E-Book, Deutsch, Band 4, 220 Seiten
Reihe: Frankfurt-Krimis
Fischer Robin Tod: Frankfurt-Krimi
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-9813571-4-1
Verlag: mainbook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kommissar Rauscher 4
E-Book, Deutsch, Band 4, 220 Seiten
Reihe: Frankfurt-Krimis
ISBN: 978-3-9813571-4-1
Verlag: mainbook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Gerd Fischer hat 10 Marathons, ein Germanistik-Studium und ca. 12 Jahre Werbetexterei in den Knochen. 2006 veröffentlichte er seinen ersten Krimi 'Mord auf Bali', gleichzeitig Kommissar Rauschers erster Fall (2011 neu aufgelegt). Es folgten 'Lauf in den Tod', 'Der Mann mit den zarten Händen' und 'Robin Tod'. Gerd Fischer wurde 1970 in Hanau geboren. Er lebt und arbeitet seit 1991 in Frankfurt-Bockenheim. Er hat Germanistik, Kunstgeschichte und Politik an der Johann Wolfgang Goethe-Uni studiert und arbeitet zurzeit auch als Lektor.
Autoren/Hrsg.
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MITTWOCH 22.5.
6
Rauscher kam frühmorgens in sein Büro. Krause war noch nicht im Präsidium, also stürzte er sich auf die Ermittlungsakte im Banker-Fall. Er wollte unbedingt die aktuellen Ermittlungsergebnisse kennen, bevor er mit Krause darüber sprach.
Das erste Opfer hieß Armando Terzlaff, 43 Jahre alt, verheiratet mit Ina Terzlaff, kinderlos, wohnhaft im Diplomatenviertel in Bockenheim. Angeblich großer Freundes- und Bekanntenkreis in der Frankfurter High Society.
Terzlaff war direkt nach Feierabend vom Büro nach Hause gefahren, wo es passiert war. Etwa fünfzig Leute aus seinem engeren Bekanntenkreis waren befragt worden. Keiner hatte eine Idee, warum Terzlaff ermordet worden war. Zeit seines Lebens sei er ein tadelloser Mensch gewesen, immer nett und freundlich, hilfsbereit. Überaus spendabel. Jemand, mit dem man gerne die Zeit verbrachte.
Das zweite Opfer, Konstantin Verbeuten, ebenfalls 43, war ledig und wohnte im Dichterviertel in einem großen Einfamilienhaus. Er war Terzlaffs Kompagnon bei Money Inc., einer Finanzberatungs- und Beteiligungsfirma, die die beiden vor etwa fünf Jahren gegründet hatten. Zuvor waren sie zehn Jahre lang bei der gleichen Bank angestellt.
Verbeuten sei immer an Terzlaffs Seite anzutreffen gewesen, hatten alle Befragten geäußert und sich zutiefst schockiert über seinen Tod gezeigt. Einen Verdacht, wer Terzlaff oder Verbeuten umgebracht haben konnte, hatte niemand. Auch zur Mordmethode gab es keine brauchbare Aussage. Auffällig war, dass die Autos der Opfer nicht auffindbar waren.
Rauscher betrachtete eingehend die Bilder der Toten, die ein Fotograf aus sämtlichen denkbaren Perspektiven geschossen hatte. Bei beiden Bankern ragte das hintere Ende eines mit Federn geschmückten Holzpfeiles aus der Brust, genau dort, wo man als Laie das Herz vermutete.
Das Opfer Terzlaff trug ein weißes Hemd, das kreisrund um den Pfeilschaft blutbefleckt war. Der Körper lag schräg in einem Strauch, unmittelbar vor einer niedrigen Steinmauer.
Weiter kam Rauscher nicht, denn seine Bürotür flog auf und Jan Krause, sein engster Kollege und Freund, kam herein.
„Moin, moin. Manche Beamte sehen echt aus wie Zombies, wenn sie morgens durch die Gänge schleichen. Möchte wissen, was die nachts so treiben, ne.“
„Sagt der Richtige.“ Rauscher lachte. Er erinnerte sich noch lebhaft an die Zeit, als Krause jeden Tag völlig übermüdet zum Dienst erschienen war, weil er sich nachts mit seiner neuen Eroberung Debbie vergnügt hatte. „Wo ist eigentlich Frau Winter?“
„Hat zur gleichen Zeit Urlaub genommen wie du. Das Sekretariat ist vorerst unbesetzt. Was hört man denn auf den heiligen Fluren?“ fragte Krause. „Du bist dabei? Gibt’s doch nicht, ne!“ Und nach kurzer Pause: „Hast ganz schön zugelegt, wa?“
„Jetzt fang du auch noch an.“ Krause nahm sich eine Tasse aus dem Regal und goss sich aus einer Kanne Kaffee ein, gab vier Stück Würfelzucker hinein und rührte um.
