E-Book, Deutsch, 700 Seiten
Fischer Vergessene Hauptachse, Ausgabe 2020
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7526-0021-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Bundesstraße 30 in Oberschwaben
E-Book, Deutsch, 700 Seiten
ISBN: 978-3-7526-0021-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Franz Fischer, geboren 1980 in Bad Waldsee, Bautechnische Schule Nürtingen, Schwerpunkt Straßenbau, anschließend Wirtschaft und Informatik in Ravensburg, danach selbstständig tätig. Seit 1996 befasst sich Fischer mit dem deutschen Straßen- und Verkehrswesen, der Entstehung, Entwicklung und Planung funktionsfähiger Verkehrsnetze. Er ist Herausgeber der Zeitung "B30 Insider", Gründer der Webseiten b30-oberschwaben.de, b30neu.de sowie der gemeinnützig tätigen "Initiative B30".
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Ausbau des Autobahnnetzes
Ein Großteil des gesamtdeutschen Autobahnnetzes wurde von 1958 bis 1990 errichtet. 1958 bestanden in Ost und West bereits 3 794 km Autobahnen. Von 1950 bis 1970 verdoppelte sich die Länge des Autobahnnetzes in Westdeutschland. Dort wurde zu dieser Zeit der Neubau von Autobahnen besonders gefördert, während bei den Bundesstraßen der Schwerpunkt auf dem Ausbau bestehender Verbindungen lag. Finanziert wurde der Ausbau des Autobahnnetzes in Westdeutschland bis in die Siebzigerjahre unter Mitnutzung der Kreditbeschaffung durch die Öffa127.
Die erste autobahnähnliche Strecke in Deutschland und der Welt war die Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße (AVUS) im Berliner Grunewald, die am 24. September 1921 eröffnet wurde. Die 8,3 km lange Strecke war gebührenpflichtig und diente hauptsächlich als Renn- und Teststrecke.
1926 gründete sich der „Verein zur Vorbereitung der Autostraße Hansestädte–Frankfurt– Basel“ (HaFraBa e. V.). Zweck des Vereins war der Bau einer Straße für den Kraftwagenschnellverkehr von Hamburg über Frankfurt am Main nach Basel. Robert Otzen, eigentlich Ehlert Robert Friedrich Otzen, übernahm den Vorsitz. Teile der heutigen A 5 folgen dem Verlauf der damaligen Planungen. Otzen prägte im November 1929 in Anlehnung an das Wort „Eisenbahn“ das Wort „Autobahn“128. Bis dahin sprach man meist von „Nur-Autostraße“, für Straßen, die nur Kraftfahrzeugen vorbehalten sind.
Die erste Autobahn in Deutschland, die als Schnellstraße ohne Gegenverkehr ausgebildet war, ist die heutige A 555. Sie verbindet noch heute mit einer Länge von 20 km Köln mit Bonn und wurde am 6. August 1932 eröffnet. Die Nationalsozialisten forcierten im Dritten Reich den Ausbau der Reichsautobahnen, was durch die Propaganda besonders herausgestellt wurde. 1938 stellten die Nationalsozialisten das Netz der Reichsautobahnen vor. Ausgehend von der Reichshauptstadt Berlin entstanden sternförmig neue Autobahnen. Zu diesem Zeitpunkt war die Autobahndichte in Ostdeutschland wesentlich höher als in Westdeutschland. Im Kriegsjahr 1943 wurde der Autobahnbau bis 1950 eingestellt.
Autobahnen und autobahnähnliche Straßen wurden zunächst ohne Mittelschutzplanken errichtet. Aufgrund der erheblichen Zunahme von Unfällen mit Todesfolge und von hoher Schwere, wurde in Westdeutschland Anfang der Sechzigerjahre mit der Ausrüstung der Straßen mit Schutzplanken begonnen. Verstärkt erfolgte der Ausbau des westdeutschen Autobahnnetzes zunächst zwischen den größten Landeshauptstädten, der Großstädte und im Ruhrgebiet, dann fast flächendeckend.
1974 wurde das noch heute gültige Nummerierungssystem der Bundesautobahnen eingeführt. In der Folge wurden am 1. Januar 1975 alle Bundesautobahnen neu nummeriert. Mit der Neunummerierung wurde in drei Autobahntypen unterscheiden: (1) Durchgangsautobahnen, die als Magistralen des internationalen und nationalen Verkehrs dem schnellen Verkehr über weite Entfernungen dienen, (2) Verbindungsautobahnen, die Durchgangsautobahnen miteinander verbinden und entlasten sowie (3) Zubringerautobahnen, die den Verkehr aus den Verdichtungsräumen zu den Verbindungs- und Durchgangsautobahnen sowie zu Erholungsgebieten führen129.
