E-Book, Deutsch, 605 Seiten
Fleming Deutsche Gedichte
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1281-8
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 605 Seiten
ISBN: 978-3-8496-1281-8
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Paul Fleming gilt als einer der bedeutendsten Lyriker des deutschen Barock. Dieser Sammelband beinhaltet seine herausragendsten Werke. Inhalt: Poetische Wälder 1. Von geistlichen Sachen 2. Von Leichengedichten 3. Hochzeitgedichte 4. Von Glückwünschungen 5. Von Liebessachen und Scherzgedichten Buch der Überschriften. Oden 1. Von geistlichen Liedern 2. Von Leichengesängen 3. Von Hochzeitliedern 4. Von Glückwünschungen 5. Von Liebesgesängen Sonnette 1. Von geistlichen Sachen 2. Auf Begräbnüsse 3. Von allerhand Glückwünschungen 4. Liebesgedichte
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
3. Hochzeitgedichte
Dem Edeln, Wol-Ehrnvesten, Groß-Achtbarn und Hochweisen Herrn Johanni Brandt, J.U.L. Bürgermeistern der Löbl. Stadt Hamburg, meinem Hochgeehrten Herrn Schwager.
1. Auf derer Wolgebornen, Herrn, Herrn Christianen und Fräulein, Fräulein Agnesen, beider von Schönburg, herrliches Beilager zu Hartenstein
1631.
Zuschrift an die wolgeborne Braut und Bräutigamb.
Das süße Tun, das wir die Liebe nennen,
den freien Dienst, den wundenlosen Streit,
den besten Schmack, die Zuckerung der Zeit,
den lieben Tod, das angenehme Brennen,
und was wir sonst noch Bessers können kennen:
das leset hier, ihr Haß der Einsamkeit,
ihr edles Paar, die ihr gesonnen seid
zu gehen ein, was auch kein Tod kan trennen!
Glück zu! Glück zu! schreit meine Poesie,
wie schlecht sie ist. Zwar was ihr leset hie,
das ist nur Schrift und bloßes Wörterscherzen;
doch soll sie auch sein eine Zeigerin,
daß ich bereit euch aufzuwarten bin.
Den höchsten Wundsch, den trag' ich noch im Herzen.
E.E. Gn. Gn.
gehorsamber
Paull Flemming
von Hartenstein.
2. Früelings-Hochzeitgedichte
1631 Mai.
Der Winter ist fürbei, der Feind der bunten Auen
und aller Blumen Tod; was Juno kan beschauen
auf diesem breiten Rund', ist alles Jammers frei,
der von der Kälte war. Der Winter ist fürbei.
Der angenehme Lenz ist itzt schon angekommen,
hat jenem alle Macht und Leidsein abgenommen
und gar von uns verweist. Der liebe Freund der Lust
hat von der Erden Not und Übel wol gewust,
drumb bricht er so herein. Die beste Zeit der Zeiten,
des Jahres Mark und Saft, die Gunst der Fruchtbarkeiten,
das Wohnhaus aller Pracht, das nichts als Lustigsein,
hat sich nun widerumb bei uns gestellet ein
und machet alles froh. Seht, wie so grüne werden
die Glieder überall der breitgebrüsten Erden,
Feld, Wiesen, Berge, Tal! Ietzt regt sich die Natur,
sie bildet ihre Zier, wo man hin siehet nur.
Wie prangt sie mit der Saat, wenn mit gesunden Reifen
die fromme Cynthia bei Nachte sie muß täufen,
darvon das Gras und Korn früh' aller trunken sind
und taumeln hin und her, wenn sie ein Westenwind
mit sanftem Odem schwenkt! Wenn es beginnt zu tagen,
und furchtsam tritt herfür der Rötin bunter Wagen
und zeigt ihr braunes Liecht der aufgeweckten Welt,
da geht die Wollust an, die mir und dir gefällt.
Das leichte Federvieh verläßt die warmen Nester,
begibt sich ihrer Burg, der halbbegrünten Äster,
spaziert durch freie Luft, singt Schaf' und Schäfer an:
denn auch diß gute Volk nicht lange schlafen kan,
geht für der Sonnen aus. Die Taue sinken nieder,
beperlen Laub und Gras. Der Philli laute Lieder,
die in dem Pusche grast, die wecken Echo auf,
daß manchen hellen Schrei sie durch das Tal tut drauf.
