!
»Danke, Bernd!« Tenbrink schaute in die Runde. Außer Heide Feldkamp und Bernd Hölscher war auch Arno Bremer anwesend, der neben Tenbrink dienstälteste Ermittler im Team. »Den neuen Kollegen habt ihr ja inzwischen ausgiebig beschnuppert.« Tenbrink deutete mit der Hand auf Bertram und schaute dabei wie zufällig zu Heide, die trotz der sommerlichen Hitze in ihrer obligatorischen Wildlederjacke am Tisch saß. »Vielleicht wäre es für Maik ganz hilfreich, wenn einer von euch kurz zusammenfasst, womit wir es gerade zu tun haben.« Sein Blick ging zu Bremer, der in diesem Moment auf sein Handy starrte und offensichtlich nicht zugehört hatte. »Wärst du so freundlich, Arno?«
»Hm?«, machte Bremer.
»Eine kurze Zusammenfassung.«
»Meinst du den Mordfall Holtkamp?«
»Haben wir noch einen anderen?«
»Nicht dass ich wüsste«, antwortete Bremer, der wie üblich die Ironie nicht verstanden hatte. »Eigentlich ein klarer Fall. Heinz Holtkamp, dreiunddreißig Jahre alt, Junggeselle, arbeitet unter dem Pseudonym Henner Holt als Schriftsteller. Schreibt irgendwelche Romane.«
»Thriller«, fügte Bernd Hölscher hinzu.
»Der Henner Holt?«, fragte Maik Bertram.
»Kennst du den etwa?«, wunderte sich Tenbrink.
»Ich glaub, ich hab ein oder zwei Bücher von ihm gelesen. Ziemlich düster und schräg, aber gar nicht schlecht, wenn ich mich richtig erinnere.«
»Düster und schräg? Das passt«, meinte Bremer stirnrunzelnd und fuhr mit seinen Ausführungen fort: »Holtkamp lebt allein in einem Einfamilienhaus in Olthues, nur ein paar Kilometer westlich von Münster. Wir haben ihn letzte Woche Donnerstag wegen des Mordes an der rumänischen Prostituierten Sofia Radulescu verhaftet. In seinem Haus wurden Blutspuren des Opfers gefunden, auf dem Boden und an den Wänden im Flur. Außerdem an einem Kochmesser in der Küche. So ein Stahlmesser mit breiter und spitzer Klinge. Wie gesagt, eigentlich ein klarer Fall.«
»Aber?«, fragte Bertram.
»Wir haben keine Leiche«, antwortete Heide Feldkamp. »Eine Nachbarin war am Montagabend mit ihrem Dackel unterwegs und hat gesehen, wie Holtkamp mit einer sehr jungen und aufreizend bekleideten Frau gegen zehn Uhr das Haus betreten hat, und sie behauptet, etwa eine Stunde später die Schreie einer Frau aus dem Haus gehört zu haben. Leider hat sie nicht gleich die Polizei gerufen, sondern erst zwei Tage später, am Mittwoch, als nach der vermissten Radulescu gefahndet wurde. Nadia Radulescu, die ältere Schwester des Opfers, die in demselben Bordell an der B 54 arbeitet, hat sie als vermisst gemeldet.«
»Die Spur zu Holtkamp war nicht schwer zu finden«, ergänzte Bremer und strich sich über den buschigen Schnurrbart. »Er war Stammkunde in dem Puff und hat sich nachweislich am Montagabend in der Nähe herumgetrieben. Offenbar war er auf der Suche nach einer Prostituierten, die ihn nach Hause begleitet. Nachdem die Aussage der Nachbarin vorlag, war der Rest reine Formsache. Holtkamp hatte sein Haus zwar gründlich gesäubert, aber mit Hilfe von Luminol konnten die Kollegen vom Erkennungsdienst die Blutspuren sichtbar machen. Und es war eine Menge Blut!«
»Was sagt dieser Holtkamp dazu?«, fragte Bertram.
»Bestreitet die Tat«, antwortete Tenbrink. »Er behauptet, die junge Frau habe sein Haus etwa gegen Mitternacht lebend verlassen. Sie hätten Sex gehabt, und die Frau habe dabei laut geschrien. Holtkamp behauptet, die Prostituierte sei von ihm bezahlt und nach unten begleitet worden, doch leider habe sie sich auf dem Weg nach draußen den Kopf im Flur gestoßen und eine Platzwunde davongetragen.«
»Und das Messer?«, fragte Bertram.