„Bin ich froh“, sagte Krause nach einem kräftigen Schluck „hatte schon befürchtet, alleine den Zampano spielen zu müssen.“
„Was war denn eigentlich mit Thaler los?“, fragte Rauscher. „Du warst doch dabei.“
„Ja, Mensch. Hat wohl die Nerven verloren. Das war eine reine Routinebefragung draußen in Bonames. Der Kurde war Zeuge in einem Tötungsdelikt. Aber seit Monaten sind wir hinter ihm hergerannt und haben ihn nie erwischt. Naja, wir stehen im Eingangsbereich seiner Wohnung und unterhalten uns. Und da greift der Kurde plötzlich in seine Hosentasche. Thaler zückt seine Pistole, schießt und erwischt ihn am Oberarm. Glatter Durchschuss. Thaler hat gesagt, er habe geglaubt, dass der Kurde eine Waffe ziehen würde. Tatsächlich hielt er aber nur ein Taschentuch in der Hand, mit dem er sich Schweißperlen von der Stirn wischen wollte. Die interne Ermittlung hat Thaler sofort aus dem Verkehr gezogen, solange das Verfahren gegen ihn läuft. Die unterstellen ihm Rassismus und wollen den Vorfall genauestens unter die Lupe nehmen.“
„Da hat er sich ganz schön was eingebrockt. Und wie geht‘s jetzt weiter?“, fragte Rauscher.
„Er muss sich einem psychologischen Test unterziehen und noch mindestens eine Anhörung über sich ergehen lassen. Danach entscheidet die Interne, wie’s mit ihm weitergeht.“
„Schöne Scheiße. Ich kapier einfach nicht, wie sich Thaler so ein Ding leisten konnte? War er gestresst? War was mit seiner Freundin? Thaler ist doch nie und nimmer ein Rassist?“ Krause nahm Rauscher am Arm.
„Nun komm ma‘ wieder runter, ne“, sagte Krause. „Thaler wird bald zurück sein. Aber da ist Fingerspitzengefühl gefragt. Du musst mit Markowsky reden. Der muss sich der Sache annehmen, mit den Internen verhandeln und Thaler raushaun. So schnell wie möglich.“
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Kommissar Rauscher eilte ohne ein Wort an Frau Oberschläger, Markowskys Sekretärin, vorbei, die ihm erschrocken hinterher schaute, ins Büro seines Chefs, wo ihn Markowsky mit einem selbstzufriedenen Lächeln empfing:
„Rauscher, schön Sie hier zu sehen. Dann kann’s ja losgehen.“
Rauscher atmete schwer, selbst die paar Meter hatten ihn schon außer Puste gebracht.
„Herr Markowsky, bevor ich mit dem Banker-Fall loslege, muss ich mit Ihnen über Thaler sprechen.“ Markowsky setzte sich gerade hin und Rauscher erkannte an seiner Miene, dass das Thema ihm mehr als unangenehm war. „Ich meine, wir müssen aktiv werden. Mit den Internen reden. Thalers Vergehen wiegt schwer. Wenn sie ihn auf dem Kieker haben, suspendieren sie ihn vielleicht für immer. Und wenn’s ganz hart kommt, könnte er sogar aus dem Polizeidienst fliegen. Das können wir uns nicht leisten.“
„Was schlagen Sie vor?“
„Nehmen Sie sich der Sache persönlich an!“
„Wie meinen Sie das? Ich habe wirklich andere Dinge …“
„Herr Markowsky, Sie haben mich extra aus dem Urlaub geholt. Ich muss mich auf den Banker-Fall konzentrieren und Sie gehen zu den Internen und reden mit ihnen. Ein, sagen wir, Vermittlungsgespräch können die Ihnen nicht verwehren.“ Noch bevor Markowsky etwas entgegnen konnte, hatte sich Rauscher umgedreht und war aus dem Büro verschwunden.
Auf dem Weg zu seinem Büro rief er Elke an, die sich gerade über einen Schokoriegel hermachte. Als er sie auf ihren Verzehr von Süßigkeiten ansprach, erklärte sie mit süffisantem Unterton, dass Süßes für Sehnsucht nach Liebe stehe und sie ihn vermisse. Dann berichtete sie, dass sie sich schon den ganzen Vormittag im Internet schlau mache, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse es über Vitamine, Mineralstoffe und besonders Omega-3-Fettsäuren in Schwangerschaft und Stillzeit gab, denn sie wolle sich nach der Geburt besonders gesund ernähren. Rauscher empfahl Elke: Äpfel essen. Ein Rat, den er von seiner Oma hatte. In Äpfeln war alles drin, was Körper und Geist brauchten. Er selbst hatte damit die besten Erfahrungen gemacht.
Und dann klagte Elke wieder über das Gewicht ihres Bauches. Sie wollte es verdammt nochmal endlich hinter sich haben. Nur noch raus damit. Sie würde sich jetzt ein Heublumendampfsitzbad genehmigen, denn sie hatte gelesen, das konnte helfen, die Geburt einzuleiten.
Nachdem sich Rauscher vergewissert hatte, dass es Elke einigermaßen gut ging, zählte er noch einmal die Tage, um sicher zu gehen: Es waren noch drei und er fieberte dem Augenblick der Geburt immer mehr entgegen.
Dann steuerte er zielstrebig Krauses Büro an.
„Gut, dass du kommst. Ein Kollege hat mir gerade den Hinweis auf einen Blog gegeben. Da schreiben Opfer von Anlageberatern über ihre Erfahrungen. Der Name Money Inc. fällt auffällig oft.“ Rauscher zuckte mit den Achseln. „Du weißt schon, dass die beiden Toten Money Inc. gegründet haben?“
„Klar, und du meinst …“
„Genau. Wir müssen alle Postings lesen. Ich habe eben kurz reingeschnuppert und schon beim ersten Eintrag lief mir die Galle über. Da hat ein Enkel von seiner 78-jährigen Oma, Gertrude Schneider, berichtet. Sie hatte bei Money Inc. ihre Ersparnisse von 70.000 Euro angelegt und musste vor ein paar Monaten feststellen, dass die das gesamte Geld...




