Fischer | Frau Rauschers Erbe: Kommissar Rauscher 10 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 10, 254 Seiten

Reihe: Kommissar Rauscher

Fischer Frau Rauschers Erbe: Kommissar Rauscher 10

Kriminalroman
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-947612-22-2
Verlag: mainbook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, Band 10, 254 Seiten

Reihe: Kommissar Rauscher

ISBN: 978-3-947612-22-2
Verlag: mainbook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In Kommissar Rauschers persönlichstem Fall dreht sich alles ums Hessens beliebtestes Stöffche und eine mysteriöse Familiengeschichte. Als Rauschers Tante, Adelheid Bergmann-Rauscher, stirbt, steht der Kommissar, der seit seinem letzten Fall suspendiert ist, plötzlich als Alleinerbe da und niemand weiß warum. Er hat sie vor etwa 30 Jahren zum letzten Mal gesehen. Das lässt Rauscher keine Ruhe. Er beginnt zu recherchieren und stößt auf einen unaufgeklärten Mordfall in seiner Familie. Doch mit diesem Familiengeheimnis beginnen die Schwierigkeiten erst, denn neben einem handfesten Familienzwist, seinem stänkernden Cousin und einem Ahnenforscher kommen weitere Ungereimtheiten ans Licht. Letztlich stellt sich ihm die Frage: Was hat eigentlich 'Frau Rauscher aus de Klappergass' mit dem Fall zu tun? Nach 'Abgerippt', dem Eintracht-Krimi 'Einzige Liebe' und dem 'Ebbelwoijunkie' ist 'Frau Rauschers Erbe' ein neues Krimi-Abenteuer mit dem inzwischen vielleicht bekanntesten Ebbelwoiliebhaber Hessens: Kommissar Rauscher. Frankfurter Krimi-Serie um Kommissar Andreas Rauscher. Bisher erschienen: 'Mord auf Bali' 2006 (Neuauflage 2011), 'Lauf in den Tod' 2010, 'Der Mann mit den zarten Händen' 2010, 'Robin Tod' 2011, 'Paukersterben' 2012, 'Fliegeralarm' 2013, 'Abgerippt' 2014, 'Bockenheim schreibt ein Buch' (Hrsg.) 2015, 'Einzige Liebe - Eintracht-Frankfurt-Krimi' Februar 2017, 'Ebbelwoijunkie' Dezember 2017, 'Frau Rauschers Erbe' 2018 und 'Der Apfelwein-Botschafter' 2021. Zudem der Thriller 'Rotlicht Frankfurt' 2019.

Gerd Fischer wurde 1970 in Hanau geboren, ist in Altenstadt-Höchst in der Wetterau aufgewachsen, studierte Germanistik, Politologie und Kunstgeschichte in Frankfurt am Main, wo er seit 1991 lebt. Weitere Krimi-Veröffentlichungen im mainbook Verlag: 'Mord auf Ba-li' 2006 (Neuauflage 2011), 'Lauf in den Tod' 2010, 'Der Mann mit den zarten Händen' 2010, 'Robin Tod' 2011, 'Paukersterben' 2012, 'Fliegeralarm' 2013, 'Abgerippt' 2014, 'Bockenheim schreibt ein Buch' (Hrsg.) 2015, 'Einzige Liebe - Eintracht-Frankfurt-Krimi' 2017 und 'Ebbelwoijunkie' 2017.
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3


Montag, 7. Dezember


Zwei Tage, nachdem Rauscher den Brief erhalten hatte, stand er in Wintermantel, Rollkragenpulli und Handschuhen nachmittags vor der Kanzlei des Notars Wollenschläger in der Myliusstraße im Frankfurter Westend, wo sich Villen, noble Altbauten und Bürogebäude abwechselten. Hier residierte der alte Geldadel neben Neureichen; dazwischen Agenturen, Anwaltskanzleien, Steuerbüros und Botschaften.

Schick, schick, dachte er.

Sein Atem erzeugte bei jedem Luftholen einen kleinen Nebel vor seinem Gesicht. Die Temperaturen waren immer noch nicht gestiegen. Es wehte ein eisiger Wind, der nicht gerade zu einem behaglichen Gefühl beitrug.

