Fischer | Die Werbefrauen - Wir schaffen eine neue Welt | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 400 Seiten

Fischer Die Werbefrauen - Wir schaffen eine neue Welt

Roman
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8412-3769-9
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 400 Seiten

ISBN: 978-3-8412-3769-9
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Zwei Freundinnen erobern die Werbewelt.

Margot und Lieselotte sind unzertrennlich, seit sie sich das erste Mal begegnet sind. Begeistert von Mode und Reklame durchforsten sie jede Zeitschrift, die sie in die Finger kriegen. Die schillernde Werbewelt, das ist ihr Traum. Beide schaffen es, einen Job in der Reklame zu ergattern, Lieselotte als Model, Margot als Sekretärin. Aber sie merken schnell: Um sich in dieser Männerdomäne zu behaupten, müssen sie gegen völlig veraltete Konventionen ankämpfen ... 



Melanie Fischer ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Ihre Leidenschaft war es schon immer, durch die Welt zu reisen und unterwegs Ideen für neue Geschichten zu sammeln. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Brandenburg. Im Aufbau Taschenbuch ist bereits ihr Roman 'Die Fernsehfrauen - Mit uns beginnt die neue Zeit' erschienen.
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Autoren/Hrsg.


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Kapitel 1

Margot


Berlin 1961

Margot saß auf dem Teppich in ihrem Zimmer und zeichnete. Um sie herum waren Modezeitschriften auf dem Boden verteilt, im Radio liefen die Blue Diamonds. Sie hatte die Schule abgeschlossen, in ein paar Wochen würde sie anfangen zu arbeiten. Den letzten freien Sommer wollte sie noch einmal genießen, bevor der Ernst des Lebens begann, wie ihr Vater zu sagen pflegte. Das Leben war auch jetzt bereits anstrengend, dachte Margot. Sie freute sich darauf, nicht mehr die Schulbank drücken zu müssen, sondern endlich arbeiten gehen zu können und ihr eigenes Geld zu haben.

Wie jeden Tag in den Ferien war Lotte gekommen. Sie lag bäuchlings auf dem Bett, blätterte in einem Magazin und wippte im Takt der Musik mit den angewinkelten Beinen. »Das ist hübsch, oder?« Sie hielt das Magazin in Margots Richtung.

»Ja, das sieht super aus«, bestätigte die Freundin und konzentrierte sich gleich wieder auf ihre Zeichnung. Sie machte ein paar Notizen an den Rand, dann stand sie auf und lief zu Lotte ans Bett.

»Schau mal, was ich mir überlegt habe.«

Lotte setzte sich auf. »Mann, du hast wirklich Talent«, bemerkte sie, als sie die Zeichnung sah.

»Danke«, sagte Margot stolz.

»Komm, wir versuchen, das nachzustellen«, schlug Lotte vor.

»Meinst du?«, fragte Margot und blickte skeptisch auf ihre Zeichnung. »Haben wir alles da?«

»Egal, wir improvisieren ein bisschen.«

Margot lachte. »Na dann los!«

Beide kramten in den Schränken, suchten nach den passenden Kleidungstücken und tanzten dabei zur Radiomusik auf der Stelle.

»Und, wie sehe ich aus?«, fragte Lotte, als sie schließlich alles gefunden hatten und sie sich umgezogen hatte.

»Warte.« Margot schob ihren Bleistift hinter das Ohr, ging zu ihrer Freundin und zupfte das Shirt zurecht, das Lotte in den langen blauen Rock gesteckt hatte. Sie hielt ihre Zeichnung neben Lotte und nickte zufrieden. »Das sollte nicht so straff sein, das muss locker sitzen. Sieh hier!« Sie deutete auf die Frauensilhouette, die sie gezeichnet hatte, und tippte mit dem Bleistift darauf. »Jetzt noch der Hut, setz ihn so auf.« Sie reichte Lotte den Hut und betrachtete ihre Freundin mit schief gelegtem Kopf.

Neben den Zeitschriften lagen überall Kleidung und Zeichnungen von Frauen auf dem Boden. Seit sie sich kannten, zeichnete Margot Frauen und Kleider, und Lotte zog alles an, was sie oder die Eltern an Kleidung besaßen. Sie nähten aus Stoffresten Klamotten und spielten Mannequins. Nur dass Margot vorgab, was Lotte anziehen sollte, und dann erstellte sie oft einen Werbetext dazu.

»So?«, fragte Lotte. Sie drehte sich im Kreis und lief im Zimmer auf und ab.

»Du musst im Flur laufen, da ist mehr Platz.«

Die beiden Mädchen gingen in den Flur, und Lotte lief von vorn nach hinten und posierte am Ende.

»Sie sehen heute Lieselotte Stede in einem langen blauen Rock und einem hellblauen Nicki. Die Dame von Welt trägt das, was ihr gefällt. Nee, warte, du musst noch die Strumpfhose dazu anziehen.«

»Ich mag keine Strumpfhosen.«

»Ich weiß, aber eine Dame von Welt muss eine Strumpfhose anziehen. Sonst passt mein Text nicht.«

Lotte stöhnte. »Aber es sieht uns doch keiner. Können wir nicht so tun, als ob ich eine anhätte?«

Margot stemmte die Hände in die Hüften. »Darum geht es nicht. Los, Strumpfhose anziehen! Es muss perfekt sein.«

Lotte wusste, dass Margot ihr Spiel oft sehr ernst nahm, und tat ihr den Gefallen.

