Liebe Besucherinnen und Besucher,

aufgrund unseres Sommerfestes sind wir am 03. September 2026 bis 14 Uhr erreichbar. Am 04. September 2026 sind wir wieder wie gewohnt für Sie da. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Ihr Team von Sack Fachmedien

Fischer | Der Mann mit den zarten Händen: Frankfurt-Krimi | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 230 Seiten

Reihe: Frankfurt-Krimis

Fischer Der Mann mit den zarten Händen: Frankfurt-Krimi

Kommissar Rauscher 3
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-9813571-6-5
Verlag: mainbook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kommissar Rauscher 3

E-Book, Deutsch, Band 3, 230 Seiten

Reihe: Frankfurt-Krimis

ISBN: 978-3-9813571-6-5
Verlag: mainbook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Frankfurter Krimi-Serie um Kommissar Andreas Rauscher. Bisher erschienen: 'Mord auf Bali' 2006 (Neuauflage 2011), 'Lauf in den Tod' 2010, 'Der Mann mit den zarten Händen' 2010, 'Robin Tod' 2011, 'Paukersterben' 2012, 'Fliegeralarm' 2013, 'Abgerippt' 2014, 'Bockenheim schreibt ein Buch' (Hrsg.) 2015, 'Einzige Liebe - Eintracht-Frankfurt-Krimi' Februar 2017, 'Ebbelwoijunkie' Dezember 2017, 'Frau Rauschers Erbe' 2018 und 'Der Apfelwein-Botschafter' 2021. Zudem der Thriller 'Rotlicht Frankfurt' 2019. Ein einsames Leben. Eine außergewöhnliche Gabe. Ein tödliches Schäferstündchen. In einem Bornheimer Mietshaus wird Marie-Luisa Bonner, 46, unter seltsamen Umständen getötet. In seinem dritten Fall stößt Andreas Rauscher, Frankfurter Kommissar und Apfelweinliebhaber, zunächst nur auf mysteriöse Blutergüsse, ein blondes Haar und viele offene Fragen. Es entwickelt sich ein mitreißender Krimi, der von einsamen Herzen, unerfüllten Sehnsüchten und schuldigen Händen handelt.

Gerd Fischer hat 10 Marathons, ein Germanistik-Studium und ca. 12 Jahre Werbetexterei in den Knochen. 2006 veröffentlichte er seinen ersten Krimi 'Mord auf Bali', gleichzeitig Kommissar Rauschers erster Fall (2011 neu aufgelegt). Es folgten 'Lauf in den Tod', 'Der Mann mit den zarten Händen' und 'Robin Tod'. Gerd Fischer wurde 1970 in Hanau geboren. Er lebt und arbeitet seit 1991 in Frankfurt-Bockenheim. Er hat Germanistik, Kunstgeschichte und Politik an der Johann Wolfgang Goethe-Uni studiert und arbeitet zurzeit auch als Lektor.
Fischer Der Mann mit den zarten Händen: Frankfurt-Krimi jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Null


An meinen Händen klebt Blut. Sie schmerzen. Am liebsten würde ich sie abschneiden, um weiteres Unheil zu verhindern. Doch ich brauche sie noch. Sie müssen die Vorkommnisse aufschreiben, damit die Wahrheit ans Licht kommt. Ungeschehen mache ich dadurch nichts, aber vielleicht vermögen diese Zeilen meine Hände und mein Gewissen reinzuwaschen.

Ich sitze hier in diesem kleinen Raum, in dem nur ein Bett, ein Stuhl, ein Tisch und ein schmaler Schrank stehen. Wenn ich durch das winzige Fenster schaue, kommt mir die Erinnerung vor wie ein ferner Streifen am Horizont, unerreichbar weit weg. Aber die dicken weißen Wände schreien mich an: Schuldig!

Nur ich bin in der Lage, die Wahrheit niederzuschreiben. Denn ich bin der Einzige, der alles von Anfang an miterlebt hat. Mit jeder Zeile berge und befreie ich sie, erwecke mein Gedächtnis neu zum Leben. Das erfordert Disziplin. Ich darf mich nicht ablenken lassen. Deshalb fange ich an. Dort, wo alles begann, vor etwa dreizehn Jahren, im Haus meines Onkels. Verdammt sei es!

Ich besitze eine Fotografie, die das Haus neben den anderen in der Straße zeigt. Ich hütete sie jahrelang wie einen Schatz und habe sie oft angeschaut, seit dem Tag, an dem ich dieses Haus zum letzten Mal betreten durfte.

Auf dem Foto – ich bin sechs oder sieben Jahre alt – stehe ich neben Onkel Manfred und Tante Klara. Direkt vor dem Haus. Eine Art Landhaus mitten in der Stadt, das sich deutlich von den anderen Häusern in der Straße abhebt.