| Alte Nr. A1 A2 A3 A4 A5 A6 A10 A11 A12 A13 A14 A15 A16 A20 A21 A22 A23 A24 A51 A52 A53 A54 A55 A56 A60 A61 A62 | Strecke Stadtautobahn Berlin - Hamburg-Horn Berliner Ring - AD Heumar Berliner Ring - München-Nord Berliner Ring - Cottbus/Grenze PL Berliner Ring - Frankfurt(Oder)/Grenze PL Berliner Ring – Stettin/Grenze PL Flensburg - Basel Puttgarden - AK Leverkusen Cuxhaven - Walsrode - Nossen Dortmund - Kirchheim/Teck Goch - Lauterburg Aachen-Lichtenbusch - Passau Dortmund - Eisenach - Bautzen Saarbrücken - Waidhaus Karlsruhe - Salzburg Weil am Rhein - München Eisenach - Konstanz Gramschatzer Wald - Lindau Berliner Ring Berlin, AD Drewitz - AD Funkturm Stadtring Berlin Westtangente Berlin Zubringer Britz Stadtautobahn Berlin-Nord Bordesholm - Kiel AD Hamburg-Süd - Hamburg-Veddel AD Hannover-Nord - AD Hannover-West | Nr. ab 1975 A111, A24 A2, A3 A9 A15 A12 A11 A7, A5, A67 A1 A27, A32, A14 A45 A57, A1, A61, B9, A65 A44, A4, A3 A44, A4 A6 A8 A98, A95 A4, A7, A81, B33 A7, A96 A10 A115 A100 A111 A102 - A215 A255 A352 |
noch Tabelle: Nummerierung des deutschen Autobahnnetzes vor und ab 1975
| Alte Nr. A63 A64 A65 A66 A70 A71 A72 A73 A74 A75 A76 A77 A78 A79 A80 A81 A82 A83 A84 A85 A86 A87 A88 A89 A90 A91 A92 A99 A100 A101 A102 A103 A104 A105 A106 A107 A110 A111 | Strecke Laatzen - AD Hannover-Süd Bad Bentheim - Bad Oeynhausen Hamburg - Lüneburg Elmshorn - Hamburg Emmerich - Oberhausen Aachen-Nord - AK Aachen Köln - Bonn Köln - Hattenbach Reiskirchen - Mesenich AK Aachen - Aachen-Europaplatz Schweich - Stuttgart Münster - Wuppertal Kamp-Lintfort - Dortmund Venlo - Duisburg Winterspelt – Fulda Mönchhof-Dreieck - AK Heidelberg Mannheim - Heidelberg Schifferstadt - Hockenheim Breisach - Tuttlingen Memmingen - Füssen Penzberg - Irschenberg Haar - Kiefersfelden Weiden - AD Holledau - Augsburg Höchstadt - Bamberg - Bayreuth Hof - Chemnitz Bad Homburg - Darmstadt Wiesbaden - Rüsselsheim Autobahnring München Bremen - Gießen Bünde - Zeven Neustadt/Holstein - Bremen-Nord Hamburg-Harburg - Dibbersen Hamburg - Hamburg-Bergedorf Scherfede (A100) -Bad Lauterburg Lemgo (A100) - Bad Harzburg Wilhelmshaven - AD Ahlhorner Heide Brühl - Daun Aachen - Nettersheim | Nr. ab 1975 A37 A30 A39 A23 A3, A516 A4 A555 A4 A480, A48, A1, A64 A544 A1, A62, A8, A82 A43 A42 A40 A60, A643, A66 A67, A5 A656 A61 B31, B311 (A86) A7 A98 A9, A93 A93, A90 B505, A70 A72 A661 A671, A60 A99 A5 A22 A22 A261 A25 A46 A35, A36 A29 A553, A1 A545 |
noch Tabelle: Nummerierung des deutschen Autobahnnetzes vor und ab 1975
| Alte Nr. A113 A120 A126 A140 A150 A160 A170 A171 A172 A183 A201 A202 A203 A204 A205 A206 A208 A209 A210 A211 A213 A214 A220 A221 | Strecke Emden - Bonn München - Deggendorf Westumgehung Nürnberg Mönchengladbach - Dortmund Radevormwald - Waldbröl Gevelsberg - Radevormwald - Remscheid Duisburg - Bad Honnef Nonnweiler - Saarbrücken Grenze Luxemburg - Pirmasens Viernheim - Weinheim Aachen - Arnsberg Schwalmtal - Krefeld-Nord Venlo - Erftstadt Heinsberg - Bonn Heinsberg - Mönchengladbach Grevenbroich - Köln Selfkant - Lüdenscheid Roermond - Düsseldorf Rheinberg - Hamm Krefeld - Ratingen Dorsten - Waldbröl Düsseldorf - Essen Kerken - Bergheim Bonn - Meckenheim | Nr. ab 1975 A31 A92 A75 A44 A43 A43, A54 A59 A1 A8 A659 A44, A46 - A61 A56 A46 A540 A56 A52 A40 A524 A41 A52 A55 A565 |
Tabelle 8: Nummerierung des deutschen Autobahnnetzes vor und ab 1975
In der DDR hatte der Autobahnbau zunächst keine große Bedeutung. Vorrangig wurden Landes- und Kreisstraßen repariert und erneuert. 1968 beschloss die SED, die Mittel und Kapazitäten im Straßenbau vorrangig für den Ausbau des Autobahnnetzes einzusetzen. Vorgesehen war die Städte Leipzig – Dresden, Berlin – Rostock und Halle – Magdeburg durch neue Autobahnen zu verbinden. Als erstes Großbauvorhaben wurde die Autobahn Leipzig – Dresden (heute A 14) im Oktober 1971 eingeweiht. Der Autobahnbau kam in der DDR nur schleppend voran. Es mangelte an Personal, Material und Maschinen. Der Schwerpunkt des Autobahnbaus in der DDR lag bald auf den Transitstrecken zur Bundesrepublik. Deren Auf- und Ausbau wurde seit dem Transitabkommen, das 1972 in Kraft trat, von Westdeutschland mit Devisen bezahlt. Die Bundesrepublik stellte für die Transitautobahnen bis 1988 rund 2,4 Milliarden Deutsche Mark zur Verfügung130.
Ende der...