Morgens hatte er den Notar angerufen und für 16 Uhr einen Termin vereinbart. Zeit hatte er genug. Durch seine Suspendierung war er kaltgestellt und durfte nicht zum Dienst erscheinen. Obendrein hatte ihn das Schreiben des Notars neugierig gemacht. Was wollte er ihm mitteilen? Ging es tatsächlich um die Testamentseröffnung? Wahrscheinlich hatte es damit zu tun, malte sich Rauscher aus. Es war sinnlos, sich vorher den Kopf darüber zu zerbrechen.

Er klingelte an einem Messingschild am Hoftor und betrat kurz darauf das Grundstück des großbürgerlichen Anwesens. Während er auf die Haustür zulief, schaut er sich um, was gar nicht so einfach war. Die gepflasterte Einfahrt, die zu einer Doppelgarage führte, war von hohen Bäumen gesäumt. Dementsprechend düster und schattig war es hier. Er fror noch ein wenig mehr.

Der Hausherr schien ihn persönlich zu empfangen, denn in der Tür stand ein kleines Männchen in schwarzem Anzug, weißem Hemd und Krawatte. Er war schlank, schlaffe Haut am Hals und im Gesicht. Der Jüngste war er wohl nicht mehr, aber noch rüstig.

Der Notar streckte ihm die Hand entgegen, als Rauscher vor ihm zum Stehen kam. Während sie sich gegenseitig begrüßten, blickte er ihm tief in die Augen.

„Herr Rauscher, ich freue mich, dass Sie die Zeit gefunden haben. Mein Name ist Wollenschläger. Kommen Sie bitte herein.“ Rauscher folgte ihm ins Innere des Hauses.

Nachdem Rauscher abgelegt hatte, führte ihn Wollenschläger in ein beachtliches Büro. Mindestens vierzig Quadratmeter, schätzte Rauscher. Er betrachtete die Einrichtung. Antiquarische Möbel aus dunklem Holz, die Läufer und Teppiche schienen selbstgeknüpft und wertvoll zu sein. Etliche Gemälde zeigten Landschaften und Stillleben. Fehlten nur noch die Hirschgeweihe mit Zwölfendern und Kuckucksuhren, dachte Rauscher, aber davon war nichts zu sehen.

Als sie sich am massiven Nussbaumschreibtisch gegenübersaßen, bemerkte Rauscher die Ordnung, die hier herrschte. Kein Blatt lag unsortiert herum, keine Zeitung war aufgeschlagen, kein Staubkrümel auf dem Boden erkennbar.

„Darf ich Ihnen einen heißen Tee anbieten?“, fragte Herr Wollenschläger. „Frau Mollenbeck hat gerade welchen gemacht.“

„Gerne.“ Rauscher nickte.

Herr Wollenschläger füllte zwei Tassen aus einer Glasteekanne und stellte sie zurück aufs Stövchen.

Nach dem ersten Schluck meinte Rauscher: „Bin schon gespannt, was Sie mir zu sagen haben.“

„Nun ja“, antwortete Wollenschläger, „es verhält sich eher umgekehrt.“

Rauscher hob die Augenbrauen und schaute den Notar ratlos an. „Ich verstehe nicht …“

„Dann werde ich es Ihnen erklären“, unterbrach ihn Wollenschläger. „Und zwar von Anfang an.“

„Ich bitte darum.“

„Nun, wie Sie aus meinem Schreiben wissen, ist Frau BergmannRauscher, Ihre Tante, letzte Woche verstorben. Sie hat mich beauftragt, ihren Nachlass zu verwalten und das Testament zu vollstrecken. Ich kenne zwar Frau Bergmann-Rauscher schon einige Jahre, weil sie mich hin und wieder, aber eher selten, mit einigen persönlichen Vertragsangelegenheiten und formalen rechtlichen Fragen aufsuchte und beauftragte, sie für sie zu lösen. Im Zuge dessen hat sie mir auch eines Tages ihr Testament überreicht. Soweit zum Hintergrund.“ Er nippte an seiner Teetasse. „Heute kann ich Ihnen also mitteilen, dass Sie der Alleinerbe sind.“

„Ich?“ Rauscher riss die Augen auf.