Schlichtheit und Größe, sagte Onkel Manfred immer, sei eine kluge Kombination. Ich hatte nie richtig verstanden, wie er das meinte, aber wenn ich das Foto betrachtete, dachte ich, dass er damit den geräumigen Hof meinte, an den fünf Garagen grenzten, die langgezogene, leicht ansteigende Einfahrt, umringt von Platanen, den kurzgeschnittenen Rasen, den penibel angelegte Beete säumten, und den dunklen Teich hinterm Haus. Eine Oase inmitten des Getöses der Großstadt.

Haus und Grundstück waren einfach gehalten, schmucklos. Nicht protzig, aber großzügig, denn Onkel Manfred benötigte Platz, um seine Oldtimer zu reparieren. Jede freie Minute widmete er ihnen. Wertvoll sahen sie aus, blitzblank poliert.

Ich mochte das Haus meines Onkels schon deshalb, weil ich mit meinen Eltern immer in einer engen, miefigen Mietwohnung gelebt habe. Der Tag, an dem ich es zum letzten Mal betreten habe, ist in meinem Gedächtnis eingebrannt. Es war der 11.Oktober 1996 kurz vor meinem 14. Geburtstag.

Ich sollte auf Sabin, meine siebenjährige Cousine, aufpassen. Nur vier oder fünf Stunden, bis Onkel und Tante aus der Oper zurückkämen.

Als ich klingelte, war Tante Klara bereits ausgehfertig. Ihr rosa Kleid schien mir einen Tick zu exklusiv und die vielen Klunker glitzerten. Tante Klara empfing mich mit einem freundlichen Händedruck und ihrem Gesicht sah ich an, dass sie sich wahnsinnig auf die Oper freute. Onkel Manfred war ebenfalls bester Laune. Er warf sich ein Jackett über den Arm, lächelte mir zu und trat ins Freie. Seine herzliche Art erinnerte mich so gar nicht an meinen Vater.

Nachdem auch meine Tante endlich das Haus verlassen hatte, nicht ohne mich vorher ausdrücklich auf meine Pflichten als Babysitter hinzuweisen – Bettruhe für Sabin ab 21 Uhr, vorher sollte sie noch aufs Klo gehen und Zähneputzen nicht vergessen – setzte ich mich vor die Glotze und zappte drauf los. Zwanzig Programme zogen mich magisch an.

Zwischendurch stand ich mal auf, um nach Sabin zu schauen. Als ich von oben ihren leisen, fröhlichen Gesang hörte, ging ich davon aus, dass sie glücklich beschäftigt mit ihren Lieblingspuppen spielte, und machte es mir wieder im Sessel gemütlich.

Es war noch nicht annähernd neun, aber auf der Mattscheibe herrschte Langeweile. Also schlenderte ich durchs Haus.

Unglaublich, was Onkel Manfred und Tante Klara alles sammelten. An allen Wänden hingen Bilder, großflächige Landschaften und dunkle Stillleben. In jedem Zimmer antike Schränke, alte Kommoden und in den Regalen und feingearbeiteten Vitrinen standen selbst gebastelte Miniaturen. Autos. Flugzeuge. Motorräder. Clowns. Porzellanväschen. Stoffpuppen mit rosa und lila Kleidchen. Ich nahm manche Sachen heraus, bestaunte sie und stellte sie wieder an Ort und Stelle zurück. Plötzlich wunderte ich mich, dass ich gar nichts mehr von oben hörte und rief „Sabin“.

Stille.

Ich rief lauter.

Nichts.

Ich ging die Treppe hoch. Es war dunkel. Als ich oben ankam, ging ein Deckenstrahler an und erhellte den breiten Flur. Die Tür zu Sabins Zimmer war nur angelehnt und knarrte leise, als ich sie aufdrückte. Es brannte kein Licht. Ich erkannte zarte Umrisse: das Bett, einen Schrank, einen Tisch, Regale. Sabin sah ich nicht. Nirgends war ein Zeichen von ihr, nichts deutete darauf hin, dass sie sich im Zimmer befand.

„Sabin!“, rief ich.

Dann noch einmal, mit Nachdruck:

„Sabin!?“ Keine Reaktion.

Ich tastete nach dem Lichtschalter und drückte ihn.

Im Hellen sah alles viel vertrauter aus. Sabins Zimmer war ein langgezogener Raum mit bunter Dschungelbuchtapete. Auf dem grün-rot-blau-weißen Teppich lag allerlei Krimskrams herum, alles, was Mädchen sich wünschen: Barbiepuppen im Zehnerpack, ein selbstgebautes Puppenhaus, Stifte und Malhefte, ein Kassettenrekorder, stapelweise Kassetten, Spiele und Bilderbücher, um nur das zu nennen, was mir auf den ersten Blick aufgefallen war.