»Ach du, sei doch nicht immer so perfektionistisch«, bat Lotte und hüpfte auf einem Bein durch das Zimmer, während sie versuchte, die Strumpfhose über den linken Fuß zu bekommen.

»Was machst du denn da?« Margot lachte.

»Ich mag diese Dinger einfach nicht.« Lotte sank aufs Bett, und lachte mit. Margot warf sich neben ihre Freundin und sah mit ihr an die Decke. Sie liebte diese Nachmittage mit Lotte.

»Meinst du, ich werde mal ein richtiges Mannequin?«

»Wenn du lernst, Strumpfhosen ordentlich anzuziehen.«

»Das ist gemein.« Lotte tat, als wäre sie beleidigt. »Am liebsten würde ich mich für immer hier im Zimmer verkriechen und Mannequin spielen. Ich habe keine Lust, im Konsum eine Lehre zu machen.«

»Ich verstehe dich, aber vielleicht wird es nicht so schlimm, wie du denkst.«

Lotte drehte das Gesicht zu ihrer Freundin. »Ist das dein Ernst? Was soll daran gut werden? Ich werde mit meiner Mutter arbeiten und Konserven in Regale einsortieren.« Sie verzog das Gesicht.

»Dann hättest du dich mehr umschauen müssen, aber Lieselotte Stede dachte halt, es ergibt sich ohne ihr Zutun etwas Besseres.«

»Du hast ja recht«, stöhnte Lotte. »Du hast so ein Glück, dass du die Suche ernster genommen hast.«

Margot lächelte. »Ja, ich hoffe, es wird so toll, wie ich es mir vorstelle. Aber es war eben kein Glück, es war einfach mein Wunsch.«

»Wenn ich mich hier so umschaue, brauchst du keine Lehre mehr. Du kannst bereits alles.«

»O doch, die brauche ich. Ich will alles lernen – so richtig, nicht nur so tun.«

Lotte zog sich die Strumpfhose hoch, stand auf und hielt Margot die Hand hin. »Aufstehen! Lass uns den Lauf beenden.«

Das ließ Margot sich nicht zweimal sagen. Sofort war sie wieder der Profi, der sie glaubte zu sein, wann immer sie dieses Spiel spielten. Sie hoffte, dass sie solche Nachmittage noch oft mit Lotte erleben würde, auch wenn beide nun einen neuen Lebensabschnitt begannen.

Endlich, dachte Margot. Heute war ihre Chance.

Vor zwei Wochen hatte sie ihre Lehre in der Berliner Niederlassung der Deutschen Werbe- und Anzeigengesellschaft begonnen. Eine staatliche Agentur, die für Werbung und öffentliche Plakate verschiedenster Art zuständig war. Sie hatte schon viele solcher Plakate in der Stadt gesehen, umso mehr freute sie sich jetzt, wenn sie eines sah. Sie schaute noch genauer hin und überlegte, was sie besser oder anders machen würde.

Am ersten Tag hatte sie vor dem grauen großen Gebäude mit den vielen Fenstern gestanden. Die fünf Buchstaben DEWAG zwischen den Fenstern waren bereits von Weitem zu sehen. Sie war so aufgeregt gewesen, dass sie kaum geschlafen hatte. Man hatte sie herumgeführt, und sie erinnerte sich noch genau daran, wie sie in einem Büro fünf Männer sah, die um einen großen Tisch standen und angeregt diskutierten. Darauf hatte sie sich gefreut, doch sie musste schnell feststellen, dass sie nur für Schreibarbeiten eingeteilt war. Und wenn sie das Glück hatte – und das war erst einmal vorgekommen –, dass sie mitschrieb, wenn Kollegen einen Auftrag bearbeiteten, musste sie sich auf die Zunge beißen. Sie hatte es bei diesem einen Mal gewagt, eine Idee einzuwerfen. Man hatte sie angestarrt, als hätte sie einen Mord begangen, und ihr dann unmissverständlich klargemacht, dass auf ihre Meinung keinen Wert gelegt wurde. Seitdem war sie vorsichtig, und ihre anfängliche Euphorie für die Arbeit hatte einen gehörigen Dämpfer bekommen.

Heute war sie allerdings zum ersten Mal, seit sie ihre Stelle begonnen hatte, in eine Besprechung gerufen worden. Sie wusste, dass sie nicht ausgewählt worden war, weil man sie bisher in irgendeiner Form positiv wahrgenommen hatte, es lag schlicht an der Tatsache, dass die Chefsekretärin Angelika Dobrink heute krank war. Wenn diese wüsste, dass Margot ihre Vertretung war, dann würde sie kochen vor Wut, und diese Tatsache wiederum ließ Margots Herz schneller schlagen. Denn Frau Dobrink war eine biestige Person, die sie ständig spüren ließ, dass sie nicht viel von ihr hielt. Sie hielt im Allgemeinen wenig von anderen und war der Meinung, dass nur sie alles richtig machen konnte. Dabei kannte sie Margot nicht einmal, behauptete aber, sie sei ein junges unwissendes Mädchen. Sicherlich war sie noch jung, aber nicht unwissend, wenn es um Reklame ging. Sie hoffte, dass sie ihr irgendwann beweisen konnte, was in ihr steckte. Sie wollte alles lernen, was mit Reklame zu tun hatte, aber im Moment tippte sie nur langweilige Texte ab. Sobald es Texte waren, in denen es um Reklame ging, versuchte sie, sich alles zu merken. Las alles, was sie zwischen die...



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