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E-Book

E-Book, Deutsch, 261 Seiten

Fischer Gesammelte Werke


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1266-5
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 261 Seiten

ISBN: 978-3-8496-1266-5
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
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Dieser Band beinhaltet folgende Werke des deutschen Schriftstellers: Inhalt: Zweie für Einen. Die tolle Nacht. Der Storch. Der Hahnrey auf Pränumeration. Der Liebes-Rath. Der heilige Isidro. Das Kammermädchen. Die Kolik. Die Gondel. Der Schiffscapitän. Der treue Diener. Das Duell. Die Fremde. Der Koffer. Hannchens Hin- und Herzüge nebst der Geschichte dreyer Hochzeitsnächte

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Sie schlug die Augen nieder, und der Hauptmann drehte seinen Hut hin und her. – Ich wollte es Ihnen wohl sagen, fuhr er fort, aber Sie müssen es nicht übel nehmen.

Sie: Nein, wenn ich kann, so will ich's gewiß nicht übel nehmen.

Er (heimlich): Machen Sie mich zu Ihrem Freunde.

Sie (lächelnd): Nun das konnten Sie ja laut sagen.

Er: Aber –

Sie: Nun?

Er (heimlich und bedeutend, indem er sie küßte): Der kleine Freund hat auch eine Bitte.

Sie: Und was fehlt ihm denn?

Er: Ein Zimmerchen, wo er logiren kann.

Sie (lächelnd): Und das soll ich ihm geben?

Er (immerfort küssend, wovon man aber keine Notiz nehmen will): Sie haben ja so ein kleines, niedliches, allerliebstes –

Sie: Nun, weil Sie so schon bitten können: ich will sehen, was ich thun kann. Sagen Sie ihm nur, er soll wieder zufragen: heute geht's nicht, denn der Alte kommt wieder: aber morgen Vormittag.

Er: Liebes englisches Weibchen! Der arme kleine Freund wird ganz außer sich sein; er wird Decken hoch springen, wenn ich's ihm sage.

Sie: Er soll sich nur keinen Schaden thun, hören Sie! – Nun morgen punkt zehne.

Der Hauptmann war entzückt. – Wir haben Posto gefaßt! rief er: und morgen wollen wir's Defilee passiren.

Die schone Seilerin war nicht weniger zufrieden. – Es ist doch ein charmanter Mann, dachte Sie: wie er's verblümt zu geben weiß! – Man sagt, sie habe die ganze Nacht vom kleinen Freund geträumt. –

Viertes Kapitel.



Zehn Uhr schlug; der Hauptmann kam und brachte den kleinen Freund mit. – Man kann denken, wie sie empfangen wurden.

Die schöne Seilerin räumte ihm ihr niedliches Zimmerchen ein und umarmte ihn tausendmal. Seine Figur, seine Lebhaftigkeit, seine Beredsamkeit, die ihm so gut von den Lippen floß; alles bezauberte sie. Sie selbst gefiel ihm nicht weniger. Ihre Herzlichkeit, ihre Gefälligkeit, ihr zuvorkommendes Wesen, alles entzückte ihn. Sie schienen für einander gemacht zu sein.

Wie viel hatten sie sich nicht zu sagen! Wie viel zärtliche Ergießungen! Wie viel trauliche Geständnisse! Jeder Augenblick brachte sie näher zusammen; sie gaben sich eines dem andern hin und vergaßen die ganze Welt um sich.

Aber auf einmal läßt sich die Stimme des Mannes hören. – Himmel, wir sind verloren! rief das Weibchen, Kaum hatte der Freund Zeit, sich zu retten. – Geschwinde hinter den Ofen! ruft sie athemlos, und der Mann tritt zur Thüre hinein.

Du bist ja so erhitzt, sagte er mürrisch: was hat's denn gegeben?

Sie: Ach lieber Mann! Ach ich habe eine rechte Freude gehabt!

Er: Es wird was rechts gewesen sein. Laß doch hören!

Sie: Da kam der fremde Wundermann – du wirst ihn auch gesehen haben?

Er: Was für ein Wundermann? Ich habe keinen gesehen.

Sie: Der indianische Schaman, oder wie sie hier heißen? Mit der großen spitzigen Mütze, voll lauter goldener Figuren, und dem langen gros de tournen Kaftan.

Er: Nun was war denn mit dem?

Sie: Der kam herein und fragte nach dir, ob wir Kinder hätten und so weiter.

Er: Nun, und was gabst du ihm denn zur Antwort?

Sie (verschämt): Ih nun, daß es dem lieben Gott gefiele – du weißt ja, lieber Mann, wie du immer sagst: der liebe Gott straft uns, daß wir keine kriegen.