Ich stemmte die Hände in die Seite und schrie: „Ich weiß, dass du hier bist. Komm raus! Oder ich versohl’ dir den Hintern.“ Nichts rührte sich. Ich wurde unsicher. War Sabin gar nicht hier? War sie hinunter gegangen, ohne dass ich es bemerkt hatte? Oder war sie im Schlafzimmer ihrer Eltern, zwei Türen weiter? Es gab noch das Badezimmer und ein Ankleide- und Bügelzimmer. Vielleicht war sie dort? Aber das hätte ich doch mitbekommen. Wahrscheinlich war die Göre viel flinker und geschickter, als ich dachte und spielte nur ein Spiel mit mir, beruhigte ich meine Sorgen, die sich langsam in meinem Magen breit machten. Oder gab es eine andere Erklärung für ihr plötzliches Verschwinden?

Gerade, als ich die anderen Zimmer inspizieren wollte, hörte ich ein kaum wahrnehmbares Geraschel. Jetzt war ich sicher: Sabin versteckte sich vor mir, irgendwo hier in ihrem Kinderzimmer.

Ich beschloss, ihr Spiel mitzuspielen, ging aus dem Zimmer, um in den anderen zu suchen, schlich aber zurück, versteckte mich hinter der halboffenen Tür und linste durchs Schlüsselloch.

Keine Minute später hob sich der Deckel des großen Wäschekorbs und zwei runde Äuglein lugten hervor, spähten durchs Zimmer und vergewisserten sich, dass es leer war. Behände kroch Sabin aus dem Korb und schlich auf Zehenspitzen Richtung Tür.

Ich grinste innerlich, jetzt würde ich ihr einen schönen Schrecken einjagen.

Sie hielt inne und horchte. Da alles ruhig war, setzte sie ihren Weg fort. Als sie die Tür erreichte, sprang ich aus meinem Versteck. Sabin fuhr zusammen und ihr Schrei zerschnitt die Stille. Die Augen weit aufgerissen, blieb sie starr stehen. Der Schreck saß tief in ihrem Gesicht. Die Überraschung war mir geglückt. Aber als ich sie packen und ins Bett stecken wollte, entzog sie sich mit einer geschickten Drehung blitzflink meinen Händen, rief: „Fang mich doch, du Eierloch!“ und rannte davon.

Ich ärgerte mich, dass ich nicht schneller und fester zugepackt hatte, und sah aus den Augenwinkeln, wie Sabin die Treppe hinunterrannte.

Jetzt geht das Spiel also von vorne los, dachte ich, und begab mich ebenfalls hinab. Es war mittlerweile allerhöchste Zeit, Sabin musste ins Bett. Ich hatte keine Lust, mir Vorwürfe meiner Tante anhören zu müssen.

Im Wohnzimmer empfing mich der Nachrichtensprecher. Einen Moment später vernahm ich eine Explosion und im darauf folgenden Kommentar fiel das Wort „Irak“. Ich ignorierte den Fernseher und konzentrierte mich auf die Situation hier im Haus.

Sabin war nirgends zu sehen.

Ich durchkämmte das Wohnzimmer, den Flur und die Küche. Nichts. Ich riss die Tür des Gästeklos auf. Fehlanzeige. Im Keller vielleicht? Die Tür war verschlossen. Aber irgendwo hier unten musste Sabin sein. Kaum hatte ich den Gedanken zu Ende gedacht, rannte sie an mir vorbei, die Treppe hinauf und zeigte mir eine lange Nase.

Meine Unlust auf dieses Versteckspiel stieg. Unmissverständlich forderte ich Sabin auf, sich bettfertig zu machen und wies nachdrücklich darauf hin, dass ich mich ansonsten gezwungen sähe, zu ganz anderen Methoden zu greifen, wenn sie nicht augenblicklich freiwillig ins Bett ginge.

Ein langgezogenes “Hihihihi“ war die Antwort und ich spürte, wie meine Wut langsam vom Bauch ins Hirn kroch.

Wieder ging ich die Treppe hinauf. Ich war mir sicher, dass ich Sabin innerhalb der nächsten Minute schnappen, ins Bett stecken und das Licht löschen würde.

Im Kinderzimmer knarrte und knackte es. Es hörte sich nach einem Sprungrahmen an, aus dem sämtliche Sprungfedern sprangen.

Ich hatte Angst, dass dieser Abend ausarten und ich meiner Tante gegenüber in Erklärungsnot geraten könnte.

Sabin sprang auf ihrem Bett herum und lachte. Sie hatte sichtlich Spaß an dem Spiel, das jetzt langsam zu Ende gehen sollte. Denn eines war klar: Dieses Mal würde sie mir nicht entwischen. Auch ihr schien das bewusst zu sein. Ich war hellwach, spürte das Adrenalin durch meine Adern fließen und sagte ganz ruhig, „Zieh jetzt bitte deinen Schlafanzug an.“

„Nein, du musst mir helfen“, jauchzte sie. Offensichtlich hatte sie ebenso genug von dem Rumgehetze wie ich und würde friedlich und freiwillig ins Bett gehen. Einerseits war ich beruhigt, andererseits fand ich es ein bisschen schade, dass sie so...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.