„Ja.“

„Aber … ich hatte überhaupt nichts mit meiner Tante zu tun! Ich meine … Ich wusste nicht einmal, dass sie noch lebt, geschweige denn, wo. Lange musste ich darüber nachdenken, wann ich sie überhaupt zum letzten Mal gesehen habe, bin aber auf keinen grünen Zweig gekommen. Es muss vor etwa dreißig Jahren gewesen sein. Meine Eltern konnten … oder wollten mir auch nicht weiterhelfen.“

„Ihre Eltern“, übernahm Herr Wollenschläger, „das ist ein gutes Stichwort.“

„Warum wurden sie nicht informiert?“

„Weil es ausdrücklich im Testament vermerkt ist.“

„Wie jetzt?“

„Frau Bergmann-Rauscher hat verfügt, dass Ihre Eltern weder etwas erben noch dass sie überhaupt über ihren Tod informiert werden sollen.“

„Wird ja immer merkwürdiger.“ Auf Rauschers Stirn zeigten sich erste Falten.

„Und genau deshalb sind Sie hier. Ich möchte Sie nämlich zwei Dinge fragen. Erstens: Wissen Sie, was zwischen Ihren Eltern und Frau BergmannRauscher vorgefallen ist?“

„Nein.“

„Können Sie es herausfinden?“

„Meine Mutter weigert sich strikt, mit mir darüber zu reden.“

„Und zweitens: Kennen Sie weitere Familienmitglieder? Mir sind nämlich keine bekannt.“

„Geht mir genauso.“

„Aus diesem Grund sind Sie ja auch der Alleinerbe.“

„Moment, Moment …“ Rauscher fasste sich an den Kopf. „Was ist denn eigentlich mit Thomas?“

„Bitte, wer?“

„Der Sohn meines Onkels und meiner Tante.“

„Ich habe keinerlei Kenntnis darüber, dass es ihn überhaupt gibt.“

Rauscher überlegte eine Weile. „Das Einzige, was ich über meinen Cousin weiß, ist, dass er nach dem Tod seines Vaters, also meines Onkels, verschwunden ist.“

„In den Unterlagen habe ich das Jahr 1985 gefunden, als Frau BergmannRauschers Ehemann …“

„Ja, mein Onkel Karl …“, sprach Rauscher dazwischen.

„… gestorben ist. Ist das richtig?“

„Erinnern kann ich mich nicht, aber das müsste hinkommen. Und Thomas war plötzlich weg.“

„Und niemand weiß, wohin?“

„Ich wüsste nicht, wer. Und auch nicht, ob noch jemand Kontakt zu ihm hat.“

„Dann muss ich ihn ausfindig machen.“

„Das wäre gut. Vielleicht bringen Sie Licht ins Dunkel. Mir ist das alles schleierhaft.“

„Ich habe es mir soeben notiert.“

„Und Sie wissen auch nicht, was damals vorgefallen ist?“

„Nein, woher denn? Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich mit Frau Bergmann-Rauscher nur sporadisch zu tun hatte und mein Einblick in ihre Familienverhältnisse mehr als dürftig ist. Sie war auch nur einmal kurz hier bei mir, ansonsten haben wir telefoniert. Sie lebte ja sehr zurückgezogen, insbesondere in den letzten Jahren. Jedenfalls habe ich mir das immer so erklärt.“

„Wo denn überhaupt?“ Rauscher musste gerade feststellen, dass er nicht einmal wusste, wo seine Tante zuletzt gewohnt hatte.

„In einer schönen Wohnung im Holzhausenviertel, ganz in der Nähe vom Park …“

„Also in ihrer alten Wohnung.“ Rauscher nickte wie zu sich selbst. „Dann ist sie offensichtlich nie weggezogen.“

„Gut möglich. Aber nun zurück zum Tod Ihrer Tante. Sie hat mir im Testament Geld zur Verfügung gestellt, um die Beerdigung et cetera zu bezahlen. Ich habe bereits alles veranlasst.“

„Fein. Ich dachte schon, ich müsste mich …“

„Da brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Es wird nur eine schlichte Trauerfeier geben. Nur Sie sind eingeladen.“

„Nur ich?“

„Steht so im Testament.“

„Wird ja immer besser.“

„Ich schlage Ihnen vor, dass ich zunächst einmal die Frage kläre, ob der Sohn noch lebt und auffindbar ist. Danach besprechen wir alles Weitere. Wäre das für Sie in Ordnung?“

„Sicher.“

„Die Trauerfeier ist...



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