Er: Ja wohl straft er uns; denn an mil liegt's wahrhaftig nicht.

Sie: Nun, sagte der Schaman: ich will Ihnen ein Kunststück zeigen, wie Sie den Storch beschwören können. Machen Sie das nach, und ehe ein Jahr vergeht, so müssen Sie ein oder zwei Kinder haben.

Er: Das wäre? Ach wenn mir Gott die Gnade gäbe, auf den Knieen wollte ich ihm dafür danken.

Sie: Das dacht' ich eben, lieber Mann, und darum gab ich ihm acht Groschen mit Vergnügen und ließ mir das Kunststück lernen.

Er: Nun, worinnen besteht es denn?

Sie: Wenn du's sehen willst, lieber Mann, so will ich's einmal probiren, aber du mußt alles thun, was ich dir sage.

Fünftes Kapitel.



Der alte einfältige Seiler versprach es ihr und es war ihr alles gelungen. – Die hat Witz für zwei, dachte der Hauptmann: aber wenn ich nur fort wäre.

Nun lieber Mann, fuhr sie fort: jetzt mußt du dich auf die Erde legen. – Nein mit dem Gesicht auf den Boden. – So! – Nun leg' ich ein Betttuch über dich, aber du mußt dich nicht rühren. – und nun den Backtrog. – Lieg' ja stille, oder es ist alles verloren.

Der arme Schächer ließ sich alles gefallen und lag da wie eine Schildkröte. – Nun decke ich dir den Kopf mit einem Kissen zu, fuhr sie fort, spreitze mich über den Backtrog aus und sage die Formel her. Wenn ich inne halte, mußt du dreimal husten, und dann weiden wir sehen.

Gesagt, gethan! Sie deckte ihm den Kopf mit einem dicken Kissen zu, spreitzte sich über den Backtrog aus und fieng ihr Abrakadabra an. Der Hauptmann merkte ihre List und kroch hinter dem Ofen hervor. – Bscht! sagte sie, als ob sie dem Manne ein Zeichen gäbe, und er hustete nach Herzenslust.

Der zweite Theil der Formel: der Mann hustete abermals. Der Hauptmann schlich weiter nach der Thüre. Eben wollte sie schließen; sie winkte, und er sprang glücklich hinaus. – Ach der Storch! der Storch! schrie sie freudig: Da fliegt er! Da fliegt er! Geschwinde, geschwinde, lieber Mann! – Aber ehe sie ihm aufhalf, war der Hauptmann Storch über alle Berge.

Nun so gebe Gott sein Gedeihen dazu! seufzte der alte Seiler. – Amen! sagte die Frau: es ist mir sauer genug geworden.

Der Hahnrey auf Pränumeration.



Erstes Kapitel.



Es war Mitternacht; der hochzeitliche Reigen nahm seinen Anfang; Herrmann stand im Garten und sah mit bitterem Schmerze nach dem erleuchteten Saale hinüber. – O Emilie! rief er seufzend: möchte es mir gelingen!

In dem Augenblick hörte er Jemand kommen. Es war ein alter Bedienter aus Emiliens Hause. – Nun Freund! sagte Herrmann leise: ist es Zeit? – Kommen Sie, gab Johann zur Antwort, nahm ihn bei der Hand und führte ihn eine geheime Treppe hinan.

Sie giengen durch mehrere Zimmer! Herrmann war in einen Mantel gehüllt und mit Pistolen versehen. – Guter Johann! sagte er, fordere was du willst! Du kennst mich nicht seit gestern. – Ach wohl! erwiederte der alte Mann: als Sie noch täglich hieher kamen. – – Es waren glückliche Zeiten! fiel Herrmann mit ersticktem Schmerze ein. – Nimmermehr hätte ich geglaubt! erwiederte Johann, aber eben standen sie still.

Das ist die Brautkammer, sagte Johann, und schob Herrmann hinein. Ich denke, sie müssen nun bald kommen. – Hier, guter Johann! fiel Herrmann ein und drückte ihm eine Börse in die Hand. Nimm diese Kleinigkeit, und nächstens mehr. – Johann nahm sie, verschloß die Thüre und ließ ihn allein.

Ach Emilie! rief Herrmann: warum konntest du deinem Herzen nicht folgen? Du liebtest mich, aber sie zwangen dich! – Wohlan, ich wage es: Tod oder Leben! Er soll dich nicht berühren.

Er verbarg sich unter das Bette, drückte sich an die Mauer, hielt seine Pistolen in Bereitschaft und erwartete den entscheidenden Augenblick.

...



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