Die lautere Fontein, entsprungen aus der Erden,
mit der Kristallen nicht verglichen mögen werden,
ergeußt das helle Quell und rauschet durch den Grund,
darinnen mancher Hirsch benetzt den dürren Mund
und schlürft ihm nüchtern nein. Der Wälder Raub, die Hinden,
gehn ungescheucht zur Kost. Der Has' ist noch zu finden
in jenem Stücke Korn', in das er gestern lief,
und aße sich so voll, daß er auch da entschlief.
Indessen steigen auf des muntern Phöbus Pferde,
die nichts als Feuer sein; da wird das Punct der Erde
von Neuem ganz belebt. Diß ist die liebe Zeit;
was gött- und menschlich ist, das wird durch sie erfreut.
Die geilen Satyren, die springen aus den Wäldern
und lassen sich ersehn auf allen grünen Feldern,
wo Schäferinnen sind. Pan kömpt zu seiner Schar.
Empanda nimpt für sich des Ackerbaues wahr.
Pomona giebet umb den saftgefüllten Bäumen
den grünen weißen Flor, läßt ihre Gärten räumen.
Die weichen Najaden stehn auf von ihrer Ruhe
und gehen schön geputzt auf ihre Bäder zue,
die marmorsteinern sind. Diana stellt die Netze,
daß sie den langen Tag mit Hetzen sich ergetze.
Der ganze Helikon ist schon umb diese Zeit
umb seine Bücher her und dichtet allbereit
das, was man rühmen muß. Die schönen Pierinnen,
die nun durch Opitzs Gunst auch hochteutsch reden können
und lieber sein als vor, die sagten mir auch für
bei früher Tageszeit diß, was ich schreibe hier,
wie schlecht es immer ist. Die stillen Morgenstunden
sind den Poeten recht, was Hohes zu erkunden
und es zu setzen auf. Was lange bleiben soll,
das will bei früher Zeit bedacht sein oft und wol
und weil man nüchtern ist. Frau Flora schläft nicht lange,
nimmt dieser Zeiten wahr, kömpt mit geschwindem Gange
auf ihre Wiesen zu, beblumet Feld und Wald
und machet Berg und Tal mit Farben wolgestalt.
Sie braucht nach ihrer Lust die warmen Sonnenstrahlen,
darmit sie wunderlich die Tulpen kan vermahlen,
der Gärten frühe Zier. Sie streicht so artlich an
den schönen Rittersporn, als wol kein Mahler kan.
Auf liebe Nägelein, auf gönstige Narcissen,
auf schönen Hiacynth ist sie schon ietzt beflissen.
Der Veilgen süße Gunst, der Anemonen Pracht
macht, daß die kluge Frau oft' in sich selbsten lacht
und denkt: ist das nicht Lust? Des Himmels Angesichte
ist blau und wolkenfrei, die Luft ist hell' und lichte.
Kein Nebel zeucht sich auf, kein Regen und kein Wind
bei dieser Stetigkeit itzt zu befahren sind.
O wunderschöne Zeit! Ja freilich ist sie schöne;
Cupido weiß es wol, zeucht schon an seine Fröne,
schreibt ihm zu eigen zu die ganze Frühlingszeit,
läuft, wie er pfleget stets, in seinen alten Streit,
in den Streit, da er ihm kan untertänig machen,
was ihm will widrig sein, in den Streit, da er Lachen
anstatt des Schießens braucht. Der Kugeln darf er nicht.
Man hat ihm Pfeile zwar und Bogen angedicht't,
jedoch nur angedicht't. Er selbst ist ein Gedichte
und blinde Fantasei. Die gläubliche Geschichte
von diesem Wundergott' ist der Poeten Spiel,
die minstes gläuben selbst, von dem sie melden viel.
Doch sei ihm, wie ihm sei! Er mag ein Gott verbleiben,
ich will das gute Kind nicht aus dem Himmel treiben.
Lieb' ist ein großes Ding. Diß wil mir nur nicht ein,
daß er ein kleiner Knab' und blind darzu soll sein:
ist er ein schwaches Kind, wie, daß er denn kan zwingen
den stärksten Ritter, Mars, ihn zu der Mutter bringen
und zusehn, wie Vulcan ein groß Paar Hörner kriegt,
der doch sein Vater war? Diß heißt ja obgesiegt.
Und ist der Knabe blind? Er muß mir ja vor zielen,
im Fall' er wolle denn nur mit den Pfeilen spielen
und einen Fehlschuß tun. Er spannet in der Welt
und scheust, daß Jupiter auch selbst vom Himmel fällt.
Es sei! Ich kan ihn doch nicht groß und schend machen.
Ein Gott muß er wol sein, weil auch in denen Sachen,
die unbeseelet sind, er übet seine Kraft.
Die Steine lieben sich und halten Schwägerschaft,
der Forst besaamet...