»Angeblich wollte er mit dem Kochmesser die Wunde kühlen, damit es keine Beule gibt«, antwortete Bremer und lachte wiehernd. »So ein Quatsch! In dem Haus wurde so viel Blut gefunden, dass es unmöglich von einer einzelnen Platzwunde stammen kann. Der Kerl hat die Frau erstochen und ein regelrechtes Blutbad angerichtet.«
»Aber es wurde keine Leiche gefunden?«, vergewisserte sich Bertram.
Bremer nickte.
»Holtkamp ist verrückt«, meldete sich Hölscher zu Wort. »Und zwar richtig. Paranoide Schizophrenie. Verfolgungswahn, Halluzinationen und sonstige Hirngespinste.«
»Er hört Stimmen«, setzte Tenbrink hinzu und putzte seine Brille. »Er ist deswegen seit Jahren in Behandlung und nimmt entsprechende Medikamente. Bislang ist er jedoch nicht durch Anwendung oder Androhung von Gewalt aufgefallen. Weder sexuell noch sonst wie. Außer in seinen Romanen – da wimmelt es von blutrünstigen Morden und brutalen Serienkillern. Es gab aber im wirklichen Leben nie Beschwerden. Die Nachbarn in Olthues sagen, er spinnt halt ein bisschen und hält sich von allem und jedem fern, ist aber sonst harmlos.«
»Das behauptet auch seine behandelnde Ärztin«, fügte Hölscher hinzu. »Sie hat ihm eine hohe Intelligenz, aber trotz seiner Krankheit keine Tendenz zur Fremdaggression diagnostiziert.«
»Natürlich nicht!«, höhnte Bremer und zog eine Flappe. »Sonst hätte sie ja eingestehen müssen, dass sie einen gefährlichen Killer nicht als solchen erkannt hat.«
»Das Haus, den Keller und den Garten haben wir gründlich untersucht«, ergänzte Heide Feldkamp. »Das Handy der Ermordeten ist offenbar ausgeschaltet und daher nicht zu orten. Außer den zahlreichen Blutspuren im Flur und in der Küche wurde nichts entdeckt. Auch im Garten nicht. Allerdings hat es am Tag darauf ein heftiges Gewitter gegeben. In seinem Schlafzimmer wurden lediglich einige Haare der Vermissten gefunden. Das hat der DNA-Abgleich mit der Schwester ergeben.«
»Das sollte für eine Verurteilung reichen, oder?«, bemerkte Bertram. »Auch ohne Leiche.«
»Die Staatsanwaltschaft würde es ungern auf einen bloßen Indizienprozess ankommen lassen«, erwiderte Tenbrink und brummte abfällig. »Die Oberstaatsanwältin will jede Eventualität vermeiden. Deswegen brauchen wir die Leiche.«
»Oder ein Geständnis«, setzte Bertram hinzu.
Tenbrink schüttelte den Kopf. »Bei einer diagnostizierten paranoiden Schizophrenie ist ein Geständnis nicht viel wert. Das zerpflückt uns jeder halbwegs fähige Verteidiger.«
»So verrückt wie dieser Holtkamp ist, wird der ohnehin nicht in den Knast gehen«, wandte Bremer ein. »Selbst wenn wir die Leiche finden, landet der Kerl bloß in der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie. Bis sie ihn für gesund erklären und wieder laufen lassen.«
»Darum geht es nicht, Arno«, widersprach Tenbrink. »Über die Schuldfähigkeit haben wir nicht zu entscheiden. Ich will ihm die Tat nachweisen. Und zwar wasserdicht!«
»Und wenn Holtkamp die Wahrheit sagt?«, gab Bertram zu bedenken.
Arno Bremer lachte ungläubig, Heide Feldkamp verdrehte die Augen, und Bernd Hölscher verschluckte sich an einem Pfefferminzbonbon, das er sich in den Mund gesteckt hatte.
»Nur so 'n Gedanke.« Bertram hob entschuldigend die Hände. »Bin jedenfalls gespannt auf den Kerl.«
»Kannst dir gleich ein Bild von ihm machen«, entgegnete Tenbrink und erhob sich. »Wir haben in einer Stunde einen Termin mit Holtkamp in der JVA.« Tenbrink schmunzelte. »Aber denk dran: Nicht gegen die...




